Auf Granit- und Eisenbergen
Wanderungen auf Elba
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»Einmal
in der Woche macht zur Sommerszeit das toskanische Staatsdampfschiff
die Fahrt nach Elba. Um die Halbinsel von Populonium segelnd,
kommt man in den Hafen von Piombino.
Die Aussicht von der Stadt ist eines Herrschersitzes wert; ein ganzer
Archipel liegt vor den Blicken, schöne Eilande in der blauen
Meeresfläche, Giglio, Cervoli, Palmarola, Elba und Korsika. Gerade
gegenüber, nur eine halbe Stunde entfernt, erhebt Elba seine mächtigen
Bergmassen.
Ferdinand
Gregorovius, Wanderjahre in Italien (1852). Kapitel »Die Insel Elba«. |
Wenn Ursula Blut geleckt hat, hilft kein Beten mehr. Nicht, dass sie ein Vampir wäre, aber Italien im Allgemeinen und die Inseln im Besonderen sind ihre Leidenschaft geworden. Und beim Umherschweifen lassen des Auges geriet halt Elba in ihr Blickfeld und damit war die Sache entschieden. Den ernsteren Hintergrund habe ich im vorigen Tourenbericht erwähnt. Mittlerweile sind beide Hüftgelenke ersetzt und als »Probe auf's Exempel« wollte sie natürlich einen Urlaub mit Bergtouren machen. Aber warmes Klima, mediterrane Küche und überschaubare An- und Abstiege ohne wetterbedingte Unbill sollten zum (Heil-)Erfolg beitragen. Also, zum zweiten Mal in Folge Inselurlaub. (Aber nächstes Jahr geht es wieder in die arg vernachlässigten Alpen, versprochen!)
Planung und Anreise
Das Hotel hatten wir uns im Web ausgesucht und wie den Billig-Flug
zeitig (und damit zu günstigen Preisen) festgemacht. Eisenbahn- und
Fährfahrkarten kann man vor Ort
kaufen (wenn man kein Auto an den Hacken hat, notfalls noch auf dem Schiff).
Ein bisschen konnten wir uns schon, ungeachtet des »grünen Winters« am
Niederrhein, in der Segafredo-Bar am Kölner
Hauptbahnhof auf den Urlaub einstimmen, ein Refugium für alle, die
es nach kräftigem caffè,
einer Zigarette und italienischer Musik verlangt (wobei ich - nichts
für ungut, Ursula - nicht alle drei Dinge haben muss). Und auch am
Flughafen kein Stress, da wir unser einziges Gepäckstück neuerdings gleich
am sogenannten »Internet
Check-in Bag Drop Off«-Schalter der Fluggesellschaft
abgeben konnten. Das ist dann schon fast wie der Start in ein week end auf
dem Landsitz North Cothelstone Hall von
Lord und Lady Hesketh-Fortescue, auch wenn wir weder aus Middle
Fritham noch aus Nether Addlethorpe kommen...
Vom Flughafen »Galileo Galilei« in Pisa (bei wäre wirklich
übertrieben) zum Hauptbahnhof fährt ein Bimmelbähnchen. Von
dort geht es (leider nur zweimal täglich durchgehend) mit dem Zug nach Piombino
Marittima. Da sieht es erst mal nicht nach Urlaub, sondern
nach Arbeit aus: Am Hafen rauchen die Schlote des Hüttenwerks Lucchini -
das Gegenstück auf Elba wurde 1943 zerbombt und nicht wieder aufgebaut,
dafür der Tourismus forciert.
Die Erze kommen mittlerweile auch nicht mehr von Elba: Als letzte
wurde 1981 die Magnetit-Mine von Ginevro am Monte Calamita stillgelegt
- übrigens die einzige auf der Insel, bei der Schächte (zuletzt 54 m tief)
vorgetrieben wurden. Heute kommen sie zum großen Teil - ein Treppenwitz - vom
Eismeer aus den
Gruben der russischen Severstal, die Anteile an
Lucchini hält. (Wer mit der
Eisenindustrie nichts am Hut hat, verzeihe diesen kleinen Exkurs. Aber der antike Name von Elba -
Ilvrea -
bedeutet nichts anderes als »Die Rußige«; und das
charakterisiert die Bedeutung Elbas für viele Jahrhunderte. Hier begann um 800
v. Chr. mit der Verhüttung der elbanischen Eisenerze durch die Etrusker das
Eisenzeitalter. An der
Bushaltestelle von Marciana alta sind übrigens zwei Schmelzöfen im
Modell zu sehen.) Während Ursula im Gebäude der
Fährgesellschaft Toremar (rechts vom Bahnhofsausgang auf der anderen
Straßenseite) die Fahrkarten holt, rollte ich mit unserem Trolley
schon mal zum Anleger, denn das Schiff soll in 15
Minuten ablegen.
Der Nationalpark des Toskanischen Archipels, das größte
Meeresschutzgebiet Europas, hat eine Wasserfläche von gut 56.000 ha
(auf die ich nicht weiter eingehe) und
eine Landfläche von fast 18.000 ha. Der Nationalpark umfasst sieben
größere Inseln sowie einige kleinere und Klippen. Elba selbst (mit gut 22.000 Hektar die
drittgrößte italienische Insel) misst in Ost-West-Richtung
27, in Nord-Süd-Richtung 18 km - ist also im wahrsten Sinne überschaubar.
Hinzu kommen gute Busverbindungen, so dass eigentlich jeder Winkel der
Insel in einer Tagestour fußläufig zu erreichen ist. Rund 50 %
der Fläche gehören zum Nationalpark.
Der Westen ist grün; Wälder mit alten Kastanien- und
Steineichenbeständen überziehen die Hänge, die Vegetation ist in den wasserführenden
Taleinschnitten teilweise dschungelartig verwildert (mit Bambus u. ä.
Gewächsen). Auf den Höhen und im steppenartigen Ostteil der Insel
dominieren Kiefern, Ginster und Macchia.
Alle Wege im Westen der Insel reihen sich um das Capanne-Massiv, das außer
dem Monte Capanne selber noch eine ganze Reihe Trabanten
umfasst, die übrigens durchweg interessanter sind als der
verbaute und von per Gondellift heraufbeförderten Viertelschuhtouristen wimmelnde
Hauptgipfel selber. Allerdings sind sie auch unzugänglicher. Über die
gesamte Kette, gebildet aus Monte Giove, La Stretta, Monte di Cote, Monte Capanne und Le
Calanche, verläuft ein anspruchsvoller und nur teilweise markierter und gesicherter Steig.
Die Wege sind eigentlich immer gut gekennzeichnet, wie im Gebirge üblich rot-weiß und mit den typischen Holzwegweisern des Naturparks. Bei Nebel, in der Macchia oder in Vegetations-reichen Talgründen wie im Pomonte-Tal muss man etwas aufpassen. Mit verwachsenen oder von den allgegenwärtigen Wildschweinen aufgewühlten Wegabschnitten muss man allerdings immer rechnen.
Unsere Basis hatten wir in einem kleinen Hotel in Patresi, im Westen der Insel (etwa 130 m hoch gelegen, also nicht ganz auf Meeresniveau). Der Inhaber, Signor Vincente, ist Mitglied im CAI, gibt Wanderern gerne Tourentipps und hält für Kletterer eine Mappe mit Topos bereit; die Bushaltestelle ist vor dem Haus. In Marciana (alta) gibt es kein Hotel, das früher für Wanderer empfohlene in Poggio wird immer noch renoviert, wie wir uns überzeugen konnten (wird eventuell 2009 fertig - bei der APT in Portoferraio nachfragen). In unmittelbarer Nähe des Hotels beginnen (oder enden) die Wanderwege 14 und 27; wenn man 5 Minuten die Fahrstraße bis La Guardia hinaufgeht, kann man über einen (auf der Kompass-Karte nicht eingetragenen) meerwärts zur Straße verlaufenden Dorfverbindungsweg bis Zanca gehen (oder mit dem Bus hinfahren) und findet dort an der Bushaltestelle den Einstieg in den Weg Nr. 13. Da die Busse - wie schon erwähnt - den Westteil der Insel in beiden Richtungen umrunden, sind fast unerschöpfliche Möglichkeiten, eine Tour zu beginnen oder zu beenden, vorhanden.
Nachfolgend sind ein paar unserer Touren als Anregung skizziert; selbstverständlich sind auch andere Zusammenstellungen nach eigenem Geschmack und Gehvermögen denkbar.
Am ersten Tag wollten wir uns nicht allzu weit entfernen und machten eine
kleine »Kennenlern-Tour«:
Direkt hinter dem Hotel geht man die Treppenwege zwischen Häusern und
Gärten hoch und trifft auf den Pfad nach Marciana alta (Nr. 14; die
Markierung ist etwas dubios - notfalls einen Anwohner fragen). Zwischen teilweise noch
bewirtschafteten oder von Macchia überwucherten Terrassen geht es höher.
An zwei Agaven darf man dem Pfad nicht weiter ins Tal hinein folgen,
sondern muss sich links halten; bald tauchen auch wieder Markierungen
auf (wie üblich rot-weiß; auch die typischen Holzwegweiser der
Naturparkverwaltung stehen an Abzweigungen).
Die Macchia wird von Steineichen und schließlich von einem dichten, urtümlichen Kastanienwald abgelöst. Es ist kühl und Wildschweinduft hängt in der Luft. Nach stetigem Aufstieg bis auf ca. 400 m geht es dann abwärts, man quert einen Bach und trifft an einer Abzweigung auf den von Zanca kommenden Weg (Nr. 13), der noch teilweise gepflastert ist (alter Prozessionsweg nach Madonna del Monte).
Hier gehen wir abwärts und treffen an der Bushaltestelle an der Ringstraße auf den Weiler Zanca. Die Straße überqueren und die Dorfstraße hinab bis zu einem Bankgebäude. Dort links auf einem Pfad (Wegweiser »Patresi«) parallel zwischen Gärten und einzeln stehenden Häusern nach Patresi. Etwa auf halber Strecke kann man einen Pfad rechts hinab zum Meer nehmen (Cala della Cotaccia) und die Füße ins Wasser strecken. Wenn man die anderen Strände unterhalb von Patresi aufsuchen möchte (La Guardia, Patresi oder Mortigliano) kann man teilweise auf den »Mare«-Kleinbus zurückgreifen, der von den Hotels finanziert wird. Sehr schön, auch die Wanderung dorthin, ist übrigens der (Stein-)Strand von Mortigliano. In Patresi endet der Weg oberhalb des Lebensmittel-Geschäftes, in dem man dann seinen Wasservorrat ergänzen kann.
Für den Anfang ist auch ein Spaziergang
zwischen Marciana alta und Poggio ganz nett. Mit dem Bus fährt man bis Marciana, geht
von der Bushaltestelle durch das Stadttor und dann die Treppen
hoch, an der Kapelle St. Liborius vorbei zur pisanischen Festung.
Oberhalb dieser nimmt man die (zunächst geteerte) Straße nach links und geht
in Kehren den Hang hinauf. Schließlich wandert man auf einem
Natursträßchen bequem ohne großen Höhenunterschied bis zur Klause S. Cerbone (und kann vorher einen Abstecher zur Höhle von S. Cerbone
machen, alles neu ausgeschildert). Nach S. Cerbone geht es abwärts zur
Fahrstraße, die man zwischen Friedhof und Fonte Napoleone erreicht. Die
Quelle - oder besser gesagt, die Quellfassung, denn die Quelle liegt
weiter oben im Val Grande, von wo Gummischläuche das gepriesene Nass
heran fördern,
wie ein neugieriger Blick hinter die Kulissen der Abfüllstation
offenbart (Vorsicht vor den Bienenstöcken!) - ist nicht
so eindrucksvoll, wie das Etikett auf der Flasche, die
in den Restaurants der Welt auf den Tisch kommt.
An der Außenwand der Abfüllstation, die das Tälchen abschließt, plätschert ein
dünner Strahl in ein Becken, das vor allem morgens und abends umlagert
wird von Einheimischen, die per Auto oder Ape herbeikommen
und das Wasser in voluminöse Korbflaschen abfüllen (streng nach der Regel »Eine Flasche
pro Person« ;-). Ob es nun am bürgerlichen Herd oder auch zum Nachfüllen der Buddeln im Ristorante
verwendet wird, kann man nur spekulieren.
Etwas anspruchsvoller (und ruhiger) geht es eine Etage höher zu: Das Dorf hoch, dann ein Stück unter Kastanienbäumen auf dem Kreuzweg, der zur Madonna del Monte führt. Wegnummern: 10 - 28 (ab jetzt GTE) - 6 - 2. Weiter durch ein Fels- und Buschwaldgewirr. Wo die Nr. 6 die Nr. 2 trifft, über einen aussichtsreichen Rücken, wo der Weg großenteils aus treppenartig geschichteten Granitplatten besteht, und hinunter nach Poggio (in Gegenrichtung zum Monte Capanne). Man trifft auf einen alten Schafspferch und (recht neue) Hinweis auf ein prähistorisches Gräberfeld. Unterwegs hat nur mal aus einem Gebüsch ein Wildschwein, das wir wohl in seiner Mittagsruhe störten, unwillig gegrunzt. In Poggio gibt es zwei Bushaltestellen (oberhalb und unterhalb des Dorfes, das in einer Straßenschleife liegt). Geht man ins Dorf hinunter, kommt man zuerst an der Piazza Emanuele I. heraus mit Bänken im Schatten von Lorbeerbäumen und einem Brunnen.
Das Dach der Insel.
Marciana alta ist auch der Ausgangspunkt des »klassischen«
Aufstiegsweges zum Monte Capanne (der deshalb logischerweise
die Nummer 1 trägt). Von der Bushaltestelle hinauf zu der flammneu mit
Granitplatten ausgelegten Terrasse und im Caffè Sport noch mal
auftanken. Im Dorf sofort nach dem Kirchplatz links halten und durch
schmale Gassen und einen Torbogen an der Stadtmauer entlang aus dem Dorf hinaus und auf schmalem Pfad durch
Gartenland in ein bewaldetes, von einem Bach durchflossenen Tal. Angenehm schattig unter
Kastanien, Steineichen und Lorbeer zieht ein bequemer Pfad zunächst
gemächlich nach oben. Nach einer Weile leiten Trockensteinmauern zur
Einsiedelei S. Cerbone (idealer Rastplatz, jedoch kein Wasser). Hinter
den Gebäuden verlässt man sofort die Forststraße und geht rechts hoch in
den Wald, in Serpentinen über Stufen und Platten aus Granit. (Man kann ja
mal kurz überschlagen, was ein derartiger Treppenbelag bei uns kosten
würde.) Der Wald wird lichter und geht in eine
Buschzone mit Kiefern über. Kurz darauf stößt der Weg auf eine Terrasse,
Kreuzung der Weg Nr. 1, 2 und 5; ein schöner, aussichtsreicher
Rastplatz, an dem auch zwei Schäferhütten (Caprili)
stehen.
Letzter Aufstieg durch Schutt und Geröll zur Bar an der Bergstation des Gondellifts (unterwegs in den Schrofen rechts und links Ausschau nach dem endemischen Elba-Veilchen halten!). Die Besucher, die in den knallgelben Käfigen angeschwebt kommen, erinnern mit ihrer (meist) eher für die Strandpromenade gedachten Kleidung und Schminke unwillkürlich an exotische Vögel. Allerdings macht die Seilbahn eine landestypisch ausgedehnte Mittagspause, was wir für die schamlos lange Besetzung des Gipfels nutzten. Der liegt mit dem Vermessungspunkt noch eine Stufe höher und stellt sich traurig als eine drahtumzäunte Exklave auf dem ENEL-Gelände dar. Jedoch hat man von hier einen guten Überblick zumindest über den westlichen Teil der Insel und anhand der Karte lassen sich Touren sehr schön planen. Irgendwann meint es aber die Sonne zu gut, so dass wir uns aus dem schattenlosen Bereich des Gipfels in die Waldregion trollen (bequemer Abstieg zu den Picknickplätzen am Monte Perone).
Eine andere, sehr eindrucksvolle Aufstiegsvariante startet am Waldparkplatz am Monte Perone. Wenn man den Normalweg nimmt (Wanderweg Nr. 5), ist es wohl der einfachste Aufstieg (vor allem, wenn man mit dem Wagen herkommt - Busverbindung gibt es nicht). Aber auch der Anmarsch auf der wenig befahrenen Teerstraße von Poggio hoch (mit Abkürzungsmöglichkeiten) macht keine Mühe. Hinter dem aussichtsreichen Monte Maolo muss man sich dann entscheiden, welchen Weg man zum höchsten Gipfel der Insel nehmen möchte. Entweder weiter den Wanderweg Nr. 5 oder die sogenannte Via Ferrata (eher ein spärlich markierter und ab und an versicherter Pfad) über die Kämme von le Calanche und le Filicaie zum Monte Capanne (für Geübte unproblematisch; nur bei Nässe - das bestätigte auch Vincenzo - sollte man ihn meiden). Wer sich für Letzteren entscheidet, wird mit einer eindrucksvollen, wenn auch verwickelten Wegführung belohnt, wo nach jedem Durchschlupf sich neue Aussichten auftun. Wenn man anschließend noch genügend Reserven hat, bietet sich der Abstieg über den Monte di Cote und la Stretta nach Marciana alta an. Aber auch wenn man aus der entgegengesetzten Richtung kommt oder den Abstieg über einen einfacheren Pfad oder gar mit der Gondelbahn vorzieht, bieten diese Felspassagen ein Bergerlebnis, das dem auf Höhenwegen in den Alpen in Nichts nachsteht.

Monte S. Bartolomeo, Troppolo und Semaforo.
In Chiessi gibt es an der Bushaltestelle eine nette Bar, die von zwei alten Damen geführt
wird und an der der Kirche zugewandten Hausseite hängt ein
Schaukasten (Link zu den Fotos am Ende des Berichtes) mit einer
Darstellung der Kletterrouten (»Palestra di Roccia«) oberhalb des Ortes. Es sind dies
auch fast die einzigen (offiziellen) Kletterstellen auf Elba, auf der Halbinsel
Calamita gibt es weitere; die meisten
Kletterer, die von nördlich der Alpen kommen, bevorzugen sicher das nahegelegene Sardinien.
Nach den Cime di S. Bartolomeo (die rechts umgangen werden) stößt
der Weg dann auf den von Pomonte hochkommenden Zweig der G.T.E. Nach einer Zone
mit Buschwald führt er als schöner
Höhenweg in großem Linksbogen unter den Ausläufern des Monte di Cote
nach Westen, Richtung Troppolo und gewährt Ausblicke auf
Korsika, Montechristo und Pianosa (die Insel ist wirklich so platt,
dass sie nur aus dieser Überhöhung zu entdecken ist). Der Troppolo (748 m) ist
ein Gewirr von Granitblöcken inmitten der Ginster-Wildnis und ein Aussichtspunkt
ersten Ranges.
Marciana, Madonna del
Monte, Bollero-Quelle, Troppolo, Patresi. Als längere Variante mit dem
Abstieg über S. Bartolomeo nach Chiessi oder Pomonte ohne Zweifel eine der faszinierendsten
Wanderungen auf Elba, sowohl auf in Bezug auf die Natur, als auch kulturell!
Sie beginnt
- schon ganz vertraut - an der Bushaltestelle in Marciana alta (mit oder ohne
Einkehr im Caffè Sport). Von dort rechts haltend (nicht in Richtung pisanische Festung)
die Granit-Treppe hoch durch das Dorf und über den Parkplatz auf den
Kastanien-gesäumten, gepflasterten Kreuzweg zur Madonna del Monte. Das tiefe
Grün des Waldes und das dazwischen aufblitzende Blau des Meeres sind eine
Wohltat für die Augen. Wie lange man für den Weg braucht, hängt davon ab, ob man
ihn an einem Stück durchgeht, oder etwa die Ambition hat, alle Kreuzwegstationen
abzulichten ;-).
Hinter
dem ummauerten Bezirk (Wasser fassen am Brunnen nicht vergessen) führt der teilweise noch
gepflasterte Maultierpfad über die Serraventosa, einen Höhenrücken, bestanden mit mit Besenginster und Macchia. Capraia und Korsika
kommen ins Blickfeld. An einer scharfen Linksbiegung führt ein nicht markierter
Trampelpfad (grobe Richtung Monte Giove) zu einer Schäferhütte (Caprile).
Die Hütte ist in der Multigraphic- nicht aber in der Kompass-Karte eingetragen.
Sie gehört der Berggemeinde (Communità montana dell'Elba e Capraia) und
ist als Unterstand (Bivacco) hergerichtet und offen. Sofern man sie
benutzt, sollte es selbstverständlich sein, sie wieder ordentlich zu
hinterlassen. (Dazu passt eine Beobachtung, die wir am Adler-Felsen, einem
beliebten Ausguck in der Nähe der Madonna del Monte, machten: Eine Gruppe
Erwachsener und Kinder kroch über die Felsen und in die Büsche am Weg und
stopfte die gefundenen Abfälle in die Rucksäcke.)
Zurück auf dem Hauptweg, stoßen wir bald auf einen Bildstock, errichtet von der Wandergruppe »Cosmopolis« (ein früherer Name der Hauptstadt) aus Portoferraio. Der Weg senkt sich zur Bollero-Quelle, in deren Nähe der Weg Nr. 27 nach Mortaio abzweigt. Die durch das Wasser hervorgebrachte üppige Vegetation besteht vorwiegend aus Kastanien und Steineichen und ist der ideale Lebensraum für Wildschweine, deren Geruch hier überall in der Luft hängt und die (neben der Hochsaison?) die moderne Plage der Insel bilden. (Ab und an bekommt man auch einige zu Gesicht - auf dieser Wanderung liefen mir zum Beispiel zwei Frischlinge vor die Linse, die wohl der Mama beim Mittagsschlaf ausgebüchst waren.) Der Weg steigt wieder an, bis man den Troppolo, mit 743 m der höchste Punkt der Wanderung, erreicht. Hier muss man sich entscheiden, wie man wieder zur Küste absteigen will: Nach Chiessi, nach Pomonte oder - wie wir - zum Colle d'Orano.
Auf jeden Fall verlässt man jetzt das Reich des Granits und geht auf erdigen, rötlichen Schiefern, die beim Abstieg (vor allem bei Nässe) mit Vorsicht zu genießen sind.
In den
Steinbrüchen bei S. Piero. Das Gebiet zwischen dem
Vallebuia und S. Piero ist bekannt für seine bizarren Felsformationen (Tafoni) und die bis
in die Antike zurückreichende Tradition der Steinbrüche. Da es hier
einiges zu entdecken gibt (vergleiche dazu das Heft »Auf der Entdeckung
des versteckten Elbas« von Legambiente; Link zur Online-Ausgabe siehe
unten), waren wir zweimal
hier. Das erste Mal war unser Ausgangspunkt S. Piero, das andere Mal Seccheto am
Eingang des Vallebuia. Nach Seccheto fährt die Ringlinie 116, nach
S. Piero muss man am Colle Palombaia umsteigen in einen Kleinbus, der
die (verwirrender Weise ebenfalls mit 116 bezeichnete) Strecke Flughafen
- Marina di Campo - S. Piero - S. Illario bedient.
Italiener, die zum Strand wollen, sprechen uns an der Bushaltestelle an und fragen nach der Verbindung. Als sie erfahren, wo wir hinwollen, schütteln sie den Kopf und schauen sich ratlos an: Sono abbastanza gentile, i tedeschi, ma un po strano.
In S. Piero hält der Bus am Dorfplatz, wo sich logischerweise auch das Caffè Central befindet, in dem wir uns erst einmal einen caffè und einen cappuchio gönnen (zusammen 1,90 €, wie es sich gehört) und dem morgendlichen Dorftreiben zuschauen (die alten Männer sitzen am Brunnen unter Platanen und reden oder dösen, die Frauen stehen am gerade eingetroffenen Gemüsewagen an, alles ist unterwegs mit Besorgungen - beim Bäcker, beim Metzger, zum Zeitungsladen). Oberhalb des Dorfes erstreckt sich ein mit Kiefern, Riesenfarnen und Besenginstern - die jetzt noch blühen - bewachsenes, sandiges Geländes, in dem viele schöne Tafoni-Steine zu finden sind; der größte von ihnen ist der »Pietra Murata«, ein Haus-großer Monolith. Dort kann man den ganzen Tag kreuz und quer umherstreifen, ohne irgendwelchen Leuten zu begegnen. Anfangs ist es sogar noch neblig, hier auf der Höhe fängt sich die feuchtwarme Luft vom Meer an den Bäumen und sorgt für üppigen Pflanzenwuchs. An der Ruine der Mühle von Moncione vorbei sind wir dann oberhalb des noch in Betrieb befindlichen Steinbruches (wo in harter körperlicher Arbeit mit Hand- und Pressluft-Hammer und Meißel die Platten und Stelen aus dem Granitfelsen gehauen werden) wieder nach S. Piero zurückspaziert, wo wir die Wartezeit auf den Bus bei einem großen Radler überbrückten.
Vor einigen Jahren wurde in der Nähe nach einem Brand auch ein antiker
Steinbruch entdeckt, in dem noch zahlreiche (daher der Name »Steinbruch
der 100 Säulen«) halbfertige Granitsäulen herumliegen.
Eine weitere, kleiner Fundstelle befindet sich etwas abseits der Fahrstraße durch das
Vallebuia. Alle Fundorte sind mittlerweile beschildert und die Wege
dorthin markiert, allerdings nicht in der Kompass-, sondern nur in der
Multigraphic- und der Naturpark-Karte eingetragen. Ein augenscheinlich neu
angelegter Weg führt von den Steinbrüchen nach Cavoli, als
Verbindungsstück der Wege 17 und 32. Der Abzweig zu den Säulen befindet sich bei
einem Caprile, das unter einen auffälligen, helmartigen Stein gebaut wurde.
Obwohl man meint, zu den menschenwimmelnden Stränden von Seccheto und Cavoli hinunterspucken zu können, ist es hier ruhig, als wäre man aus der Welt; lediglich ab und an trägt der Wind undeutlich Motorengeräusch und Stimmen von der Küste herauf. Nur ein Mufflon hat uns neugierig beäugt, naja und die unvermeidlichen Wildschweine grunzen natürlich auch aus dem Gebüsch. Wir sind dann zur Bushaltestelle nach Cavoli abgestiegen, wo auf dem Kinderspielplatz eine weitere - es ist dann wohl die 101. - Granitsäule zum Kindervergnügen herumliegt.
Über den Colle della Grottaccia.
Die Gegend um die »schreckliche Grotte« ist tatsächlich der düsterste Ort, den
wir auf unseren Touren gesehen haben. Ein heftiger Talwind
trieb an diesem Tag Nebelschwaden um die bizarren Felsformationen auf der Kammhöhe. Die
fehlenden Sonnenstrahlen führten sofort zu ungewohnter Kühle und
Düsternis. Unheimlicher ist es auch nicht auf einer heiđi
Islands. Aber der Reihe nach...
Die Tour beginnt in Pomonte an der Bushaltestelle, wo man die Dorfstraße
talaufwärts nimmt (unterwegs noch ein Lebensmittelgeschäft). An einer Brücke
über den Bach, der uns auf einem Großteil der Wanderung begleitet, treffen wir
auf die ersten Wegweiser des Naturparks (wunderbarerweise immer noch (wieder?)
mit den tönernen Naturpark-Logos in der Vertiefung des Holzes, die anscheinend
als Souvenir sehr beliebt sind). Der Talgrund ist mit Buschgras bestanden,
gesäumt von Gärten, bei deren Zaunkonstruktionen offenbar die ausrangierten
Bettenroste eines Hotels Verwendung fanden. Ein älterer Mann kommt uns entgegen,
in beiden Händen Eimer mit frisch gepflückten Aprikosen. Wir können nicht
anders, als die Früchte zu bewundern, und sofort bietet er uns welche an. Als
jeder von uns sich mit einer begnügen will, ermuntert er uns, mehr zu nehmen:
»Dieci porta fortuna« (Die Zehn bringt Glück). Wir haben dann jeder
noch eine genommen und uns bedankt, aber leider habe ich nicht nach der
Bedeutung des Sprichwortes (?) gefragt. Und bisher habe ich es auch nicht
herausbringen können, selbst der Zingarelli bleibt dazu die Antwort schuldig.
Der Pfad nähert sich dem Talgrund und wird zusehends von der üppigen Vegetation überwuchert. Der Bach wird mehrmals überquert und dort, wo er eine kleine Stufe überwinden muss, weicht der Weg über einen kleinen Rücken aus. Aber schon bald blitzt der Wasserspiegel wieder durch die Bäume (Erlen, Eichen und Kastanien) und man hat das Zentrum eines kleinen Dschungels erreicht. Schlingpflanzen hängen von den Bäumen, die Luft riecht modrig, und es ist ganz still. Es gab (gibt?) Pläne, dieses wunderbare Tal unter Wasser zu setzen, um den Wasserbedarf für den Tourismus besser decken zu können. Zum Glück sprechen wohl geologische Bedenken dagegen; der Untergrund ist ziemlich brüchig, (was ich bestätigen kann: Auf der Suche nach der Kirche S. Biagio in ich aus dem Bachtobel an den schiefrigen Platten hinaufgestiegen) und eine zweite Vajont-Katastophe möchte wohl niemand verantworten. Davon abgesehen, wäre einer der schönsten Flecken Elbas unwiederbringlich verloren. Aber wer nur die Küste und die Städte besucht, den interessiert das wohl nicht besonders...
Die eben erwähnte Kirche ist nicht ganz leicht aufzufinden (sie trägt
schließlich den Beinamen »Die Verborgene«) und im ersten Anlauf haben wir auch
die Abzweigung des Pfades, der zu ihr
führt, verpasst. Ein Blick in die Multigraphic-Karte hilft hier (in der
Kompass-Karte ist sie nicht verzeichnet): Der Wanderweg umgeht den Fosso Barione
auf einem kleinen Rücken in Gehrichtung rechts. Nach einer Hausruine (Casa Testa, 192
m) stößt er etwa auf Kote 238 wieder auf das Bachbett. Hier jetzt nicht dem
Hauptweg weiter folgen, sondern über den Bach und auf einem kleinen Pfad in den
Fosso Vallaccia. Nach etwa einer Viertelstunde erreicht man die Ruinen von S.
Biagio (436 m), gut versteckt im Buschwald auf den Ausläufern des Colle di
Tutti, einer Bergnase zwischen Fosso Vallaccia und Fosso Barione. Die
Kirche war früher Zentrum eines gleichnamigen Ortes und im 16. Jahrhundert
Schauplatz eines blutigen Kampfes, von dem das Tal seinen Namen bekommen hat (Valle
dei Mori): Der berüchtigte tunesische Pirat Dragut landete auch an der
elbanischen Küste bei Pomonte, brandschatzte S. Biagio und nahm die Überlebenden als
Sklaven. Durch das Eingreifen anderer Inselbewohner konnten die Piraten
zurückgeschlagen und die Bewohner befreit werden. S. Biagio aber blieb verwüstet
und wurde nicht wieder besiedelt.
Von der Kirche geht man weiter taleinwärts und trifft kurz vor dem Talschluss wieder auf den (jetzt orographisch rechts verlaufenden) Hauptweg. Hier muss man noch einmal den Bach überqueren (die Furt ist nicht auf Anhieb zu finden, ich habe mal ein Steinmännchen gebaut) und über bemooste Blockfelder rechts den Hang hoch in einen dunklen Wald von Arbutus und Steineiche, Tummelplatz zahlreicher Wildschweine, wie aus dem aufgewühlten Weg zu schließen ist. Der Wald tritt zurück, und da der Weg sich um 180° gewendet hat und wieder Richtung Meer verläuft, kann man das Tal, das man eben durchwandert hat, in seiner ganzen Länge überblicken.
Bald
erreicht man eine Wegespinne (628 m). Hier
treffen sich die Wege Nr. 30, der zum Pietra Murata führt und Nr. 8
(GTE) vom Monte Capanne, dem wir weiter in Richtung des nahe gelegenen
Colle delle Grottaccia (647 m) folgen. Der Hauptweg führt links an der Kuppe
vorüber; der Aufstieg dorthin ist mit Steinmännern markiert. An
diesem Tag war wegen des oben erwähnten Nebels zwar keine großartige Aussicht zu
erwarten; ich bin trotzdem hinaufgestiegen, weil das Kraxeln auf und zwischen
den Granitblöcken, die hier wie Trümmer einer megalithischen Festung herumliegen, einfach Spaß
machte.
Der Weg führt weiter zu einer Alm, wo schön geschichtete Steinhütten und Zäune einen regelrechten (verlassenen) Weiler bilden. Ein wunderbarer, grüner Rastplatz! Im weiteren Verlauf folgt der Weg zunächst dem Höhenrücken, ein lustiges Auf und Ab und Links und Rechts über Blöcke und durch Lorbeer- und Ginstergebüsch, wo der Wegverlauf nicht immer ganz deutlich ist. Auf Steinmänner achten (und auch mal selber welche setzen) und keinesfalls den Wegspuren ins Vallebuia folgen!
Schließlich senkt sich der Weg hinter dem freien, sandigen Rücken des Monte Orlano (550 m; Wegweiser, Schafspferche) wieder nach rechts ins Valle delle Mori und führt in Kehren recht steil, teilweise über Schutt, teilweise tief ausgewaschen im roten Schiefer quer durch verwilderte Terrassen in den Talgrund, wo man kurz vor den Gärten von Pomonte wieder auf den Hinweg trifft.
Das Flachland in der Mitte der Insel
..., das übergehen wir mal. Es besteht im Prinzip aus den Stränden und
Hotelzeilen von Procchio (dort treffen sich die beiden gegenläufigen Kurse der Buslinie 116 von/nach Portoferraio) im Norden,
Marina di Campo (Abfahrt der Stichstrecke der Linie 116 nach S. Piero
und S. Ilario bzw. zum Flughafen) im Süden und dem Flughafen
dazwischen.
Die Berge im Osten der Insel
Auch nicht Saaten allein und schuldige Nahrung erzwang man
Herrisch vom reichen Gefild: man drang in die Tiefen der Erde,
Und wie sorgsam versteckt, und entrückt zu den stygischen Schatten,
Grub man die Schätze hervor, Anreizungen aller Verbrechen.
Schon war schädliches Eisen, und Gold, heilloser denn jenes,
Ausgewühlt; da erhub sich der Krieg, und kämpfte mit beidem;
Und in der blutigen Hand erschüttert' er rasselnde Waffen.
Ovid (ein antiker Elba-Tourist), Metamorphosen 1, 3 - Die Weltalter, 137 - 143 (übersetzt von
Joh. Heinrich Voß)
Zu Ovids Zeiten (er weilte dort um 8 n. Chr. als 50-jähriger - also war die Insel anscheinend schon damals bei gesetzteren Herrschaften beliebt) war Elba das Ruhrgebiet Italiens; das Goldene Zeitalter der Erdbeerbäume hatte sich längst in die Gebirge geflüchtet. Das Eisen-Zeitalter endete auf Elba nach dem 2. Weltkrieg, als die italienische Regierung beschloss, die zerstörten Hochöfen von Portoferraio nicht mehr aufzubauen und statt dessen den Tourismus zu forcieren...
Von
Rio nell'Elba nach Porto Azzurro. Die Anfahrt mit öffentlichen
Verkehrsmitteln aus dem Westen der Insel ist nicht ganz einfach: Man muss vor
Portoferraio am Verkehrskreisel Bivio Boni aussteigen, etwa 100 m
Richtung Porto Azzurro laufen und dort auf den bald eintreffenden Bus aus
Portoferraio warten (Umsteigen in Portoferraio klappt zeitlich nicht). Durch
eine im Vergleich zum Westen doch stärker touristisch geprägt Landschaft
(dazu hauptsächlich Weinanbau) geht es (mit oder ohne Abstecher nach Capoliveri) über
Porto Azzurro nach Rio nell'Elba.
Nach einem caffè
stiefeln wir los, aber nicht am »Dom«,
wie der Rother-Wanderführer schreibt, sondern schlicht an
der Pfarrkirche: Dass über dem Portal groß die
Inschrift DOM prangt, ist kein freundlicher Service für
deutschsprachige Besucher (soweit reicht das Entgegenkommen auch auf
Elba nicht), sondern die Abkürzung für das lateinische
»Deus Optimus Maximus«, was soviel wie »Der
Allmächtige Gott« bedeutet (ursprünglich ein Titel für den römischen Haupt- und
Staatsgott Jupiter) und sich an vielen italienischen
Kirchen findet. Von der Bergbautradition des Ortes ist nur noch wenig
zu sehen. In Richtung Ostküste erstrecken sich die stillgelegten Terrassen
des Erzabbaus; die Verwaltung der Gruben war schon vor Längerem zum
Verschiffungshafen Rio Marina verlegt worden, und das private Mineralien-Museum
eines Sammlers befindet sich jetzt in Capoliveri. Hinter dem Waschhaus (an
Bushaltestelle unterhalb des Dorfes) befindet sich übrigens eines der
Besucherzentren des Naturparks.
Die
gepflasterte Dorfstraße hoch und über eine wenig befahrene Teerstraße geht
es zu einem Parkplatz, wo man nach einem Blick zur Festung Volterraio bei
genügend Zeit erst mal einen Abstecher in Gegenrichtung zum »Hexenberg«
(Monte Strega)
oder noch weiter zum Aussichtsberg Monte
Serra (393 m) machen kann. (Wo aus Richtung Cavo das Gegenstück zu Volterraio,
der Torre del Giove herüberschaut.) Zurück am Parkplatz, geht es
auf der GTA über den kahlen Höhenzug mit der Cima del Monte
(516 m; mit Antennen) aussichtsreich in Richtung Porto Azzurro. Der
Kontrast zu den Landschaftsbildern im Westen der Insel ist augenfällig. Bevor man endgültig zur Bucht absteigt, kann man einen
Abstecher (ca. eine halbe Stunde) zum Kreuz der Madonna del Monserrato
machen, das über der Stadt leuchtet. Die Weinbauern halten anscheinend
wenig von Wanderwegen, daher muss man den (erlaubten) Verlauf durch die
Weinberge ein wenig suchen. Die Bushaltestelle für die Rückfahrt ist
ganz in der Nähe des Yacht-Hafens.
Die Halbinsel Calamita und ihre Erzberge. Wie
schon erwähnt, ist die Anfahrt mit öffentlichen
Verkehrsmitteln aus dem Westen der Insel etwas langwierig.
Nur zeitweilig fährt der Bus nach dem weithin sichtbaren Capoliveri hoch.
Daher beschränkte sich unser Ausflug zum berühmten Eisenberg, der als
»Magnetberg« in früheren Zeiten angeblich eine Gefahr für vorbeifahrende Schiffe
war, auch nur auf einen etwas längeren Spaziergang. Von Capoliveri (165 m) führt ein kommoder
Weg zum Monte Calamita (412 m), der eher etwas für die entsprechend zahlreichen
Mountainbiker ist. Von dort geht es Serpentinen abwärts zu den
Abbau-Terrassen, die unmittelbar an die Küste stoßen. Die Landschaft (und
teilweise das Wasser) leuchtet vom allgegenwärtigen Hämatit in allen Rottönen.
Aber auch viele andere Mineralien, wie Pyrit und Quarz, lassen sich quasi am
Wegesrand finden. Die Einrichtung eines »Mineralienparks« war da natürlich
naheliegend, durch den auch Führungen angeboten werden. Zurück nach Capoliveri
kann man mit dem Mare-Bus fahren, der die Strände abklappert.
Ausklang in Pisa
»Halb 12 Ankunft in Pisa und Besteigung des famosen, leider schiefen
Kampanile
...«
Hermann Hesse, In Pisa (1901)
Da unser Flieger erst am Abend ging, und wir (alles natürlich perfekte [Fahr-]Planung!) morgens zeitig mit dem Bus in Portoferraio ankamen und nach caffè e cornetto in der Hafenbar sofort die Fähre besteigen konnten (im Gegensatz zur Ankunft nun an der Mole weiter Richtung Darsena-Becken) und in Piombino Marittima schon der Zug nach Pisa bereitstand, waren wir am späten Vormittag dortselbst und konnten uns noch ein wenig Kunst- und Küchengenuss gönnen.
Vom Bahnhof gingen wir die in meinem - zugegebenermaßen nicht brandneuem (nach den direkt vor (!) dem Eingang des Kampanile geparkten Automodellen zu urteilen) - kleinen Kunstreiseführer empfohlene Route zur Piazza dei Miracoli.
An deren Verlauf hat sich anscheinend nichts geändert; immer noch folgt der Strom der Fremden diesem Weg und sogar die im Führer ständig zu lesende Bemerkung, diese oder jene Kirche sei momentan wegen Reparaturarbeiten geschlossen, trifft immer noch zu, auch wenn es wohl keine Kriegsschäden mehr sind, die es zu beseitigen gilt. Endpunkt der Route ist die Piazza mit dem beeindruckenden Ensemble von Kathedrale, Kampanile, Baptisterium und Friedhof.
Wiederum unser Cicerone Hermann Hesse: »Vor dem hübschen, ruhigen Städtchen Pisa liegt abseits und von grünen friedlichen Wiesen eingeschlossen eine stille, ernste, marmorne Welt, einsam und vom Zauber einer alten, untergegangenen Kunst übergossen.«
Ja, die Wiesen waren grün, die Gebäude marmorn, sonst stimmten leider die von uns vorgefundenen Verhältnisse nicht mit dieser Beschreibung überein; da haben wir nach einem Rundgang über den Platz und einem Gebet in der Kathedrale (Einlass durch einen nur zu diesem Zweck geöffneten und bewachten Nebeneingang; ohne Eintrittsgeld und Wartezeiten) wieder Reißaus genommen. (Was Hesse noch nicht wissen konnte: Sehenswert sind auch die Trauben kichernder Mädchen in ihren flatternden, lindgrünen »Anstands-Pelerinen«.)
Da es mittlerweile früher Nachmittag war, meldeten sich unsere Mägen. Wir hatten aber keine Lust, uns in eines der Touristenlokale nahebei zu setzen, wo uns das Plastikbesteck und neugierige Blicke der Vorbeigehenden auf den Teller doch arg gestört hätten. Wenn man sich nicht auskennt, fragt man (halbwegs) Einheimische und so ging ich durch eine Pforte in den Hof eines der Universitätsinstitute, die über die ganze Innenstadt verstreut sind (es war ausgerechnet die bio-chemische Fakultät) und fragte eine Gruppe Studenten nach einer Empfehlung. Wir wurden hinter die Piazza dei Martiri geschickt (kein böses Omen, hoffte ich), wo wir in einem Studentenlokal neben einem Kopierladen im ruhigen Innenhof ohne Brimborium lecker und günstig aßen und tranken. Anschließend hielten wir auf einer Bank unter den Bäumen des schön angelegten Platzes Siesta.
Ein rundherum gelungener Urlaub ging ohne Hektik zu Ende und selbst noch am nüchternen Flughafen bot sich Stoff zu Schmunzeln und Sinnieren: Zuerst kam in filmreifer Choreografie ein komplettes Orchester durch die Tür; von den tänzelnden, kichernden jungen Frauen mit Flötenköfferchen an der Spitze bis zum schwer schleppenden, schwitzenden Chellospieler am Schluss - eine Augenweide. Dann entdeckte ich - mir die weitere Wartezeit mit Herumspazieren vertreibend - an diesem umtriebigen Ort zu meiner Verblüffung einen »Herrgottswinkel«, und zwar für die Patronin der Host- und Stewardessen: Die Hl. Bona von Pisa (Gedenktag 29. März) mit dem Beinamen »die jungfräuliche« geleitete Pilger nach Rom und zum Grab des Apostels Jakobus (in Deutschland mittlerweile wohl besser als Santiago bekannt...). Da erscheint einem die als so flatterhaft geltende Berufsgruppe doch in einem ganz anderen Licht...
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MINERALI DA COLLEZIONE |
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STEINSAMMLUNG |
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Steingedicht inspiriert von
beltwild.de. |
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Ursula (Bilder) und Michael (Text, Bilder), Juni/Juli 2008
Praktische Hinweise
Anreise und Verbindungen vor Ort: