Dolomitentour
Civetta und Schiara

5. - 12. Juli 2003


Unser diesjähriges Team:

Lothar Thorissen - Karl Heinz Wendisch - Karl Wehr - Wilfried Thorissen


 

Auf dem Gipfel des Colac (2.715 m)

(zum Vergrößern der Bilder drauf klicken)



Tourenübersicht</td


1. Tag: 650 Hm ↑ 650 Hm ↓ 3 Std
Ankunft gegen Nachmittag - Aufstieg vom Rifugio Dolomia am Fedaia-See über die Skipiste zum Capanna al Ghiacciaio (2.700 m) am Rande des Gletschers und Rückweg auf Weg 606

2. Tag: 570 Hm ↑ 1.250 Hm ↓ 5 ½ Std -------- ↑ 100 Hm ↑ 300 Hm ↓ 1 Std
Fahrt vom Rifugio Dolomia zur Seilbahnstation Ciampac (2.170 m) - Via ferrata dei Finanzieri auf den Colàc (2.715 m) - Abstieg über gesicherten Steig bis Forcia Neigra - Weg 646 ins Val Contrin nach Solanga - Fahrt mit dem Auto bis Alleghe - Pian di Pezze - - Sessellift zum Rist. Col deiBaldi - Weg 561 zur Forcella di Alleghe - Weg 556 zum Rifugio A Sonino al Coldai (2.132 m)

3. Tag: 1.100 Hm ↑ 240 Hm ↓ 1 ½ Std bis Einstieg 4 Std Gipfel ½ Std Hütte ∑ 6 Std
Vom Rifugio Coldai über Sentiero Tivan - Nr. 557 - bis Einstieg - Via ferrata degli Alleghesi - Gipfel Civetta (3.220 m) - Abstieg zum Rifugio Torrani (2.984 m) über Via normale

4. Tag: 1.750 Hm ↑ 350 Hm ↓ 7 Std
Vom Rifugio Torrani Abstieg über Normalweg (teilweise gesichert) bis Passo del Tenente (2.366 m) - Weg 557 und dann 558 zur Crepa Tonda (1.884 m) - 557 bis Rist. Le Vare - Str. 347 Aufstieg bis Passo Duran zum Rifugio San Sebastiano (1.605 m)

5. Tag: 1.000 Hm ↑ 1.010 ↓ Hm 4 Std bis Abzweigung 2 ¾ Std bis Hütte ∑ 6 ¾ Std
Vom Rifugio San Sebastiano Abstieg über Passstraße bis Malga Caleda Vecchia - Weg 543 bis Malga Moschesin (1.800 m) - Forcella Moschesin bis Abzweigung Weg 514 - Portela del Piazedel (2.097 m) - Forcella de Zita nord (2.351 m) - Rifugio Pian de Fontana (1.632 m)

6. Tag: 780 Hm ↑ 920 Hm ↓ 3 ½ Std Forcella Marmol ½ Std Bivacco 2 ½ Std Hütte ∑ 6 ½ Std
Rifugio Pian de Fontana - Weg 514 - Forcella La Varetta (1.704 m) - Forcella Nerville (1.953 m) - Forcella del Marmol (2.262 m) - Bivacco Sandro Bocco al Marmol (2.280 m) - Via ferrata Marmol - Rifugio 7° Alpini (1.490 m)

7. Tag: 1.090 Hm ↓ ∑ 3 Std
Rifugio 7° Alpini - Weg 501 durch das Val d´Orso - Case Bortòt - Bolzano Bellunese -
Mit dem Bus bis Belluno - weiter mit Bus bis Alleghe - mit dem Auto bis Bozen - Übernachtung im Hotel Feichter



Tourenbericht



Samstag, 5.7.2003 - Ankunft Fedaia-See - Rifugio Dolomia - Aufstieg Capanna al Ghiacciaio 
650 Hm
↑ 650 Hm ↓ 3 Stunden

Wie gewohnt treffen wir uns um 3.00 Uhr bei Wilfried in Oppum und es geht in rascher Fahrt, diesmal über München, bis ins Grödner Tal. Hinter Wolkenstein legen wir eine Rast ein um uns die Beine zu vertreten und den Proviant zu verspeisen. Als wir am Lago di Fedaia am Nachmittag ankommen, ist es wolkenverhangen. Unser Zimmer im Rifugio Dolomia ist noch recht komfortabel. Ich kann es mir mit Karl-Heinz im Doppelbett bequem machen. Aber, erste Probleme! Nach erfolgter Darmentlehrung funktioniert die Spülung nicht! Nun ja, es wird die Papierkorbwasserspülung perfektioniert, was aber nicht so leicht ist. Denn, es ist so ein wabbeliges Ding mit seitlichen Öffnungen.

Das Wetter wird besser, die Sonne lässt sich sehen. Also auf zum Akklimatisierungsspaziergang. Wilfried kennt einen Weg um den Fedaia-See. Den haben wir aber irgendwie verpasst und kommen so immer höher. Schließlich fühlen wir uns so stark, mal eben bis zum Gletscher zu laufen. Nach wunderschöner Aussicht schmeckt uns ein Bier in der Capanna al Ghiacciaio (2.700 m). Nach dieser Einstimmung haben wir noch längere Zeit vor unserem Quartier in der Sonne gesessen und uns auf die anstehenden Touren gefreut. Nach diesem anstrengenden Tag ist frühe Nachtruhe angesagt. An sich hat Karl bereits seit dem späten Nachmittag geschlafen, er bestreitet dies jedoch mit dem Hinweis, er habe nur in sich geruht.


Sonntag, 6.7.2003 - Ciampac - Via ferrata dei Finanzieri - Colàc (2.715 m) - Val Contrin - Autofahrt nach Alleghe - Sessellift zum Rist. Col dei Baldi - Rifugio A Sonino al Coldai (2.132 m)
570 Hm 1.250 Hm ↑ 5 ½ Std 100 Hm ↓ 300 Hm ↑ 1 Std
Restaurantartiges Frühstücksbüfett erfreut uns am Morgen. Ein Blick nach draußen, strahlender Sonnenschein lacht uns entgegen. Mit dem Auto geht es den kurzen Weg die Passstraße hinab bis zur Ciampac - Seilbahn. Wir erwischen leider erst die zweite Bahn. Brechendvoll. Ein ganzer Bus. Dafür zeigt uns italienisches Stimmengewirr wo wir sind. Tatsächlich, die wollen alle zum Klettersteig. Also, Beine in die Hand und los zum nahen Einstieg. Am Felssockel legen wir unser Klettergeschirr an. Die Italiener nahen. Karl-Heinz kommt die Hektik ungelegen. Gurt anschmeißen, erster Klettersteig in den Dolomiten - muss das so sein? Aber wir schaffen es. Nach den ersten Passagen kommt die Ruhe und Klettersicherheit und wir können uns am Sonnenschein und den super Tief- und Ausblicken erfreuen.

                  Via ferrata dei Finanzieri

Der technisch recht schwierige Steig führt durch die NW-Flanke des Colàc (2.715 m). Auf direkter, teilweise senkrechter Route führt der Steig zum Gipfel. Versetzt und teilweise überhängende Krampen bilden, verbunden mit einem schwindelerregenden Tiefblick die Schlüsselstelle.

Der Colàc bildet im Kreis der renommierten Dolomitengrößen ein recht bescheidenes Dasein. Am Eingang des Contrintals hat er wegen seiner Lage jedoch einen wunderschönen Rundblick zu bieten. Langkofel - Sellamassiv - Marmolata.

Nach gut 2 1/2 Stunden - wir haben viele Fotos gemacht - erreichen wir um 12.15 Uhr den Gipfel und genießen die Dolomiten. Weiter geht es über den gesicherten Abstieg der Ostschlucht zur Forcia Neigra an Edelweißhängen vorbei. Wie ausgesät! Auf dem Steig Nr. 646 gehen wir steil hinab in das Val Contrin. Schließlich werden es 1.250 Höhenmeter hinab sein. Ganz schön happig! Wir müssen ja noch bis zum Rifugio Coldai.

In Solanga angekommen verspeisen wir erst einmal gierig die Reste des heimischen Nusskuchens und fahren dann die recht kurze Strecke bis Alleghe. Dort sehen wir schon das Civetta-Massiv. Wow, da soll es hochgehen?

Mit dem Auto kommen wir bis Pian di Pezze und von dort mit dem Sessellift bis zum Rist. Col dei Baldi. Ein Bier zur Stärkung und noch einmal aufraffen bis zum Rifugio A Sonino al Coldai (2.132 m). Die Hütte liegt im obersten Val Ziolere mit Blick in das Val Zoldana Alta, auf die Bosconero- und Prampèrgruppe und natürlich den mächtigen Pelmo.

Ein beileibe anstrengender Anfang unserer Tour.

Belohnt werden wir mit gutem Essen und Rotwein. Wir lachen noch über Karls Ausrutscher in die Wiese, von Wilfried schmählich missachtet. Wie, wer ist gefallen? Ich lasse noch einmal die schönen Rückblicke in der ferrata in Gestalt einer hübschen Italienerin Revue passieren. Ein zierliches Gläschen Grappa rundet den Abend ab. Karl-Heinz verweigert sich noch und geht schon einmal zu den Lagern. Wie lange wird seine "Grappaverweigerungshaltung" anhalten?





Montag, 7.7.2003 - Rifugio Coldai - Sentiero Tivan - Via ferrata degli Alleghesi - Gipfel Civetta (3.220 m) - Rifugio Torrani (2.984 m) 1.100 Hm ↑ 240 Hm ↓ 6 Std
Strahlender Sonnenschein weckt uns. Um 8.00 Uhr gehen wir voller Erwartung los. Die Rucksäcke sind noch schwerer als sonst. Am Abend vorher haben wir im Rifugio Torrani vier Lager bestellt. Der Hüttenwirt ist am Vortag aufgestiegen. Wunderbar, dann müssen wir keine Mammuttour machen. Denn wir wollen ja noch über den Passo Duran Richtung Schiara. Aber einen Haken hat die Sache! Wir sollen 2 Kilo Zucker mitbringen! Also werden noch zwei Pakete Zucker und ein Überraschungspaket der Coldaiwirtin verstaut.

              Via ferrata degli Alleghesi  

Über den Sentiero Tivan - 557 - ziehen wir, mehrere Karmulden querend, durch die Ostflanke des Civettamassivs. Aus einer kleinen Scharte am Schienàl del Bec weisen die Steigspuren zum Einstieg der Ferrata. Wir erreichen die mit lohnendste Eisenroute der Dolomiten nach 1 1/2 Stunden.

Leider ziehen immer wieder Nebelschwaden auf. Die Sicht wird etwas behindert, andererseits verleihen sie dem Steig etwas gespenstiges, bedrohliches. Der Verlauf ist zunächst vom mächtigen Ostpfeiler der Punta Civetta (2.929 m) vorgezeichnet. 900 Höhenmeter sind im Steig zu überwinden! Die steile, senkrechte Einstiegswand fordert direkt vollen Einsatz. Aber es macht sofort Spaß. Es geht durch Rinnen, enge Kamine, über Schrofen, Bänder und senkrechte Felsaufschwünge. Karl geht als erster und legt ein gleichmäßiges Tempo vor.  Immer wieder werden Fotomotive entdeckt. Schwierigkeiten werden souverän gemeistert, Konditionsmängel zeigt keiner. Altersmäßig bedingte gymnastische Mängel werden geschickt verdeckt. Wir haben Spaß am Bergsteigen!

Auf ca. 2.900 m tangiert die Ferrata Alleghesi unter der Punta Tissi den Nordgrat der Civetta. 2000 m tiefer glitzert der Alleghesee (966 m). Wir erreichen den Gipfelgrat und schließlich gegen 14.00 Uhr das Gipfelkreuz. 4 Stunden haben wir ab dem  Einstieg gebraucht. Wir müssen ja nicht mehr ins Tal und konnten uns Zeit lassen. Wir rasten auf dem Gipfelund verspeisen unser kleinen Kraftreserven wie Schokoriegel oder Käse.

Der Blick auf das Alpenpanorama, den tiefliegenden Alleghesee - jetzt sind es 2.250 Hm - und in die mächtige NW - Wand der Civetta sind überwältigend. Wir sind uns einig. Ein wirklich "ausgewachsener" Berg!

Auf der Via normale steigen wir in knapp 30 Minuten steil zum Rifugio Torrani (2.984 m) ab. Hierüberreichen wir gegen ein kostenfreies Bier den Zucker.

Aber nach erstem Umschauen, hier sieht es ja aus wie auf einer Baustelle! In der Hütte ist ein neuer Dachträger eingezogen worden, nichts ist auch nur eine Spur aufgeräumt. An sich ist die Hütte von innen urig. Aber in dem Zustand! Na, wir werden es überleben. Nach und nach stellt sich heraus, dass es kalt und vor allem klamm und feucht ist. Alle Decken und Matratzen werden nicht gut gegen Rheuma sein. Ohne sie zu outen gibt es Kameraden die schlicht alles anziehen, was der Rucksack hergibt. Ein neuer Ofen kommt erst am Abend mit dem Materiallift und wird wohl erst die nächsten Tage aufgestellt.

Materiallift! Warum haben wir eigentlich den Zucker geschleppt?? Immerhin, das Essen, Suppe und Spaghetti, wärmen uns ein wenig. Auch Grappa muss als Labsal herhalten. Karl-Heinz Widerstand erlahmt zwangsläufig. Bereits um 20.45 Uhr geht es in die Betten. Wir tauschen die alten Decken gegen neue, noch in Folie verpackte, aus. Tatsächlich, die sind noch einigermaßen trocken.


Dienstag, 8.7.2003- Rifugio Torrani (2.984 m)- Abstieg über Via normale - Passo Tenente (2.366 m) - Crepa Tonda (1.884 m) - Aufstieg über Passstraße bis Passo Duran - Rifugio San Sebastiano (1.605 m) 1.750 Hm ↑ 350 Hm ↓ 7 Std

Irgendwie können wir alle nicht so richtig schlafen. Karl-Heinz ist als erster auf den Beinen und berichtet uns vom kurz bevorstehenden Sonnenaufgang. Wirklich ein traumhafter Anblick. Sonnenaufgang hinter dem Pelmo in 3.000 m Höhe. Und kein Zivilisationsgeräusch ist zu hören. Bis 6.45 Uhr müssen wir noch auf das Frühstück warten und beginnen dann bei Traumwetter den Abstieg über die Normalroute.

Bereits der Vortag mit dem Alleghesi und trotz der Widrigkeiten der Hütte wird ein unvergessenes Bergerlebnis bleiben. Aber auch der Abstieg hat es in sich. Teilweise gesicherte Stellen wechseln mit ungesicherten Stellen ab. Stets ist volle Aufmerksamkeit geboten. Immer wieder tolle Aus- und Rückblicke. Der Pelmo beherrscht immer wieder das Bild.



Ach, übrigens Karl, am "Passo Grünwald" hast du auf dich aufmerksam gemacht!

So heißt der Plattenschuss an dessen Ende man weiter ins Geröll absteigt. Zunächst ist noch ein Übergang vom Fels in ein teilweise weggetautes Schneefeld zu meistern. Wir gehen auf dem Steig 557 und nachher 558 weiter steil hinab bis zur Crepa Tonda. Von hier geht der Materiallift zum Rifugio Torrani. Schließlich weiter bis zur Passstraße Duran. 1.750 Hm runter! Eine Wohltat für unsere jugendlichen Gelenke! Im Übermut verschärfen wir das Tempo und ziehen wohl zurecht den Unmut Wilfrieds auf uns.

Nach ca. 7 Stunden haben wir das Rifugio San Sebastiano auf der Passhöhe erreicht. Ein kühles Weizenbier belohnt uns.
Eine Dusche ist zudem vorhanden. Etwas ungewohnt! Dafür aber kalt. Überhaupt setzen wir an diesem Tag den Joker. Das Essen ist hervorragend. Bereits früh hat der sich um alles kümmernde Chef herausgefunden, dass wir von der Civetta kommen und hat uns Details über die Verhältnisse entlockt. Diese gibter weiter und so werden wir von einigen Bergkameraden angesprochen und befragt.








Mittwoch, 9.7.2003 - Rifugio San Sebastiano - Dolomitenhöhenweg 1 - Malga Moschesin (1.800 m) - Forcella de Zita nord (2.351 m) - Rifugio Pian de Fontana (1.632 m)
1.000 Hm ↑ 1.010 Hm ↓ insgesamt 6¾ Std

Wie erwartet, ein wirklich sehr gutes Frühstück versüßt uns den Morgen. Wiederum bei Sonnenschein starten wir um 8.00 Uhr unseren heutigen Marsch. Diese Gegend kennt von uns keiner mehr. Es geht ein gutes Stück die Passstraße herunter. Dann zweigen wir auf den Steig 543 ab. Recht steil geht es durch einen wunderschönen Wald aufwärts. Durch ein großes Blockfeld weiter dem Tàmer-Massiv entgegen. An der Malga Moschesin (1.800m) können wir uns an einer von einem Vögelchen bewohnten Quelle laben. Tolle Bergblumen und Pflanzen begleiten unseren Weg. Überhaupt, die Gegend hat sich geändert. Nach ca. 4 Stunden sehen wir das Rifugio Sommariva sul Pramperèt (1.857 m) in einiger Entfernung liegen. Da für Mittag an sich Gewitterneigung angesagt war gehen wir direkt weiter zum Rifugio Pian de Fontana. Unglaubliche Blumenwiesen begleiten unseren sehr steilen Abstieg bis zur Hütte. Auch einzelne Gemsen haben wir gesichtet. Karl kann uns immer wieder etwas über einzelne Pflanzen erklären. Gegen Süden wird erstmals der Blick auf die Schiara frei. Nachdem Karl-Heinz am Morgen gehtechnisch nicht so gut drauf war, läuft es seit Moschesin wieder reibungslos.

Das Rifugio Pian de Fontana besteht aus einem Hauptgebäude und mehreren Schlafgebäuden. Nachdem wir unsere Lager bezogen haben, machen wir es uns noch einige Zeit vor der Hütte bequem. Karl begutachtet noch Blumen, ich döse vor mich hin und Karl-Heinz isst Kuchen... Abends in der Hütte: Essen und Getränke gut. Eine israelische Familie samt Bergführer sind auch zugegen. Sie beenden jedoch hier ihre Tour und müssen ihren Flieger erreichen.


Donnerstag, 10.7.2003 - Rifugio Pian de Fontana - Forcella La Varetta (1.704 m) - Forcella Nerville (1.953 m) - Forcella del Marmol (2.262 m) - Bivacco Sandro Bocco al Marmol (2.280 m) - Via ferrata Marmol - Rifugio 7° Alpini (1.490 m) 
780 Hm ↑ 920 Hm ↓ Insgesamt 6½ Std

Zur Abwechslung mal wieder ein karges Frühstück. Aber die Sonne lacht wieder. Was haben wir für ein Wetterglück. Um 7.30 brechen wir auf. Zunächst noch weiter runter und dann in vielen Kehren wieder steil hinauf bis zur Forcella La Varetta (1.704). Es geht weiter über unbeschreiblich schöne Blumenhänge mit schwindelerregenden Tiefblicken. Von hier ist auch ein Abstieg zum Rifugio Bianchet möglich. Wir steigen jedoch weiter, vorbei an Edelweißbüscheln in bisher nicht gesehener Größe und Vielzahl. Vor dem steilen Aufstieg zur Forcella Marmol rasten wir und genießen die völlig unberührte und einsame südliche Dolomitenwelt. Von der Scharte aus betrachten wir den Monte Schiara (2.565 m) und den Monte Pelf (2.502 m). Zunächst geht es auf der Via ferrata Marmol weiter aufwärts bis zum Bivacco Marmol. Leider verwehrt uns Dunst eine bestimmt lohnende Aussicht. Der Steig ist wild, zerklüftet und ausgesetzt. Durch Rinnen, über Felsabsätze, Bänder und zuletzt über versetzte Leitern geht es immer weiter hinunter. Oft nötigt uns ein Abgrund ein Abweichen von der geraden Linie ab. Immer wieder erscheint zwischen den Dunstschwaden der Tiefblick zum Rifugio 7° Alpini und in das grüne Val d´Orso.
Mitten im Steig, völlig alleine an einem Felsen plötzlich eine Dolomitenteufelskralle! Karl ist ganz aus dem Häuschen! Und weiter oben in der Felswand noch eine. Karl-Heinz übernimmt die Fotoarbeit. Was müssen wir später feststellen? Völlig unscharf! Aber Karl-Heinz hat Glück. Später entdecken wir noch ein Exemplar.

Um 15.00 Uhr erreichen wir das Rifugio. Die Hütte ist international besetzt. Österreicher, Amerikaner, Italiener, Deutsche. Bereits im Abstieg haben wir beschlossen die Bergtour ausklingen zu lassen. Die Schiaraklettersteige Zacchi, Sperti und Berti sind doch große Touren und unsere Beine werden doch langsam schwer. Es soll ja auch noch Spaß machen. Einfach nur durchbolzen, nein, das lohnt nicht.

Ein netter Bergkamerad aus Augsburg, zunächst mit Argwohn von uns betrachtet, weiß viel von den Bergen zu erzählen. So wird es ein gemütlicher Hüttenabend, an dem wir noch einmal ernährungstechnisch den "Joker" setzten.

Wann hat Karl-Heinz eigentlich seinen anfänglichen "Grappawiderstand" aufgegeben?

Abends bei nahender Dämmerung betrachten wir noch einmal den Weg zurück. Im 180° Winkel um das Rifugio 7° Alpini thront die Schiara.

Freitag, 11.7.2003 - Rifugio 7° Alpini (1.490 m) - Val d´Orso - Case Bortòt - Bolzano Bellunese - mit Bus bis Alleghe - mit Auto bis Bozen - Hotel Feichter
1.090 Hm ↓ 3 Std zzgl. Bus- und Autofahrt

Nachdem wir zunächst nach La Stanga absteigen wollten, haben wir uns dann doch für den Abstieg durch das Val d´Orso Richtung Belluno entschieden. Eine gute Entscheidung. Ein herrliches, wildromantisches Tal mit Wasserfällen, Brücken, einer Pflanzenvielzahl. Ein würdiger Abschied aus der Bergwelt. Auf dem zuletzt asphaltierten Weg sagen uns unsere Knie, dass unsere Entscheidung, hier die Tour zu beenden, richtig war. Wenn man die Höhenmeter einmal zusammenzählt. Es waren knapp 5.000 Hm hinauf und knapp 7.000 Hm runter!!

Nun ja, ich hatte Karl-Heinz vor der Tour an sich gesagt, dass wir lange Touren bergab meiden. Aber fit wie wir sind!

In der Nähe von Bellunese erreichen wir endlich einen Bus und schnell sind wir in Belluno. Dort verpassen wir knapp den Anschlussbus. Aber, egal. So schlendern wir durch die Stadt. Bei Sonnenschein ist es hier doch schön. Wir hatten vom Vorjahr bei Regen eine andere Erinnerung.

Nach weiterer Bus- und Autofahrt fahren wir über der Pellegrino-Pass Richtung Bozen. In einem Bach waschen wir uns noch die Füße; danach herrscht eine andere Luft im Auto.

Wir quartieren uns im zentralen Hotel Feichter ein und trinken die ersten Biere im "Hopfen & Co.". Ein gutes Essen und ein weiterer Umtrunk im Hopfen & Co. runden den Tag bei abendlichem Treiben in Bozen ab.


Samstag, 12.7.2003 - Bozen - Heimfahrt

Die lange Heimfahrt verläuft wider erwarten ohne nennenswerten Verkehr.
Eine rundum gelungene Bergwoche geht wieder einmal harmonisch zu Ende. Unbestritten haben wir viel Neues gesehen. Im nächsten Jahr geht es mit Sicherheit wieder los! 

Lothar Thorissen
im Juli 2003


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