Marmolada- und Palagruppe
1. September
Wie gewohnt treffen wir uns und erreichen in zügiger Fahrt Füssen. Danach nimmt der Verkehr über den Brenner stark zu. Wir erreichen gegen 15.00 Uhr den
»Lago di Fedaia« und machen im »Rifugio Seggiovia Marmolada« (2074 m) Quartier. Untergebracht sind wir im alten Kriegsmuseum, zwar sehr romantisch, aber kalt. Unsere Schlafsäcke werden ihren Dienst tun müssen - es ist früh schlafen angesagt!
2. September
Wir sind am Morgen ausgeruht und gut gelaunt. Ein gutes Frühstück - und wir fahren anschließend mit dem Lift zum
»Rifugio Pian dei Fiacconi». Danach beginnt der Aufstieg zur »Forcella della
Marmolada« (2896 m). Über den Vernell-Gletscher erreichen wir den steilen und durch Drahtseile gesicherten letzten Aufschwung zur Scharte. Es liegt ziemlich viel Schnee, so dass die kurze
Kletterei recht anstrengend ist. Wir nehmen die direkte Verbindung zum »Passo
Ombretta». Wegen des vielen Schnees müssen wir umkehren und zurück zum Weg 606. Abstieg und frühestmögliche Querung zum
»Passo Ombretta« und »Bivacco Marco Dal Bianco« (2730 m). Dort machen wir Rast und genießen die Aussicht. Trotz Sonne ist es kalt und zugig. Ab hier können wir bis zum Weg 610 ein steiles Schotterfeld hinuntergleiten. Wir überraschen ein Rudel
Gämsen. Am »Rifugio O. Falier« (2074 m) gönnen wir uns eine Pause und sitzen in der Sonne. Eine unglaubliche Kulisse direkt unterhalb der
Marmolada-Südwand. 900 m steile Felswand. Nach dem Rückweg sind wir abends allein auf der Hütte und haben die Lager für uns alleine.
3. September
Nach gewohnt kargem Hüttenfrühstück, aber bei strahlendem Sonnenschein machen wir uns auf dem Weg 612 durch das
»Valle Ombrettola« Richtung »Passo di Ombrettola« (2864 m). Hier oben zieht leider Nebel auf. Wir wollen auf dem Weg 612b zum
»Passo delle Grelle« (2683 m). Der Pfad ist recht schwer zu erkennen und geht überwiegend durch Neuschnee. Spuren sind nicht
vorhandenen. Am Pass treffen wir die ersten Menschen seit dem
Morgen. Wir steigen - immer noch Nebel - durch das »Prat Brut« zum »Rifugio
Fuchiade« (1982 m) ab. Eine lange Rast bringt die Kräfte wieder für den langen Weg zum
»Passo di San Pellegrino« (1918 m) und über den Pfad 658 zur »Forcella di Predazzo«
(2220 m). Weiter geht es in Richtung »Rifugio Passo di Valles« (2032 m). Der Weg ist nicht sehr erbaulich, denn es handelt sich um eine Skipiste. Als wir die Hütte erreichen, reicht es uns für diesen Tag und wir lassen uns das Abendessen und ein Bier gut schmecken - die Dusche lassen wir allerdings aus.
4. September
Es ist ein recht trüber Morgen. Auf dem Weg 751, einem Teil des Dolomitenhöhenweges
Nr. 2, geht es in Richtung »Rifugio G. Volpi al Mulàz« (2571 m). Die Sicht ist miserabel, und nur ab und zu erhaschen wir einen Blick auf die mächtigen
Palaspitzen. Der durch Drahtseile teilweise gesicherte Steig führt uns durch den Regen zur Hütte. Es ist ziemlich kalt, und wir sind froh, das uns wenigstens der Grappa einige Wärme aufkommen lässt.
5. September
Es hat geschneit und ist bewölkt. Auch das Frühstück hat uns nicht aufgeheitert, als wir uns aufmachen in Richtung
»Rosetta-Hütte». Der Weg ist tief verschneit und gestaltet sich schwierig hinauf zur
»Forcella Margherita« (2655 m). Einem Drahtseil folgend geht es recht mühsam zum
»Passo delle Farangole« (2814 m). Teilweise schlägt Lothar mit dem Pickel das Seil vom Fels los. Man erkennt keine Tritte. Ist das noch sinnvoll? Bis zum Pass steigen wir noch weiter. Neues überlegen. Umkehr. Also
steigen wir wieder ab. Kurz vor der Hütte queren wir zum »Passo Mulàz« (2619 m) und steigen auf dem Steig 710 zur
»Baita Segantini« (2174 m). Wir beratschlagen erneut und kommen zu dem Schluss, zum Auto abzusteigen. Da am
»Passo Rolle« kein Bus mehr geht, schlagen wir unser Quartier im »Albergo
Vezzana« auf. Mittlerweile scheint wieder die Sonne, aber es bleibt kalt. Wilfried macht es sich gemütlich. Karl und ich streifen ein wenig umher und steigen mit ein wenig Kletterei die
»Karlsche Diretissima« zum Gipfel des »Catelaz« (2333 m). Nach dem Abstieg lassen wir es uns in unserem Albergo
gut gehen.
6. September
Wir erreichen mit dem Bus den »Lago di Fedaia« und mit dem Auto die Ciampac-Seilbahn
in Penia. In einer Viertelstunde schaffen wir es bis zum Einstieg zur »Via Ferrata dei
Finanzieri». Dieser wunderschöne Steig führt auf den herrlichen Aussichtsberg
»Colàc« (2715 m). Die Ferrata hat solide Verankerungen mit wenigen künstlichen Tritten. Schlüsselstelle ist die etwas überhängende Wand, die jedoch mit den dort angebrachten Eisentritten gut zu meistern ist. An Tiefblicken geizt der Steig nicht. Vom Gipfel hat man einen imposanten Rundblick über das
Fassatal, das Sellamassiv und die nahe Marmolada. Der Abstieg führt über den ebenfalls teilweise versicherten Normalweg bis zur
»Forcia Neigra». Ab hier geht ein Wanderweg zur Seilbahn, mit der wir ins Tal fahren und uns im
»Rifugio E. Casteglioni« (2054 m) einquartieren. Prima Essen, gutes Bier und
Grappa. Wieder ein ereignisreicher Tag liegt hinter uns!
7. September
Frühstücksbuffet! Wilfried legt einen Ruhetag ein. Wir beiden schaffen in einer Stunde den Aufstieg zur
»Porta Vescovo« und zum nahen Einstieg der »Via Ferrata delle Trincee». Ein technisch sehr schwieriger Steig, der über den Padònkamm führt. Der dunkle Rücken
bietet Tiefblicke und herrliche Aussichten zu beiden Seiten. Unvergleichlich auch der Blick auf die
Marmolada. Die Ferrata bietet teilweise nur kleinste Tritte. Dies zeigt sich bereits direkt an der Einstiegswand. Hier trennt sich der Spreu vom Hafer. Nach einer Rast am Gipfel machen wir uns an den Abstieg. Wir treffen uns wieder mit Wilfried und fahren nach Bozen. Im Hotel
»Adria« finden wir Unterkunft und schlendern anschließend durch die Stadt. Nach einer Pizza und einem Weizenbier stürzen wir uns in den Trubel des Stadtfestes.
8. September
Wir machen uns auf die leider sehr verkehrweiche Rückfahrt. Das Wetter ist schlecht. Nur Wolken und Regen. Aber eine wiederum wunderschöne, ereignisreiche und harmonische Bergtour ging leider wieder viel zu schnell zu Ende.
Lothar Thorissen
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