Hüttenwanderung in den Sextener Dolomiten


Pünktlich auf die Minute um 6 Uhr fahren wir in Fischeln los. Wir, das sind Hans Eiserfey, Willi Greifzu, Stefan Michael und unser Tourenleiter Heinz Braun. Nach unerwartet stressfreier Fahrt und einer Tank-, Ess-und P..-Pause in Nesselwang erreichen wir gegen 17 Uhr unser Hotel „Zum Löwen“ in Sexten-Moos.

Am nächsten Morgen geht’s los auf unsere Hüttentour. Bei schönem Wetter durchwandern wir das weltberühmte Fischleintal, ständig die sog. Sextener Sonnenuhr mit den Bergen Elfer-, Zwölfer und Einserkofel im Blick. Am Ende des Tales beginnt der steile Anstieg auf die 2224 m hoch gelegene Zcigmondy-Comici-Hütte, die wir so zeitig erreichen, dass wir noch einen kleinen Abstecher zur Giralba-Scharte anschließen. Über der Scharte flattern tibetische Gebetsfahnen, die unsere Wünsche zum Himmel tragen. Nun kann ja nichts mehr schief gehen.

Am nächsten Morgen sind die Berggipfel zwar noch in den Wolken, aber die Sonne setzt sich schließlich durch. Wir machen uns auf, zunächst zur Büllelejoch-Hütte (ein Wort, das man üben muss). Von dort aus queren wir ein Geröllfeld um schließlich die Drei-Zinnen-Hütte mit ihrem unvergleichlichen Ausblick auf die Drei Zinnen zu erreichen. Weiter geht’s am im Ersten Weltkrieg schwer umkämpften Paternkofel entlang, vorbei an der Lavaredohütte zu unserem heutigen Tagesziel, der Auronzohütte. Dort singt gerade -sozusagen zu unserem Empfang -ein Alpini-Chor typisch italienische Berglieder. Die Hütte selber ist mehr ein Ausflugslokal mit einem riesigen Parkplatz, vielen Tagesgästen und einem Speisesaal mit dem Charme einer Bahnhofshalle. Den Abend verbringen wir mit Skatspielen und einem Liter Rotwein (für vier Mann!).

Am nächsten Tag – die Gebetsfahnen scheinen zu funktionieren, denn das Wetter ist wieder prima – steigen wir von der Auronzohütte ins malerische Rimbiancotal ab, das schon als Filmlocation gedient hat. Und steigen auf der anderen Seite auf einer alten, mittlerweile gesperrten Militärstraße auf zur Rifugio Angelo Bosi auf dem Monte Piana, unserem heutigen Tagesziel. Oberhalb der Hütte liegt auf einem Hochplateau das Freilichtmuseum des Dolomitenkrieges 1915/17. Dort lagen sich im Ersten Weltkrieg italienische und österreichische Soldaten teilweise nur wenige Meter gegenüber. Wir betrachten mit Beklommenheit die Stellungsanlagen, Schützengräben und Stollen. In der Hütte sind wir heute Abend die einzigen Gäste und beschließen den Tag mit … Skat und Rotwein.

Am Dienstag starten wir bei schönem Wetter den Touristensteig hinab nach Schluderbach. Das Wort „Touristensteig“ ist ein wenig irreführend, denn der Weg ist stellenweise sehr ausgesetzt, geht über Leitern und Holzstege und ist z.T. sogar mit Drahtseilen gesichert. Touristen sind hier sicherlich überfordert, insbesondere wenn sie Flipflops tragen, wie auf der Auronzohütte gesehen. Unten im Tal überrascht uns ein Regenschauer, allerdings genau im richtigen Moment, denn wir können uns bequem unterstellen. Nachdem der Himmel wieder aufgeklart ist, steigen wir einige Abkürzungen nehmend die Fahrstraße hoch zur Dürrensteinhütte auf der Plätzwiese. Diese Hütte ist echt ein Traum: tolle Zimmer mit Bad und Balkon, wie in einem Hotel, und rundherum das Gebimmel grasender Kühe. Tagesabschluss nach einem guten Essen: s.o.

Am Mittwoch wandern wir zunächst zwischen grasenden und bimmelnden Kühen hindurch über die Plätzwiese Richtung Rossalm, wo wir Pause machen. Ein Unikum von Wirt bringt uns leckere Käseplatten. Weiter geht’s, leider zwei Mal von starkem Regen und Gewitter unterbrochen, aber schließlich erreichen wir leidlich trocken die Seekofelhütte. Tagesabschluss wie gehabt.

Am Donnerstag erklimmen wir wie geplant den Seekofel, 2831 m, um uns am Gipfelkreuz in das Gipfelbuch einzutragen. Leider hat es sich inzwischen bewölkt, sodass wir zwar keine Aussicht, dafür aber die himmlische Ruhe genießen können. Nachdem wir wieder abgestiegen sind, wandern wir locker weiter und erreichen nach ca. 1 Stunde unser heutiges Tagesziel, die Senneshütte. Da es noch sehr früh und unser Tatendrang noch nicht gestillt ist, machen wir noch eine Schleife zur Fodara-Hütte. Zurückgekehrt zur Senneshütte genießen wir das hervorragende Abendessen und gestalten den Abend wie gehabt. Zwischendurch beobachten wir, wie Kühe in den Stall getrieben werden, wie ein Pferd sich mit einem Mülleimer amüsiert und wie sich bei einem starken Regenguss ein kompletter kräftiger Regenbogen zeigt.

Der Freitag, es ist der dreizehnte, ist so, wie er sein muss: es gießt aus Kübeln. Heinz ändert die Route und wählt die ungefährlichere aber auch langweiligere zurück über die Seekofelhütte. Wir warten etwa eine Stunde, ob der Regen vielleicht nachlässt, schließlich jedoch brechen wir um 9 Uhr auf, denn wir müssen runter in’s Tal, damit Stefan in Bozen rechtzeitig seinen Zug erreicht. Im strömenden Regen gehen wir stramm durch und erreichen nach gut 3 Stunden Abstieg den eigentlich wunderschönen Pragser Wildsee, der bei dem trüben Wetter aber leider nur halb so schön ist. An der Bushaltestelle gelingt uns eine Punktlandung, denn just in dem Moment, in dem wir den Fahrplan studieren, kommt unser Bus, der uns zunächst nach Toblach und dann zurück nach Moos bringt. Heinz‘ Auto steht noch unversehrt da. Nach einer kurzen Umziehpause brechen wir auf, setzen Stefan in Bozen am Bahnhof ab und fahren weiter nach Tiers, um uns dort mit den Mitwanderern der zweiten Woche zu treffen.

Fazit: Eine wunderschöne Wochentour mit netten Menschen, tollen Aussichten und Eindrücken und auch kulinarischen Genüssen. Danke an Heinz für seine umsichtige und abwechslungsreiche Tourenleitung und seine Geschichten aus aller Welt.

Für die Statistiker:Gesamtstrecke 82,9 km – Höhenmeter hoch 5212 m – Höhenmeter runter 5003 m – Gehzeit incl. Pausen ca. 45 Stunden

Berichtet von: S. Michael
 

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Trackstatistik: 
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