Mexiko
Vulkanberge und Pyramiden
Es gibt einen Zusammenhang, denn der in den Vulkanbergen gefundene Obsidian (das zweithärteste Material)
ermöglichte die Bearbeitung von Stein, so dass Technik, Kunst und Religion im
Pyramidenbau verschmelzen konnten, etwa wie u. a. in Teotihuacan. Für uns Bergsteiger bedeuteten diese
ehemaligen Kultstätten Erholung und Relaxation zwischen den Gipfelgängen auf
die Vier- und Fünftausender auf dem mexikanischen Hochplateau.
Sicherlich waren diese Orte der versunkenen Kulturen und jene, die in christlicher Form weiterleben
(Guadelupe!), auch zusätzliche Kraftspender für unsere Kletterrouten auf die Gipfel: Ajusco
(3926 m), Nevada de Toluca (4583 m), Ixtaccikuati (5285 m) und Pico de Orizaba (5747 m).
Während auf dem Ixtaccikuati, nach Überquerung des Gletschers, noch Schwefelwasserstoff unsere Sinne
»schärfte«, verlangte die steile Eisflanke am Orizaba (700 m, 40 - 45°) enorme geistige Kraft und Konzentration. (Für den »8000er Günter« war dies nur eine
Trainingsbestätigung.) Auf dem Gipfelgrat empfing uns dann ein Höhensturm, den wir in der weiten
Hochebene als Sandsturm identifizierten.
Mexiko! Zusammenprall der Kulturen! Koloniale Vergangenheit und indianisches
Erbe verbinden sich zu einer attraktiven Mischung (der Mestizen). Ein vermeintlich
armes Land, denn die Menschen strahlen alle eine für uns Europäer
beneidenswerte Lebensfreude aus.
Bueno - was bleibt? Es sind die steinernen Monumente mit Chiffren, wie u. a. der rituelle Kalender,
aus denen man auch für uns ableiten kann, dass es nichts gibt, was nicht vorher schon in der Religion
da war. Und - man hat (und musste) die Religion »erfinden«, weil die Natur ungerecht
war (und ist).
Anmerkung: Warum findet man von Hernán Cortés, dem Inbegriff der spanischen Eroberer, so gut wie kein
Denkmal? Lediglich ein kleines verstaubtes Schild (an einem eher unbedeutenden Ort) weist aus die Gebeine
des großen Konquistadoren hin.
Johannes Seidel
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