Hochtour Kühtai - Sellrain
(Stubaier Alpen)
30.07.2005 - 05.08.2005
Unsere diesjährige Hüttentour begann mit der Anreise bei strahlendem Sonnenschein in Kühtai gegen 15.30 Uhr. Die Tour wird uns, Alev, Sylvia, Marianne, Peter, Erich, Heinz, Andreas, durch die Stubaier Alpen führen. Wir verweilten an dem Tag in der Dortmunder Hütte (1948 m), wo Hans und Ursula zu uns stießen.
Am nächsten Morgen begann unser Aufstieg in Richtung Finstertaler Scharte. Unser Kollege Siggi konnte bedingt durch eine Knieoperation nicht mitwandern, es kullerten Tränen.
In zwei Stunden wanderten wir die ersten 325 Höhenmeter hoch und machten am Speicher Finstertal eine Pause. Wir kamen mit einer Wandergruppe, die durch einen einheimischen Wanderführer mit gelber Kappe geführt wurde, ins Gespräch. Auch sie wollten wie wir zur Guben-Schweinfurter Hütte. Euphorisch wanderten wir los, und folgten fröhlich dem eingeschlagenen Weg. Nach einem Aufstieg von weiteren 655 Höhenmetern, kurz unterhalb des Gamskogel-Gipfels (2965 m) war der Weg zu Ende. Erst hier verriet uns der gelbmützige Wandervogel, der jetzt beim Abstieg war, dass dies nicht der Weg zur Guben-Schweinfurter Hütte sei. In Jubelschreie brachen wir nicht aus, sondern trollten uns auf den Rückweg zum Speicher Finstertal. Als wir nach Stunden, einschließlich Übersteigen der Finstertaler Scharte (2777 m), die Hütte (2028 m) erreichten, wusste jeder über seine Kondition und seinen bergsteigerischen Fähigkeiten Bescheid. Heinz
überzeugte mit seinen Fähigkeiten als Sherpa.
Am nächsten Tag wanderten wir in der Höhe über den Gubener Weg durch Wolken und erreichten nach 5 1/2 Stunden die Winnebachseehütte (2351 m). Der schöne Wasserfall auf der anderen Bergflanke zeigte sich erst am nächsten Morgen.
Der Weg zum Westfalenhaus (2276 m) war bis auf den verseilten Anstieg zum Winnebachjoch (2782 m) einfach. Kurz dahinter machten wir eine längere Rast im Sonnenschein auf einer bemoosten Wiese, die zum Einnicken verführte. Einige Oberschenkel unserer Mitwanderer waren trotz dieser leichten Etappe noch immer nicht entsäuert, sie wurden aber durch den überraschenden Empfang durch Siggi mit einem Tablett voll Obstler entschädigt. Die Freundlichkeit, der Service, das Essen und die Betten im Westfalenhaus waren unübertroffen, nach einhelliger Meinung war dies die beste Unterkunft der Wanderung.
Am Dienstagmorgen, es war klares und freundliches Wetter, sollten wir das Highlight unserer Wanderung erleben. Das Ziel, die Pforzheimer Hütte (2308 m) war keines Lobes wert. Die Unfreundlichkeit und die Essensqualität zeugten von Profitgier. Auf jeden Fall lag ein schwieriger und langer Weg vor uns. Wir gelangten nach einem herrlich steilen Anstieg von 604 m auf die Zischgenscharte (2912 m). Dort ließen Alev, Heinz, Peter, Sylvia, Erich und Andreas die Rucksäcke liegen und erklommen die nahe Schöntalspitze (3008 m). Der Abstieg über den Gletscher Zischgenferner war schwierig, da er sehr steil über Eis und Geröll führte. Halben Weges überraschte uns ein Steinschlag. Ein 50 cm großer Brocken schoss auf Andreas zu, er sprang unter einem Felsen, der Brocken ging ca. 1 m neben Heinz herunter, ein äußerst gefährlicher aber glücklicher Ablauf, den niemand verletzte. Der weitere Weg brachte Rutschgefahr mit sich, dadurch zog sich der Ein oder Andere Blessuren zu, die in den weiteren Tagen an diese schwierige Etappe erinnerten.
Der folgende Tag begann mit einem steilen Anstieg und einer Begegnung unseres ‚Stadtkindes' (Alev) mit Schafen. Sie weideten, eins kam auf unsere Truppe zu und leckte unsere schwitzigen Hände. Damit erst gar keine enge Freundschaft zwischen unserem Stadtkind und den Schafen entstehen konnte, schirmten wir Alev erfolgreich ab. Nach Aufstieg und Überquerung des Satteljochs (2725 m) im Nebel, regnete es nachmittags tüchtig. Der nasse Abstieg erfolgte über Wiesen ohne Trampelpfade, eine Heidelandschaft und ein Waldgebiet. Die glitschigen Wurzeln forderten gute Trittsicherheit, dennoch führte es dazu, dass ein Fotoapparat auf Abwege kam. Durchnässt erreichten wir den Alpengasthof Praxmar (1689 m). Durch die gute Bewirtung, die kleinen Schnäpschen und unser abendliches ‚Phase 10'-Spiel wurden wir für die Nässe entschädigt.
Nach einem gesunden Schlaf bedienten wir uns am ausgiebigen Frühstücksbuffet. Hans begleitete Ursula auf die Heimreise. Siggi und Marianne fuhren motorisiert zur nächsten Hütte. Die restliche Truppe stieg bei eisigem Wind 1143 Höhenmeter zum Roten Kogel (2832 m) auf. Am Gipfelkreuz angekommen konnten wir keinen Eintrag ins Hüttenbuch machen, da die Kälte ihre Spuren hinterlassen hatte. Mitunter war der Wind so stark, dass unsere Bergfrauen kaum aufrecht gehen konnten. In der Potsdamer Hütte (2020 m) angekommen, feierten wir unser Abschiedsfest. Der zwölfjährige Sohn der Hüttenwirtín musizierte gekonnt auf seinem Schifferklavier und bedankte sich oft für das gesammelte Trinkgeld. Es war ein schöner, fröhlicher Abend und auch vom Wein untermalt.
Durch das schlechte Wetter und die Abreise einiger Freunde planten wir schon am Freitag unseren Abstieg. Nach dem Frühstück ging es los. So manch einer hatte mit dem Abstieg Probleme, da der gestrige Abend wohl zu schön war. Unsere Hüttentour ist nun vorbei. Es war eine wunderschöne, von gemischten Landschaften und Schwierigkeitsgraden untermalte Bergwanderung.
Andreas Zelzner
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