Neuer Tourenbericht: Rund ums Taschachhaus


Hochtouren rund ums Taschachhaus in den Ötztaler Alpen 2020 und 2021

12.07.2020 - 16.07.2020

Im Krefelder Bergfreund 3 aus 2019 war die jährlich, von Hubert Asemann angebotene Tour, noch mit „Hochtour von der Südtiroler Seite in die Stubaier Alpen“ ausgeschrieben. Ab März 2020 war jedoch ungewiss, ob und wo überhaupt eine Hochtour stattfinden würde.

Die südtiroler Hütten (Teplitzer Hütte 2586 m und das Becherhaus 3195 m) nahmen aufgrund der in Italien geltenden Corona-Auflagen keine Gruppen auf.

Ende Mai kam dann die Zusage vom Taschachhaus, jedoch mit verkürzter Zeit.

Das im Pitztal auf 2434 m gelegene Taschachhaus wurde von den Teilnehmern, entweder über den Fuldaer Höhenweg von der Riffelseehütte aus oder von Mittelberg durchs Taschachtal, erreicht.

Am Montag, 13.7.2020, wurde als „Eingehtour“ eisfrei der Pitztaler Urkund (3197 m) bestiegen. Bis zur Senke auf 2854m zwischen dem Urkundskopf (2902 m) und Pitztaler Urkund ging es im Gehgelände bergauf, danach gab es Blockkletterei bis zum Gipfel. Es ist ein toller Aussichtberg mit Blick auf die Petersen Spitze (3484 m) und die Wildspitze (3770 m) im Osten.

Am folgenden Tag stiegen wir am Sexegertenbach entlang bis zu einer Höhe von 2700 m auf, um dann auf die andere Bachseite Richtung Sexegerten Ferner zu wechseln. Die Klettersteigausrüstung griffbereit im Rucksack, erreichten wir den Steilaufschwung des Sexegertenferners. Da dieser Aufschwung in den letzten Jahren immer weiter ausgearpert ist, hat man dort den Tobias Jungk Klettersteig (C) angelegt, um, je nach den aktuellen Verhältnissen, eine Felsstufe von 150 Höhenmetern gesichert überwinden zu können. Die Verhältnisse am 14.7 2020 waren jedoch so gut, dass wir angeseilt über die lange Gletscherzunge bis zum Gipfel der Nördlichen Sexegertenspitze (3350 m) aufstiegen. Nach ausgiebiger Gipfelrast kamen wir im Abstieg gut voran und nutzten die gewonnene Zeit zur Übung alpiner Rettungsmaßnahmen auf dem Gletscher (Mannschaftzug, Flaschenzug etc.).

Der folgende Tag sollte uns auf einen der Gipfel des Kaunergrats führen: Die Eiskastenspitze auf 3373 m.

Wir überschritten den Sexegertenbach und folgten nach Norden dem Fuldaer Höhenweg, den wir bei der Weggabelung auf 2550 m verließen. Kurz auf dem „Neuen Offenbacher Höhenweg“ und ab einer Höhe von 2750 m ging es weglos Richtung „Mittlerer Eiskastenferner“. Noch war Sicht, denn der Hüttenwirt des Taschachhauses Christoph Eder hatte den Übergang zum oberen Eisfeld als mit losen Steinen (Steinschlaggefahr) befüllte Couloir beschrieben. 

Oberhalb von 3000 m auf dem Eiskastenferner folgten wir einer deutlichen Spur im Schnee, welche in eine mit Steinen und Schnee befüllte Rinne führte. 

Aufgrund der Steinschlagwarnung stieg Hubert alleine vor. Wir standen gut, vor herunterfallenden Steinen geschützt, hinter einem Felssporn. Diese von Hubert durchstiegene Rinne führte jedoch nicht zur Eiskastenspitze. Wir kehrten um und gingen in Richtung Taschachhaus. 

Beim Abstieg wurden wir bereits von der aus Westen aufziehenden Schlechtwetterfront erwischt, welche uns dann am folgenden Tag zum Abbruch der Tour veranlasste.

 

11.7.2021 – 17.7.2021

Nach Anreise und Aufstieg in zwei Gruppen über die unterschiedlichen Aufstiegsmöglichkeiten waren wir am 11.7.2021 am Taschachhaus angekommen.

Vom Vorjahr waren noch genügend nicht bestiegene Gipfel übriggeblieben, um eine komplette Tourenwoche füllen zu können. (Falls das Wetter mitspielt!) 

Als Erstes wurde die im Vorjahr nicht erreichte Eiskastenspitze auf 3373 m angegangen. 

Diesmal fanden wir, dank Huberts Hilfe, auch das beschriebene Couloir am rechten Rand des Ferners, welches uns auf das obere Firnbecken führte. Da diese Rinne mit ständig abwärts rollenden und stürzenden Steinen gefüllt war, wurden wir einzeln von Hubert gesichert. Der Gesamtaufstieg verlangsamte sich dadurch deutlich und wir betraten das obere Firnfeld erst gegen 12.00 Uhr am Mittag. Den Gipfel erreichten wir eine gute halbe Stunde später. Nach kurzer Gipfelrast mit herrlichen Ausblicken über den Taschachferner bis hin zur Wildspitze machten wir uns wieder auf Rückweg zur Hütte.

Am folgenden Tag zog eine Schlechtwetterfront rein, welches ein Besteigen von Gipfeln (auf Sicht) im weglosen Gelände vereitelte. Am 13.7. umrundeten wir dann über den Sexegerten Ferner, den Urkundsattel (3060 m) und den Taschachferner den Pitztaler Urkund. In der Nacht zum 14.7.fiel dann auch noch Schnee bis hinab zur Hütte. So gingen wir ohne Gletscherbegehung nur hinauf zum Ölgruben-Joch auf 3050 m und am folgenden Tag machten wir bei Dauerregen eine „Outdoorfunktionskleidungstestwanderung“ hinab nach Mittelberg und über die Riffelseehütte und den Fuldaer Höhenweg wieder zurück zum Taschachhaus. 

Der letzte Tourentag wurde noch als Alpiner „Übungstag“ auf dem Taschachferner verbracht.

Mein Dank, bzw. der Dank aller Teilnehmer, gilt Hubert Asemann (Fachübungsleiter Bergsteigen) für die Organisation und Durchführung der Tour und allen Tourenteilnehmern für den Spaß, den wir wieder einmal hatten.

Text und Fotos: Renate Harpeng

 

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