Betrachtungen während der Wanderung im Wettersteingebirge
Weit schweift mein Blick von der Meiler Hütte hinaus über die grau- blauen Gipfel der umliegenden Berge: Zugspitze, Hochblassen und Alpspitze. Majestätisch, groß und mächtig stehen sie da. Der Trubel des alltäglichen Lebens liegt
2366 m unter mir. Ein Gefühl des Friedens und der Beständigkeit erfüllt mich.
Schutzsuchend schmiegt sich die Meiler Hütte am Felsen, denn in der Scharte weht oft ein
rauer Wind. Seit 1911 ist hier der Wanderer und der, dem die Natur am Herzen liegt, willkommen. Inmitten dieser steinernen, kargen Felslandschaft wirkt sie wie eine Oase in der Wüste.
Das Herz des Hauses ist der ganz in Holz getäfelte Gastraum, rundherum ist wie in allen urigen Wirtsräumen eine Holzbank, die bis zum Kachelofen reicht. Dunkel ist das Holz geworden im Laufe der Jahrzehnte und wirkt vielleicht deshalb so behaglich. Eine Öffnung in der Tür zur Küche dient als Ausgabe der Speisen, einladend hängt eine Gitarre an der Wand. Wie viele muntere Hüttenabende haben hier schon stattgefunden!
Noch ist es früh, nur wenige Wanderer sitzen essend, Karten spielend oder lesend an den Tischen.
Strom und fließendes Wasser, das für uns eine Selbstverständlichkeit ist, wird hier mit neuen Techniken gewonnen. Am Fels oberhalb der Meiler Hütte entdecke ich zwei Windräder für die Stromerzeugung. Das Wasser kommt vom Dach und wird in einer Zisterne aufgefangen. Dementsprechend ist der "Komfort" im Badehäuschen auf ein Minimum beschränkt. Es gibt nur einen Wasserhahn mit eiskaltem Wasser, zum Waschen stehen Plastikschüsseln bereit. In den etwas über 90 Jahren hat sich der Gang zur Toilette, das man hier Abort nennt, nicht grundlegend geändert. Es sind immer noch die alten
Plumpsklos, allerdings in Edelstahl und sehr sauber. "Bringt Euren Müll selber runter!" lautet die Bitte der Hüttenwirtin, Plastiktüten hängen überall griffbereit herum. Ausgesprochen schön sind die liebevoll eingerichteten Zimmer. Es sind kleine Einheiten mit nur 2 und 3 Betten.
Jede Hütte ist eine eigene kleine Welt für sich mit ihrem eigenen Rhythmus, einigen Vorzügen und auch Nachteilen, aber eines haben sie alle gleich, sie bieten dem Wanderer Schutz in einer Welt die weit entfernt liegt von der Zivilisation. Ohne Hütten wäre eine Wanderung wie diese nicht möglich.
Hinter uns liegen drei wundervolle, abwechslungsreiche Tage: Von Ehrwald ging es zur Coburger Hütte die einen herrlichen Blick auf gleich zwei Seen hatte, weiter zur Gaistalalm, wo man uns mit frisch gebackenem Kuchen verwöhnte. Klein und gemütlich war die Wettersteinhütte. Günther verabschiedete sich dort vom Hüttenwirt mit den Worten: Noch eine gute Zeit in Ihrem Paradies.
Der Weg zur Meiler Hütte hat uns reichlich Schweizperlen gekostet. Das beständig sonnige heiße Wetter der ersten Tage war in Gewitter umgeschlagen, somit hatte Heinz Braun, der Wanderleiter zur Eile gedrängt.
Morgen erwartet uns ein langer Marsch, hinunter zum Schachenhaus, zum Bernadeinsteig bis hinauf zur Alpspitzbahn. Von dort aus geht es bergab zur Höllentalanger Hütte, wo wir übernachten werden. Der Höhepunkt dieser Tour: Wettersteinrunde mit Mieminger Gebirge wird die Besteigung der Zugspitze (höchster Berg Deutschlands
2962 m) sein.
Eine abwechslungsreiche Wanderung, die mit ca. 8300 Höhenmetern durch schattige Wälder und karge Steinwüsten führte, wird uns lange in Erinnerung bleiben.
Teilnehmer der Rundwanderung:
Doris L. mit den lustig blickenden Augen, Spezialistin für Verletzungen jeder Art, sie hatte Salben und Pflaster im Rucksack. Sie rettete manchen Zeh vor der Transplantation.
Silvia H. hörte man schon von weitem lachen. Abends im Bett holte sie ihr Witzbüchlein heraus und las im Scheine der Taschenlampe Witze vor, bis uns die Bäuche vor Lachen weh taten.
Anita W. die Frau mit der praktischen Hand. Sie reparierte im Handumdrehen Rucksäcke,
dass alle nur staunten. Obwohl sie die Kleinste war, hatte sie den größten Rucksack der Truppe, von hinten sah man keinen Kopf, nur die Beine. Anita, der laufende Rucksack.
Ria B., angetraut mit dem Wanderleiter, hat eine Schwäche für Witze und lacht selber am meisten darüber. Pflegt bei jeder Wanderung ihre mit Blasen geschmückten Füße. Leitspruch: Höre nicht auf zu Laufen, bis das Blut aus den Schuhen kommt.
Günther Sch. ist mit kölschem Humor gesegnet. Erfreut selbst beim Bergaufgehen noch die Truppe mit seinem Gedankengut. Ein ausgezeichneter Gitarrenspieler, der spielt bis die Fingerspitzen glühen.
Jürgen K. unser Neuling hatte seine Doppelkopfkarten im Gepäck. Zur Freude anderer
Spielbegeisterter war er immer für ein Kartenspiel zu haben. Es war, als gehöre er schon immer zu Gruppe.
Erich H. ist bergerfahren, durchtrainiert und zäh wie Leder, ein alter Hase im Gebirge. Zwei seiner Leidenschaften konnte er bei dieser Wanderung frönen. Seine Augen funkelten wenn er auch nur von weitem ein Kartenspiel sah. Zocken und Wandern was will man mehr.
Peter d. i. B. aus Berlin erzählte die witzigsten Sachen in seinem Dialekt, abends sang er mit spanischem Akzent seine Lieder. Da blieb keine Auge trocken. Es war seine 2. Tour mit uns, er hatte sich um Klassen gesteigert.
Siggi K., der gebürtige Österreicher hatte immer ein Lächeln auf den Lippen. Er lief immer an vorderster Front mit dem Wanderleiter und stand ihm mit Rat und Tat zur Seite. Nichts kann ihn erschüttern er ist auch ein alter Hase im Gebirge.
Heinz B. aus dem Hunsrück nicht zu verwechseln mit dem Schinder Hannes, war der Wanderleiter dieser Gruppe und hatte diese abwechslungsreiche Tour zusammengestellt.
August 2003
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