Hochtourenwoche im Nationalpark Hohe Tauern


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13.07.2013 - 20.07.2013

Freitag früh um 4.00 Uhr meldet sich der Wecker. Ich wache sofort auf und weiß: jetzt geht’s los. Thorsten und ich treffen uns um 5.00 Uhr in Duisburg. Bis zum vereinbarten Treffpunkt, dem Matreier Tauernhaus, sind wir aufgrund von Staus und Sperrung des Felbertauerntunnels insgesamt 14 Stunden unterwegs. Wir treffen unseren „Fachübungsleiter“ Rudi und zwei weitere Teilnehmer der Tour, Klaus und Norbert, pünktlich zum Abendessen im Matreier Tauernhaus. Das erste Zusammentreffen ist lustig und sehr nett und auch die erste gemeinsame Nacht mit Hüttenflair verläuft harmonisch.

Nach dem Frühstück am Sonntag, bei dem wir verabreden, dass wir unsere schweren Rucksäcke nicht selbst auf 2.121 m hoch tragen, sondern gegen eine geringe Gebühr mit dem Venedigertaxi hinaufschicken wollen, steigen wir gemeinsam mit Corinna, die inzwischen eingetroffen ist, mit leichtem Gepäck zwei Stunden zur Johannishütte auf. Dort angekommen können wir sofort unser Lager beziehen – einen 15qm kleinen, holzgetäfelten Raum mit Stockbetten (oben und unten schlafen jeweils drei Personen nebeneinander). Nach einer kurzen Pause, in der wir uns häuslich einrichten und die Schlafplatzfrage untereinander klären, geht es auch schon los zu unserer ersten Bergtour. Ziel ist der Türml-Klettersteig, vom Türmljoch auf das Türml, ein relativ kurzer Klettersteig der C-Klasse. Beim Abstieg auf der anderen Seite überqueren wir ein größeres Schneefeld und sehen die ersten Edelweiße. Der Rückweg ist gefühlt irgendwie länger als der Hinweg. Am Abend bin ich geschafft und hungrig. Das Abendessen ist eine schöne Überraschung: ein leckeres 4-Gänge-Menü mit Vorsuppe, Salat, Hauptspeise und Dessert.

In der ersten Hüttennacht schlafe ich nicht so gut – muss mich wohl erst an die Schlafsituation und die Höhe gewöhnen. Wir frühstücken um 7.00 Uhr. Das Frühstücksbüffet ist gut und reichhaltig. Pünktlich um 8.00 Uhr stehen wir abmarschbereit vor der Hütte. Rudi will uns auf unseren ersten 3000er dieser Tourenwoche führen, die Zopatspitze in 3.198 m Höhe. Das letzte Stück am Gipfel ist steil, voller Geröll und es ist mühsam, zum Gipfel zu gelangen. Aber dann ist es geschafft und ich bin glücklich, oben zu stehen und die schöne Aussicht genießen zu können. Nach einer kurzen Rast tragen wir uns ins Gipfelbuch ein und machen uns auf den Rückweg, auf dem wir die ersten Murmeltiere aus nächster Nähe zu sehen bekommen. Am Abend gibt es wieder leckeres Essen und für die, die nicht satt geworden sind, sogar noch einen Nachschlag.

Unsere zweite Tour führt zum Großen Happ, der mit 3.350 m sogar noch höher ist, als die Zopatspitze. Wir starten um 7.30 Uhr bei schönstem Sonnenwetter und schwitzen ganz schön, bis wir endlich, nach Überquerung mehrerer Schneefelder, auf dem Gipfel stehen. Für die Anstrengung werden wir mit einer Aussicht belohnt, die bis weit nach Italien reicht. Corinna, Norbert und Klaus fachsimpeln lange über die Namen der Berge, die wir in weiter Ferne sehen können. Abends informieren wir uns dann über das Wetter der nächsten Tage und Rudi entscheidet daraufhin, dass wir unsere Tour zum Großvenediger um einen Tag vorziehen.

So steigen wir also am nächsten Tag nach dem Frühstück zum 2963 m hoch gelegenen Defreggerhaus auf, der Hütte, die als Ausgangspunkt für den Aufstieg zum Venediger gedacht ist. Das Wetter ist wieder super schön und wir lassen uns Zeit beim Aufstieg, genießen die duftenden Blumenwiesen, und machen sogar eine längere Rast auf einem schönen grasigen Plateau. Das Defreggerhaus ist nicht so komfortabel wie die Johannishütte und es gibt in dem kalten Waschraum nur eiskaltes Wasser zum Waschen. Rudi möchte mit uns noch eine Übung zur Spaltenbergung machen und wir steigen nach einer kurzen Pause noch ein wenig weiter hoch auf das Schneefeld. Wieder scheint die Sonne heiß und wir kommen beim Anseilen und Herausziehen unseres Kameraden aus einer imaginären Gletscherspalte ganz schön ans schwitzen.

Donnerstag früh ist es dann soweit. Wir stehen um 5.00 Uhr auf und nach einem kurzen Frühstück geht es los Richtung Großvenediger. Ich habe nicht gut geschlafen – bin wohl doch ein wenig aufgeregt und froh, dass es jetzt endlich losgeht. Um 6.30 Uhr ist es noch kalt und ich brauche Handschuhe beim Aufstieg. Auf dem Gletscher binden wir uns ins Seil ein und steigen langsam als Seilschaft immer höher zum Gipfelsturm auf den Venediger. Bis zum Rainertörl sind wir die einzigen auf dem großen Gletscher. Die Sonne ist wieder dabei und die Wolken liegen unter uns im Tal – ein schöner Anblick. Kurz vor 10.00 Uhr haben wir es fast geschafft – nur noch eine kleine, aber feine Hürde liegt vor uns: ein etwa 5m langes, schmales und vereistes Stück Weg trennt uns noch vom Gipfelkreuz. Rudi geht unerschrocken und als erster hinüber. Da ich die zweite am Seil bin und beim Anblick des schmalen Grates kurz inne halte, rufe ich im zu, dass er langsamer gehen soll. Rudi wartet daraufhin und ich fasse mir ein Herz und betrete auch den schmalen Grat, nun folgen auch die Anderen. Dann sind wir alle auf dem Gipfel des Großvenedigers, freuen uns, dass wir es geschafft haben und beglückwünschen uns gegenseitig. Auf dem Rückweg ziehe ich mir doch lieber die Steigeisen an, die wir für alle Fälle im Rucksack haben. Mit diesen geht es leichter über den schmalen Steg zurück. Nun geht es bald wieder zum Defreggerhaus, denn für den Nachmittag ist ein Gewitter angesagt. Bald schon ziehen dunkle Wolken am Horizont auf und wir beeilen uns, um zur Johannishütte abzusteigen. Wir schaffen es noch vor dem Regen und auf der Hütte angekommen, genehmige ich mir erst einmal einen leckeren Apfelstrudel und bin glücklich, dass ich es auf den Venediger geschafft habe. Am Abend kommt dann das angekündigte Gewitter und ich bin froh, dass Rudi die kleine Programmänderung vorgenommen hat.

In der Nacht ist es windig und es regnet heftig, doch Freitag früh ist es wieder trocken und wir können, an unserem letzten Tag, noch der Kreuzspitze auf’s Dach steigen. Die Sonne meint es wieder gut mit uns und ich schwitze ganz schön, bis wir den Gipfel erreicht haben. Mittlerweile sind wir eine „homogene Truppe“ oder besser gesagt, ein richtig gutes Team geworden und so erreichen wir den Gipfel der Kreuzspitze in 3.164 m Höhe dann auch gemeinsam. Auf dem Rückweg zur Johannishütte wollen einige aus der Gruppe noch einen Abstecher zur „Roten Säule“, einem etwas längeren und schwierigerem Klettersteig, machen. Klaus und ich wollen nicht mit und entscheiden, dass wir eine kleine Pause und Brotzeit in der Sajathütte machen. Der Weg dahin entpuppt sich dann aber doch noch fast als kleiner Kettersteig – er geht - drahtseilversichert und auf Felsen - steil nach unten und zur Krönung müssen wir uns noch über ein steiles Schneefeld abseilen. Ich bin nicht begeistert, aber was soll ich machen, ich will ja zur Sajathütte. Also gehe ich weiter und dann haben wir es auch schon geschafft. In der Ferne sehen wir die Hütte. Hinter dem Schneefeld biegen Rudi, Thorsten, Corinna und Norbert zur Via Ferrata di Stefano, der Roten Säule, ab.

Nach einer kurzen Rast und Brotzeit in der Hütte beschließen Klaus und ich, dass wir uns schon einmal auf den Rückweg machen, denn der Weg ist weit und das erste Stück geht wieder steil nach oben durch eine Scharte. Nach weiteren 2,5 Stunden erreichen wir endlich die Johannishütte. Die Anderen folgen uns kurz darauf, so dass wir zum Abschluss der Tour noch gemeinsam ein Bier auf der sonnigen Terrasse trinken können.

Nach einem letzten gemeinsamen Frühstück packen wir unsere Rücksäcke und verabschieden uns vor der Hütte. Ein Teil der Gruppe fährt mit dem Venedigertaxi ins Tal, der andere Teil schultert Rucksack und zusätzliches Material und beendet die Tour mit einer anderthalbstündigen Wandung zum Auto. Um ca. 9.00 Uhr sind wir am Parkplatz. Dann geht es los Richtung Heimat - und vielleicht im nächsten Jahr zu neuen Abenteuern!

 

Beate R.

No Altitude
Trackstatistik: 
0.00Km