Klettersteige Sextener Dolomiten
(2009)

Samstag Anreise über Fernpass mit Frühstück in Seeg - Cappuccino in Sexten - gebührenfreies Parken im Fischleintal (Talbeginn) - Fußmarsch bis Talschlusshütte (Rifugio al Fondo Valle) 1.548 m - Übernachtung im Lager
Noch in der Nacht mache ich mich auf den Weg und sammle Markus, Karl und Wilfried ein. In schneller Fahrt erreichen wir das Allgäu und freuen uns bereits auf das bekannt gute Frühstück in der Bäckerei in Seeg. Wieder einmal grau und regnerisch. Wirklich selten haben wir die Zugspitze auf unseren Fahrten in die Dolomiten gesehen. Aber wir machen uns keine Sorgen. Die Wetterprognose für die Sextener Dolomiten ist beruhigend. Zumindest die nächsten Tage ist Sonne pur angesagt. Also sind wir trotz regnerischer Anreise bester Laune!
Mundraub?
Bereits beim besagten Frühstück verlässt uns der Ernst des Lebens und es gibt nur noch ein Ziel: Wird es wieder gelingen mehr Marmeladeoder Honigtöpfchen als erlaubt zu ergattern? Seit Jahren hören wir immer wieder, zwei Töpfchen sind erlaubt! Die verschiedensten taktischen Varianten werden erprobt. Letztlich hat
jeder mehr als die erlaubten zwei! Man könnte sie bestimmt auch käuflich erwerben, aber darum geht es nicht. Diebstahl? Sünde? Nein, nach reiflicher Überlegung komme ich zu folgender Wertung: Bonussystem nach vierzehnjähriger, teilweise mehrmals jährlicher Einkehr!
Der Weg über den Brenner bis Brixen und von dort über Toblach und Innichen bis Sexten zieht sich ganz schön. Wir genehmigen uns noch einen Cappuccino und finden dann im Fischleintal einen gebührenfreien Parkplatz. Leider fängt es jetzt auch noch zu regnen an. Sehr Lästig! Aber wir warten eine Weile und es wird trocken. Ausrüstung noch einmal überprüft; kann man nicht doch noch etwas aus dem Rucksack entbehren?
Keiner redet mit Karl
Wiederholt versucht Karl uns ein Gespräch über ein Seil aufzudrängen. Ja sicherlich, ist sehr sinnvoll es mit zu nehmen. Man weiß ja nie. Aber das jetzige Gespräch kommt zur Unzeit. Jeder ist oder tut zumindest beschäftigt. Wir vertrauen heimlich auf unseren Karl. Er ist ein Gutmensch. Siehe da, er gibt schließlich auf und packt das Seil ein. Zu diesem Zeitpunkt kann man über zusätzliches Gewicht keine wirklich erfolgversprechende Vereinbarungen treffen. Hunderte und aberhunderte Gramm extra! Zuhause mühsam eingespart und jetzt unerwartet wieder draufgepackt? Nein, da muss man sich einfach taub stellen ... Aber Karl, wir sind stolz auf dich!
Die Straße bis zur Fischleinboden-Hütte erscheint uns zu langweilig. Schaut, dort verläuft nahezu parallel ein Pfad. Eine Flussquerung über eine reißende Furt, naja sie war zumindest teilweise mehr als knöcheltief, bringt erste Erheiterung, Diese weicht als wir bemerken, dass wir auf diesem Weg unser Ziel wohl nicht erreichen. Wer wollte den Weg eigentlich gehen? Ich nicht! Markus und Karl auch nicht! Wilfried? Natürlich nicht!
Die Talschlusshütte empfängt uns mit einem hotelartigen Lager. Wir verbringen den Abend bei hervorragendem Essen und Wilfrieds mitgebrachtem Grappa. Der muss sofort getrunken werden. Nein, nicht um Gewicht zu sparen! Nein, er braucht Platz in der zweiten Sigg-Flasche. Weil er doch so viel Wasser trinken muss. Ja, ja. Aber es hat sich keiner gewehrt.
Sonntag Talschlusshütte - Weg 102 durchs Altensteintal - Drei-Zinnen-Hütte (Rifugio Tre Cime A. Locatelli) 2405 m - 850 Hm in ca. 2,5 Stunden - Gepäckentlastung - Leiternsteig (K3) auf den Toblinger Knoten (Gipfel 2617 m) mit Zwischenanstieg zum Sextenstein (2539 m) - Abstieg auf Feldkurat-Hosp-Steig (Kl-2) - Drei-Zinnen-Hütte - Übernachtung im Lager - Klettersteige 1,5 Std. - Gesamtgehzeit 4 Stunden
Eine ganze Platte mit rohem Schinken und Käse, Orangensaft, frische Semmeln, bester Bohnenkaffee, das ist doch mal eine lohnende Halbpension. Voller Tatendrang packen wir unsere Rucksäcke und beginnen unsere Tour.
Aufstieg durch das Altensteintal zur Drei-Zinnen-Hütte. Etwa 2,5 Stunden Aufstieg und 850 Höhenmeter liegen vor uns. Zunächst
liegt noch Nebel im Tat und wir steigen quasi ins Nichts. Aber man merkt bereits, es ist nur eine dünne Schicht. Da wirklich, die Sonne bahnt, sich ihren Weg. Was für ein Panorama wird da erst in Umrissen und dann in voller Pracht deutlich. Zur Linken der Einser (2691 m) und die Oberbachernspitze (2635 m), zur Rechten die alles überragende Dreischusterspitze (3145 m) mit ihren vielen Vorgipfeln. Alles untermalt vom Plätschern und Rauschen des Altensteiner Baches. Nach einer letzten Steilstufe tauchen vor uns der Toblinger Knoten (2617 m) und der Sextenstein (2539 m) auf. Die Gipfel stehen für heute Mittag über den Leiternsteig auf dem Programm. Nun werden auch die Drei-Zinnen (2999 m) mit davor liegendem Rifugio sichtbar.
Postkartenpanorama
Das Kreuz, die Drei-Zinnen-Hütte, dahinter die drei Felsbastionen der Zinnen, stahlblauer
Himmel. Mehr können die Dolomiten nicht hergeben. Natürlich ist man hier nicht alleine. Das Bild von Kreuz, Hütte und Zinnen ohne fremde Menschen ist nicht einfach zu bekommen. Aber Nerven bewahren. Ablenkungsmanöver starten und auf Wilfried vertrauen.
Am Toblinger Riedel herrscht natürlich reges Treiben. Wir rasten und schauen. Man kann sich kaum satt sehen.
Wir beziehen unsere Betten im 25er Lager und packen unsere Rucksäcke aus. Nur das wirklich Notwendige kommt mit. Schließlich soll es die einzige Tour mit leichtem Gepäck sein.
Wir liegen noch bis 13.00 Uhr in der Sonne und lassen uns treiben. Dann geht's los. Rekonstruierter Kriegssteig, viel Eisen (17 Leitern) und ein fantastischer Rundblick vom isolierten Felszacken des Toblinger Knoten. So die Beschreibung - und tatsachlich, so ist es.
Wie ein abgenagter Felsstummel ragt der Toblinger Knoten über der Drei-Zinnen-Hütte in den Himmel, ein kleiner Zacken, nur 200 Meter höher als die Umgebung. Aufgrund seiner freistehenden Lage aber ein hervorragender Aussichtspunkt.
Nach erstem Anstieg ersteigen wir noch den Sextenstein (2539 m) als separaten Gipfel. Nun geht es zum Einstieg an die Nordseite des Toblinger Knotens. Die Feuerwehrübung beginnt! Über Felsstufen zu den ersten Leitern, die durch Kamine und ausgesetzte Wandstellen auf den Gipfel führen. Hier bestätigt sich aufs Schönste, dass vergleichsweise kleine Gipfel oft eine besonders stimmungsvolle Aussicht bieten.
Der Feldkurat-Hosp-Steig erlaubt eine Überschreitung des Toblinger Knotens nordostseitig über gestufte Felsen, teilweise gesichert. An ehemaligen Kriegsstellungen vorbei geht es zurück zur Hütte.
Wir sitzen noch lange in der Sonne. Zwischendurch wird noch der Einstieg der Galeria Paterna am »Frankfurter Würstel« in Augenschein genommen. Man muss ja wissen, wo es morgen lang geht!
Die Hütte ist voll und wird sehr geschäftsmäßig geführt. Richtiges, uriges Hüttenfeeling kommt kaum auf. Aber es gibt auch keinen wirklichen Grund zum Meckern. Das abendliche Panorama vor der Hütte ist atemberaubend.
Montag Drei-Zinnen-Hütte - Galeria Paterna - Innerkofler-De Luca-Steig (K2) - Gamsscharte - Paternkofel (Gipfel 2744 m) - Gamsscharte - bis Gipfel knapp 1,5 Stunden, zurück zur Scharte 20 Min. - Sentiero delle Forcelle (Schartenweg K2) - Büllelejoch - Büllelejochhütte (Rifugio Plan di Cengia, 2528 m) ca. 2 Stunden - Kriegssteig Obernbacherjoch - Sandbüheljoch (K1-2) bis zur Zwölferscharte (2524 m) ca. 1 Stunde - Abstieg zur Zsigmondy-Comici-Hütte (2224 m) - ca. 0,5 Stunden - Gesamtgehzeit etwa 5,5 Stunden
Sonnenschein pur. Der erste Blick vor die Hütte weckt unseren Tatendrang. Galeria Paterna, De-Luca-Innerkoflersteig, Paternkofel, Schartensteig, Büllelejochhütte, Zsigmondy-Comici-Hütte. Auf alten Kriegssteigen unterwegs. Wenn wir nicht schon einige Erfahrung in den Dolomiten hätten, würde man behaupten, da rauf geht niemals ein recht leichter Klettersteig. Aber es wird sehr gut gehen.
Kaffee, nicht für alle
Doch zunächst noch eine Überraschung beim Frühstück. Zwar gibt es Wurst und Käse, dafür ist der Kaffee rationiert.
Der Einstieg befindet sich südlich der Hütte bei dem bekannten Felsturm »Frankfurter Würstel«. Durch das Tunnelsystem, das immer wieder durch ausgesprengte Felsfenster unterbrochen wird, erreicht man die Gamsscharte (ca. 2600 m). Wir lassen die Rucksäcke stehen und erreichen über zwei gesicherte Felsstufen und zuletzt über Geröll den Gipfel des Paternkofel (2746 m). Ein herrlicher Rundblick verwöhnt uns. Drei Zinnen, Tofanen, Hohe Gaisl, Heilig-Kreuz-Kofel, Fanis, Lagazuoi, Piz Boe, Schlern. Sassongher, Zwölfer, Sextener Rotwand.
Vom Gipfel auf gleichem Steig wieder zurück zur Gamsscharte. Von dort führt der Steig über den schroffen Kamm der Gamsspitzen entlang, mehrere enge Scharten überquerend bis zum Büllelejoch. Ab und wieder ansteigend helfen einige Leitern und sonstige Sicherungen über schwierigere Stellen hinweg. Das Massiv der Dreischusterspitze überschattet den Steig. Schließlich läuft der Sentiero südwärts um die Bödenknoten (2668 m) herum ins Büllelejoch.
Von dort erreichen wir in wenigen Minuten die Büllelejochhütte in 2528 m Höhe. Es ist die höchstgelegene Hütte im Sextener Gebiet. Wir machen nur eine Rast und steigen dann weiter über den recht neu angelegten Kriegssteig Obernbacherjoch Sandbüheljoch. Durch einen sehr engen Laufgraben geht es in die Stellungen des Krieges. Etwa eine Stunde vorbei an alten Schützengräben und Kriegsstollen bis zum höchsten Punkt (2584 m) des Gratkammes. Schließlich läuft der Steig am Sandbüheljoch aus. Von dort erreichen wir schnell die Zwölferscharte und dann geht es sehr steil hinunter zur bereits sichtbaren Zsigmondy-Comici-Hütte. Uns wird noch das recht seltene Vergnügen zu Teil, ein großes Stück der Scharte über loses Geröll hinunterzugleiten.
Ein kühles Blondes empfängt uns an der Hütte. Noch lange können wir auf der Hüttenterrasse bei Grappa - die Rucksäcke müssen einfach entlastet werden - und einem gemeinsamen »Tiroler Teller« verbringen.
Dienstag Zsigmondy-Comici-Hütte - Alpiniweg (Strada degli Alpini) zur Sentinellascharte (2717 m) - knapp 4 Stunden - Abstieg über Weg 101 durch das Vallon Popera - Lago di Popera - Berti-Hütte (1950 m) - Übernachtung im Lager - 1,5 Stunden - Gesamtgehzeit etwa 5,5 Stunden
Die Sonne lacht wieder vom Himmel. Wir sind jedoch froh im Schatten der mächtigen Nordwand des Zwölferkofels (3094 m) bis unterhalb der Forcella Giralba (2431 m) aufsteigen zu können. In einer guten Stunde erreichen wir den Einstieg des Alpiniweges, der Strada degli Alpini. Teilweise gesichert führt er durch die Westflanke des Elferkofels (3092 m), hoch über dem Bacherntal wieder talauswärts zur Elferscharte (2649 m).
Das Fotomotiv
Der Steig führt aus dem inneren Loch über das beeindruckende Salvezza-Band ins äußere Loch, dann unter dem markanten Elferturm (2820 m) durch die mächtige Schuttterrasse am Fuß der Elfer-Westwand und dann in leichtem Anstieg bis zur Elferscharte. Dort machen wir bei herrlichstem Wetter eine Rast und genießen die Dolomitenblicke. Bei besten Verhältnissen ist die Begehung des Alpinisteiges mit keinerlei Schwierigkeiten verbunden und gestaltet sich zu einer Panoramatour. Noch eine Stunde geht es in die steile, schattige Nordflanke des Elfers. In längerer Querung, zuletzt über gestufte Felsen ansteigend zur Sentinellascharte (2717 m).
Neue Blicke überraschen uns. Fotos an den berühmten Kriegsstellungen und dann steht der steile Abstieg durch das Vallon Popera zur Berti-Hütte (1950 m) an. Jeder erkundet den Abstieg so auf seine Weise: bei einigen Querungen und auch Gegenaufstiegen erreichen wir schließlich den kleinen Lago di Popera. Ein idyllisch gelegener ganz flacher Bergsee mit wunderschöner Fauna und Flora. Über eine lange Zeit bleiben wir dort, genießen den herrlichen Sonnenschein und entdecken immer wieder neue Fotomotive. Leider viel zu früh brechen wir auf und erreichen nach einer weiteren halben Stunde das Rifugio. Wären wir doch länger am See geblieben! Die Hütte liegt bei der Tages- und Jahreszeit bereits vollständig im Schatten. So lungern wir alle mehr oder weniger in der Gegend herum und können in aller Ausgiebigkeit den Verlauf der Ferrata Roghel bestaunen. Den schwierigste Teil unserer diesjährigen Tour. Der Steig an sich ist nicht einsehbar, lediglich der Anstieg durch das Canalone del Fulmini.
So rechtes Flair vermittelt die Hütte nicht, auch der Hüttenwirt und die Bedienung sind eher spröde. Zusätzlich nur Polenta auf der Speisenkarte, na ja. Letztlich verbringen wir bei Spiegelei, Speck und Bratkartoffeln aber dennoch einen schönen Abend.
Mittwoch Berti-Hütte - Ferrata Roghel (K4-5) - namenlose Scharte (2550 m) - Ferrata Cengia Gabriella (K3) - Rifugio Carducci (2297 m) - Übernachtung im Lager - insgesamt 7,5 Stunden Gehzeit (Auf- und Abstieg). Roghel etwa 3,5 Stunden
Die geplanten sechs Stunden Gehzeit scheinen eine Utopie zu sein, in gestrigen Gesprächen war eher von bis zu acht Stunden die Rede. Auch die Hüttenliteratur beschreibt die Steige Ferrata Aldo Roghel und Cengia Gabriella bis zum Rifugio Carducci mit siebeneinhalb Gehstunden. Nun, bange machen gilt nicht. Bei wiederum bestem Wetter brechen wir um 7.45 Uhr auf. Die etwa 400 Höhenmeter bis zum Einstieg durch das Canalone del Fulmini meistern wir bei einigem Schweiß bei gleichmäßigem Tritt ohne nennenswerte Probleme. Zwischendurch ist in einer Scharte der Steig etwas weggerutscht, aber keine wirklichen Schwierigkeiten tun sich auf.
Ferrate Aldo Roghel und Cengia Gabriella
Zwei Routen der Spitzenklasse, eine steile, teilweise sehr luftige und anspruchsvolle Kammüberschreitung und ein Bänderweg, der den Vergleich mit der legendären »Via delle Bocchette«
in der Brenta keinesfalls zu scheuen braucht. Die Roghel beginnt zunächst als gemäßigter Steig, doch allmählich steigern sich die Anforderungen. Mit fest verankerten Drahtseilen bestens gesichert werden auch senkrechte Passagen mit relativer Klettertechnik bestens bewältigt. Ansonsten hilft auch mal beherztes Zupacken und ein kräftiger Bizeps. Eine letzte luftige Querung und die enge Forcella
tra le Guglie (2565 m) ist erreicht.
Jenseits der Scharte zunächst links abwärts, dann durch die plattige Südwestwand der Prima Guglia di Stalata hinunter in eine Geröllschlucht und zum Felsfuß (2420 m) am Rand des Cadin de Stalata. Von hier geht es ohne größeren Höhenverlust westwärts hinüber zum Einstieg des Cengia Gabriella. Etwa 150 Meter tiefer steht das Bivacco Battaglione Cadore (2219 m). Nun haben wir uns eine Rast verdient. Alle sind noch bei bester Laune und Kondition. Der schwierigste Teil ist geschafft und das kommende Stück soll eher eine Bändertour sein. Ganz so wird es nicht sein. Drahtseile leiten aus einem düsteren Winkel über leichte Felsen auf das mächtige Band, das die gesamte Ostflanke des Monte Giralba di Sotto (2892 m) durchzieht. Vor uns liegt die grandiose Felskulisse des Val Stalata. Durch Blockrinnen, Kriechbänder und gestufte Felsen geht es in langem Auf und Ab bis auf eine Kanzel am Südgrat des Monte Giralba.
Das Minimumprinzip im Training
Der Schweiß fließt in Strömen, der Puls schnellt in die Höhe. Aber, bestens trainiert kein Problem. Gut, einige trainieren stetig das ganze Jahr. Wilfried reichen zwei Wochen Urlaub vor der Tour, etwa 283,5 Kilometer Rennrad und 97 Kilometer Tourenrad zur absoluten Fitness. Jeder Trainingsplan variiert halt, aber im Ernst, die Touren wurden bestens bewältigt. Bald ist das Rifugio Carducci in der Ferne zu sehen.
Vor etwa einer dreiviertel Stunde haben wir sechs Bergsteiger in der Gegenrichtung getroffen. Sie wollten noch bis zum Biwak, dann ins Tal absteigen und dann von dort wieder zum Rifugio aufsteigen. Schien uns doch etwas utopisch zu sein. Jetzt, wo wir die Weitläufigkeit komplett einsehen können, bestätigt sich unsere Vermutung. Letztlich werden sie erst nach über zwölf Stunden nach 21 Uhr bei völliger Dunkelheit in der Hütte ankommen. Doch mit zunächst noch genügend Adrenalin im Blut machen sie noch einen recht lockeren Eindruck. Zuletzt steigen wir mit guten Sicherungen über steile, gestufte Felsen bis in eine Schuttrinne. Teilweise an losen Seilen, teils durch steilste Geröllpassagen gehen wir, zum Schutz gegen
Steinschlag in enger Folge, hinab, bis die Rinne schließlich in einem Kar ausläuft. Nun bleibt noch ein etwa halbstündiger steiler Aufstieg auf dem Hüttenweg zu meistern und wir können ein erstes Bier genießen. Bis auf ein paar Regentropfen haben wir die Hütte trocken erreicht. Aber es wird deutlich, das Wetter wird schlechter. Acht Stunden waren wir auf der wunderbaren Tour unterwegs.
Die Hütte ist gerappelt voll und selbst Drei-Stock-Betten werden zugeteilt. Ohne Klettergeschirr ein wirklich luftiges Erlebnis. Habe ich bisher nur einmal erlebt, im Rifugio Carestiato im Civetta-Gebiet.
Grappa mit Früchten
Der Abend verläuft bei vom Wirt angekündigten weltmeisterlichen Knödeln - sie sind aber auch wirklich gut - und einigen Grappa mit verschiedenen Früchten sehr kurzweilig.
Donnerstag Rifugio Carducci - Weg 103 zur Forcella Giralba (2431 m) - Abstieg teilweise weglos durch das Bacherntal - Val Fiscalina Alta zur Talschlusshütte - Fischleintal - Abstieg etwa 3,5 Stunden - mit Auto nach Brixen - Übernachtung in der Jugendherberge
Die Nacht hat es geregnet und der Himmel ist Wolken verhangen. Wir planen um. Zunächst wollten wir noch über das Bivacco Toni bis zum Rifugio Lavaredo. Nein, wir gehen über die nahe Forcella Giralba Richtung Zsigmondy-Hütte. Auf dem Weg kommt uns bereits früh die Idee, in Brixen in in der Jugendherberge anzurufen und zu fragen, ob wir nicht einen Tag früher anreisen können. Was sollen wir noch bei dem angekündigten Wetter auf einer Hütte herumhängen. Bisher ist alles so perfekt gelaufen und alle Klettersteige konnten begangen werden. Gesagt, getan. Funktioniert.

Also Abstieg durch das Bacherntal. Ein kleines Abenteuer gibt Wilfrieds Tourenplan noch her. Mehr oder weniger weglos, zuletzt über ein aperes Eisfeld ins Tal. In der Talschlusshütte beschließen wir nun also unsere diesjährige Runde wieder. Ein Cappuccino und die letzte dreiviertel Stunde bis zum Auto.
In Brixen verbringen wir noch bei trockenem Wetter einen halben Tag und einen schönen Abend. Bis gegen 23 Uhr können wir noch draußen sitzend die südtiroler Gastfreundlichkeit genießen.
Freitag Es schüttet in Strömen. Gut das wir umgeplant haben. Das Frühstück in der Jugendherberge ist sehr gut. Das Quartier ist mit seiner zentralen Lage mitten in der Fußgängerzone wirklich ein Tipp. An der Rezeption bekommt man sogar noch einen Hinweis, wo man kostenfrei parken kann. Ansonsten in Brixen nämlich nicht leicht.
Auf der Brenner-Autobahn sintflutartiger Regen. Später am Tag hören wir noch in den Nachrichten, dass sowohl die Autobahn wie auch die alte Brenner Straße wegen Murenabgängen total gesperrt wurden. Gut das wir weg sind! Wahrscheinlich hätten wir bei dem Wetter noch nicht einmal von der Hütte ins Tal absteigen können?!
So bleibt eine wunderschöne, wiederum harmonische Tour in Erinnerung. Die Bergwelt von Sexten ist nicht umsonst weltberühmt, die Tourenauswahl von Wilfried erwies sich als optimal.
Karl Wehr
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