Klettersteige um Eisenerz


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06.09.2009 - 12.09.2009


Anspruchsvolle Klettersteige und Höhenwege rund um Eisenerz

Unter touristischen Gesichtspunkten stellt der vom Bergbau und Erzgewinnung geprägte Ort Eisenerz in der Steiermark vielleicht nicht gerade einen Anziehungspunkt dar, dennoch hat er etwas Besonderes zu bieten: 4 Sportklettersteige, die mit ihrem Schwierigkeitsgrad im D/E-Bereich als äußerst anspruchsvoll gelten. Diese Klettersteige sowie der ein oder andere Höhenweg rund um Eisenerz sollten das Ziel von Gerd, Jürgen, Ernst, Hubert als Tourleiter und mir sein, der mit Klettersteigen in diesem Schwierigkeitsgrad bisher noch keine Erfahrungen hatte.

6. September, Anreise # Wir haben eine problemlose Anfahrt und treffen nachmittags mit unserem angemieteten Kleinbus im Hotel »Eisenerzer Hof« in Eisenerz ein, der für die kommende Woche unser Quartier sein wird. Eine erste Erkundung des alten Bergbauortes, der schon bessere Zeiten erlebt hat, und seiner nahen Umgebung folgt. Ein dabei überraschend einsetzender Regenschauer, dazu ein verstauchter Fuß von Jürgen und ein miserabler Apfelstrudel in Barbara's Cafe können die Stimmung nicht trüben, und wir sind voller Erwartung auf den nächsten Tag.

7. September, Eisenerzer Klettersteig # Erstes Ziel ist der Eisenerzer Klettersteig, der uns auf den 1865 Meter hohen Pfaffenstein führt. Jürgens Knöchel hat sich über Nacht beruhigt und bei strahlendem Sonnenschein beginnt nach 15 Minuten Fußweg vom Hotel in 810 Meter Höhe der Anstieg durch einen lichten Bergwald zum Einstieg des Klettersteiges auf 1530 Meter. Dieses gibt schon mal einen Vorgeschmack auf die nächsten Tage, denn alle geplanten Klettersteige und Höhenwege sind in eine alpine Tour eingebettet. Der Klettersteig mit C/D stellt sich als guter Einstiegsklettersteig dar und nach 320 Höhenmetern stehen wir auf dem Gipfel des Pfaffenstein mit einem großartigen Panoramablick über Eisenerz. Der Abstieg erfolgt über einen teilweise gesicherten Steig und führt uns zum Ausgangspunkt zurück.

8. September, Kaiserschild-Klettersteig # Wir müssen ein Stückchen fahren und gehen von der Gemeindealm (1020 m) wieder einen steilen Waldpfad, der später in einen versicherten Steig übergeht, zum Einstieg auf 1690 Meter. Mit D/E ist der Steig deutlich anspruchsvoller als der gestrige Steig. Huberts anspornende Worte tragen zum Gelingen bei und eine Seilbrücke im oberen Teil des Klettersteiges rundet die ganze Sache ab. Nach 360 Meter Klettersteig und einem leichten Anstieg über einen Grashang haben wir bei herrlichem Sonnenschein vom 2084 Meter hohen Kaiserschild einen ebensolchen Rundblick. Ein Gipfel ist aber für heute nicht genug, daher gehen wir noch hinüber zum Hochkogel (2105 m) und von dort über einen steilen und holprigen Steig hinunter zum Parkplatz. Unten erwartet uns in der bewirtschafteten Hütte der Gemeindealm zum Ausklang dieser beeindruckenden Klettersteigtour gespritzter Apfelsaft oder ein kühles Bier.

9. September, Kaiser-Franz-Joseph-Klettersteig und Rosslochhöhlen-Klettersteig # Gleich zwei Klettersteige stehen heute bei immer noch schönen Wetter auf dem Programm. Am Ortseingang von Eisenerz liegt der Kaiser-Franz-Joseph Klettersteig, der mit 860 Höhenmetern ein ausgesprochener langer Klettersteig im Schwierigkeitsbereich D ist. Klettertechnisch ist er zwar leichter als der Kaiserschild, erfordert dafür aber aufgrund der Länge eine gute Kräfteeinteilung. Wie wichtig das ist, bekomme ich zu spüren, als ich in einem Steilaufschwung beim Umhängen die Seile des Klettersteigsets versehentlich um einen Drahtstift wickle und dann in einer etwas kraftraubenden Position erstmal wieder die Karabiner entwirren muss. Nur ein paar Gehminuten vom Endpunkt des Kaiserschild-Klettersteiges entfernt liegt in einer Höhle der Rosslochhöhlen-Klettersteig, der zwar nur 70 Höhenmeter überwindet, aber dafür mit einigen E-Stellen aufwartet. Die lassen sich erstaunlich leicht überwinden, eine C-Stelle im oberen Bereich ist da für mich eine wesentlich größere Herausforderung. Auf die Topos und deren Bewertung sollte man sich eh nicht verlassen, für ein und denselben Klettersteig hatten wir je nach Topos verschiedene Bewertungen. Es macht Sinn, immer von einem höheren Schwierigkeitsgrad auszugehen, den man sich auch zutrauen und beherrschen sollte. Mit leichter Steigung über Almwiesen und Latschenfelder gehen wir eine halbe Stunde weiter auf den Hochblasser (1771 m) und von dort wieder über einen steilen und teilweise mit Seilen versicherten Steig zurück nach Eisenerz.

10. September, Grete-Klinger-Steig # Heute ist mal kein ausgesprochener Klettersteig dran, sondern eine Kombination von Klettersteig (B mit einem kurzen Stücken C) und Kammwanderung über einen begrünten Bergrücken. Wir fahren dazu einige Kilometer nach Vordernberg (800 m) und steigen dann über das Babarkreuz auf den Grete-Klinger-Steig mit dem Fahnenköpfl (1648 m) und dem Vorder-berger- (1971 m) und Grüblzinken (1990 m) zum Rottörl-Sattel (1850 m). Angesichts der Länge der Tour entscheiden wir uns, nicht wir ursprünglich geplant noch auf den Reichenstein (2166 m) mit seiner gleichnamigen Hütte zu steigen, sondern den Weg ins Tal nach Präbichel (1220 m) zu wählen. Um unseren Wagen zu holen, hätten wir mit dem Bus zurück nach Vordernberg fahren können, aber Ernst organisierte ruck zuck in einem Gasthaus eine Mitfahrgelegenheit - bei einem Weinhändler. Es kam wie es kommen musste: Ernst kam und kam nicht wieder. Seine Ausrede, als er dann doch mit stundenlanger Verspätung mit dem Wagen bei uns eintraf: Er habe dem Weinhändler noch beim Ausliefern geholfen!

11. September, Kaisergams-Klettersteig # Am Morgen regnerisches Wetter mit tiefliegenden Wolken. Wir beschließen ein Alternativprogramm und besichtigen das Erzbergwerk. Das Eisenerz wird hier im Tagebau gewonnen und der Berg mit dem Erzvorkommen ist ein einziger riesiger Steinbruch. Zusätzlich wird die Fahrt mit der Grubenbahn in ein Schaubergwerk angeboten, denn bis vor zwanzig Jahren ist auch das Eisenerz noch untertage gefördert worden. Zum frühen Nachmittag klart es auf und wir fahren den einige Kilometer entfernten Kaisergams-Klettersteig an, der ein angenehmes Ausklingen der Klettersteigwoche verspricht; überwiegend mit A und B/C bewertet, zwei Leitern wegen Überhangs mit D, außerdem recht kurz. Doch kaum gestartet, zwingt uns erneuter Regen und leichtes Donnergrollen zum Umkehren. Hubert baut noch eine Abseilübung ein und dann geht es nach dem obligatorischen Kaffee und Kuchen zurück nach Eisenerz.

12. September, Rückfahrt # Bei trübem Wetter verlassen wir Eisenerz. Eine grandiose Tourwoche liegt hinter uns mit tollen Klettersteigen, die alle sehr neu und in einem hervorragendem Zustand sind. Ob man diese Art von Extrem klettersteigen mit viel Hangelei am Drahtseil und wenig Felskontakt so mag, ist Geschmackssache; für »Anfänger« ist eine solide Vorbereitung am Duisburger Übungsklettersteig und eine wie die von Hubert geführte Tour zu empfehlen.

Ralf

No Altitude
Trackstatistik: 
0.00Km