Arco3
Klettern
- Klettersteige - Canyoning
Es war Winter, kalt, nass und dunkel.
Der Bergfreund war gerade frisch erschienen und schon landete die erste
Anmeldung für die Tour in meinem Postfach.
Arco3 bedeutete:
- Klettern
- Klettersteige
- Canyoning
Die Planung der Tour lief schon seit September 2006. Bei der letzten
CIC-Weiterbildung konnte ich die Kontakte knüpfen, die
diese Tour erst ermöglichten. Wetway - bedeutet nasse Wege und für
nasse Wege braucht man die
richtige Ausrüstung. Diese war beim örtlichen Veranstalter schnell
geliehen und somit der erste Teil der Planung abgeschlossen. Fehlte nur
noch der Campingplatz. Wir brauchten ein Mobilheim oder
Bungalow und mehrere Zeltplätze. Da ich in Arco nur Campingplätze fand,
bei denen eine
Mindstreservierung von 14 Tagen erforderlich war, suchte ich in Riva,
der Stadt direkt am Gardasee, nach Ausweichmöglichkeiten. Hier war
schnell ein adäquater Campingplatz gefunden. Dieser 4*-Platz bot genau
die richtigen Anforderungen und wir konnten unsere Reservierung
vornehmen.
So blieb nach unserer Vorbesprechung nur noch die Wartezeit auf den
herbeigesehnten Urlaub. Nachdem wir auf der Krefelder Hütte die
100-Jahr-Feier miterlebt hatten, sind wir von Kaprun aus direkt nach
Riva weitergereist. So hatten wir eine Woche Zeit um uns dort zu
akklimatisieren und die Gegebenheiten abzuchecken.
Beim ersten Treffen mit dem Wetway-Team musste ich überrascht
feststellen, dass die meisten Canyons entweder trocken,
steinschlaggefährdet oder einfach nicht schön waren. So blieben uns
nur zwei Canyons zur Wahl. Da Wetway auch gut zu tun hatte, konnte ich
schon mal meinen Neoprenanzug auspacken und mit in die Canyons
einsteigen. Was mich erwartete, sollte mir bald den Atem verschlagen
und
voller Vorfreude und Enthusiasmus erwartete ich nun meine Gäste die
auch bald nacheinander eintrudelten.
Der Torrente Palvico bietet über
das ganze Jahr genug Wasser um hier in die Schlucht zu steigen. Dieser
Canyon wird von den einheimischen Führern »Tom und Jerry«
genannt. Springen, rutschen und klettern dominieren in den ersten
beiden Dritteln der dreistündigen Begehung. Das letzte Drittel besteht
ausschließlich aus Abseilstellen mit Höhen
bis zu 50 m. Im Rio Nero, dem Jurassic, erwartete uns eine
Canyoningtour der Extraklasse. 26 mögliche Abseilstellen mit einer Höhe
von 25 m oder Sprünge bis zu 13 m kombiniert mit Kletter-, Schwimm-,
und Rutschpassagen. Eine Tour mit angegebenen 5 Stunden Begehungszeit.
Doch bevor ich mit meinen Gästen in den Canyon ging mussten sie erst
mal vorbereitet werden.
So gingen wir an ersten Tag auf
den Colodri in Arco. Hier ließ sich
beim Aufstieg die Kondition der Teilnehmer, auf dem Colodri die
Trittsicherheit und beim Abstieg über den Klettersteig darüber hinaus
noch die Schwindelfreiheit beurteilen.
Nach den Anstrengungen des Colodris stellte sich am nächsten Tag bei
Einigen ein ungewohntes Beingefühl ein, doch da ein relativ leichter
Klettertag geplant war machte dieser Muskelkater wenig Sorgen über die
bevorstehende Canyoningtour.
Am dritten Tag stieg die Anspannung rasant an. Hatten doch Einige noch
nie eine Canyoningtour erlebt und wussten noch nicht so richtig worauf
sie sich eingelassen hatten.
Und so wurde früh morgens die Ausrüstung gepackt und kontrolliert,
Proviant vorbereitet und die Badesachen angezogen. Es sollte ja nichts
schiefgehen und die Ansage »Wer was vergisst kommt nicht mit!« hatten
doch alle deutlich in den Ohren. Gegen 9.00 Uhr haben wir dann unser
Camp verlassen und uns auf den Weg zum Canyon gemacht.
Der Torrente Palvico liegt in einem Seitental vom Gardasee und
bescherte uns eine Fahrt von ca. 1,5 Stunden. Zeit die Einige nutzten
sich noch ein wenig zu »sammeln«. Als wir um ca.11.00 Uhr an der
Leitplanke hielten, schauten doch einige recht sparsam. Der Einstieg
lag rechts am Straßenrand und der Weg dorthin ging steil herunter. Doch
nun ging alles »wie geübt«:
- Autos ausladen
- bis auf die Badekleidung ausziehen
- Ausrüstung checken
- Autos umparken.
Als ich wieder am Einstieg ankam waren bereits fast alle in ihren
Neoprenanzug gestiegen. So brauchte ich mich nur noch um meine
Ausrüstung kümmern und einen letzten Check vornehmen bevor wir uns
Richtung Wasser bewegten. Im Flussbett gab es erst mal für alle eine
Helmdusche aus meinem Helm und die letzten Einweisungen und dann ging
es los. In der Schlucht kamen wir recht zügig voran. Die kleineren
Sprünge und Kletterstellen meisterte jeder perfekt, die höheren Sprünge
konnten auch abgeseilt werden. Dennoch hat mich der ein oder andere mit
seinem Mut und Entschlossenheit überrascht. 7,5 m springt nicht jeder
beim ersten Mal in einer engen Schlucht.
Doch ich sollte noch öfter überrascht werden. Immerhin hatten wir noch
eine 50 m Abseilstelle zu absolvieren - allerdings nur für die, die
wollten. Nach dem ersten Teil der Schlucht konnte man einen Ausstieg
wählen. An
dieser Stelle gab es nur die Wahl: aussteigen oder bis zum Ende weiter.
Nach dieser Stelle gab es kein Zurück. Hier wurde die Schlucht eng,
steil und hochgeschlossen. Ab hier gab es keine Möglichkeit nicht im
Wasser zu sein. Dies war der »Point of no Return«. Doch haben zu meiner
Freude fast
alle die Tour bis zum Schluss durchgezogen. Nur eine Person hat sich
entschieden zu warten bis wir sie abholten. In geringer Entfernung zur
Straße gibt es hier einen Warteplatz. Kaum waren wir weiter in der
Schlucht, änderte sich plötzlich das Wetter - Gewitter zog auf.
Sicherlich nicht der beste Wegbegleiter mitten in einem engen Flusslauf
im Wasser und ohne Aussicht auf einem schnellen Ausstieg. Doch das Team
hat mitgespielt und an der Temposchraube gedreht, alle Anweisungen ohne
Wenn und Aber befolgt und ausgeführt, denn es hieß nur noch Vollgas.
Vor uns lag noch der letzte Abseiler - 50 m trennten uns von dem
rettenden Ausstieg - es regnete und in der Schlucht wurde es immer
lauter - die Anspannung stieg ins unermessliche. Sieben Personen á 50 m
- wie lange dauert das?
Als der Sturm einsetzte und in die Schlucht fegte, der Regen immer
stärker wurde und die Blitze aus dem Himmel zuckten ...
standen
wir bereits am Ausstieg und genossen unser mitgebrachtes Proviant -
geschafft! Doch was war das? Was waren das für Geräusche? Da war doch
nicht etwa noch jemand nach
uns im Canyon? Waren das laute Rufe oder nur der Wind der uns einen
Streich spielte? Wir setzten uns in unser abgestelltes Auto und fuhren
zum Warteplatz, um unser Team wieder zu komplettieren und schauten hier
noch mal in die Schlucht.
Und tatsächlich waren noch Leute dort. Wir hörten sie deutlich, konnten
aber keinen sehen. Sie waren schon zu weit im Inneren der
Abseilstellen. Wie holten unser 2. Auto am Einstieg ab und kehrten zum
Ausstieg
zurück. Es regnete immer noch. Nachdem wir uns trockengelegt und
umgezogen hatten, lies der Regen nach
und es wurde wieder freundlicher - die Sonne kam zum Vorschein.
Von der Gruppe nach uns aber noch keine Spur. Sollten wir uns Sorgen
machen? Auf dem Rückweg haben wir noch mal kurz am Warteplatz
angehalten und konnten ein wenig in die Schlucht einsehen. Da waren
sie, und offensichtlich war alles in Ordnung.
So setzten wir beruhigt unseren Rückweg fort, den so mancher für ein
kleines Nickerchen nutzte.
Den Abend haben wir dann in einem einheimischen Gartenrestaurant
verbracht. Erlesene Getränke und exquisite Küche rundeten den
aufregenden Tag ab, bevor alle recht früh und glücklich im Schlafsack
verschwanden. Nach dem Colodri, dem Klettertag und dem ersten Canyon
war der folgende Tag zum Ausruhen vorgesehen.
Doch war Ausruhen denn wirklich das Richtige für
einen
»Abenteuerurlaub«? Dieser Tag wurde dann noch zum Shoppen und zum
Planen der nächsten Tour
genutzt, denn es wollten ja auch noch Klettersteige bezwungen werden.
Nachdem alle den Klettersteigführer durchblättert hatten, waren wir uns
schnell einig, einen geeigneten Klettersteig gefunden zu haben. Der
»Sentiero attrezzato Rio Sallagoni« zum Castel Drena wurde ausgesucht.
Ein kurzer, aber eher sportlicher Klettersteig mit Hängebrücke, nach
außen hängenden Querungen und Engstellen unter Klemmblöcken. Leider
haben sich Zwei von der Beschreibung im Führer abschrecken lassen und
haben einen zweiten Ruhetag eingelegt. Schließlich hatten Einige noch
nie einen Klettersteig absolviert.
Doch sollte sich schnell erweisen, dass uns allen der Klettersteig
recht leicht vorkam. So lag er auch nicht sehr ausgesetzt in großer
Höhe, sondern sehr moderat und beinahe in Bodennähe. Sicherlich hätten
diesen Klettersteig alle ohne Probleme bezwingen können. Zurück im Camp,
haben wir den Tag dann wieder gemütlich ausklingen lassen und sind
zeitig im Lager verschwunden. Immerhin stand der zweite Canyon an.
So waren alle am nächsten Tag top fit und ausgeschlafen und konnten
voller Vorfreude auf die kommende Tour schauen. Doch fragten sich
einige nach der Beschreibung der Tour ob sie auch wirklich mitwollten.
Schließlich standen mindestens 5 Stunden Canyon auf
dem Programm. 5 Stunden durch das kalte Wasser. 5 Stunden klettern,
abseilen, schwimmen, springen und rutschen. 5 Stunden Aktion.
So gingen Einige mit sich und ihren Partnern in Gericht und
entschlossen sich schließlich dafür mitzukommen. Die Ausrüstung wurde
wieder gepackt und kontrolliert und es ging los.
Angekommen am Canyon wurde die gleiche Prozedur wie geübt absolviert.
- Autos ausladen
- bis auf die Badekleidung ausziehen
- Ausrüstung checken
- Autos umparken.
- Ausrüstung anlegen
Nach einer halben Stunde Wegstrecke im Wasserlauf der Schlucht kamen
wir an die ersten Abseilstellen. Hier begann die Schlucht. Weitergehen
oder umkehren war für keinen mehr
eine Frage, alle wollten weiter, der eigene Ehrgeiz und die
Herausforderung forderten diese Tour. Also los.
Wie lange es dauert mit acht Personen an über 20 Abseilstellen
abzuseilen, kann kaum einer beantworten.
Und so wurden wir vor große Herausforderungen gestellt, von denen viele
nichts ahnten. Auch wenn die Option zum Abseilen bei jeder höheren
Stelle bestand, konnte die ein oder andere Stelle aber auch gesprungen
werden. Hier stellt sich für jeden seine persönliche Herausforderung.
Hier testete jeder seine Überwindung. Hier
überwand jeder seine
persönliche Herausforderung.
Hier sprang jeder nicht nur über seinen Schatten.
Manche sprangen ohne mit der Wimper zu zucken höhere Stellen als sie es
gedacht hätten, manche mussten ein wenig beschummelt werden um über
sich hinaus zu gehen. Dennoch blieben die 20 Abseilstellen zu
absolvieren und die Zeit rannte uns davon. Die Wegstrecke betrug nur
2,3 km doch die Wartezeiten addierten sich an jeder Sprungoder
Abseilstelle.
Die immer wieder aufkommende Frage »Springen oder Abseilen?« ließ
Einige
mit sich selbst kämpfen.
Am Highlight der Tour wusste aber jeder, wie er die 13 m herunter
kommen
wollte. Nicht immer mit Zustimmung des Partners wurde auch diese Stelle
gerne gesprungen. Und schließlich konnten wir den Canyon nach 8 Stunden
erschöpft aber glücklich beenden.
Nach so einer langen Tour
waren wir uns schnell einig, nicht mehr selbst zu kochen,
sondern ein Restaurant aufzusuchen. Glücklicherweise fand sich, nach
unserer Rückkehr am Campingplatz, schnell eine Pizzeria, die in der Lage
war unsere ausgehungerten Mägen zu füllen.
Nach einem weiteren Klettertag mussten wir uns leider schon auf die
Heimreise vorbereiten. Ein schöner, aufregender und anstrengender
Abenteuerurlaub ging zu Ende. Arco3 bedeutete
für jeden eine
Herausforderung, eine neue Erfahrung, ein neuer Sport. Arco3
Bedeutete
für jeden Adrenalin, Aktion und Spannung. Arco3
Bedeutete für jeden eine neue Art von Urlaub. Arco3 bedeutet für jeden neue Freunde
und Kameraden.
Vielen Dank für Euer Vertrauen und Eure Teilnahme an dieser Tour.
Markus
August 2007