Es war ein »Knaller«, die Erfüllung eines Traumes, weil die Firnverhältnisse stimmten und wir auf die körperliche und geistige Verfassung der Hochtourenwoche im Wallis aufbauen konnten.
Bereits der Grat von der Tete Rousse zur Goûter-Hütte war weitgehend vereist, so dass jenes berüchtigte Couloir »ruhig« blieb. Dem Trubel auf der Goûter und dem Gipfelansturm entkamen wir rechtzeitig und erreichten noch vor Sonnenaufgang den Gipfel des Montblanc. Motivationsmotor Günter, genügend Adrenalin, das Schauspiel des Sonnenaufgangs und die atemberaubende Sicht über 360 Grad erleichterten uns die Überschreitung, bis sich dann der Mont Maudit (4465 m) in den Weg stellte. Während die schattige Südwestflanke eigentlich nur Kondition verlangte, mussten wir im Anstieg über die äußerst steile Nordostflanke schon alle Register der Geschicklichkeit ziehen; denn me-terhoher Pulverschnee reichte vom luftigen Grat bis zum Fuße in das Col.
Die Schleichwege über den Gletscherbruch und endlich die Sicht vom Gipfelgrat des Tacul auf die ersehnte Cosmiques-Hütte machten dann noch einmal Kräfte frei; denn nach zehn Stunden befand sich der Blutzuckerspiegel auf unterstem Niveau.
Am Abend dann spürten wir schon wieder die »Beinlich-Pritsche« - der Einstieg zum Cosmiques-Grat lag der Hütte genau gegenüber. Günter warnte immer wieder »uns-Krefelder-Hallen-Kletterer« vor der Überheblichkeit. Tatsächlich war dieser »Dreier« (4b) in 3700 m Höhe mit Rucksack, Steigeisen und sehr komplexen Seilmanövern kraftraubend. Die letzte Seillänge endete dann nach einem Hangelquergang unter Zuschauer- und Fotografenunterstützung auf der Aussichtsterrasse der Aiguille du Midi. - Jetzt konnte nur noch der Rochefort-Grat kommen!
| Der Vorabend auf der Turiner Hütte glich schon einer Andacht, denn jeder von uns wusste, dass es dort oben keine Helden mehr gibt. Wortlos greifen wir in aller Frühe an. Die Seilschaften Günter/Elke, Johannes/Peter und Rudi/ Axel sind nun auf sich allein gestellt, helfen kann auf dem Grat niemand mehr. Manchmal waren es »sage und schreibe« nur 30 Zentimeter, die uns vom Abgrund trennten. Irgendwo da unten lag Courmayeur. Und da oftmals ein Pickeleinsatz nicht möglich war, halfen nur grenzenloses Vertrauen auf den Seilpartner und auf den da oben. | ![]() |
Was soll ich noch weiter schreiben? - Ich habe nichts
mehr zu sagen, denn man steht recht demütig am Fuße des Dent
du Geant, wenn man den Rückweg dieses in den Himmel wachsenden Firnreliefs
geschafft hat. Nur noch dies! Was bleibt, ist eine Adresse für ein
Dankeschön: das Gipfelkreuz!
Johannes, Sommer 2000
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