Dolomitentour

Fanes und Tofanen

 

10. – 17. Juli 2004

 

 

Dieses Jahr unsere Crew:

 

 

Lothar Thorissen – Wilfried Thorissen – Karl Wehr – Karl-Heinz Wendisch

Gerd Schmiedel   

 

 

 

Auf der südlichen Fanisspitze (2.980m)

Via ferrata Tomaselli

 

 

Tourenübersicht

 

1. Tag:   ­ 600 Hm   1,5 Stunden *

Ankunft gegen Nachmittag in St. Leonhard (Fanestal) – Aufstieg zum Hospiz Heiligkreuz (Rifugio S. Croce – 2.045m)

 

2. Tag:  ¯ 700 Hm   ­  850 Hm  1 1/2   Stunden Abstieg   3 ½ Stunden Aufstieg   å  4 Stunden

Abstieg vom Hospiz Heiligkreuz nach St. Leonhard – Autofahrt bis San Uberto, Landstraße 51 Cortina Richtung Toblach – Aufstieg durch das Val Fanes bis zur Lavarella-Hütte ( Ütia de Lavarela – 2.042m)

 

3. Tag   ­ 700 Hm   ¯ 700 Hm   3 ¾ Stunden

Von der Lavarella-Hütte bis Limosee und weiter über Groß-Fanes auf Weg Nr 17 bis zum Bivacco della Pace (2.760m) und zurück

 

4. Tag:  ­ 1.020 Hm  ¯ 950 Hm   knapp 5 Stunden bis Lagazuoi  2 Stunden Felstunnel  å 7 Stunden

Von der Lavarella-Hütte auf dem Dolomitenhöhenweg Nr. 1 über Groß-Fanes – Forcella di Lech (2.486m) – Lé de Lagacio (2.182m) bis zum Rifugio Lagazuoi (2.752m) – Abstieg durch Galleria del Lagazuoi bis zum Falzarego-Pass (2.105m) – Auffahrt mit Seilbahn zum Rifugio Lagazuoi

 

5. Tag:   ­ 500 Hm  ¯ 700 Hm  1 ½ Stunden bis Einstieg – 2 Stunden bis Fanesgipfel – ¾ Stunde bis Bivacco – 3 ¾ Stunden bis Rifugio Pomedes  

 å  8 Stunden

Rifugio Lagazuoi bis Bivacco Della Chiesa (2.640m) – Einstieg in Via Ferrata Tomaselli, SW-Anstieg – Südliche Fanisspitze (2.989 m) – Abstieg Via Ferrata Tomaselli, NO-Abstieg – bis Bivacco Della Chiesa – Weg 20b bis Forcella Travenances (2.507m), Wege 404, 403 und 402 am Fuße der Tofana di Rozes entlang – Sentiero Astaldi bis Rifugio Pomedes (2.303m)

 

6. Tag:  ­ 280 (810) Hm   ¯ 900 Hm    å  3 ½ (4 ¾) Stunden

Vom Rifugio Pomedes Aufstieg über Sentiero Olivieri bis Doss de Tofana (2.576m) – Abstieg bis Seilbahnstation Ra Valles (2.464m) – weiter Abstieg über Weg 405 bis Ristorante Pietofana (1.675m) – Auffahrt mit Sessellift (Karl & Lothar zu Fuß) bis Rifugio Pomedes

 

7. Tag:   ­  450 Hm  ¯ 550 Hm   4 ½ Stunden Via Ferrata Olivieri bis Rifugio Pomedes   1 Std von Rist. Pietofana bis Cortina   å 5 ½ Stunden

Vom Rifugio Pomedes Via Ferrata Giuseppe Olivieri auf die Punta Anna (2.731m) – weiter bis zum Fuß des dritten Pomedes-Turmes (2.850m) – Abstieg bis Sentiero Olivieri und zurück zum Rifugio Pomedes – Abfahrt mit Sessellift und Fußmarsch bis Cortina d´Ampezzo[s1] 

 

 

 

* reine Gehzeiten

Tourenbericht

 

Samstag, 10.07.2004 – Ankunft im Fassatal, St. Leonhard – Aufstieg zum Hospiz Heiligkreuz

­600 Hm   1 ½  Stunden

 

Auf verschiedenen Wegen treffen wir uns wieder bei Wilfried um 3.00 Uhr in der Nacht. Tatsächlich bringen wir das Gepäck von fünf Leuten in Gerds Passat unter. Obwohl wir ab Stuttgart durchgehend Regen haben, kommen wir schnell voran. Auf dem Weg zum Fernpass finden wir sogar ein Stehcafé ohne einen Umweg machen zu müssen. Eine Tasse Kaffee tut gut!

Im Val di Fassa immer noch wolkenverhangener Himmel. Wenig Hoffnung! Doch kurz vor Predazzo hört es tatsächlich auf zu regnen. Frohgemut packen wir unsere Rucksäcke aus und beginnen uns umzuziehen. Doch da ist er wieder! Der Regen. Sturzbäche prasseln hernieder, noch bevor wir losgegangen sind. Wir verziehen uns notgedrungen unter das Vordach einer Schule. Die Rucksäcke sind bereits vor Beginn der Tour schon völlig durcheinander. Aber ein Hoffnungsschimmer. Es tröpfelt nur noch. Wir gehen los, dem kurzen Aufstieg zum Hospiz Heiligkreuz, auch Rifugio Santa Croce genannt, entgegen. Na also! Die Sonne kommt zum Vorschein. Nach kurzer Zeit fangen wir in unseren Regensachen tüchtig an zu schwitzen.

Eine richtig schöne Hütte, fast wie ein Restaurant. Wir haben ein Fünf-Mann-Zimmer mit guten Betten. Längere Zeit sitzen wir noch vor der Hütte und betrachten das schöne Panorama des Heiligkreuzkofel (2.907m) und des Zehner (3.026m). Wir wollen auf dem gesicherten Steig auf den Heiligkreuzkofel, dann noch auf dem kurzen Klettersteig zum  Zehner und über die Ju dla Crusc zur Lavarella-Hütte im Fanestal. Die Scharte ist von hier unten gut zu sehen. Leider soll es anders kommen...

 

 

Sonntag, 11.07.2004 – Abstieg nach St. Leonhard – Autofahrt Parkplatz nördlich Cortina – Aufstieg durch Val Fanes zur Lavarella-Hütte

¯ 700 Hm   ­  850 Hm    å 3 ¾ Stunden

 

Es ist völlig nebelig. Wir sind aber voller Hoffnung. Es wir schon noch aufziehen. Das Barometer vor der Hütte zeigt auf „schön".

Das Frühstück ist richtig gut, mit Aufschnitt und Käse. Ein Blick aus dem Fenster. Oh nein! Es schneit! Nicht ein bisschen, nein, volle Lotte! Wie an einem schlechten Skitag im Januar. Aber es ist Juli. Es wird immer toller. Der Schnee weht waagerecht vor das Fenster, die Bäume sind dick verschneit, geschlossene Schneedecke. Es ist 12.00 Uhr. Es schneit immer noch, ein klein wenig heller wird es.

Unsere geplante Tour können wir natürlich vergessen. Der Hüttenwirt warnt uns noch ausdrücklich. Überflüssig, aber gut gemeint. Die Markierungen wären ja überhaupt nicht mehr zu erkennen. Wieviel Schnee mag wohl 1000m höher liegen? Aber es kann an sich nicht heftiger geschneit habe. Gut 25 cm sind es hier bereits.

Wir planen um. Abstieg und mit dem Auto bis San Uberto, ein Parkplatz auf der Straße 51 zwischen Cortina und Toblach am Einstieg in das Fanestal.

Schon beim Abstieg vom Hospiz ist die Sonne wieder hervorgekommen. Die Laune wird wieder besser. Der Aufstieg durch das Val Fanes ist landschaftlich sehr schön. Beeindruckend der Casón de Antùles. Ein mächtiger Canon. Kurz vor dem Limosee (2.159m) überfällt uns wieder ein Hagelschauer. Schnellen Schrittes eilen wir zum Ütia de Lavarela (2.042).

 

 Wenigstens wird man von Hagel nicht nass. 3 ½ Stunden haben wir gebraucht. Die Hütte ist wiederum sehr komfortabel. Kostenloses Duschen. Schon so früh?! Aber wir nutzen die Gelegenheit. Ich bin Karl-Heinz gefolgt. Später haben uns die anderen vorgeworfen, wir seien in den Damenduschen gewesen. Wir haben aber niemanden getroffen und folglich auch niemanden gestört. Eine solche Duschenvielzahl auf einem Rifugio ist aber auch verwirrend.

 

            Lavarella-Hütte (2.042m)

 

 

 

 

Abends schon wieder drei Stunden Schneesturm. Wie wird wohl das Wetter? Welche Tour können wir machen? Spät am Hüttenabend – hier gibt es noch nicht ein- mal die obligatorische Hüttenruhe um 22.00 Uhr – überfällt uns die Hüttenwirtin noch mit diversen Grammatikproblemen der deutschen Sprache. Wir wissen zwar die richtigen Formulierungen, aber die grammatikalische Erklärung müssen wir doch einige Male schuldig bleiben. Insgesamt ziehen wir uns wohl gut aus der Affäre und werden mit „Freigrappa“ belohnt. Ein fester Schlaf ist die Folge.

 

Kapelle an der Lavarella-Hütte

 

 

 

 

Montag,, 12.07.2004 – Lavarellahütte – Vallon Bianco – Bivacco della Pace (2.760m) – Großfanes – Lavarellahütte

­ 700 Hm   ¯ 700 Hm   å 3 ¾ Stunden

 

Das Wetter am Morgen ist weder Fisch noch Fleisch. Wolken, bedeckt, teilweise lugt die Sonne hervor. Es ist insgesamt recht unbeständig. Aber, nur nicht die Laune verderben lassen. Wir starten die geplante Tour. Es soll mit leichtem Gepäck eine Tagestour über den Furcia-Rossa-Klettersteig bewältigt werden. So ein Steig zum Eingewöhnen. Es handelt sich um einen rekonstruierten Kriegssteig am Kamm der „Roten Scharten“.

Erst am Limosee und dann geht es an der Großen Fanesalpe (2.102m) vorbei. Eine Jausenstation, die uns so früh aber noch nicht locken kann. Es lässt sich mit den leichten Rucksäcken wunderbar bequem gehen. Obwohl, einigen missfällt immer noch die Tatsache, dass einen die verdammte Schwerkraft nun leider immer in die verkehrte Richtung zieht. Aber so schlecht kann es um uns nicht stehen. Wir setzen uns locker von einer Gruppe ab und überholen selbstverständlich einen Trupp schiebender Mountainbiker!

Immer wieder entdecken wir Murmeltiere, die sich kaum stören lassen.

 Es geht nun links ab in Richtung des Vallon Bianco. Dieses ist eingerahmt vom Cime Ciampestrin (2.910m) und Croda del Valon Bianco (2.680m). Wie wir später merken, verpassen wir den Abzweig zum Klettersteig und gehen immer höher in das schneebedeckte Vallon Bianco. Zwar anstrengend, aber lohnend. Immer vor Augen  den Monte Ciastel, der wie ein in den Himmel gestreckter Finger aussieht. Nun entdecken wir das direkt unter dem letzten Felsaufschwung integrierte Biwak. Der letzte Anstieg ist sehr steil und wegen des Schnees nicht ganz einfach. Eine Pause im Biwak belohnt uns. Wir trinken, essen Nusskuchen und diverse andere Dinge und schauen uns um.

Wir entdecken auch den Ausstieg des Klettersteiges. Sieht nicht einladend aus. Schnee, vereist. Schnell sind wir uns einig, den Steig nicht zu gehen. Nichts erzwingen. Außerdem ziehen mächtig dunkle Wolken auf.

Ein paar Höhenmeter über dem Biwak ergibt sich ein wunderbarer Ausblick ins Val Travenanzes und hinüber zu den übermächtigen Tofanen. Tofana di Rozes (3.225m), Tofana di Mezzo (3.244m) und Tofana di Dentro (3.238m). Wir merken schon, die Gipfel werden wir wohl nicht erreichen. Es liegt noch mächtig viel Schnee!

 

                 

                  Vallon Bianco                                                          Bivacco della Pace (2.760m)

 

An Groß-Fanes angekommen gönnen wir uns ein Bier und sitzen gemütlich in der teilweise hervorschauenden Sonne. Ja, ja, Bier einschenken 2000m über dem Meer gelingt nicht allen!

Zurück in der Hütte, schon wieder duschen. Ob das die Füße wohl aushalten? Soll Blasen geben...

Im nächtlichen Schlafgemach wieder eine neue Überraschung. Schnarchen ist man ja mehr oder weniger gewöhnt, aber das einer im Traum ein Lied anstimmt?!

 

 

 

Dienstag, 13.07.2004 – Lavarellahütte – Dolomitenhöhenweg Nr. 1 über Groß-Fanes – Forcella di Lech – Lé de Lagacio bis Rifugio Lagazuoi (2.752m) – Abstieg durch Galleria del Lagazuoi bis zum Falzarego-Pass – Auffahrt mit Seilbahn zum Rifugio Lagazuoi

­ 1.020 Hm   ¯ 950 Hm   å 7 Stunden

 

 

Das Wetter am Morgen ist recht verheißungsvoll. Nach einem reichhaltigen Frühstück und sehr viel Kaffee machen wir uns auf den Weg. Zunächst den schon bekannten Weg bis Groß-Fanes und von dort weiter über die Hochebene „Piano Grande“, vorbei an den Zinnen der Cime di Fanes  zur Linken und der Conturines –Spitze (3.064m) zur Rechten.

Nun gehen wir weiter hinauf in Richtung Forcella di Lech (2.486m), von wo sich ein wunderschöner Rückblick ergibt.  Wieder können wir mehrere Murmeltiere ungestört beobachten. Ein Stück vor der Scharte machen wir Rast und sitzen windgeschützt in einer Mulde. Obwohl es heute recht kühl ist, wärmt hier die Sonne genügend.

Leider ziehen aber schon wieder Wolken auf. Von der Scharte geht

        Forcella di Lech mit Piz de Lech (2.654m)

 

es sehr steil hinunter zum Lé de Lagacio. Man merkt, wir sind auf einem Teil des Dolomitenhöhenweges. Unglaublich in dieser steilen Scharte so einen Steig hin zu bekommen. Und richtig, weiter unten sind auch noch Arbeiter zu Gange. Ein Führer hatte uns versprochen, dass wir ohne Höhenverlust auf den Weg zum Rifugio Lagazuoi gelangen könnten. Das war wohl nichts. Vielleicht 50 Höhenmeter vor dem See kann man queren. Da sind wir aber schon 250 Hm runter! Hinten weit ist das Rifugio schon gut sichtbar. Die etwa 600 Höhenmeter ziehen sich, zumal es wieder anfängt zu graupeln. Positiv denken, man wird davon nicht nass.

Wir beziehen die Lager auf 2.752m und ruhen uns kurz in der Hütte aus. Wilfried weitet die Ruhephase aus, wir anderen beschließen noch die Erkundung der Galleria del Lagazuoi. Direkt an der Seilbahnstation weist der Weg zum nahen Stolleneingang. Steiler Abstieg in absoluter Finsternis. Im ersten Weltkrieg standen sich österreichische und italienische Truppen gegenüber. Der ganze Berg wurde so von unten mit immensen Sprengungen ausgehöhlt. Einfach unvorstellbar! Sprengladungen von 33 Tonnen kamen zum Einsatz.

Nur wenige Stollenfenster bilden eine Verbindung zur Außenwelt. Aber wir sind ja bestens ausgerüstet. Karl-Heinz und ich haben so kleine hochgelobte Spielzeugfunzeln, Karls Stirnlampe sieht professionell aus, aber... Gerd hat eine richtige, altmodische vielversprechende Lampe. Nur leider hat er wohl bei ebay gebrauchte Batterien ersteigert! Immer weiter geht es, aber wieso eigentlich wieder den Berg in Tunneln hoch. Wir haben schlichtweg den Ausstieg zum Falzarego-Pass verpasst. Nun ja, die Zeit wird knapp. Die letzte Seilbahn zurück zum Gipfel geht um 16.40 Uhr. Also, zurück. Der drohende 600m Aufstieg lässt uns eilen. Die Seilbahnstation im Tal vor Augen hasten wir den Pfad herunter und verscheuchen lautstark alle störenden Wandersleute. 

 

          Marmolata vom Rifugio Lagazoui

 

Karl-Heinz hat arge Bedenken. Das schaffen wir nicht. Aber nur die Ruhe, zu guter Letzt haben wir sogar noch 10 Minuten übrig. Überpünktlich sozusagen.

    Abends zieht der Himmel wieder zu. Können wir Morgen die Via ferrata Tomaselli wagen?  Ich gehe vor Sonnenuntergang noch auf die nahe Spitze des Lagazuoi und lasse die grandiose Aussicht auf mich wirken.

Nach dem obligatorischen Rotwein lassen wir uns schließlich im 14-er Lager nieder. Einer hat sogar ein elektrisches Beatmungsgerät, oder

Antischnarchgerät oder was auch immer. Jedenfalls ein lästiges, monotones Geräusch. Immer wieder was Neues. Also, Ohrstöpsel rein...   

 

 

 

 

Mittwoch, 14.07.2004 - Rifugio Lagazuoi - Bivacco Della Chiesa (2.640m) - Via ferrata Tomaselli, SW-Anstieg - Südliche Fanisspitze (2.989m) - NO-Abstieg - Bivacco Della Chiesa - Forcella Travenances - Sentiero Astaldi - Rifugio Pomedes (2.303m)

↑ 500 Hm   ↓700 Hm   1 1/2  Std bis Einstieg   2 Std. Fanisgipfel   3/4 Std Bivacco Della Chiesa   3 3/4 Std. Rif. Pomedes    ∑ 8 Stunden

 

Reichhaltiges Frühstücksbüfett in fast 2.800m Höhe.  Aber es hat seinen Preis. Überhaupt, die diesjährigen Privathütten sind teuer. 50 - 60 € sind morgens pro Person zu berappen!

Um 7.45 gehen wir voller Erwartung bei Sonnenschein zum Einstieg des Via ferrata Tomaselli. Wir sind noch alleine unterwegs.

Nach 1 1/2  Stunden kommen wir am Einstieg, dem Bivacco Della Chiesa an. Wir wecken unbeabsichtigt einen dort schlafenden Polen. Die Rucksäcke werden ausgepackt und alles Überflüssiges wird im Biwak verstaut. Bloß kein unnötiges Gewicht in diesem "Königssteig". Die Ferrata gilt immer noch als Klassiker und ist in allen Führern als "sehr schwierig" bezeichnet. Zu recht! Ein ehemaliger, kühn trassierter Kriegsweg, dessen Überreste noch in den Felsen hängen. Insgesamt 800 Meter Drahtseil sichern die Route. Übrigens wurden die Drahtseile gerade gegen Neue ausgetauscht.

Über eine Rampe geht es unvermittelt zur Schlüsselstelle, einer extrem ausgesetzten Querung am Fixseil, ohne Netz und nur mit kleinsten Tritten. Also viel Luft unter den Sohlen. Ich gehe unter Einsatz von viel Armkraft als Erster.

                                                                                            Bivacco Della Chiesa

 

Ich bin schon Richtung "Cengia alta", einem begehbaren Band unterwegs, als ich von ersten Schwierigkeiten höre. Rein in die Querung, mit steigernder Verkrampfung hängen bleiben, von Aufgeben  faseln, zurück. Gute Ratschläge, Mut zusprechen, Wilfried zeigt die spärlichen Tritte - und, na also, alle kommen rüber! Wer hat von zurückgehen gesprochen? "Quatsch, ihr habt euch verhört".

Weiter über gestufte Felsen und Terrassen mit faszinierenden Tiefblicken. Immer anspruchsvoll, volle Konzentration fordernd. Der weitere Blick nach oben verspricht ein knackiges Finale. 

          Die Querung am Tomaselli

   Man kennt das Bild aus Führern, aber diesmal bin ich das!

                                                                             

Wie schreibt Hüsler in seinem Führer: "Solo per esperti"!

Eine Gratkante, ein langer Kamin und eine kleingriffige Schlusswand folgen. Der Kamin wird sich in unser Gedächtnis einprägen, dem einen mehr, dem anderen weniger.

Nach Erreichen des Gipfelgrates sind wir uns einig: "Der Steig hat es in sich!"

 

Sogar Gerd scheint es nicht mehr wirklich zu interessieren, das der Südlichen Fanisspitze 11 Meter an der 3000er Grenze fehlen.

Der Abstieg vollzieht sich über die steile NO-Wand zur Saletta Fanis. Obwohl nur rund 160 Hm zu bewältigen sind, darf auch dieses Teilstück nicht unterschätzt werden. Nach zwei senkrechten Passagen läuft die ferrata über ein Felsband auf der Fanisscharte aus. Schnell sind wir dann wieder am Bivacco Della Chiesa.

                                    Karl-Heinz am Ausstiegsband des Tomaselli

 

Wir stärken uns mit Wurst, Riegeln und blicken alle mit eigenen Gedanken die Aufstiegswand zurück.


Wilfried schlägt vor nicht zur nahen Scotoni-Hütte abzusteigen, sondern bis zum Rifugio Pomedes durchzustarten. Auf geht’s, ein recht langer Weg. Von der Forcella Gasser queren wir zur Forcella Col dei Bos und von dort entlang der gesamten Felswand der Tofana di Rozes. Man sieht später den Weg zum Rifugio Guisanni und unten im Tal das Rifugio Dibona. Wir steigen jedoch noch auf den Sentiero Astaldi. Er bildet die Verbindung zwischen Tofanakar und der Pomedes-Hütte. Der herrliche Panoramaweg verläuft auf den durch Erosionseinwirkung aufgeschlossenen, bunten, meist rötlich verfärbten Raibler Schichten. Raibler Schichten bestehen zum Großteil aus kalkigem Dolomitstein und fallen durch die ockerfarbene Verwitterung auf, die zum einen auf Dolomit- zum anderen auf Pyritverwitterung zurückzuführen ist.

Der auch mit Drahtseilen versicherte Steig bildet den Schlussakkord eines großen und ereignisreichen Tourentages.

 

Große Biere, Apfelschorlen, Lager für uns alleine. Wir lassen es uns gut gehen.

14. Juli 2004, 20.55 Uhr und 37 Sekunden, Karl-Heinz trinkt einen Schnaps...

 

 

Donnerstag, 15.07.2004 - Rifugio Pomedes - Sentiero Olivieri bis Doss de Tofana (2.576m) - Seilbahnstation Ra Valles - Abstieg bis Ristorante Pietofana (1.675m) - Auffahrt mit Sessellift (Karl & ich zu Fuß)zum Rifugio Pomedes

↑ 280 (810) Hm   ↓ 900 Hm    ∑ 3 1/2  (4 3/4) Stunden

 

Wir haben die Klettergurte schon an. An sich wollen wir den nahe der Hütte gelegenen Klettersteig auf die Punta Anna gehen, aber wir sind unentschlossen. Wieder mal das Wetter! Nach einigem Hin und Her lassen wir es und hoffen auf den nächsten Tag.

Eine Rundwanderung wird beschlossen. Wir gehen den Sentiero Giuseppe Olivieri, benannt nach einem Alpinisten und Kenner der Tofanen. Es ist der gesicherte Verbindungssteig zwischen dem Rifugio Pomedes und der Seilbahnstation Ra Valles. Immerhin auch mit 230 Metern Drahtseil gesichert und mit zwei Eisenleitern gewürzt bietet der Steig prächtige Ausblicke auf die östliche Bergumrahmung Cortinas. Im Süden baut sich über der Croda di Lago (2.715m) und dem Becco di Mezzodì (2.603m) der gewaltige Pelmo (3.168m) auf.

Die Seilbahn an Ra Valles wird mit viel Getöse gewartet. Wie gut das zu erfahren. Einige von uns hatten nämlich mit einem Aufstieg bis auf den Gipfel der Tofana di Mezzo über 

    Sentiero Olivieri

 

den sich der ferrata Olivieri anschließenden Ferrata Aglio geliebäugelt. Ohne Abfahrt mit der Seilbahn allerdings ein unheimlicher Marsch. Am Rifugio Pomedes keinerlei Hinweis, auch nicht vom Hüttenwirt.

Also gehen wir weiter, größtenteils über die Skipisten bis ins Tal zum Ristorante Pietofana. Dort machen wir Rast und gönnen uns ein unglaublich teures Bier, 0,4 Liter 4,50 €!

Erstaunlicherweise hält sich das Wetter und es scheint sogar immer mehr die Sonne. Karl und ich halten es für "unwürdig" den Sessellift zu benutzen und entscheiden uns für den Aufstieg per pedes. Die Kondition will gepflegt werden. Die Anderen erwarten uns schon auf der sonnigen Hüttenterrasse. Diese können wir mit Blick auf Cortina und die umliegende Bergwelt noch lange genießen. Hoffentlich klappt Morgen die Ferrata auf die Punta Anna.

     

Freitag, 16.07.2004 - Rifugio Pomedes - Via ferrata Giuseppe Olivieri auf Punta Anna (2.731m) - bis Fuß des dritten Pomedesturmes (2.850m) - Abstieg und über Sentiero Olivieri - Rifugio Pomedes - Abfahrt mit Sessellift - Fußmarsch bis Cortina d´Ampezzo - Autofahrt bis Bruneck - Pension Pepi

↑ 450 Hm   ↓ 550 Hm  ∑5 1/2  Stunden

 

Früh werden wir wach. Wunderbare Aussicht. Geschlossene Wolkendecke über dem Tal und die Berge und wir im Sonnenschein. Schon beim Frühstück freuen wir uns auf die tolle Kletterei an der Punta Anna. Wilfried, Karl und ich kennen die Tour schon, aber keine Frage, die kann man mehrfach gehen ohne es zu bereuen. Wir machen uns kletterfertig und genießen auf der Hüttenterrasse noch einmal das Panorama.

  Es sind nur Wenige vor uns im Steig. Völlig ohne Zeitdruck genießen wir die Kletterei. Es werden nicht einfach Fotos geschossen, nein! Fotodrehbücher werden geschrieben! Nein, ein wenig höher, guck hoch, so halten, ja ok, noch eins!

Die Via ferrata Olivieri ist eine Ferrata der Spitzenklasse. Nur mit einem Drahtseil gesichert erschließt die Route den Südgrat der Punta Anna. Knapp 300 Hm werden im steilstem Fels überwunden. Gute Klettertechnik an den immer vorhandenen Tritten und Haltepunkten vermindern die Schwierigkeiten. Technisch nach unserer Einschätzung doch einiges leichter als der Tomaselli. Nicht minder jedoch die durch den Routenverlauf vorgegebenen Tiefblicke, oft sogar in mehrere Richtungen. Dabei die langsam aufreißende Wolkendecke im Tal.

 

           

Via ferrata Giuseppe Olivieri auf die Punta Anna

 

Auf dem Gipfelgrat der Punta Anna rasten wir und steigen schließlich weiter bis zum dritten Pomedesturm. Dort beginnt der Abstieg. Gerds wehmütiger Blick geht auf die Spitze der Tofana. Aber heute keine Zeit mehr und zudem, die Seilbahn fährt immer noch nicht. Es wird sich noch als günstige Fügung erweisen.

 

            

weitere Impressionen auf der Via ferrata Olivieri

 

Über ein steiles, aber gut begehbares Schneefeld gleiten wir hinunter zum Sentiero Olivieri. Den bekannten Steig geht es zurück zum Rifugio Pomedes. Auf der sonnigen Hüttenterrasse genehmigen wir uns einen Grappa auf die trotz nicht allerbestem Wetter gelungene Kletterwoche.

Die Schuhe sind schon dreckig genug, die Sohlen fast verschlissen, die Skihänge müssen regenerieren, die armen Blümchen, wir verscheuchen die Gämsen (das schreibt man wirklich so!) und Murmeltiere... Alles Quatsch! Wir wollen jetzt einfach mit dem Sessellift ins Tal fahren!

Es erwartet uns noch ein recht langer, anstrengender Fußmarsch bis Cortina, dann ist es geschafft. Es fängt auch wieder an zu regnen. Auf der Tofana sieht es gar nicht mehr gut aus. Tüchtiges Gewitter! Gott sei Dank hatten wir keine Zeit mehr.

Gerd erweist sich als gewiefter Tramper und ist recht schnell mit dem Auto wieder da.

In Bruneck machen wir noch in der etwas außerhalb liegenden Pension Pepi Quartier und verbringen einen verregneten Abend in Bruneck.

 

 

Die Kletterwoche war wiederum harmonisch, aber trotzdem ereignisreich, auch mit einer Schrecksekunde gespickt. Seien wir ehrlich, die Via ferrata Constantini in der Moizza müssen wir wohl nicht mehr unbedingt bezwingen. Aber es werden hoffentlich noch einige Touren folgen, getreu dem Motto

 

Steigst du nicht auf die Berge,

so siehst du auch nicht die Ferne

 

 

Lothar Thorissen

Im Juli 2004

 


 [s1]



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