Bergtourenwoche Tessiner Alpen


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08/2012

Sonntag 12. August

Unseren gemeinsamen Treffpunkt in Kempen verlassen wir Drei, das sind Ralf und Roman mit unserem Tourenleiter Markus, den flachen Niederrhein und fahren zusammen über die Autobahn an Karlsruhe, Basel, Luzern vorbei und durch den Gotthardtunnel ins Tessin zu unserem Ausgangspunkt Ossasco (1313m) ins Val Bedretto. Am Parkplatz des Hüttenaufstiegs schnüren wir nach etwa 8 Stunden Autofahrt mit einer kurzen Tank- und Rastpause um 8 Uhr morgens die Bergschuhe und starten den Hüttenaufstieg zur Capanna Cristallina, unserem ersten Etappenziel.

Der Aufstiegsweg führt zunächst angenehm steil durch den Nadelwald den Fahrweg querend hinauf zur Alpe Christallina (1800m). Ab der Alpe lichtet sich der Wald langsam und ständig am Bach entlang führt uns der Weg an vielen voll hängenden Heidelbeersträuchern vorbei weiter hinauf ins Val Torta (2150m). In diesem Hochtal schlängelt sich der Bach ruhig fließend durch die saftigen Almwiesen, ein Genussblick, der uns zu einer längeren Brotzeit nach etwa der Hälfte unserer heutigen Wegstrecke einlädt. Die Landschaft ist wunderschön und sehr abwechslungsreich, die Stimmung sowieso prächtig und die ersten blauen Flecken und Sonnenstrahlen dringen bereits durch die aufsteigenden Wolken. Richtung Südwesten ist bereits die Cristallinahütte auf dem gleichnamigen Pass zu sehen.

 

Capanna Cristallina oben auf dem Passo Cristallina

 

Capanna Cristallina

 

Gut gestärkt und ausgeruht machen wir uns nach der Rast auf den weiteren Weg. Das abwechslungsreiche Terrain mit Fels und Gras führt uns im nun leichteren Anstieg am alten Standort der Hütte vorbei bis hinauf zum Passo di Cristallina (2575m). Auf diesem steht auch der Neubau aus dem Jahr 2002, von der etwa 150m tiefer liegenden alten Hütte sind nur noch die Überreste zu sehen. Sie wurde im Winter 1999 bereits zum dritten Male von einer Lawine vollständig zerstört.

So erreichen wir nach etwa 4 ½ Stunden bei herrlichem Sonnenschein die Hütte, auf der Sonnenterrasse ist es teilweise schon fast zu heiß, es schiebt sich jedoch immer wieder mal eine größere oder kleinere Wolke als Ausgleich davor. Von hier aus sehen wir auch bereits unsere nächsten Tourenziele, zum einen der lohnenswerte Aussichtsgipfel Cristallina (2912m) und unser Hauptziel, der Basodino (3274m) mit seinem markanten  Gletscher.

 

Basodino

 

Nach einer längeren Pause auf unserem Lager oder der Terrasse erkunden wir noch etwas den morgigen Aufstiegsweg auf die Cristallina und können auch eine Gruppe Steinböcke beobachten, stellen sie sich doch an den steilen Felsen als wahre Bergsteiger dar und positionieren sich gut für unsere Fotos.

Die modern eingerichtete Hütte empfängt uns mit sehr freundlichem Personal, jede ankommende Gruppe wird auf einzelne verschieden große Zimmer aufgeteilt, so dass der Schlaf eigentlich nur von den eigenen Gruppenmitgliedern gestört werden kann. Beim hervorragenden Abendessen freunden wir uns dann mit Beate an; sie erkundet diese Gegend allein mit ihrer Kamera und möchte dann davon in ihrer Heimat in Form von Diavorträgen mit ihren Freunden, Bekannten und auch anderen Mitgliedern ihrer AV Sektion berichten, wie eindrucksvoll das Tessin ist. Unter der Voraussetzung, ihre Adressdaten unserem Vortragswart Ernst zur Verfügung zu stellen, darf Sie sich gerne unserem morgigen Tourenziel anschließen.

 

Montag 13. August

Nach einem guten, reichhaltigen Frühstück mit dem wohl größten Nutellaglas der Alpen machen wir uns bei herrlicher Morgensonne und unserem heutigen Gast auf Richtung Pizzo Cristallina (2912m). Die Namensherkunft lässt auf die häufigen Kristallfunde und Quarzvorkommen in dieser Gegend schließen, ebenso beliebt ist dieser Berg allerdings auch im Winter für Skitouren, wenn sich also die Schneekristalle über den Berg legen.

 

Morgens vor dem Aufbruch

 

Von der Hütte aus folgen wir den Richtungspfeilen hinauf in das alte Gletscherbecken am Nordfuße des Gipfels, bereits nach wenigen Minuten entdecken wir die ersten Steinböcke, welche sich auch schon mal gerne abends in der Nähe der Hütte aufhalten. In den Gletscher- und Firnresten endet dann mehr oder weniger der markierte Pfad, vereinzelte Steinmännli dienen als Orientierungshilfe im losen, brüchigen Fels. In recht steilen und zum Teil senkrechten Felspartien nähern wir uns dem Gipfelgrat, von dort ist es weniger schwierig bis zum höchsten Punkt.

Wir freuen uns über unseren ersten Aussichtsgipfel, leider sind die umliegenden Berge jedoch bereits von dicken Wolken verhüllt. Nur hier und da kann man schon mal Teile des Basodinogletschers oder andere namhafte Gipfel der Berner Alpen  erkennen.

Der Abstieg Richtung Osten ist dann weitaus besser markiert, auch der stabil gewachsene Felsrücken stellt keine großen Probleme dar. In der Nähe des Passo del Sasso Nero treffen wir auf den Wanderweg, welcher den Rundweg um die Cristallina und die verschienden Täler miteinander verbindet. Durch das Valle di Sasso Nero und über die Bocchetta del Lago Nero mit seinem darunter liegenden tiefschwarz wirkenden See gelangen wir auf die Südwestseite der Cristallina in die Region Robièi.

 

Cristallina Gipfelkreuz!

 

Mehrere Stauseen können wir von hier aus erkennen, welche durch aufwändige Art und Weise miteinander verbunden und zur Energieversorgung genutzt werden. Kurz hinter dem See treffen wir auf den Wanderweg, welcher von der Seilbahnstation Robièi hinauf zur Capanna Cristallina führt. Wir folgen den zahlreichen Tageswanderern zur Hütte und genießen dort bei warmen Sonnenstrahlen den restlichen Tag.

 

Dienstag 14. August

Nach einer guten Nacht und erneut einem guten Frühstück starten wir unseren Übergang zum Rifugio Basodino. Diese Hütte liegt nur ein paar Meter von der Seilbahnstation Robiei (1890m) entfernt. Wir wollen diese jedoch nicht auf direktem Weg ansteuern, sondern verlassen den eigentlichen Weg am Lago Sfundau (2392m) und steigen in den Talschluss hinab zum Lago Bianco (2077m). Über die asphaltierte Fahrstraße erreichen wir den Stausee Lago die Cavagnöö (2310m) und über die Staumauer führt uns der Weg weiter Richtung Pizzo dell`Arzo (etwa 2450m). Durch das Valle del Arzo und über Pianca Rossa steigen wir steil hinunter zum Lago di Robièi (1940m). Dort endet auch die überdimensionale Bahn der Kraftwerke und auch der achtstöckige Hotelbau daneben wirkt ebenso völlig deplaziert. Am späten Mittag erreichen wir bereits das Rifugio Basodino (1856m), nach dem leichten Übergang tanken wir auf der Terrasse genügend Kraft für unseren morgigen langen Tag.

 

Capanna Basodino

 

Mittwoch 15. August

Der Wecker klingelt um 4 Uhr, wollen wir doch um halb fünf frühstücken und uns recht zügig auf den Weg machen. Der Hüttenwirt lässt jedoch auf sich warten. Wir machen uns daher etwas lauter bemerkbar, kurze Zeit später bekommen wir dann unseren Kaffee und Brot.

Somit brechen wir um 5 Uhr mit unserer Stirnlampe von der Hütte auf, an der Bergstation Robièi zweigt der Normalweg auf den Basodino ab. Über den abwechslungsreichen Weg entlang des Bachs gelangt man in das grün bewachsene Hochtal Randinascia (2156m).

 

Götterdämmerung am Basodino

 

Seltener Wegweiser

 

In der Morgendämmerung geht es von dort an über Blockwerk in einer Kehre hinauf auf die breite Terrasse unterhalb der Seitenmoräne des ehemals mächtigen Gletschers. Steinmännli führen uns über den überdimensional großen ausgewaschenen Gletscherschliff und über mehrere Steinstufen bis an den Fuß des Gletschers. Hier legen wir unsere Steigeisen und Gurte an, gesichert queren wir den Gletscher nach Süden und erreichen schließlich die tiefste Stelle des felsigen Gipfelgrats. Die Kletterpartien Richtung Gipfel stellen sich jedoch als sehr zeitaufwändig dar, nach einiger Zeit entscheiden wir uns, nicht bis zum Gipfel zu steigen, zeitlich wird es einfach noch zu lange dauern und die Aussicht ist ebenfalls gleich Null.

 

 Basodino

 

Roman und Ralf auf dem Weg zum Basodino

 

Abstieg vom Gipfelgrat

Auf dem Abstieg können wir erkennen, dass es besser gewesen wäre, an einem höheren Punkt in den Felsgrat einzusteigen. Über den südöstlichen Teil des Basodinogletschers und ein kurzes 45 Grad Steilstück erreichen wir nach etwa 2 Stunden Abstieg die Kastelllücke (2719m), durch die steile Schuttrinne geht es hinunter auf die Hochterrasse des Lago Castel. Verfallene Häuser und Anlagen, Almen mit Vieh und Strommasten der Wasserkraftwerke prägen das Landschaftsbild. Nach schweißtreibenden 11 Stunden gönnen wir uns ein kühles Bad im Lago Castel und frisch gewaschen erreichen wir kurze Zeit später das Rifugio Maria Luisa (2160m), gelegen an der Staumauer des Lago Toggia. Das hervorragende Abendessen am Feiertag Maria Himmelfahrt lässt die Mühen des langen Tages schnell vergessen.

 

Donnerstag 16. August

Der letzte Tag unserer Tour beginnt mit leicht einfallendem Regen. Entlang  des Lago Toggia geht es leicht ansteigend zum Passo San Giacomo (2313m) zurück auf Schweizer Terrain.

 

Blick zurück vom Passo San Giacomo

 

Von dort aus zieht sich der Weg auf der Nordseite des Val Bedretto entlang hoch oberhalb der erkennbaren Nufenenpass-Straße  und den Orten All Acqua und Bedretto bis zum Ausgangspunkt zurück. Nach etwa 5,5 Stunden erreichen wir den Parkplatz von Ossasco. Wir erfrischen uns ein wenig am Bach und Markus fährt mit uns Beiden über den Gotthardpass nach Andermatt, wo sich unsere Wege trennen.

 

Vielen Dank an dieser Stelle an unseren FÜL Markus, der sich mit der Vorbereitung und Ausarbeitung auf die Tour den Teilnehmern seine zweite Heimat sehr informativ präsentiert und ein gutes Stück näher gebracht hat. Und lieber Markus, aller guten Dinge sind in diesem Fall Vier: den Basodino holen wir uns dann beim nächsten Mal!

 

Roman Kopp, Fotos Markus Becker

 

No Altitude
Trackstatistik: 
0.00Km

Standort

Standort:
Val Bedretto
Schweiz
46° 30' 22.8204" N, 8° 30' 41.2848" E