»Kalliste« - die Schönste - nannten die Griechen das wilde Eiland im
Mittelmeer, wenn die Insel im Blütenmeer des sonnengelben Ginsters, des violetten Lavendels, der weißen Baumheide
und der rosafarbenen Zistrose getaucht war. Genau zu dieser Zeit erlebten wir Korsika; und dank der guten
Vorbereitung durch Helmut Stark und drei Wagen, die wir für die ganze Zeit gemietet
hatten, konnten wir die vielfältige Schönheit der Insel in jeder Hinsicht
kennenlernen.
| Zunächst landeten wir in Calvi. Das Wahrzeichen - die »Citadelle« - ist auf
einem vorspringenden Felssporn errichtet und beherrscht schon von weitem das Stadtbild. Wir gingen durch
enge, kopfsteingepflasterte Gassen und besichtigten Kirchen und Gebäude aus dem 13. und 15. Jahrhundert. Dann
wurde Ausschau nach einem Lokal gehalten und für das Abendessen die Karte studiert. Wir stellten bald fest, dass
nur Französisch gesprochen und geschrieben wurde. So war es oft schwierig für uns, im Restaurant das richtige
Gericht herauszufinden. Doch man lernt ja immer dazu, und schon bald wussten wir nach den ersten Tagen, ob
es nun Fisch, Kalb-, Rind- oder Lammfleisch war. Am nächsten Morgen war die Hütte Carozzu, die am GR 20 liegt (der GR 20 ist ein alpiner Trekking-Pfad, der vom Nordwesten über die Kämme des Hochgebirges zum Südosten der Insel führt), unsere Einlauftour. Schnell erkannten wir, dass wandern auf Korsika wegen der gerölligen Wege und der wilden Bäche, die man immer wieder ohne Brücken überqueren muss, ziemlich anstrengend ist; die Hütten sind meistens nicht bewirtschaftet. Nach unserer Wanderung fuhren wir über eine herrliche, wenn auch sehr enge und kurvenreiche Straße. Welche Freude: unser Hotel lag direkt am Meer, alle Zimmer mit Meeresblick - hier konnten wir fünf Nächte bleiben! Die Bucht von Porto mit den roten Felsen gilt als eine der schönsten der Insel. Von Ota aus, das wir mit dem Auto von Porto erreichten, durchwanderten wir bergauf die Spelunca-Schlucht bis nach Evisa. Am vierten Tag war die Calanche unser Ziel. Auf nur wenigen Kilometern Küste zwischen Piana und Porto sind rote Felsformationen mit Zinnen und Zacken. Ein Märchenwald aus Stein. Wir besichtigten zunächst den Ort Cargese. Demonstrativ gegenüber stehen hier eine römisch-katholische und eine griechisch-orthodoxe Kirche. Die Kirche wurde von Griechen errichtet, die auf der Flucht vor den Türken waren und in Cargese Zuflucht fanden. Die Fahrt ging weiter nach Sagone, eine alte Stadt mit früherem Bischofssitz. Bei einem Felsen, der »Hirtenhund« genannt wird, wanderten wir duch die herrliche Bergwelt der Calanche. Der fünfte Tag war wieder ein Höhepunkt unserer Reise. Wir bestiegen und erkletterten den Hausberg von Porto, den »Casu d'ortu«. Es ist wohl an keinem Tag so viel fotografiert worden, denn der rote Fels, dazu Lavendel, Rosmarin, Ginster und Zistrosen bildeten hier herrliche Farbkontraste. Am nächsten Tag war der »Col du Salto« (1391 m) unser Ziel. Am siebten Tag fuhren wir zu unserem nächsten Hotel nach Olmeto bei Propriano. In Ajaccio unterbrachen wir unsere Fahrt, um den Geburtsort von Napoleon mit dem Geburtshaus, der Taufkirche und anderen Denkmälern des großen Korsen zu besichtigen. Der südlichste Punkt Frankreichs - die Stadt Bonifacio - thront hoch über dem Meer auf einem weißen Kreidefelsen. Wir unternahmen eine Bootsfahrt durch das felsige Hafenbecken und durchforschten anschließend die engen Gassen der Oberstadt. Von der südlichsten Spitze hat man eine gute Sicht auf Sardinien. Am neunten Tag ging es in die Vergangenheit. Inmitten eines Olivenhains liegt die berühmteste prähistorische Ausgrabungsstätte Filitosa. Die 6000 Jahre alten Menhirestatuen dienten vermutlich als Grabmonumente. Weitere Ausgrabungen besichtigten wir noch im »Castellu di Cucuruzzu« bei Levi. Das nächste Ziel war die verwinkelte Altstadt von Sartene. Der krönende Abschluss des Tages war der Aufstieg auf den alten Genuesen-Turm Campromoro. Wir genossen in der Abendstimmung einen herrlichen Blick auf das offene Meer und den Golf von Valinco. Der 10. Tag brachte uns weiter ins Landesinnere nach Corte in einem sehr schönen Hotel. Unterwegs machten wir Station in Vizzavona. Wir wanderten durch ein Flusstal mit Wasserfällen und Felsenwannen, sogenannten Gumpen, die zum Baden einluden. Die größte Überraschung war aber am nächsten Morgen das Frühstücksbüfett. Wir hatten bisher ein sehr spartanisches Frühstück bekommen. Deshalb genossen wir das reichhaltige Angebot in vollen Zügen. Nicht besonders begann der 11. Tag. Es fing damit an, dass das Tal de la Restonica, das wohl schönste Wandertal von Korsika, wegen Straßenbauarbeiten gesperrt war. Doch Helmut fand rasch einen Ausweg. Wir fuhren nach Asco. Aber der Einstieg war auch nicht so einfach zu finden. Also kehrten wir um. Dabei fiel ich bei einer Bachüberschreitung ins Wasser. Doch es war ja warm, und so trocknete alles sehr schnell. Unser Ziel haben wir an diesem Tag nicht mehr erreicht. Am nächsten Tag fuhren wir an einem großen Stausee vorbei nach Calacuccia. Wir suchten den Aufstieg auf den Monte Fallo, der durch Steinmännchen gekennzeichnet sein sollte. Ganz eindeutig war der Weg nicht. So ging es durch stechende und pickende Macchia. Doch den Gipfel gab es nicht! Kurz vor der Hütte »Auberge du Vallone« (1500 m) mussten wir wieder einmal einen Bach überqueren. Dabei fiel Elisabeths Fotoapparat unauffindbar ins Wasser. Beim Abstieg fiel zum guten Schluss dann Helmut - nachdem er uns alle beim Überqueren geholfen hatte - ins Wasser. An diesem Abend wollte Roswitha ihre Wanderschuhe aus dem Fenster werfen und auch in Zukunft kein »Dornenvogel« sein. Sie brauchte auch nicht mehr zu wandern, denn am nächsten Morgen fuhren wir über eine herrliche Bergstraße zurück nach Calvi. Unterwegs besichtigten wir in Murato die alte romanische Kirche San Michele. Wir beschlossen den Tag mit einem Bummel durch Calvi. Der letzte Tag unserer Korsika-Reise war noch einmal ein Höhepunkt: Wir fuhren von Calvi aus in die Balagne, dem Garten Korsikas. In Pigna, einem idyllischen Bergdorf, feierten wir bei einem Glas Wein den Hochzeitstag von Ingrid und Dieter. Nach der Besichtigung mehrerer Orte kamen wir später nach Feliceto in die Osteria u Mulinu, einer alten Ölmühle und heute eines der originellsten Lokale Korsikas. Der Wirt begrüßte uns, als wären wir seine besten Freunde. Sofort stellte er Kannen mit Wein auf den Tisch, und dann wurde gesungen: im Wechsel der Wirt, die dort sitzenden französischen Gäste und natürlich wir. Die Stimmung war so toll, das zum Schluss noch das Tanzbein geschwungen wurde. Das war ein würdiger Abschluss für so einen herrlichen Korsika-Aufenthalt. Dir, lieber Helmut, danken wir ganz herzlich für die gute Planung und Ausführung dieser unvergesslichen Reise. |
Hildegard, Mai 2001
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