Kletterkurs im Kaisergebirge

 

 

 

Die Grundausbildung im Klettern fand im Kaisergebirge statt. Neben den Ausbildern Helmut Stark und Rudi Rohn trafen sich vier kletterfreudige Bergwanderer auf dem Stripsenjochhaus (1580 m) im Kaisergebirge.

Diese Alpenhütte mit dem grandiosen Ausblick auf Predigtstuhl (2115 m), Fleischbank (2187 m) und Totenkirchl (2193 m) wurde Ausgangspunkt für alle Aktivitäten. Die Gruppe hatte sich bereits kurz zuvor auf dem Klettersteig im Emscherpark Duisburg kennengelernt und zeichnete sich durch ein sehr harmonisches Verhalten aus.

Am ersten Tag wurde auf einem nahegelegenen Schnee- und Geröllfeld zunächst das Verhalten im Gelände vermittelt und neben der Einführung in die verschiedenen Knoten der Umgang mit Seilen und Karabinern geübt. Nach der Mittagspause ging es bei strahlend blauem Himmel an einen griffigen Felsen, an dem zunächst im ersten Grad Sicherungs- und Abseiltechniken in verschiedenen Varianten geübt wurden. Später konnten die erlernten Techniken an anderen Felsstücken im zweiten und dritten Grad vertieft werden, wobei alle Teilnehmer aufgrund der hervorragenden didaktischen Unterweisung der beiden Ausbilder mit viel Freude und Spaß dabei waren.

Am nächsten Tag sollte die erste Klettertour zum Predigtstuhl unternommen werden, aber der Morgen zeigte sich mit dichtem Nebel und kaltem Nieselregen. Daher unternahmen wir eine Wanderung hinunter ins Kaisertal zum Hinterbärenbad (830 m). Nach dem Aufwärmen in der Hütte begann der Aufstieg zurück zum Stripsenjochhaus durch den dichten Mischwald unterhalb der Totelkirchl-Nordwand.

Am späten Nachmittag wurde eine Felsnadel aufgesucht und Kletterversuche im dritten und vierten Grad unternommen, wobei das Überklettern schwieriger Stellen im Vordergrund stand. Am Abend trafen wir uns noch an der Kletterwand im Ausbildungsraum der Hütte, wo unter anderem das Klettern mit Prusik-Schlingen geübt wurde.

Am dritten Tag schien das Wetter freundlicher zu werden und wir stiegen zur Steinerne Rinne hinab. Danach ging es an einem gesicherten Steig zwischen den imposanten Felswänden von Predigtstuhl und Fleischbank über mehrere Felsstufen hinauf und über Schneefelder zum Einstieg in den Normalweg zum Predigtstuhlgipfel. Nach einer interessanten Kletterpassage in einer breiten Rinne wurde die Scharte zwischen Predigtstuhl und Hinterer Goinger Halt mit Seilsicherung erreicht.

Ein plötzlicher Wettersturz mit starkem Wind, sinkenden Temperaturen und Graupelschauern zwang uns 60 Meter unter dem Gipfel zur vorzeitigen Umkehr. Mit wehmütigen Blicken und kalten Fingern traten wir den Rückweg an. Hierzu passend fand sich im Gastraum des Stripsenjochhauses eine Wandtafel:

»Wie oft bist Du am Berg schon umgekehrt?
Es war nicht Feigheit, was der Berg Dich lehrt!
Fällt auch dem Leichtsinn noch ein Gipfel in den Schoß
doch im Verzicht zeigt sich der Meister groß!
Solang Du lebst, führst mit Dir selbst den Krieg,
sich selbst bezwingen - schönster Gipfelsieg!«


Am nächsten Morgen waren die Berggipfel mit Neuschnee bepudert. Wegen des wieder vorherrschenden Nebels und Regens trugen wir unsere Rucksäcke zur Griesener Alm (988 m) herunter und unternahmen von dort eine Wanderung zur unbewirtschafteten Fritz-Pflaum-Hütte (1866 m). Auf dem Weg brachten wir einige Holzscheite mit hinauf und freuten uns, dass bei unserer Ankunft die Hütte bewohnt und geheizt war, so dass wir unsere durchnässten Sachen trocknen konnten. Nach einer kurzen Erkundung der Hüttenumgebung erfolgte der Abstieg zurück zur Griesener Alias, wo wir den Komfort eines freundlichen Almgasthofes genossen.

Unser Dank gilt den beiden Ausbildern Helmut und Rudi für Ihren persönlichen Einsatz und ihre kameradschaftliche Vermittlung von Techniken im Fels. Auch ohne Gipfel hatten wir viel Spaß und gemeinsame Freude und einen guten Konditionsaufbau für die nächsten Touren.

Tanja, Jürgen, Gabriele und Roland


Zurück zur Tourenübersicht