Walliser Hochtourenwoche
| Die Hochtourenwoche im Wallis führte 18 Flachländer aus dem Rheinland auf eine Auswahl von 4000er Gipfeln des Wallis. Zu unserer bunt zusammengewürfelten Gruppe gehörten 15 Teilnehmer und drei Tourenleiter (Günter Beinlich, Johannes Seidel und Rudi
Rohn). Also wurden die Teilnehmer auf drei Seilschaften verteilt. Treffpunkt war das Hotel "Bergfreund" in Herbriggen im Mattertal. Herbriggen liegt auf dem Weg nach Zermatt kurz vor Randa (Aufstieg zum Dom), wo vor rund 10 Jahren ein riesiger Bergsturz für Schlagzeilen sorgte. Gegen Abend trudelten die Teilnehmer aus den verschiedensten Richtungen ein. Nach dem Abendessen stellte Günter noch einmal einige wichtige Grundsätze für unsere Bergtouren klar. Am Sonntagmorgen wurde mit großer Erwartung und mit bangem Blick auf die unsteten Wetterverhältnisse die Weissmies-Überschreitung angegangen. Die Route sah wie folgt aus: Aufstieg von Saas-Amagell (1660 m) im Saas-Tal zur Amagellerhütte (2860 m), Übernachtung, am Montag über den Südostgrat, den Zwischenbergenpass (3268 m) zum Gipfel (4023 m) und hinunter über den stark vergletscherten Nordwest-Gipfelgrathang zur Seilbahnstation am Hohsaashaus (3098 m) und mit der Seilbahn bis Saas-Grund zurück in Saas-Tal. Nach dem phantastischem Frühstück wurden wir am Sonntagmorgen von zwei Bergtaxis des Hotels ins Saas-Tal gefahren. Wer das Glück hatte, in dem von Madelaine gelenkten Taxi mitfahren zu dürfen, wurden schon mal gut auf den Tag eingestimmt und von ihrer guten Laune angesteckt (sich verweigern war zwecklos). An ihren unvergleichlichen Fahrkünsten (Alpen-Schumi) und ihrem Charme hatte nicht nur Günter, der auf dem Beifahrersitz saß (Freiwillige vor!), Spass. Besonders viel Freude hatten wir auch an Madelaines Beschreibung von Castor und Pollux (Eingeweihte wissen Bescheid) und den vorgetragenen Volksfiedern (sie singt im Kirchenchor von Herbriggen). In Saas-Amagell (1660 m) angekommen stiegen wir bei schönstem Sonnenwetter die rund 1200 m über Amagelleralp (2194 m) bis zur Amagellerhütte (2860 m) auf. Erste Blasen wurden behandelt. Johannes Seidel blieb davon wie gewohnt verschont. Er hatte sich in weiser Voraussicht die kritischen Stellen an den Füßen schon zuhause in Krefeld mit Leukosilk abgeklebt. Die anderen griffen auf ihre Vorräte an Compeed Blasenpflastern zurück. Das sonnige Wetter währte nicht lange. Am Abend krochen dicke weiße Wolken die Berge hoch und es begann zu nieseln. Die Aussichten für den nächsten Tag schienen düster. Das leckere Bier und die gute Stimmung in der Gruppe halfen darüber weg. Außerdem kündigte der Wetterbericht ab Mittag des nächsten Tages Wetterbesserung an. Nach einer kurzen Nacht unter üblichen Hüttenbedingungen (schlechte Luft, wenig Platz, Schnarchen) hieß es um 3.30 Aufstehen, waschen, Klamotten anziehen, Frühstücken, Bergschuhe an, Rucksackschultern und mit Stirnlampe in die noch dunkle Bergwelt. Die Wetterverhältnisse waren nicht berauschend, aber auch nicht schlecht und schließlich sollte es im Verlauf des Tages auch besser werden. Über eine holprige, unwegsame Moräne ging es auf ein steiles Schneefeld. Hier wurde angeseilt, Steigeisen anzogen und zügig in den Seilschaften in Richtung Zwischenbergenpass weitermarschiert. Spätestens hier steigerte sich die Pulsfrequenz einiger Teilnehmer in bedenkliche Höhen. Das Wetter wurde zusehends schlechter als wir gegen 8.30 den Südostgrat erreichten. Mit Steigeisen kraxelten wir über steile, verschneite festgefrorene, manchmal aber auch tückisch lockere Felspartien hoch. |
Mittlerweile hatte es bei heftigem Wind und Temperaturen unter Null zu Schneien begonnen. Unter diesen Bedingungen war der Felsgrat für einige Teilnehmer die erste Herausforderung unserer Hochtourenwoche. Gegen Mittag standen wir wohlbehalten auf dem Gipfel einige, mich eingeschlossen, konditionell ziemlich "im Sack". Es schneite jedoch nicht mehr. Leider standen wir nun in einem dichten Nebel (der beim Abstieg blieb), so dass aus der tollen Aussicht, die man bei gutem Wetter hier hat, nichts wurde. Schlimmer war, dass die fehlende Sicht
(1 - 2 m) unseren Tourenführern das Finden der Abstiegsroute über den stark vergletscherten Nordwest-Gipfelgrathang zur Seilbahnstation Hohsaas erschwerte. Da half auch das Beraten mit zwei englischen Bergführern, die zur gleichen Zeit auf dem Gipfel waren nichts. Die tappsten nämlich ebenfalls im Dunkeln oder besser gesagt im Nebel und wollten deshalb auch nicht vorgehen. Nach einigem Überlegen und Abwägen entschied Günter, den Abstieg zu wagen. Unsere etwas unorthodoxe Abstiegsroute hatte einige ziemlich steile Eispartien, Spalten, kleinere Stürze, technische Defekte: lockere Steigeisen, mein abgebrochener Eispickel. Der schwindende Mut bei dem einen oder anderen wurden vom vorbildlichen Teamgeist unserer Seilschaften und dem tollen(!) Einsatz unserer Tourenführer gemeistert, so dass wir alle wohl behalten ankamen. Ohne diese Umsicht unserer erfahrenen Führer wäre das sicher ins Auge gegangen. |
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