Sektionsfahrt Schmidt-Zabierow-Hütte in den Loferer Steinbergen


Untertitel: 
04.07.2015 - 11.07.2015

Loferer Steinberge

Ziel unserer diesjährigen Sektionstour waren die Loferer Steinberge, eine relativ kleine, isoliert stehende Gebirgsgruppe in den Ostalpen, die ringsum steil in die Täler abfällt. Breithorn (2.413m), Mitterhorn (2.504m), die Reifhörner und Ochsenhörner umrahmen die Wehrgrube, ein großes Plateau von zerfressenen karstigen Platten mit tiefen Dolinen durchzogen. Die Reifhörner teilen sie in die Große und Kleine Wehrgrube. In nordöstlicher Richtung gibt die Große Wehrgrube den Blick auf den Talort Lofer frei. Hier thront auf dem Falzköpfl (1.966m) die Schmidt-Zabierow-Hütte, die als das Schmuckkästchen der Loferer Steinberge beschrieben wird und ihrem Namen alle Ehre macht.

1. Aufstieg

2. Die Schmidt-Zabierow-Hütte

3. Gratüberschreitung Reifhörner

 Fortsetzung folgt.....

1. Aufstieg

Der Aufstieg war – wie jedes Jahr – mal wieder am heißesten Tag des Jahres und dieses Jahr meinte es die Sonne besonders gut mit uns. Der Parkplatz lieg auf ca. 850 m und von hier aus ging es ca. 1.100 Hm permanent bergan, nicht einmal wurde auch nur ein Meter an Höhe verloren, das muss ich mal als großen Vorteil verbuchen. Aber auch die Wegstrecke war abwechslungsreich und ein wunderschöner Einstieg in die Welt der Steine.

Der Schatten spendende Buchenwald im ersten Abschnitt überraschte bereits nach kurzer Eingehzeit mit einem einladend erfrischenden Wassertrog am Wegrand. Eine reichhaltige Blumenwelt begleitete uns und vor Verlassen des bewaldeten Streckenabschnitts wurden wir nochmals von einer Wasserstelle überrascht, die wir bei der sengenden Hitze freudig begrüßten. Bunt blühende Wiesen werden unsere Wegbegleiter für die nächsten Höhenmeter.

     

Die Hütte ist bereits in Sichtweite gerückt, doch bevor das Gelände steiniger wird, genießen wir den Blick zurück ins Tal.

 

  

Die letzte Etappe führt uns durch steinig karstiges Gelände und gibt uns einen Vorgeschmack auf die kommende Woche.

    

 

2. Die Schmidt-Zabierow-Hütte

 

Die Schmidt-Sabierow-Hütte war für eine Woche unser Standquartier. Von hier aus konnten wir mit relativ kurzer Zustiegszeit die rundum liegenden Gipfel und Kletterrouten erreichen. Bei der Ankunft erfuhren wir als erstes, dass es keine Duschmarken – also auch keine Duschen gibt. Das macht natürlich auch weiter kein Problem – schließlich sind wir auf der Hütte und nicht im Hotel - und duschen kann man auch zu Hause. Da sich die Hütte über 2 7000l-Regenwasser-Tanks mit Wasser versorgt und es schon seit einer Weile nicht mehr geregnet hat, war das Wasser knapp und wurde rationiert. Aber am Abend nach 17.00 Uhr gab es Gelegenheit, sich zu waschen. Das regt dann schon an, mal über unsere Wasserresourcen nachzudenken und die Erfahrung zu machen, wie es ist, mit wenig Wasser auszukommen hat was. Es bildet sich eine angenehme Patina auf der Haut, die man bald gar nicht mehr missen möchte.
Die neue Komposttoilette nach dem modernsten Stand der Technik gebaut heißt nicht mehr banal „Plumpsklo“, sondern nennt sich Biotoilette, der Deckel ist nach Gebrauch zu schließen.

Die Versorgung in der Hütte war excellent! Das Hüttenpersonal und die Hüttenwirtin waren extrem freundlich, konnten alle unsere Wünsche erfüllen und haben uns gerne jede Frage beantwortet. Die Mahlzeiten waren abwechslungsreich, geschmacklich ausgezeichnet zubereitet und ausreichend. Besonders hervorzuheben sind die Salate, die wie frisch aus dem Garten erschienen und auch für die Zusammenstellung ein besonderes Lob  verdienen.
Das ist schon eine tolle Leistung, da die Hütte nur durch Hubschrauber oder Rucksacktransport versorgt werden kann.
Insgesamt: Eine Hütte zum Wohlfühlen, die in einer Bewertungsskala ganz weit oben mitspielt!

  

  

Sowohl über die Hüttenwirtin als auch über die Hütte selber gab es bereits Berichte in der DAV Panorama. Diese können hier nachgelesen werden: DAV Panorama 5/2010 Hüttenwirtinnen - Mit Leib und Seele http://www.alpenverein.de/chameleon/outbox/public/10150/por.pdf und DAV Panorama 4/2009 110 Jahre Schmidt-Zabierow-Hütte - Schmuckkästchen in der Wehrgrube http://www.alpenverein.de/chameleon/public/15658/p_hue_15658.pdf

 

Gratüberschreitung Reifhörner

Die Überschreitung der Reifhörner setzt absolut sicheres Gehen im weglosen alpinen Gelände voraus, verlangt seilfreies Klettern bis zum 2. Schwierigkeitsgrad, Kletterstellen bis zum 4. Schwierigkeitsgrad und wartet mit 4 Abseilstellen auf. Eine aussichtsreiche alpine Route mit 4 Gipfeln (Eiskogl 2.350m auch Kleines Reifhorn genannt, Kreuzreifhorn 2.466m, Großes Reifhorn 2.487m und Westl. Reifhorn 2.448m) und insgesamt ca. 1.200 Hm.

Topo:

http://www.bergsteigen.com/sites/default/files/topos/2192_Topo_c90f8fb9-b264-4c1d-919f-ba550e789497_reifhorn_ueberschreitung_topo.pdf

Sonntag Morgen – ein Blick aus dem Fenster: Das Wetter passt!! Da fällt die Entscheidung für eine erste Tour nicht schwer: Die Reifhorn-Überschreitung.

 

  

Der Einstieg ins „Abenteuer“ ist von der Hütte aus schnell erreicht:

Da wir zu sechst sind, nutzen wir die drei Einstiegsvarianten, die alle im Schwierigkeitsbereich zwischen 3- und 4 liegen und können die ersten Seillängen gemeinsam bewältigen.

  

Ohne Probleme erreichen wir die erste Felsabstufung und folgen dem Grat bis zur sogenannten „Nas’n“. Gehgelände und leichte Klettereien wechseln sich ab.

Ein Steinmandl zeigt uns an, dass hier der „Normalweg“ kreuzt. Wir erklimmen die Nas‘n über eine Kletterpassage im 4-er-Bereich.

Von hier aus erreichen wir im abwechslungsreichen Gehgelände mit einigen Klettereinlagen im ungesicherten 2-er-Bereich den Fuß des Eiskogel. Die Kletterpassage im 3er-Bereich auf das Gipfelplateau ist über Bohrhaken abgesichert.

Wir genießen die Aussicht über die Wehrgrube und den noch vor uns liegenden Weg über den Grat Richtung Kreuzreifhorn und Großes Reifhorn. Da wollen wir noch hin!

 

Und wie kommen wir wieder runter vom Eiskogel? Abseilen über eine ca. 10 m hohe glatte Platte. Wie im Topo beschrieben finden wir schnell denTorstahlbügel, sehen unter uns die beiden großen Felsblöcke und wissen, dass wir hier richtig sind.

Hier soll es eine zweite Abseilstelle auf einen „Klemmblock“ geben, die wir jedoch vergeblich suchen. Wir wollen ein Stück abklettern, aber momentan herrscht Hochbetrieb auf der terrassenähnlichen Plattform. Zwei Kletterer kommen aus der Wehrgrube hoch und folgen vermutlich dem „Terrassensparziergang“, eine Kletterei auf den Eiskogel im 3er- und 4er-Bereich. Eine andere „Seilschaft“ kommt aus Richtung Kreuzreifhorn und folgt dem Grat Richtung Eiskogel. Um Steinschlag zu vermeiden, warten wir, bis der Berg „frei“ ist. Hubert inspiziert noch den Weg nach unten als Theo hinter den beiden Felsblöcken auf der Terrasse unten in der Scharte den Klemmblock entdeckt – so groß hatte sich keiner diesen Block vorgestellt -  und kurz darauf sehen wir den Torstahlbügel. Die nächsten 15 m werden abgeseilt.

Ungefähr eine halbe Stunde dauert es noch bis zum Kreuzreifhorn-Gipfelkreuz, das wir über Schotterpiste und nach schöner leichter Kletterei freudig begrüßen. Die einen verschaffen sich mit Topo einen Überblick über das „was war“ und das „was kommt“, die anderen begutachten schon mal die anstehende Strecke in der Natur. Schließlich wird erst mal geschmaust, um dann gestärkt das Große Reifhorn anzugreifen.

Juchhu! Der Abstieg vom Kreuzreifhorn ins Weinschartl ist markiert, aber hätte es überhaupt eine andere Möglichkeit gegeben? Wir klettern ab, um gleich darauf wieder den Weg zu verlassen und über kurze Steilstufen-Einlagen erreichen wir das Große Reifhorn. Das haben wir irgendwie überrannt – vielleicht war das unspektakulär? Jedenfalls gibt es davon kein Foto.

Der vierte und letzte Gipfel wird anvisiert: Das Westliche Reifhorn. Über Geh- und Klettergelände erreichen wir eine letzte Abseilstelle, die uns in 2 x 15 m in eine Scharte führt, aus der wir dann in abgesicherter Kletterei unseren letzten Gipfel erobern wollen. An der Abseilstelle kommt es zu einem unschönen Zwischenfall: In dem stark schottrigen Gelände löst sich ein Felsbrocken, rutscht ab und reißt noch einiges an Geröll mit sich in die Scharte. Eine Klettergruppe, die sich kurz zuvor abgeseilt hat, gerät in goße Gefahr. Nachdem das Geröll zum Stillstand gekommen ist, herrscht Stille. Bedrückende Stille. Dann kommt die Meldung, dass keiner verletzt wurde und ein tiefes Aufatmen ist spürbar. Wir warten an der Abseilstelle, bis die Gruppe aus der Scharte am Fuß des Westlichen Reifhorn aufgestiegen ist. Dann seilen wir uns zunächst 15 m bis zu einer kleinen Felshöhle ab, in der die ersten sich sichern, während die anderen nachkommen. Nun sind es noch einmal 15 m bis in die Scharte.

Letzter Anstieg: Um das Westliche Reifhorn zu erobern klettern wir noch einmal 3 Sl im 3er- bis 4er Bereich. Kurz vor Erreichen des Gipfels kriechen wir auf einer Felsstufe durch ein Felsenfenster, um auf der anderen Seite des Felsblocks den Gipfelanstieg zu nehmen.

Rudi und Theo schreiben schon ins Gipfelbuch, während Karl und Jürgen die letzte Kletterei noch bewältigen müssen.

Am Gipfel bleibt uns ein letzter Blick zurück den Grat entlang. Tatsächlich entdecken wir winzig klein in anscheinend unendlicher Weite zwei Personen ........da waren wir eben auch noch?!!

Jetzt heißt es allerdings: „Blick nach vorn“, denn der Abstieg ist auch keine Wiesenwegwanderung, sondern Kletterstellen wechseln mit unwegsamen Gelände, kleinere Schneefelder sind zu queren, seilgesicherte Passagen zu durchsteigen. Über die Westflanke des Westlichen Reifhorns gelangen wir zum Wehrgrubenjoch und ab hier geht es über den AV Steig 613 zur Schmidt-Zabierow-Hütte.

 

No Altitude
Trackstatistik: 
0.00Km

Standort

Standort:
Schmidt-Zabierow-Hütte Lofer
Österreich
47° 34' 58.368" N, 12° 41' 29.598" E