Ein Greenhorn auf großer Tour
Der Montblanc-Rundweg (TMB)
Alle Profi-Wanderer unter Ihnen, die jetzt einen Fachbericht erwarten, sollten - so glaube ich - diese Seite besser überspringen, da ich als Greenhorn unter den Natur- und Wanderfreunden sicherlich die Dinge nicht immer fachmännisch (oder vielmehr »fachfrauisch«) beschreiben werde. Dies ist viehhehr ein Mutmach-Bericht für all diejenigen unter Ihnen, die noch nicht sicher sind, ob sie eine solche Tour in Angriff nehmen sollen.
Doch es sei schon einmal vorweggenommen - Es lohnt sich!!!
Also, ich denke, ich erzähle Ihnen erst einmal, wie ich zur Natur gefunden habe.
Eigentlich fing alles bereits in meiner Kindheit an. Meine Eltern verbrachten den jährlichen Sommerurlaub mit uns Kindern immer (in Worten: IMMER!!) in den Bergen. Dort unternahmen wir zwar keine Hüttentouren, aber doch zahlreiche Tageswanderungen. Und da meine Eltern stets eine Kombination aus Bergen, Seen oder Schwimmbad wählten, wurden mir die Berge auch nie verleidet.
Vor zwei Jahren hörte ich dann von Freunden, dass sie mit Wolfram Weber eine Hüttentour mit Kind und Kegel in Österreich planten. Es stand der »Zahme« und »Wilde Kaiser« auf dem Programm. Ich war sofort Feuer und Flamme, war es doch die Gelegenheit, eine geführte Tour gemeinsam mit Freunden zu unternehmen. Freudig berichtete ich meiner Familie von meinem Vorhaben. Meine Kinder verkündeten ebenfalls ihre Teilnahme. Bei meinem Mann sah das schon anders aus. Er wandert nun mal nicht gerne und schon gar nicht mit Gepäck. Froh, eine Woche ohne uns verbringen zu können, brachte er uns zum Bahnhof und wir fuhren auf unsere erste »große« Hüttentour.
Glücklicherweise vergisst man doch relativ schnell die Strapazen. die eine solche Tour so mit sich bringt und behält erfreulicherweise nur das Positive in Erinnerung.
So kam es dann auch, dass ich Anfang September 2003 auf meine zweite einwöchige Hüttentour ging. Es war der Montblanc-Rundweg. Auch dieses Mal hatte Wolfram Weber die Hüttentour organisiert. Wieder gingen Freunde von uns mit auf die Reise (insgesamt waren wir zu neunt). Und so trafen wir uns am Bahnhof von Martigny (Schweiz), um von dort mit der Zahnradbahn, dem Montblanc-Express, bis zur Gite La Boerne (Tré-le-champ) zu fahren, wo wir übernachten wollten. Diese Hütte (Frankreich) war unser Ausgangspunkt für unsere Wandertour rund um den Montblanc.
Um nun nicht alle Stationen bzw Hütten nennen zu müssen, möchte ich an dieser Stelle auf einen Reiseführer hinweisen, der diesen Montblanc-Rundweg wunderbar beschreibt. Es ist ein Taschenbuch, das alle notwendigen Details und Karten, die für die Durchführung dieser Tour erforderlich sind, enthält. Es heißt: Montblanc-Rundweg, Outdoor Handbuch, Band 87, Der Weg ist das Ziel. ISBN 3-893392-187, erschienen im Conrad Stein Verlag.
Nun zurück zu unserer Tour. Nach einem vielfach sehr steilen, steinigen Anstieg eröffnet sich bei gutem Wetter ein fantastisches Panorama: zahlreiche Gletscherregionen und bizarre Felsformationen soweit das Auge reicht. Dies ist Balsam für die Seele. Trotz der Anstrengung, die mit einer solchen Wanderung verbunden ist (man schleppt ja auch ein bisschen(!) Gepäck mit), ist dies für mich Erholung und Entspannung pur. Na gut, meine Füße haben das ein wenig anders gesehen, aber man kann ja nicht auf alles Rücksicht nehmen. Da hilft nur gutes Verbandszeug und ein prima Masseur. Beides war vorhanden und so konnte ich dann auch die Tour - ein wenig gehandikapt - fortsetzen.
Abends auf den Hütten konnte man sich dann wieder nach einer Dusche und einem leckeren Essen von den Anstrengungen des Tages in gemütlicher Atmosphäre erholen. Ein »Leckerbissen« unter den Hütten ist das Rifugio Elisabetta auf der italienischen Seite des Montblanc-Rundweges - sehr zu empfehlen! Dies war unsere letzte Hütte, in der wir übernachtet haben. Von dort sind wir dann samstags nach Courmayeur (Italien) abgestiegen, um mit dem Bus via Aosta, St. Bernhard-Tunnel wieder zurück nach Martigny, unserem Ausgangspunkt, zu gelangen.
Voll mit wunderbaren Eindrücken und Erlebnissen haben wir uns dann mit dem Pkw wieder auf die Heimreise begeben. Und ich denke, es war sicherlich nicht meine letzte Bergtour.
Vera Seinsche