La Gomera

Wanderwochen vom 15. - 28. Mai 2004

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   Um sich die Insel La Gomera bildlich vorzustellen, bietet sich eine aufgeschnittene Apfelsine als Beispiel an.

   Vom höchsten Punkt der Insel, dem 1486 m hohen Alto de Garajonay, ziehen sich kreisfömig sogenannte Barrancos (50 Schluchten) zum Meer hin. Schroffe Felsen prägen weite Küstenteile der Insel. Sie ist vulkanischen Ursprungs und vereinigt die unterschiedlichsten Klimazonen auf engstem Raum: den regenreichen Norden, das oft nebelverhangene Hochland und den wüstenähnlich trockenen Süden. Bei einem Durchmesser der Insel von 22 - 25 km liegt alles sehr dicht beieinander. Doch dieser Eindruck täuscht. Der wilden Topografie entsprechend krümmen und hangeln sich die gut ausgebauten schmalen Straßen abenteuerlich und in einer endlosen Folge von Kurven durch die zerklüftete Bergwelt. Abenteuerlust und Freude am Wandern und Baden lassen sich hier ideal miteinander verbinden.

   15. Mai - Buenos dias, Gomere / Pünktlich starten Helmut, Elisabeth, Ludwig, Jürgen und Inge vom Flughafen Düsseldorf in Richtung Teneriffa und erreichen dort nach weiterer kurzer Busfahrt das Fährschiff zur Insel La Gomera. Nachdem wir im Hotel Valle Gran Rey - direkt am Atlantik gelegen - unsere Zimmer bezogen haben, treffen wir uns, um die kommenden Tage zu besprehen.

   16. Mai - Rundmanderung im Barranco de Andre / Nach dem Besuch der Messe vorort unternehmen wir eine reizvolle Wanderung durch das »Paradies«-Tal, einer Seitenschlucht (Bco. de Arure) des Haupttales Valle Gran Ray. Die relativ schnell erreichbare und dennoch anspruchsvolle Tour führt abenteuerlich im oder entlang eines subtropischen Barranco. Zielpunkt ist ein kleiner felsumrahmter Kessel mit einem Wasserfall - Salto de Aqua.

   17. Mai - Hochfläche Riscos de La Merica / Sozusagen vor der Haustür gelegen reizt der Gang auf die Hochfläche von La Merica. Wir genießen die großartigen Einblicke in das »Tal des Großen Königs« und hinab zum Meer. Nach anfänglichen Schwierigkeiten finden wir den Einstieg zu unserer Aufstiegstour. Im Verlauf des breitangelegten Weges haben wir einen herrlichen Blick auf den Bco. de Arure und ebenfalls bis zum sagenumwobenen Tafelberg Fortaleza (1241 m), einem Guanchen-Heiligtum und zum höchsten Inselberg Alto de Garajonay (1486 m).

   18. Mai - Tafelberg Fortaleza ins Tal Valle Gran Rey / Durch die zum großen Teil nicht mehr bewirtschafteten terrassenförmig angelegten Kulturen steigen wir durch eine Felsrinne, verbunden mit einer kleinen Kletterei, auf das Felsplateau des Tafelberges Fortaleza (Festung). Ein prächtiger, umfassender Inselrundblick ist Lohn der Aufstiegsmühe. Der über 1241 m hohe Tafelberg besticht durch seine Form und ist von vielen Punkten der Insel immer wieder zu sehen. Auf der Dachterrasse des Hotels beenden wir die Wanderung mit einem Cappucino und einem Stück Torte.

   19. Mai - Ruhetag / Mit leichtem Schuhwerk und ohne Rucksack und Wanderstöcke erkunden wir die nähere Umgebung von unserem Hotel. Längs der Küstenstraße führt uns die Wanderung in die Ortschaft La Playa und an den Badestrand, eine Bucht vor der Steilwand (800 m) des La Merica. Der dunkle Lavasand und die vielen Steine lassen bei uns den Wunsch zu einem Bad im Atlantik zur Zeit nicht aufkommen. Zurück im Hotel nehmen wir auf der Dachterasse ein Sonnenbad. Im Pool finden wir eine angenehme Abkühlung.

   20. Mai - Alto de Garajonay - Abstieg durch den Lorbeerwald nach EI Cedro / Der Mietwagen bringt uns auf den 1350 m hoch gelegenen Parkplatz, so dass der Aufstieg auf den Alto de Garajonay mit seinen 1487 m keine große Herausforderung ist. Der Gipfel ist eine bewachsene Kuppe. Leider haben wir aufgrund der Nebelschwaden keinen freien Blick über die Insel. Nach einem kurzen Abstieg bis zum Parkplatz folgen wir dem Wegweiser »La Laguna Grande« und beginnen unsere Waldwanderung durch den »Bosque del Cedro«, einem »gespenstigen« Wald im Inselinnern, bis ins Dorf El Cedro, unserem heutigen Ziel.

   21. Mai - Agulo rum IGONA-Zentrum Juego de Bolas / Auftakt der Wanderung ist die Durchsteigung der mächtigen roten Steilwand über Agulo. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordern die Begehung dieses Steiges. Zurückblickend haben wir einen prächtigen Blick auf Agulo mit der neugotischen Kirche San Marcos. Nach dem Steilaufstieg gelangen wir auf eine durch Erosionsrinnen durchfurchten Hochfläche. An Steinmännchen orientrieren wir uns bis zum Centro des Visitantes. Hier wird die Flora der Insel in einem von der Nationalpark-Verwaltung angelegten Areal den Besuchern präsentiert.

   22. Mai - Drachenbaum und Dolomitensteig / Der »Drago von Mangana«, der einzige, aber sehr schön geformte Drachenbaum La Gomeras, ist unser Ziel. Auf dem durch Kakteenwildnis und Palmen führenden Weg geht es steil abwärts zum Drachenbaum. In den Ort Imada ist es nur noch eine kurze Fahrstrecke. Von dort steigen wir ein in den »Dolomitensteig«, den Bco.de Guarimiar. Wir folgen einem holprigen abwärtsführenden Weg durch Hangterrassen und sind bald in einer wunderschönen Gebirgslandschaft mit einer sehr schönen Schlucht. In steilen Kehren geht es hinab zum gesichteten Felsband; einem Dolomitenpfad ähnlich und hart am Abgrund.

   23. Mai - Ruhetag / Heute ist Sonntag und unser Wanderführer billigt uns einen Ruhetag zu. 

   24. Mai - Töpferdorf EI Cercado / Der Aufstieg in das Töpferdorf El Cercado ist keine besondere Herausforderung. Nach einer gemütlichen Talwanderung durchs »ValIe« nehmen wir den steilen Direktaufstieg (Falsenweg) durch die talbegrenzenden Felsabstürze hinauf zur sanften Alm Matanza und weniger anstregend weiter kommen wir zu unserem Ziel. Die Bewohner dieses kleinen Ortes inmitten terrassierter Felder sind vorwiegend Selbstversorger. Vor ihren Häusern sitzend formen Frauen Schalen und Krüge. Das Besondere an dieser jahrhundertalten Tradition ist die Handformung der Tongefäße ohne Drehscheibe und das Polieren. Nach einem Erfrischungstrunk (frisch gepresster Orangensaft) ist unser Ziel die weit gestreute Ortschaft La Hayas im »Tal der tausend Palmen«.

   25. Mai - Alojera / Ausgangspunkt unserer heutigen Tour ist in Anure die Ermita El Santo mit dem Ziel Alojera. An der Ermita beginnt die Wanderung auf einem schmalen Weg (Panoramaweg) in nördlicher Richtung. Vor Augen die dem Atlantik zugewandten Orte Taguluche und Alojera. Die Wanderung führt uns längs des Gebirgskammes unterhalb von dem mächtigen Bergrücken Camino de Las Cotrederas mit seinen senkrechten Felswänden mit riesigen Basalt-»Orgeln«. Das Tal von Alajera und die schöne Küste vor Augen steigen wir bis zur Fahrstraße ab und an gekennzeichneter Stelle in den Hang ein und kommen zu unserem Ziel.

   26. Mai - Wochenmarkt in San Sebastian / Längs der Küste fahren wir mit dem Schiff nach San Sebastian. Vorbei an der zerklüfteten Küste, Steilklippen und einsamen Badebuchten geht es in schneller Fahrt in den Hafen von San Sebastian. Unter wuchtigen indischen Lorbeerbäumen findet ein kleiner, bunter Markt mit frischen landwirtschaftlichen Produkten und ausgefallener Bekleidung statt. In direkter Nähe des Hafens befinden sich die historischen Bauten aus der Eroberungszeit: das alte Zollhaus, der Grafenturm, das Rathaus und das Columbushaus.

   27. Mai - Gomera Norden - eine Mond Landschaft / In schneller Fahrt geht es heute nach Vallehermoso. Zuvor machen wir einen Abstecher nach Epina zu den Quellen. Ob aus dem Berghang nur eine Quelle fließt oder ob es wie zu sehen ist sieben Quellen sind, können wir nicht feststellen. Weiter führt uns die Fahrt in das Tal von Vallehermoso bis zur Plaza de la Constitucion, die Mittelpunkt des Dorfgeschehens ist. Vallehermoso heißt »Schönes Tal« und liegt am Fuße des gewaltigen Felsens Roque El Cano (650 m). Anfänglich über Treppenstufen und durch Gärten steigen wir auf durch den Bco. de la Era Nueva unterhalb des Montana de la Caldera (891 m) bis zur Kapelle Santa Clara. In einer Bar am Placa de la Constitucion löschen wir unseren Durst mit dem frischen Orangensaft. Ein gomerischer Grappa ist nicht so unser Geschmack. Für die Rückfahrt wählen wir die Küstenstraße über Agulo, Hermigua nach Playa de Santiago und ab El Rejo wieder Kurs ins Valle Gran Rey 

   28. Mai - Besuch des tropischen Fruchtgartens Argaga / Die Lage des tiefeingeschnittenen Barrancos und das subtropische Klima ermöglichen den Anbau von mehr als hundert Obst- und Gemüsesorten. Bei sachkundiger Führung erfahren wir interessante Einzelheiten über die Insel und können gleichzeitig von verschiedenen Früchten naschen. Den Nachmittag nutzen wir nochmals zum Sonnen - und leider auch zum Kofferpacken, denn Morgenfrüh um 7.30 Uhr werden wir bereits zur Rückfahrt nach San Sebastian abgeholt. Mit dem Fährschiff müssen wir nach Teneriffa übersetzen. Vom Fährhafen Los Christianos fahren wir mit dem Bus bis zum Flughafen.

   Pünktlich um 22.00 Uhr landen wir wieder auf dem Festland in Düsseldorf.


Mai 2004
Jürgen





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