Hüttentour Sarntaler Hufeisen
21. - 27. Juni 2008
Anreise Annemarie, Silvia, Erich, Manfred, Siggi und ich steigen in Krefeld in den Zug nach Bozen. In
Dormagen stieg Heribert zu. Auf dem Münchener Hauptbahnhof
entdecke ich einen Metzgereistand. Meine Mitreisenden lassen sich davon
überzeugen, dass ein Brötchen mit Leberkäs und süßem Senf gegessen
werden muss - ich brauche derer zwei.
Am Brenner wird wie zu Großvaters
Zeiten die Lok gewechselt. In Bozen empfängt uns eine große Hitze bei
hoher Luftfeuchtigkeit. Nach einigem Suchen nach dem richtigen Bus
entschließen wir uns zu einem Großraumtaxi. Es bringt uns zu unserem
ersten Aufenthalt nach Jenesien, oberhalb von Bozen. Dort treffen wir
auf Hans, Heinz und Ria, Peter und Ursula. Abends genießen wir ein 5-Gang-Menü. Mir wären zwei Gänge
weniger, dafür aber das Hirsch-Steak in doppelter Größe lieber gewesen.
Aufstieg Von »Aufstieg« kann am nächsten Tag keine Rede sein - auf
Straßen und breiten, ebenen Wegen gehen wir durch wunderschöne Wälder
und Wiesen nach Langfenn. Dort steht am Jakobsweg, der hier entlang des
E5 führt, eine Kirche, deren Ursprung ins Jahr 1087 reicht. Ich bekomme
nicht nur wegen der Kühle, sondern auch wegen der Gefühle eine
Gänsehaut. Das erste Highlight erreichen wir gegen Mittag, als wir in
2.008 m. Höhe bei den Stoanernen Mandln ankommen. Nach 8 Stunden
erreichen wir die Meraner Hütte. Einer aus unserer Gruppe lässt sich zu
der Bemerkung hinreißen: »Das war ja überhaupt nicht anstrengend, ich
könnte noch auf einen Gipfel gehen.« Wir können ihn jedoch davon
überzeugen, seinen Körper langsam an die Höhe zu gewöhnen.
Abends
spielen wir zum ersten Mal Karten, in zwei Gruppen. Uns aus der
Phase-10 Runde kommt es so vor, als ob die andern nicht Doppelkopf
spielen, sondern Doppelkopf diskutieren. Nach Beendigung ihres Spiels
wird jeder Zug ausgiebig nachgehalten und rekapituliert.
Höhenprobleme und Suchaktion
Der erste wirkliche Anstieg erwartet uns am zweiten Tag der Tour. Von
der Meraner Hütte in 1.960 m. über die Obere Scharte in 2.696 m. Bei
dem Teilnehmer mit Gipfelambitionen macht sich die Höhe bemerkbar, die
Anstrengung verursacht bei ihm Nasenbluten. Als kameradschaftliche
Wanderer übernehmen wir die schweren Teile seines Gepäcks, wie lederne
Hüttenschuhe, Jacke, Kulturbeutel, etc., und er wird mit Wasser und
Müsliriegeln versorgt. Seine Erholungspause nutzen Annemarie, Heinz,
Peter, Siggi, Silvia und ich, um ohne Rucksäcke auf den Gipfel des
Hirzer zu steigen. Die Anderen sind mittlerweile weitergegangen und an
der Oberen Scharte treffen wir wieder zusammen. Nach einem Abstieg von
798 m. erreichen wir die Hirzer Hütte. Dort stärkt sich jeder auf seine
Weise mit Radler, Skiwasser, Kaffee mit Kaiserschmarrn oder warmem
Apfelstrudel. Danach wird geduscht und Wäsche gewaschen.
An der Wäscheleine befindet sich ein Kuhfladen, in den jeder mit Blick
nach oben auf die Leine, hereintritt. Einen unserer Gruppe erwischt es
besonders schlimm, im Gefecht des Waschens und Aufhängens verliert er
einen sehr persönlichen Wertgegenstand. Damit beginnt ein großes
Suchen, an dem sich alle beteiligen. Der Rucksack wird umgekrempelt,
der Fußboden des Bettenlagers mit Taschenlampen ausgeleuchtet, der
Waschraum durchsucht. Der Unglücksrabe konzentriert sich zunächst auf
den Kuhfladen - ohne Ergebnis. Immer wieder sucht er alles ab, mehrmals
im Gebiet der Wäscheleine. Plötzlich kommt das Abendessen dazwischen,
weil es so warm ist, bleiben wir auf der Terrasse. Unser Pechvogel hat
keine Ruhe, mit dem letzten Bissen im Mund wird nochmals alles
abgesucht, mit Erfolg! Im Gras an der Wäscheleine findet er seinen
Schatz wieder - was uns Enzian und Obstler beschert. Der Abend wird
noch sehr schön, der Sohn der Hüttenbetreiber spielt auf dem Akkordeon
und wir singen aus mitgebrachten Liederbüchern. Zum Frühstück werden
wir von der Hüttenwirtin mit selbstgemachtem Brot, Butter, Milch und
Marmelade verwöhnt.
Langer Abstieg Am folgenden Tag
geht es über teilweise verseilte Steige über den Pfandlerspitz in
Richtung Alplerspitz. Der Weg dorthin soll über einen Grat mit einer
Schneewechte gehen, deshalb rät uns der Hüttenwirt davon ab. Er nennt
uns eine »wilde« Abstiegsmöglichkeit über ein Geröllfeld, was wir auch
problemlos bewältigen. Da kein gekennzeichneter Weg vorhanden ist,
verfehlen wir die Richtung und steigen statt über die Alpler Alm über
die Grünangeralm ins Grünangertal ab. In Abersückl besuchen wir eine
Kirche, dort ist es herrlich kühl. Nach kurzer Rast geht es weiter bis
zur Talstraße, wir sind jetzt 1.423 m. abgestiegen. Alle sind ziemlich
fertig, die Füße brennen und Blasen machen sich bemerkbar. Wir
beschließen deshalb, die letzten 4 km mit dem Bus bis zu Unterkunft zu
fahren. Die Entscheidung wird dadurch erleichtert, dass wir im
Gänsemarsch entlang der Straße hätten gehen müssen. In der Pension
Murrenhof erleben wir unser erstes Abendgewitter.
Penser Weißhorn Die Herberge
des darauffolgenden Tages ist die Alpenrose am Penser Joch. Um nicht
wieder entlang der Straße laufen zu müssen, nehmen wir ein Großraumtaxi
dorthin. Nach ausführlicher Belegung der Quartiere sammeln wir uns zur
nächsten Gipfelbesteigung. Bis zum Gerölljoch sind viele Schneefelder
zu überqueren, was auch alle problemlos bewältigen.
Im Verlauf des Weges treffen wir auf Schafe, diese setzen
sich an die Spitze der Wandergruppe. Nach kurzer Zeit kann man die
Menschen nur noch an deren Aussehen erkennen, die Laute sind
mittlerweile gleich. Über verseilte Steigungen erreichen Annemarie,
Heinz, Heribert, Peter, Siggi, Silvia und ich die Spitze des Penser
Weißhorns.
Gipfel mit Rucksack Nach einem
etwas enttäuschenden Frühstück mit alten, italienischen Brötchen,
Marmelade und Wurst aus kleinen Dosen wandern wir weiter. An einer
Kreuzung beschließen Annemarie, Heinz und ich über den Gipfel des
Tagwaldhorns zu gehen. Es geht über Schotter, glatte Felsen und ein
Schneefeld sehr steil hinauf. Das schöne Wetter und die Aussicht
belohnen uns jedoch für den anstrengenden Aufstieg mit den Rucksäcken.
Männerhütte Die Nacht
verbringen wir in der Flaggenschartenhütte. Hier gibt es keine Wirtin,
was sich an der Atmosphäre der Hütte bemerkbar macht. Sie ist vor
wenigen Jahren im Innern erneuert worden, aber eine Dusche sucht man
vergeblich. Der Waschraum ist mit einem halb durchsichtigen Vorhang zum
Treppenhaus abgeteilt. Dies erleichtert ein unabsichtliches Betreten,
wenn sich das andere Geschlecht gerade bei der Körperpflege befindet.
Als Vorspeise gibt es Linsensuppe mit Gemüse, nach Einsatz von genügend
Maggi, Salz, etc. schmeckte auch diese. Wir übernachten in sehr engen
4-Bett-Zimmerlagern mit breiten Betten. Höhenweg und Doppelgipfel Nach
einem etwas kargen Marmeladenfrühstück wandern wir über Höhenwege, die
uns die Unterschiede der Berglandschaft erleben lassen. Geröll, felsige
Mondlandschaft, Wiesenwege, Krüppelkiefern, blühende Alpenrosen, alles
ist dabei. Nach einer ausgiebigen Pause an einer
Wegkreuzung erreichen wir nach nur etwas mehr als 6 Stunden das
Schutzhaus Latzfonserkreuz. Hier steht die höchstgelegene Kapelle der
Alpen in 2.305 m. Höhe. Es ist eine Wallfahrtskirche mit einem
schwarzen Kreuz aus dem 17. Jahrhundert. Annemarie, Erich, Hans, Heinz,
Heribert, Manfred, Silvia, Ursula und ich brechen noch zu einem Rekord
auf. Die Kassianspitze und die Samspitze, beide über 2.500 m. hoch,
werden innerhalb von etwa 2 Stunden bestiegen.
Abendliche Überraschungen Nach dem Abendessen geht in unserer Gruppe wieder die Laune hoch her. Wir singen aus einem Liederbuch, u. a. »Marmor Stein und Eisen bricht...«.
Zur Belohnung bekommen wir von der Wirtin grüne Zuckerwürfel, die in
Hochprozentigem getränkt sind. Beim Zerkauen ergibt sich ein
süßscharfer minziger Geschmack. Auf unsere Nachfrage was es sei,
antwortet sie: »Alpen-Viagra«. Das Rezept verrät sie aber nicht. Aus
dem Tal kommen einige Supersportier hochgerannt, sie trainieren so für
den Marathon. Erich als Marathoni ist ganz begeistert und zollt ihnen
größten Respekt, was zu langen Fachsimpeleien zwischen ihm und den
jungen Leuten führt.
Abstieg Erich feiert heute
seinen 71. Geburtstag, Silvia hat seinen Platz mit frischen Blumen und
mitgebrachten Kerzen schön geschmückt und hält eine rührende Rede. Wir
gratulieren ihm zum Geburtstag und halten ein Ständchen. Eine warme,
bindende Stimmung kommt dadurch beim folgenden Frühstück auf. Danach
geht es über Hochebenen und durch ein riesiges Sumpfgebiet mit
Krüppelkiefern. Es liegen häufig Holzplanken aus, damit man nicht
einsinkt.
Nach Überschreitung des Rittnerhorns fahren einige
Teilnehmer mit der Seilbahn ab, in Pemmern treffen wir wieder zusammen.
Von dort geht es mit dem Bus nach Bozen. Wir lassen eine tolle
Wanderwoche bei schönstem Wetter mit einem gemeinsamen Essen in einer
Pizzeria und in verschiedenen anderen Lokalen, in denen der
Alkoholgehalt in den Wanderern steigt, ausklingen.
Andreas