Stubaier Gletscher
Mittelschwere kombinierte Touren über
die Stubaier Gletscher
oder »Wer gewinnt die Fäärheizmedallje?«
Sonntag Wir trafen uns (Alex, Jürgen, Hubert, Jochen und
Martin) auf der Neuen Regensburger Hütte in den Stubaier Alpen. Die Hütte (2286
m) erreichten wir nach einem 2,5-3 stündigen Aufstieg von Neustift-Falbeson aus.
Hier wurden wir die ganze Woche über von »Meister Eders« Hüttenpersonal herzlich
versorgt. Das angebotene Essen war reichhaltig, lecker und liebevoll zubereitet
(Tellerdekoration wie aus'm Fernsehen). Die tägliche Extraportion »FraFu« und
das allabendliche Knack-Spiel sorgte für allseits gute Stimmung und ein
ausgeglichenes Klima. Das Wetter dagegen zeigte sich eher wechselhaft - von
Schneefall über Nebel bis Sonnenschein war alles dabei. Dies sollte sich auf die
Tourengestaltung nicht unerheblich auswirken.
Montag
Nach dem Dauerregen am Sonntag sank die Schneefallgrenze über Nacht nahezu auf
Hüttenniveau. Im Schneetreiben stiegen wir auf gut markiertem Weg in Richtung
Kreuzspitze (3082m) und östliche Knotenspitze (3100m) auf. Wir nutzten das erste
genügend tiefe Schneefeld, um das richtige Setzen eines T-Ankers zu üben.
Drahtseilversicherte Passagen ermöglichten uns den Aufstieg zur Kreuzspitze. Die
Schneeverhältnisse ließen die geplante Besteigung der Knotenspitze und den
Abstieg über den Gugeliger Ferner nicht zu, so dass wir auf gleichem Wege wieder
zur Hütte abstiegen. Die ungünstige Wetterlage ließ uns die geplanten Touren am
Abend noch einmal überdenken. Der zu Rate gezogene Hüttenwirt Herr Eder
verpasste uns einen Schock: Die geplanten Touren, die sowohl auf dem Hüttenflyer
als auch auf der Homepage beschrieben sind, schätzte er als nicht machbar ein.
Gründe dafür seien der starke Rückzug der Gletscher und die große
Steinschlaggefahr aufgrund durchweg brüchigen Geländes. Unsere Stimmung konnte
auch ein spendierter Obstler an diesem Abend nicht mehr heben.
Dienstag
Trotz der Hiobsbotschaften am Vorabend unternahmen wir bei sonnigem Wetter den
Versuch, über den Hochmoosferner die östliche Seespitze (3416 m) zu besteigen.
Durch das Hochmoos, vorbei am Falbesoner See, ging es auf den ersten Gletscher
unserer Tour. Den Aufstieg zur östlichen Seespitze mussten wir wegen der
rutschigen Schneeauflage etwa 120 m unterhalb des Gipfels abbrechen. Entgegen
den Äußerungen des Hüttenwirtes erschien die Besteigung des Gipfels bei
entsprechenden Wetterverhältnissen jedoch möglich. Ein neues Highlight schufen
wir uns dann selbst, indem wir in einer Gletscherspalte auf dem Hochmoosferner
ausgiebig die Spaltenbergung übten. Pünktlich zum Abendessen waren wir wieder an
der Hütte, sehr zur Beruhigung des Hüttenwirtes.
Mittwoch
An diesem Tag versuchten wir uns an der Besteigung der Hinteren Plattenspitz
(3088 m) und der
Nördlichen Kräulspitz (3292 m) über den Knotenferner. Wir
wollten uns erneut selbst ein Bild von der Begehbarkeit der beschriebenen und
geplanten Routen machen. Lorenz legte sich mächtig ins Zeug, den restlichen
Schnee wegzuschmelzen und so manches Bleichgesicht in ein zünftiges Karminrot zu
verwandeln. Der Zustieg zum Gletscher entlang des Gletscherbachs führte zum Teil
über stark verblocktes Gelände. Am Gletscher angekommen, hieß es: Anseilen und
Steigeisen anziehen (sofern man sie eingepackt hatte). An Gletscherspalten
vorbei zog sich der Weg über den Gletscher bis kurz unterhalb der Plattenspitze
hin. Eine ausgiebige Rast auf dem Gipfel ließ uns die ausgesprochen gute
Fernsicht genießen. Auch den Übergang zur Nördlichen Kräulspitze konnten wir von
dort aus in Augenschein nehmen. Der äußerst brüchige Grat und Zeitmangel ließen
uns von der Besteigung der Kräulspitze Abstand nehmen. Statt dessen nutzten wir
den Rückweg dazu, um das Setzen von Eisschrauben und Eissanduhren, sowie den
gesicherten Abstieg am Fixseil zu üben. »Achtung Arschbombe!«: Die verbleibende
Zeit an der Hütte verbrachten wir mit ausgiebigem Baden und Waschen am
Falbesoner Bach.
Donnerstag Morgenstund' hat Gold im
Mund. Früher als sonst ging es los, denn der Wetterumschwung war schon im
Anmarsch. Bei zunehmend schlechter werdender Sicht stiegen wir über stark
verblocktes Gelände zum Gugeliger Ferner auf. Wegen der schlechten Sicht querten
wir den Gletscher weit unten, um über den Ostgrat zur Kreuzspitze zu gelangen.
Über Kletterpassagen im 2. Grad erreichten wir bald das uns schon bekannte
Gipfelkreuz der Kreuzspitze. Einsetzender Regen ließ uns den Übergang zur
Knotenspitze (ebenfalls im 2. Grad) kurz vor dem Ziel abbrechen. Regenwetter und
schlechte Sicht begleiteten uns auch beim Abstieg zur Hütte.
Freitag Das Wetter vom Vortag setzte sich nahtlos fort. Wir
beschlossen, den Tag als reinen Übungs- und Ausbildungstag unter Anleitung
unseres Bergführers Hubert zu nutzen. Die Feuerleiter der Hütte bot beste
Voraussetzungen, um Prusiken, Selbstseilrolle und das Abseilen zu üben. Daran
schlossen sich weitere Übungen zur Spaltenbergung und zum Standplatzbau am
nahegelegenen Fels an.
Resümee Trotz und wegen des stark
veränderten Tourenprogramms hatten wir eine sehr abwechslungsreiche, lehrreiche
und lustige Woche in den Stubaier Alpen. Die »Fäärheizmedallje« kann daher nur
an unseren Asemann-Hubert verliehen werden:
»Juungge, was habe wirr gemaacht?«
Jochen und Martin für den FraFu-Fanclub