Ausbildungstour »Grundkurs Fels - Wilder Kaiser«
Mittwoch, 13.06.2001
Heute soll es losgehen. Wir, das sind Dorothe, Gerd und Manfred erreichen am Nachmittag bei freundlichem Wetter die Grieseneralm. Knapp 600 Höhenmeter wollen bis zum Stripsenjochhaus überwunden werden. Als wir nach einer Stunde die letzten Meter ansteigen, winken uns Helmut, Ludwig und Rudi wohlgelaunt zu und bereiten uns mit einem Obstler einen zünftigen Empfang. Die Drei hatten in den Tagen zuvor bereits das Gebiet erkundet und berichteten, dass teilweise noch viel Schnee liegt.
Donnerstag, 14.06.2001
7 Uhr morgens: Alles ist in dichte Wolken gehüllt und es regnet unaufhörlich. Zerknirscht sitzen wir beim Frühstück und beraten, was wir angesichts der Wetterverhältnisse unternehmen können. Ans Klettern ist für heute jedenfalls nicht zu denken. Um 8.30 Uhr brechen wir zu einer Eingehtour auf. Nach 1,5 Stunden stehen wir zwar auf dem Feldberg, aber immer noch im Regen. Die Aussicht ist gleich Null. Die Freude ist daher groß, als wir eine bewirtschaftete Almhütte entdecken. Nach einigen Obstlern auf der Bank vor der Hütte geht's zurück über die Grieseneralm zum Stripsenjochhaus. In der Zwischenzeit hat der Regen aufgehört, und die Sonne kommt durch !
Freitag, 15.06.2001
Die Sonne scheint! Es ist Klettertag! Es soll auf den 2115 m hohen Predigtstuhl gehen. Doch vor die Kletterfreuden hat der liebe Gott den Anstieg gesetzt. Und dieser ist über den Eggersteig und die Geröll- und Altschneefelder in der Steinernen Rinne nicht nur recht lang, sondern auch sehr schweißtreibend. Nach zwei Stunden erreichen wir dann endlich den Einstieg in die Predigtstuhlscharte. Die ersten Höhenmeter erklettern wir seilfrei im II. Grad. Unterhalb der Scharte seilen wir uns an. Wir bilden zwei Seilschaften, jeweils von Helmut und Rudi geführt.
Gut gesichert erreichen alle die Scharte. Hier müssen wir nacheinander ein kurzes Stück abseilen. Während die Seilschaft mit Helmut, Dorothe und Manfred bereits den eigentlichen Gipfelanstieg durch die Angermann Rinne sucht, sind Gerd, Ludwig, Rudi und ich noch mit dem Abseilen beschäftigt. Tief unter uns sehen wir die Grieseneralm. Schließlich sind wir auch in der Rinne und gewinnen Meter für Meter Höhe (III. Grad). Oberhalb des Ausstiegs aus der Rinne trennt uns dann nur noch ein kurzer, dafür aber sehr luftiger Grat vom Gipfelkreuz. Die Aussicht ist grandios. Nach kurzer Gipfelrast machen wir uns auf den Rückweg. Das erste Stück wird wieder abgelassen bzw. abgeseilt. In der Predigtstuhlscharte klettern wir dann ab. Es zeigt sich, dass das Hochklettern einfacher und angenehmer ist als das Abklettern. Nach dem mühevollen Abstieg durch die Steinerne Rinne sind wir dann endlich an späten Nachmittag zurück auf der Hütte.
Samstag, 16.06.2001
Nach dem anstrengenden gestrigen Tag hatten wir uns für heute das Totenkirchl vorgenommen. Der Zugang zum Einstieg des "Heroldweges" liegt nämlich fast vor der Haustür des Stripsenjochhauses. Aber in der Nacht hat es mal wieder fürchterlich gestürmt und geregnet. Und am Morgen regnet es immer noch wie aus Eimern. Also wieder nichts mit Klettern! Uns bleibt nichts anderes übrig, als eine nass-gemütliche Rundwanderung zu unternehmen. Wir laufen über die Kaiserquelle nach Hinterbärenbad und zurück zu unserer Hütte.
Sonntag, 17.06.2001
Heute verlassen wir das Stripsenjochhaus. Es fällt uns nicht schwer, denn es regnet immer noch. Wir steigen ab zur Grieseneralm und beziehen hier Quartier. Mit dem Auto fahren wir nach Ellmau, zur Südseite des Kaisergebirges. Wir hoffen, dass die Wolken vielleicht aufreißen und wir von der Gaudeamushütte eine tolle Aussicht genießen können. Leider erfüllen sich unsere Erwartungen nicht. Zurück am Parkplatz entscheiden wir spontan, noch 600 Höhenmeter zur Gruttenhütte aufzusteigen. Gerd nimmt von dieser Tour einen Findling als Souvenir mit nach Hause. Im Gasthaus Grieseneralm feiern wir abends die trotz Regen insgesamt schöne Tourenwoche. Obwohl wir kaum Gelegenheit zum Klettern hatten, haben wir dennoch in den vier Tagen ca. 4000 Höhenmeter jeweils im Aufstieg und Abstieg bewältigt. Es hat uns allen sehr viel Spaßgemacht. Wir danken Helmut und Rudi für die ausgezeichnete Organisation und die guten Führungen.
Jörg Schneider
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