Tipparchiv 2006

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In den Alpen kann man ein Leben lang unterwegs sein, ohne sich zu wiederholen*). Aber oft landet man doch wieder auf den ausgetretenen Pfaden. Und wenn man schon eher alpenfern siedelt wie wir, kann man einmal im Jahr auch mal 100 km weiter fahren, um Neues zu entdecken. Dürfen wir Ihrer Fantasie etwas auf die Sprünge helfen?
*) Toni Hiebeler hat sich einmal eine Route längs durch die Alpen - von Wien nach Nizza - ausgedacht und 30 Jahresurlaube dafür veranschlagt. (Es geht allerdings auch non-stop, wie man staunend liest.)
 
 

Tipp Nr. 23
 

»Stiegen zum Himmel« nennt sich ein Projekt, das Kunst- und Kulturdenkmäler in Graubünden und Südtirol präsentiert. Es wird im Rahmen des europäischen Interreg IIIA-Programms unterstützt und soll bis 2007 abgeschlossen werden. Das Zentrum der neu entstandenen »Alpinen Strasse der Romanik« liegt im Kloster St. Johann in Müstair (Schweiz), einem »Weltkulturerbe«.

Sie bewegen sich in einem Gebiet, in dem das Alpenvolk der Rätier siedelte. In dessen Zentrum gründete Karl der Große im 8. Jahrhundert das Kloster St. Johann in Müstair, um den Weg in die Lombardei zu sichern. Später kämpften die Bischöfe von Trient und Chur mit weltlichen Herren um die Macht in den Tälern und über die Pässe, bis mit der Loslösung Graubündens aus dem Deutschen Reich und den damit verbundenen Kriegswirren die politischen Gemeinsamkeiten ein vorläufiges Ende fanden. Jeder Besuch einer Kapelle oder Burg bringt Sie dem Mittelalter wieder ein Stück näher, eröffnet Ihnen einen neuen Blickwinkel auf eine Epoche, welche voller Geheimnisse ist. Und wenn Sie wieder nach draußen treten, fällt Ihr Blick auf schneebedeckte Alpengipfel.

Und noch etwas, was mir gefällt: »Wenn ein Reisender oder eine Reisende sich auf die Spur nach den auf dieser Karte verzeichneten Stätten macht, hat er bzw. hat sie verschiedene Verkehrsmittel zur Auswahl: Die attraktiven öffentlichen Verkehrsmittel wie die Vinschger Bahn, der Engadin–Meran Route Express und die berühmte Albulalinie der Rhätischen Bahn laden zu einem entspannten Reiseerlebnis ein. Mittelalterlich wäre es, die Stätten zu Fuß zu erwandern und tatsächlich gibt es zwischen einzelnen Stätten immer wieder Wanderwege auf historischen Pfaden, auf welchen früher Pilger, Kaufleute und Ritter die Täler durchstreiften und die Pässe überquerten. Zumindest der letzte Teil der Annäherung an eine Stätte muss so oder so zu Fuß gemacht werden.«

(2006-06-30)

Stiegen zum Himmel - Alpine Straße der Romanik
Stiegen zum Himmel - Alpine Straße der Romanik

Tipp Nr. 22
 

Bei den Vorbereitungen für den diesjährigen Sommerurlaub im Trentino bin ich beim Kartenstudium auf einen Weg mit dem Namen »Via S. Vili« gestoßen, der von Trient bis nach Madonna im Rendena-Tal verläuft. Neugierig geworden, habe mal »gegugelt« und erfahren, dass es sich um einen der »Themenwege« des Trentino handelt, der 1988 vom S.A.T. (Società Alpinisti Tridentini) eröffnet wurde.

Es handelt sich um einen Weitwanderweg (zirka 100 km, 6 Etappen), der den Spuren der Missionsreisen des Hl. Vigilius (San Vigilio) in den Judikarien und im Rendena-Tal folgt.

Der Hl. Vigilius ist einer der populärsten Heiligen in Südtirol und im Trentino, zahlreiche Kirchen und Kapellen sind ihm geweiht, er ist der Schutzpatron von Trient, der Dom ist über seinem Grab errichtet. Er entstammte einem römischen Adelsgeschlecht und zog mit seiner Familie nach Trient, wo er sich der dortigen Christengemeinde anschloss. Diese wählte den noch jungen Vigilius um 385 zum Bischof. Seine Missionstätigkeit erstreckte sich auf das Etschtal und das Sarca-Tal. Im Rendena-Tal, am Oberlauf der Sarca zerstörte er am 26. Juni (Festtag) 400 eine Saturnstatue, weshalb ihn die empörten Einwohner mit Knüppeln und Holzschuhen erschlugen. Dargestellt wird Vigilius in bischöflicher Kleidung mit Bischofsstab, Buch und Holzschuh. Der Name »S. Vili« ist dabei eine Koseform, wie sie bei populären Heiligen nicht unüblich ist (man denke an den Hl. Antonius, der hier am Niederrhein kurz »Tünn« heißt).

CHIESETTA DI SAN VIGILIO

Ziel war es, Bergsteigern zu zeigen, dass es zwischen Autostraße und Gipfelanstieg auch noch andere Wege gibt, bescheidene Wege, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind. Es sind diese »Kleinen Wege«, die geschichtsträchtig sind und - früher wie in Zukunft - die Menschen in den Bergen miteinander verbinden.

Der spektakulärste Teil des Weges verläuft oberhalb der Sarca-Schlucht auf einem breiten, bewachsenen Felsband. Von Trient geht es über den Bus di Vela bis Vezzano und von dort auf aussichtsreicher Straße nach Ranzo (Busverbindung von Trient, Linien 203 und 230). Möglich ist auch der Anstieg zu Fuß von Toblino aus. Hinter dem Dorf beginnt bei einem Steinkreuz der Pflasterweg (siehe Foto); wo er aus dem Buschwald auf eine gegen die Schlucht vorgeschobene Wiesenfläche tritt, halte man sich links. Hinter einem Schupfen beginnt der gut gesicherte Fußweg durch die Wand (Achtung vor Steinschlag, besonders nach Regenfällen und in der Zeit der Schneeschmelze!). Am Ende des Schluchtabschnitts wendet sich der Weg nach einem kurzen Anstieg nach rechts und verläuft fast eben zur Wallfahrtskirche von Deggia. Rückweg auf dem Sentiero Bael (Abzweigung unterhalb des Weilers) aufwärts in Richtung eines Hochspannungsmasts bis zur unvollendeten Autostraße von Ranzo nach Nembia und auf dieser zurück zum Ausgangspunkt oder bis S. Lorenzo in Banale; dort Bushaltestelle (Linie 208). Sehenswert sind das Dorfbild von Ranzo, das Panorama auf das untere Sarcatal (Valle dei Laghi), die Sarcaschlucht und der Blick auf Adamello und Brenta.
Höhenunterschied: 250 Meter, Gehzeit: 3 - 4 Stunden. Karte: Kompass Nr. 73 Gruppo di Brenta.
(Quelle für die Wegbeschreibung)

In der Veröffentlichung des Netzwerk für Umwelterziehung der Provinz Trient finden sich auch Informationen zu weiteren Themenwegen des S.A.T.:
Sentiero »Dal Garda alle Dolomiti«: Kein neuer Weg, sondern eine Verbindung Alpiner Steige, die zwei faszinierende Welten miteinander verbinden: Den Garda-See und die Brenta-Dolomiten. Er zeigt menschliche Ansiedlungen wie ursprüngliche Landschaften, die menschliche und die geologische Geschichte. Er verläuft im gleichen Gebiet wie der Dolomitenhöhenweg 10 (Führer von Franz Hauleitner, Bergverlag Rother und ein Tourenbericht).
Sentiero Vigilio Marchetti: Eine großartige Wanderung durch Täler, über Gletscher, zu Quellen und Seen. Er verbindet und nutzt alte Wege, berührt Schauplätze des Krieges, durchstreift Almen und Wälder... Ein Bruder des »San Vili«-Weges, aber im Hochgebirge.

(2006-04-30)
(Nachtrag März 2007: siehe dazu auch den Tourenbericht »Brenta ohne Eisen«.)



San Vigilio benedicente,

San Vigilio benedicente, Officina di Adamo d’Arogno (sec. XIII)

Texte von Vigilius

































Literatur:

CAI Guide 194, Il sentiero di S. Vili, 1988

Severino Vareschi, S. Vigilio e l'evangelizzazione del Trentino; Vita Trentina Editrice, Via S. Giovanni Bosco, 5, 38100 Trento; 5 Euro.

In den Tourismusbüros des Trentino kann man die Hefte »Sagen und Legenden des Trentino« bekommen (Ausgaben in Italienisch und Deutsch, kostenlos). Es gibt 15 Ausgaben, jeweils über die einzelnen Gebiete.


    

Weitere Tipps gibt es in den Tipparchiven:
2005, 2004, 2003, 2001/2002

 
   
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