»Wassertürme«


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Radtour am 12. August 2012

Maria und Herbert Beyel riefen zur traditionellen Jahres-Radtour und viele kamen. Über 30 Radler fanden sich am Sonntagmorgen um 9.30 Uhr am Stadthaus, Westparkstr., ein. Die Sonne stand bereits hoch am Himmel und versprach schönes Radelwetter. Unter dem diesjährigen Motto "Wasser, Trinkwasser, Wassertürme" starteten wir am alten Wasserturm an der Gutenbergstr., einem der Krefelder Wasserspeicher (heute unter Denkmalschutz), erbaut 1876/77, Höhe 35 m und mit einer Kapazität von 1,6 Millionen Liter = 1600 m3. Er versorgte einen Teil der Krefelder Bevölkerung mit Trinkwasser. Sein direkter Nachbar, der Krefelder Schriftsteller Otto Brües, hat dazu ein Gedicht geschrieben, dessen erste Zeilen lauten:

In den stillen Wasserturm
Wurde Zeit mit eingemaueft.
Flächenbrand und Bombensturm
Hat er überdauert.
Fallen wird auch er,
Menschenwerke sind bemessen.
Einst wird auch der Turm vergessen
Und ich lebe dann nicht mehr.

Landesweit entstanden ab der 2. Hälfte des 19.Jh. allerorten Wassertürme, einhergehend mit der Entwicklung der Dampflokomotiven, die riesige Mengen an Wasser benötigten, und dem Ausbau des Eisenbahnnetzes deutschlandweit.

Die somit errichteten Wassertürme mit großen Reservoirs und Hochbehältern trugen in Verbindung mit Versorgungs- und Abwasserleitungen wesentlich dazu bei, Epidemien vozubeugen, Seuchen und Infektionen wurden zunehmend weniger. Es war eine große Errungenschaft und ein Segen für die Menschen.

Nach Herberts eindrucksvollen Erklärungen fuhren wir auf Umwegen durch's Hülser Bruch zum spitzbübisch aussehenden Hülser Wasserturm, der 1908 in Betrieb genommen wurde. Herbert Füngerlings wußte, als gebürtiger Hülser, noch einiges über Technik und Standort zu berichten. Westlich der Schlufftrasse war nämlich ein großes Grundwasseraufkommen, weshalb dort Brunnen gebaut wurden und östlich der Schlufftrasse für die Speicherung des Wassers der Turm. Auch für
die Feuenvehren war der Wasservorrat von großem Nutzen.

Von hier radelten wir über Orbroich, St. Hubert, durch das Kempener Gewerbegebiet zum Kempener Wasserturm, an der Peripherie der Stadt gelegen. Er wurde 1905 erbaut Höhe ca. 39 m, Kapazität 250 m3 und nach 1964 auf 400 m3 aufgestockt. Nachdem er noch für mehrere Jahre die Nachtversorgung übenommen hatte, ist auch er inzwischen stillgelegt. So stehen heute fast alle alten Wassertürme unter Denkmalschutz, eben auch wegen ihrer interessanten Bauweise.

Über schöne Radwege, abseits der Straßen, erreichten wir das Kloster Mülhausen, wo Sohn Thomas und Enkeltochter Frederike, unter Absprache mit den Schwestern, das Picknick vorbereitet hatten. Marias selbstgebackenes Nußbrot mit Griebenschmalz, Butter und Käse kamen, wie alljährlich, gut an. Von Schwester Hildegard vom Orden "Unserer lieben Frau", die uns herzlich begrüßte, erfuhren wir einiges über Kloster und Gymnasium. Hier werden z.Zt. ca. 1200 Schüler von 80 Lehrkräften unterrichtet. Außerdem gibt es im Haus einen Kindergarten und ein Tagungszentrum.

Es war eine erholsame Stunde im schattigen Klostergarten. Mit einem herzlichen Dankeschön schwangen wir uns wieder auf die Räder. Für eine Weile begleitete uns ein angenehmer Wind, der sich allerdings später (Richtung St. Tönis) als unangenehm erwies.

Nächste Station war das Dorf Oedt. Ein Wasserturm auf dem ehemaligen Werksgelände der Firma Girmes. Eine Stahlkonstruktion, erbaut 1928/29, 2 zylindrische Behälter übereinander, der große 800 m3 für die Werksversorgung und der kleinere 175 m3 für die Versorgung der Gemeinde, erinnert an "Jugendstil".

Die Mittagshitze hatte uns voll im Griff. Wenn Herbert gesagt hätte, nächster Halt "Schwimmbad", so hätten wir gejubelt. So aber blies er zur letzten Etappe Richtung St. Töniser Wasserturm, gebaut vor ca. 80 Jahren, 46 m hoch, Kapazität 250 m3 für damals 8000 Einwohner mit der Begründung: "Verbesserung der Wasserversorgung aus hygienischen Gründen", aber auch für den Feuerschutz. Im Turm beflndet sich seit einiger Zeit das Café "Eigenwillig". Hier ließen wir und müde und durstig fallen und labten uns an Getränken und Kuchen.

Ein herzliches Dankeschön an Maria und Herbert für den wunderschönen, interessanten Tag.

PS: Hut ab vor den Senioren des Alpenvereins. Es befand sich noch kein E-Rad in der Runde, und es wurden immerhin ca. 60 km gefahren. Alle Teilnehmer fuhren sehr rücksichtsvoll und so verlief die Tour ohne jeglichen Zwischenfall und ohne Panne.

Maria Eßer

No Altitude
Trackstatistik: 
0.00Km