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Tipp Nr. 17
Almensammeln - Der Sentiero Aldo
Bonacossa
Die Grenzgebiete zwischen Ländern und
Provinzen sind oft (touristisches) Niemandsland, selbst wenn
wenige Kilometer weiter der Bär tobt (was im Trentino ja
durchaus wörtlich genommen werden kann). Das gilt auch für das
Gebiet zwischen Vinschgau, Etschtal und Val di Sole. Erst in letzter Zeit wird kräftiger geworben (z. B. mit
einer sehr gut gemachten CD-ROM zur Tourenplanung, die auch
vor kurzem dem DAV Panorama beilag).
Allerdings besteht immer noch nicht die Gefahr, dass
man in Menschenkarawanen gerät - mit Ausnahme in diesen Tagen
(18. - 27. Juni 2004). Da treffen sich dort nämlich Mitglieder von
CAI, SAT und AVS zur 7a
Settimana Nazionale dell'Escursionismo.
Und dann wird der Sentiero Aldo Bonacossa - nicht zu verwechseln mit seinem
bekannteren Namensvetter in den Dolomiten -, der
sich über die Kette der
Magdalener Berge (Le Maddalene) zieht, mehr
Menschen sehen, als sonst in einem ganzen Jahr.
Magdalener
Berge? Sehe ich da Fragezeichen?
 
Die Magdalener Berge (Le Maddalene) sind eine kranzförmige
Bergkette im nördlichen hinteren Nonsberg (oder -
italienisch - Nonstal: Valle di Non) mit Höhen bis 2671
m. Sie wird in ihrer ganzen
Länge von einem Weitwanderweg durchzogen, der sich meist an oder etwas oberhalb der Vegetationsgrenze
hält, somit großenteils über Kare und Almböden führt. Er beginnt am
Gampenjoch (Passo delle Palade)
im Osten und läuft bis Rabbi im
gleichnamigen Tal, wobei eine Variante sich bis Cis, einem Dorf an der Schwelle zum unteren
Sulzberg (Val
di Sole), hinabzieht. (Auf der Ultner (südtiroler) Seite
verläuft dazu parallel der Ultner Höhenweg (Nr. 10).
Der Weg, der in 3 - 4 Tagen begangen werden kann,
wird seit 1976 vom S.A.T. markiert und betreut, und ist
benannt nach dem Mailänder Alpinisten Aldo Bonacossa, dem
Verfasser des ersten C.A.I./T.C.I.-Führers über die
Ortler-Cevedale-Gruppe,
zu der auch die Magdalener Berge gehören. Der Weg, unschwierig,
aber nicht ohne Pfiff (CAI-Bewertung E), bietet die Möglichkeit, eine noch nicht überlaufene
Gegend kennen zulernen. Dass dem so ist, hat allerdings auch seinen Grund,
denn es gibt keinerlei bewirtschafte Unterkünfte. Man muss
also entweder auf den Almen (ungewiss) oder in den
vorhandenen Biwakhütten nächtigen, was aber auch seinen Reiz
hat. Eine Alternative besteht darin, am Ende einer Etappe in
die Dörfer abzusteigen und dort zu logieren.
Wegbeschreibungen gibt es rudimentär im
Alpenvereinführer Ortleralpen (vom Autor in den Anhang
verbannt, es ist deutlich zu merken, dass angesichts der
vielen »lohnenden Bergfahrten« in diesem Gebiet das doch
bloß zweite Wahl darstellen kann) oder nur auf italienisch.
Deshalb im Folgenden eine ausführlichere Darstellung als
sonst an dieser Stelle (wobei das Nachwandern selbstverständlich
in eigener Verantwortung erfolgt! - Beschwerden nehme ich
diesmal allerdings ausnahmsweise persönlich entgegen: Im August
könnte man mich in der Gegend antreffen). Die
Etappeneinteilungen sind Vorschläge, die sich an den
verfügbaren Unterkünften orientieren.
1. Etappe: Gampenjoch (Passo delle Palade) -
Castrin-Alm (Malga Castrin) - Bivacco Malga Val
Vom Gampenjoch (1510 m, Gasthof, Bushaltestelle)
führt der Weg Nr. 133 steil
durch Nadelwald bis zur Lergerhütte (1960 m) und weiter über
Buckel bis zum Laugensee (Lago del Luco, 2160 m).
Besteigung des Großen Laugen (Monte Luco, 2434 m)
möglich, knappe Stunde. Beim Weitergehen wechselt man auf die Westseite
(Ultentaler
Seite) des Großen Laugen und steigt allmählich zu den Weiden der Castrin-Alm
(1813 m) ab (4 h vom Gampenjoch).
Hinweis: Von hier kann man (großenteils auf Fahrstraße)
zur Clozner Alm (1732 m, Jausenstation) und weiter bis zum Weiler Matzlaun und
dem Dorf Proveis (Proves, 1450 m) absteigen; Markierung 7/8 bzw.
11/6. Letzteres liegt schon in Südtirol, das hier wie eine Zunge
ins Trentino ragt, und bildet zusammen mit den Dörfern
Laurein (Lauregno) und Unser Lieben Frau im Walde - St. Felix
(Senale - San Felice) eine deutsche Sprachinsel im hinteren
Nonstal. Unterkunft in Proveis im Gasthof Zur Lärche; Information; Straßenverbindung ins Val di
Sole und Ultental (2 Stunden von der Castrin-Alm). Der
Wiederaufstieg am nächsten Tag kann über den Weg 11/6
erfolgen, wodurch man ein Stück Höhenweg auslässt.
Ansonsten quert man den breiten Wiesenpass des Hofmahdjochs
(Pso. Castrin, 1785 m) und kommt über Obere Weißalm (1984 m)
und Kessel-Alm in leichtem Auf und Ab zum Korb (Monte Ometto,
2395
m), an dessen Ost- und Südhängen der Weg entlang zur Samerbergalm
unterhalb des Samer Jochs (Pso. di Brez, 2185 m) führt (stellenweise Trittsicherheit und
Schwindelfreiheit erforderlich). Von dort bald in in südlicher Richtung
unter der Goldlahnspitz (2367 m) und Seespitz (Cima Lavazzè,
2415 m) und in steilem Abstieg zum Bivacco Malga Val (1925 m,
12 Schlafplätze, Decken, Kochgelegenheit),
4:30 Stunden von der Castrin-Alm).
Anmerkung: Die Seespitz kann in etwa 1,25 h
unschwierig erstiegen werden (120 Hm im Auf- und Abstieg).
Abstieg zum Bus nach Lanza 2 h.
2. Etappe: Bivacco Malga Val - Pso. Binàsia -
Malga Bordolona di sotto [- Bivacco S. Barbara]
Auf dem Weiterweg hat man am gezackten Kamm des Monte Alto
(2005 m) einen weiten Rundblick auf das Nonstal,
ehe man zum Bivacco Forestale (offener Unterstand, 1830 m)
hinabsteigt (1 - 1,5 h vom Biv. Malga Val).
Hinweis 1: Von hier Abstieg möglich über den Weg 113a
(großenteils Forststraße) nach Mocenigo (1,5 h).
Hinweis 2: Man kann auch auf einem
Abstecher in ca. 3 h (hin- und zurück) den Ilmenspitz (Cima
degli Olmi, 2656 m) ersteigen (+ 830 Hm im Auf- und Abstieg).
Im weiteren Verlauf steigt man hoch zu den Almen
der Malga Masa Murada (2046 m), die vom Stubele (2671 m)
beherrscht werden, einem der höchsten Gipfel der Gruppe.
Hinweis: Auch hier besteht eine
Abstiegsmöglichkeit nach Mocenigo (Weg 134). Zwischen Alpenrosen und Latschen
steigt man zur Malga Lavazzè
(1639 m) ab. Über eine Forststraße erreicht man dann in
Kürze den Weiler Fontane di Mocenigo (1069 m), der zur
Gemeinde Rumo gehört. Im Ortsteil Marcena Gasthof,
Information und Bushaltestelle der Linie 634 der ATESINA nach
Cles.
Von der Malga Masa Murada geht es weiter hinauf
(Südrichtung) über den Pso. Binàsia (2296 m, 2 h vom Biv.
Forestale) zur Malga Binàsia di sopra (2138 m, 4,5 h vom Biv. Malga Val), wo der Weg sich wieder nach
Westen wendet.
Hinweis: An dieser Alm ist es prinzipiell
möglich, Essen und Unterkunft zu erhalten. Man könnte das
dann mit einer kurzen Besteigung des Monte Pin (2420 m)
verbinden. Die weiteren Etappen wären dann entsprechend zu
ändern. Auch ein Abstieg ins Val Brésimo ist über eine
Fahrstraße möglich.
Auf dem Weiterweg gelangt man, in etwa Höhe haltend, unter den
Südwänden der Cima Binasia zur Malga Scalet alta (2137 m)
und dann südwärts absteigend schließlich zur Malga
Bordolona di sotto (1806 m).
Hinweis: Hier besteht wieder eine
Abstiegsmöglichkeit, und zwar auf der Fahrstraße durch das
Val Brésimo zum Ortsteil Bevia (Endhaltestelle der Buslinie
635 der ATESIA nach Cles); 1 h.
Wenn es an der Alm keine Nächtigungsmöglichkeit
gibt, muss man diese Straße etwa 30 Minuten absteigen und
gelangt zum Bivacco S. Barbara (1620 m, 8 Plätze, Tisch,
Bank, Kochgelegenheit, Wasser), 7 h vom Bivacco Malga Val.
3. Etappe - Variante A: [Bivacco S. Barbara -] Malga Bordolona di sotto -
Pso.
Palù - Rabbi (Ortsteil Piazzola)
Über den
Passo Palù (2412 m) gelangt man in 4 - 5 h nach Rabbi im
gleichnamigen Tal (Gasthöfe, Haltestelle der
Buslinie 640 der ATESINA).
3. Etappe - Variante B: [Bivacco S. Barbara -] Malga Bordolona di sotto - Malga Bordolona di
sopra - Passo Lainert - Pass dell'Om - Cis
Durch den Teil der Magdalener Berge, der sich
südöstlich zum Val di Sole
hinzieht, führt diese Variante des Weges, die sehr
vielfältige Eindrücke vermittelt und in einigen Abschnitten
noch wirklich wild und einsam ist.
An der Malga Bordolona di sopra (2084 m)
zweigt die Variante 133B des Bonacossa-Wegs ab,
der über den Passo Lainert und den Pass dell'Om führt, wobei die Cima
Lach
(2439 m), die Cima Vese (2400 m) und die Cima Ciandei (2190 m)
mitgenommen werden. Es folgt dann ein langer Abstieg über Weiden und
durch Wald bis
zur den Obst- und Weingärten des Dorfes Cis (728 m) an der
Einmündung des Val di Brésimo ins Val di Sole (Buslinie 633
der ATESINA). Auch hier gibt es zwischendurch Abstiegsmöglichkeiten (ins
Val Brésimo oder nach Malè im Val di Sole) und und - etwas
ab vom Weg in Richtung Val Brésimo - die Biwakhütte
Malga Pozze (1989 m, 10 Lager, Wasser 100 m).
Gehzeit: 8 h; Aufstieg: 720 m, Abstieg: 800
m. Lange Wanderung, teilweise nur
Trittspuren, jedoch insgesamt ohne technische Schwierigkeiten.
3. Etappe - Variante C: [Bivacco S.
Barbara -] Malga Bordolona di sotto - Pso. Palù - Haselgruberhütte (Rif. Stella Alpina al Lago
Corvo) - St. Gertraud im
Ultental
Vom Pso. Palù kann man auf dem Weg 135 (=
SI) Höhe haltend zur Haselgruberhütte (2425 m)
hinübergehen (3 h von der Malga Bordolona di sotto).
Von dort Abstieg ins Ultental nach St. Gertraud (2,5 h,
Endhaltestelle der Buslinie 109 der SAD nach Meran). Auf
gekennzeichneten Wegen nach
kurzem Aufstieg von der Hütte zum Kirchbergjoch (Passo di
Rabbi, 2467 m) entweder kürzer, aber mit etwas Hatscherei zum
Schluss (6 km geschotterte Almstraße) über den Weg 108 (2,5 h) ins
Kirchbergtal oder länger mit schöner Aussicht über
Seefeldalm und Alplahner (4 h).
(2004-06-20)
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Gebietsführer:
Alpenvereinsführer Ortleralpen, Bergverlag
Rother
Fabrizio Torchio, Enzo Gardumi: Guida alle Maddalene, Casa
editrice Panorame, Trento. ISBN 88-87118-74-4
Karten:
Tabacco 1:25.000, Blatt 042 Val d'Ultimo / Ultental.
mapgraphic edition 1:25.000, Blatt 28 Ultental (Val d'Ultimo).
Variante 133B auf der Kompass-Karte 1:35000, Blatt 095 Val di
Sole, Peio e Rabbi.
Panoramakarte »Wanderwelt Ultental«, kostenlos von der Tourismusvereinigung
Ultental.
Carta Turistica le Maddalene vom Consorzio
turistico le Maddalene.
Tourismusinformation
Trentino
Gebietsführer (auf Italienisch).
Busverbindungen: Zum Gampenjoch mit der SAD-Linie 108 Meran -
Fondo. Zurück mit der Linie 109 St. Gertraud - Meran.
Im Val di Sole und seinen Seitentälern Busse der ATESINA
und Zug der F.T.M..
Weitere
Wandervorschläge
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Tipp Nr. 16
Alpine Gärten
Nicht erst, seit Ursula auf der - bislang leider
vergeblichen - Jagd nach der Großköpfigen Teufelskralle
(PHYTEUMA COMOSUM
L., auch
Schopf-Teufelskralle) ist, achte ich bei unseren Touren auf die
Blümchen am Wegesrand. Es ist schön, welche Vielfalt an
Pflanzen es in den Alpen oder anderen vergleichbaren
Klimazonen (noch) gibt!
Daher vor dem Touren- noch ein Buchtipp
(Weihnachten kommt ja immer so plötzlich...):
Flora Alpina - Ein Atlas sämtlicher Pflanzen der Alpen
Wie viele Pflanzen umfasst die Flora der Alpen? Wie sehen sie aus? Wie werden sie benannt? Welche Arten sind einjährig, mehrjährig oder verholzt? Wann blühen sie? Wo kann man ihnen begegnen? Welche Ökologie charakterisiert die einzelne Art? Fragen dieser Art beantwortet die
»Flora alpina«, ein neu erschienenes dreibändiges Werk für sämtliche Blüten- und Farnpflanzen des gesamten Alpenraumes, von Nizza bis Wien, von den Talböden bis zum ewigen Schnee.
Rund 4500 Arten von Gefäßpflanzen, mehr als ein Drittel aller europäischen Blüten- und Farnpflanzen, sind in den Alpen heimisch. Alle ursprünglichen Arten und eine Auswahl von Einwanderern
(Neophyten) werden mit einer ausführlichen und mehrsprachigen
(de/fr/it/sl/en) Nomenklatur mit Literaturhinweisen, Symbolen und Zahlen zu Biologie und Ökologie, einer Verbreitungskarte und mit ein bis zwei Farbfotografien pro Pflanze präsentiert. Das Buch ist der erste komplette Pflanzenatlas der Alpen.
Flora alpina, 2670 Seiten, 5933 Farbfotos, 4662 Verbreitungskarten, 1. Auflage 2004,
ISBN 3-258-06600-0, EUR 190,00, Haupt
Verlag.
Für den Rucksack ist das natürlich nicht
geeignet, da gibt es kompakteres. In Norwegen habe ich mal ein
Bestimmungsbüchlein erstanden (Olav Gjærevoll/Reidar
Jørgensen, Fjellflora, F. Bruns Bokhandels Forlag, Trondheim
1986), das schon im Taschenformat nicht weniger als 164 Arten für Skandinavien
aufführt (Gräser, Flechten und Moose eingeschlossen). Die
meisten davon findet man auch in den Alpen - oder eben in den Alpengärten.
Und das wäre der Tourentipp: Die Uni Ulm
hat eine Web-Seite,
auf der fast 50 alpine Gärten aufgeführt sind; da sollte
sich doch einer in eine der nächsten Touren einbauen lassen.
Aber es gibt sicher noch mehr als die dort aufgeführten: Zum
Beispiel hat das Rifugio Mario Vazzoler, ein Schmuckstück am
Dolomitenhöhenweg 1, ebenfalls einen liebevoll angelegten Giardino
Alpino.
Ach ja, die Teufelskralle findet sich - nach
meinem auch schon etwas betagteren Parey (25. Auflage
1977) - »selten und vereinzelt in Kalk- und
Dolomit-Felsspalten (...) von der Talsohle bis 2000 m
ansteigend. - Südliche Kalkalpen vom Comer See bis in die
Julischen Alpen und Westkarawanken, nördlich bis in die
Brenneralpen.«
Karl-Heinz
hatte das Finder- und Fotografenglück, das Ursula bislang verwehrt war,
obwohl sie 20 Jahre vorher an der gleichen Stelle vorbeikam.
In dem »Goldenen Buch der Alpenblumen« (Bruckman, 1976) erzählt Georg Zwerger dazu folgende Geschichte:
»Ich hatte einmal dieses Glück. Ein phantastischer Tourentag in
der Marmarole bescherte uns einzigartige Gipfelerlebnisse. Torre dei
Sabbione, Punta dei Rossi, Punta Tajola liegen ja so günstig und nahe beisammen. Grandios
war die Felsszenerie, die uns umgab, Croda Marcora und Sorapis ragten mit
gewaltigen Mauern auf.
Als wir auf dem Gipfel der Punta Tajola saßen, waren wir von all
der Schönheit wie verzaubert, denn diese Welt, die wir schauten, war
wundervoll, ringsum ragten Berge mit klangvollen Namen:
Antelao, Civetta, Pelmo,
Croda da Lago, die Tofanen, Sorapis und, von Norden hereinschauend, die
bizarre Gruppe der Cadinspitzen und die Drei Zinnen. Doch der Mensch ist ein
unzufriedenes Wesen.
Die schöne Cima Bel Prà wollten wir auch noch erobern. Als ich
jedoch 200 Meter unter dem Gipfel einmal nach Westen blickte, sah
ich, wie sich von der Croda da Lago her ein schweres Gewitter zusammenbraute.
Also kam nichts anderes in Frage, als schnellstens abzusteigen. Gerade in
dieser Situation entdeckte ich in einer Felsnische die schönsten Exemplare der
Großköpfigen Teufelskralle. Trotz des drohenden Wetters ließ ich mir Zeit, sie
genau zu betrachten. Natürlich wollte ich sie fotografieren, aber sie hatten
in ihrer dunklen Ecke überhaupt kein Licht mehr. »Teufel, Teufel«, fuhr es mir heraus,
»Blitzlicht hab ich auch keines dabei!« In diesem Augenblick fuhr ein flammender
Blitz vom Himmel herab, und ein Krachen folgte, daß uns Hören und Sehen
verging. Wir hetzten hinab zur Hütte. »Morgen geh ich wieder hinauf«, sagte
ich, »ich muß sie fotografieren.« Doch am nächsten Tag schneite es unablässig.
Die Teufelskrallen deckte tiefer Schnee zu. Hatte da nicht doch der
Teufel seine Hand im Spiel gehabt?«.
(Der kolorierte Holzschnitt der
Schopf-Teufelskralle stammt aus dem Buch »Blumen der Alpen«
von Josef Weiß, erschienen in der Reihe »Die Blauen
Bücher« im Langewiesche Verlag, Königstein am Taunus
1954)
(2004-06-20)
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Tipp Nr. 15
Viele Schafe, einige Esel und wenige Menschen
Diesen Tipp habe ich mir im letzten Jahr
verkniffen, obwohl sogar ein zweifaches Jubiläum anstand. Oder
gerade deshalb...
Der Tipp führt zwar nicht in die Alpen, aber
vielleicht möchte sich der/die Eine oder Andere ja mal im
nächsten Urlaub nicht unbedingt im Playground of Europe
tummeln. Womit wir beim Stichwort wären...
Im September (mein guide vert vermerkt
vorsichtig: »Les mois de mai et septembre sont souvent
agréables«) 1878, sieben Jahre nachdem sein
Landsmann Sir Leslie Stephen die Alpen als nämlichen Playground
(an-)gepriesen hatte, wanderte
R. L. Stevenson mit Esel, aber sonst mutterseelenallein 250 km
durch die Cevennen. Diese Landschaft im Süden Frankreichs
ist genau das richtige terrain de jeux für alle, die
im Urlaub Getümmel aus dem Weg gehen wollen.
Und im - nicht ganz so agréablen - Mai
1983 wanderten Ursula und ich (bitte jetzt keine Spekulationen
über den Esel anstellen ;-) streckenweise auf Stevensons
Spuren (GR 70), streckenweise auf dem GR 6 durch diese Gegend,
in der man an manchen Tagen und in manchen Winkeln geradezu
eine Begegnung mit einem Camisard oder der Bête du
Gévaudan erwartet. Kein Wunder, dass die Grande
Nation hier ihre Force de frappe
verbuddelt hat.
Abseits der Gorges du Tarn, der Ardèche
oder anderen, mit dem Auto abzuklappernden Sternträgern gibt
es auch heute sicher noch viel zu (Fuß zu) entdecken. Uns
beeindruckten damals besonders die einsamen, menschenleeren Causses
(übrigens heißt Ursulas guide vert von 1970 noch »Gorges
du Tarn / Cévennes · Bas Languedoc« und meiner von 1979
dann »Causses / Cévennes - Bas Languedoc«; da hat
jemand dazugelernt). Und wenn's denn eine Schlucht sein soll: Die Gorges de la Jonte mit dem Felsennest
Peyrelau.
Praktische Hinweise zu eigenen Planungen
entnehmen Sie bitte den nebenstehenden Verweisen; auch wenn
die Landschaft wohl gleich eindrucksvoll geblieben ist,
Anreise und Unterkünfte haben sich seit unserer Tour sicher geändert (wir
hatten ein kleines Zelt mit, liefen auf's Geradewohl,
übernachteten meist in gîtes d'etappe, einmal bei
einem Gewitter stilecht in einer ehemaligen distillerie mit
meterdicken Mauern und offenem Kamin oder auch mal im Garten
des Forsthauses - wir hatten ja noch ein Bett bei
Onkel Marc und Tante Hilde in Montpellier in petto).
Literatur:
Als allgemeiner Reiseführer ist
der Grüne Führer von Michelin zu empfehlen (Michelin bietet
übrigens auf der Website Viamichelin
auch sehr schöne Tourentipps); als Wanderführer: Le Chemin Stevenson - GR70,
FFRP - CHAMINA, réf. 700, édition 2000.
Als Einstimmungslektüre natürlich den
Originalbericht: R. L. Stevenson, Reise mit dem Esel durch die Cevennen
(geb. bei Diederichs oder als TB bei dtv) und - aus der Sicht
eines deutschen Romantikers -: Ludwig Tieck, Der Aufstand in den Cevennen
(Rowohlt TB).
Von einem Leser kam folgender Hinweis: »Das von Ihnen empfohlene Buch mit Stevensons
Reisebericht habe ich vor einiger Zeit neu übersetzt und herausgegeben. Es ist im Verlag Editions La Colombe
erschienen (ISBN 3-929351-12-9) und kostet 10,50 EUR. Auch Tiecks Erzählung ist, ebenfalls von mir herausgegeben, im
gleichen Verlag für 12,80 EUR (ISBN 3-929351-13-7) erhältlich. Mit freundlichem Gruß
Christoph Lenhartz«.
(Foto: Ursula)
(2004-02-28)
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Stevenson
Weg. Wandern auf dem GR70 in Haute Loire, Lozere, Ardeche und Gard
Anreise
mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Association sur le Chemin Stevenson - GR70.
Weitere
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