Tipparchiv 2003

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Tipp Nr. 14

Tiroler Höhenweg - Die vergessenen Winkel

   Wer im Sommer über den Brenner braust, den Blick sehnsüchtig nach Süden auf die Dolomiten gerichtet, verpasst den eigentlichen Gag: Das Gestein, nach dem sie benannt sind, wurde gar nicht in den Dolomiten entdeckt, sondern hier ganz in der Nähe, in den Tribulaunen. Hier fiel dem französischen Geologen Déodat de Dolomieu das hellgraue Gestein auf; er schickte eine Probe an Nicolas Théodore de Saussure (Sohn von Horace Bénédict, dem »Montblanc«-Saussure), der es analysierte und nach dem Entdecker benannte...
   Tribulaune? Was sich anhört wie etwas altrömisches oder chemisches, bildet einen Teil der Stubaier Alpen. Und de Dolomieu war nicht zufällig da. In diesem Teil der Zentralalpen sind die unterschiedlichen Schichten des Gebirges praktisch komplett übereinander gelagert, ein Paradies für Geologen. Zitat aus Mairs großem Alpenbuch
   »Bringen wir in Gedanken eine Bohrung dort nieder, wo die Schichtenfolge am vollständigsten anzutreffen ist, etwa am Nößlach-Joch (2231 m), südwestlich von Steinach [
oder etwas nordwestlich vom Brenner; es kommt eben auf die Blickrichtung an]. Zuerst durchmisst unser gedanklicher Diamant-Bohrmeißel eine Abfolge aus Sandsteinen und Konglomeraten, die vor etwa 300 Millionen Jahren auf einem Festland abgelagert wurden, denn ihnen zwischengelagert finden sich Kohleflöze mit Pflanzenresten aus der Karbonzeit. Darunter folgt noch älterer Quarzphyllit, ähnlich wie man ihn auch südlich von Innsbruck antrifft. Aber dann verstoßen die Gesteine gegen die geologische Regel, dass ältere Gesteine unter jüngeren liegen, denn nach gut 200 Bohrmetern treffen wir plötzlich auf mehr als 100 Mio. Jahre jüngere Kalke aus Jura und gleich danach auf Triasdolomit, deren bizarre Erosionsreste anderswo als Kalkkögel (2703 m), Serles (2718 m), Tribulaun (3096 m) und Telfer Weißen (2566 m) den Stubaiern ihr landschaftliches Gepräge geben.
   Was ist geschehen? Wir haben eine erste Deckenüberschiebung erkannt! Durch die Einengung des gesamten Alpenraumes von ursprünglich etwa 1000 km Breite auf heute rund 200 km sind die Gesteinsschichten gefaltet, aber auch wie Spielkarten übereinander geschoben worden. Dabei geschah es oft, dass ältere Gesteine über jüngere zu liegen kamen.
   Zurück zu unserer Bohrung, die inzwischen an der Basis der Kalkserien angekommen ist und sich in das Altkristallin der Ötztal-Stubai-Masse wühlt. Abwechselnd durchfährt sie glimmerreiche Schiefer, Gneise mit höheren gehalten an Feldspat, dann plötzlich ein schwarzgrünes, schweres Gestein, einen Amphibolit, der vorwiegend aus dunklen Hornblendenadeln zusammengesetzt ist. Irgendwann wird sie auch einen Granit durchstoßen, wie er z. B. nahe der Winnebachsee-Hütte ansteht. All diese Gesteine finden wir in unterschiedlich großen Anteilen verteilt in den verschiedenen Regionen der Stubaier Alpen.
   Dann wartet eine neue Überraschung auf uns. Gesteine, die der Kenner von den Hohen Tauern und aus dem Engadin her kennt, trifft der Bohrmeißel unterhalb des Altkristallins, etwa auf Meeresniveau an. Diese Gesteine gehören wieder noch jüngeren geologischen Formationen, nämlich Jura und Kreide an, obwohl sie so tief begraben liegen. Sie sind von all den vorgenannten Gesteinseinheiten überschoben worden, mehre Decken stapeln sich hier übereinander, und es ist nicht verwunderlich, dass die Geologen so lange brauchten, um das schier Unfassbare zu begreifen.«
   Und dieses geologisch (und daher auch botanisch) hochinteressante Gebiet beiderseits des Brenners (Zillertaler bzw. Stubaier) lag lange Zeit im Schatten der 1919 gezogene Grenze zwischen Nord- und Südtirol. Ein trauriges Beispiel (mit Happy-End) ist die Landshuter Europahütte (ital. Rif Venna alla Gerla). 1899 von der Sektion Landshut erbaut, wurde zwanzig Jahre später - ein Aberwitz sondergleichen - die Grenze mitten durch sie hindurch gezogen. Noch in den 1980er Jahren war der italienische Teil verfallen, der österreichische (oder bayerische?) Teil vom Ehepaar Holzer mühsam bewirtschaftet. Dann gab es im Bayerischen Fernsehen eine Diskussion mit allen Beteiligten und 1987/88 wurde saniert und als »Europahütte« (gemeinsam geführt von der Sektion Landshut und dem CAI Sterzing) neu eröffnet. 
   Erst langsam gelangt dieser »vergessene Winkel« wieder ins Blickfeld der Bergsteiger (und jetzt kommen wir zu unserem Tourentipp): Im Juli 2002 wurde Der »Tiroler Höhenweg« zwischen Mayrhofen und Meran eröffnet. Finanziert mit EU-Mitteln (die 1. Etappe endet logischerweise an der Europahütte), führt er in knapp 14 Tagen in anregendem Auf und Ab durch wenig begangene Gebiete (Anfangs- und Endpunkt mal ausgenommen). Er ist als Wanderweg konzipiert, der bergsteigerische und kulturhistorische Aspekte (z. B. den aufgelassenen Silberbergbau) bietet. Technische Anforderungen gibt es nicht (abgesehen von der Möglichkeit, den einen oder anderen Gipfel oder Klettersteig »mitzunehmen«), jedoch ist Erfahrung und Ausrüstung für hochalpines Gelände nötig. Einige Abschnitte können wegen Schneefeldern bis in den Sommer hinein etwas heikel sein; außerdem findet sich das eine oder andere Drahtseilgeländer. Die gefährlichste Passage dürfte allerdings die Überquerung des Brenners sein...

(2003-07-20)





  Literatur:
  Ausführliche Informationen gibt es vom Tourismusverband Eisacktal. Dort kann man sogar eine Karte und einen illustrierten Führer als PDF-Datei erhalten: Drucken, Falten, Schneiden und Heften. Fertig!
   Im DAV Panorama August 2003 gibt es in dem Artikel »Dornröschenschlaf am Brenner« weitere Informationen und Tourentipps rund um die Brenner-Berge.
   

Tipp Nr. 13

Kulturweg Alpen - quer durch die Schweiz

   Auch für die Planung der Sommertour wird es höchste Zeit. Die Schweiz bietet dafür viel »Bewegungsfreiheit«:
   Selber erleben, selbst sehen, spüren und entdecken – das ist ein Grundgedanke des Kulturwegs Alpen. Dabei geht es um Vielfalt von Kulturen und Landschaften.
   Die Route dieses 650 Kilometer langen Weitwanderwegs -  vom Genfersee zum äußersten Zipfel des Bündnerlandes - ist so angesetzt, dass sie auch von Familien mit Kindern wie von älteren Semestern bewältigt werden kann. Der KWA führt nicht auf die höchsten Gipfel der Schweiz und er umgeht – wo immer möglich – touristische Ballungszentren.
   Er beginnt in St. Gingolph am Genfer See und führt durch voralpines und alpines Gebiet durch die Kantone Wallis, Waadt, Freiburg, Bern, Luzern, Obwalden, Nidwalden, Uri, Tessin und Graubünden nach Müstair. Da sich der Weg vor allem den Talschaften widmet, sind insgesamt lediglich 15 Pässe zu überschreiten.
   Für den Kulturweg wird keine neue Wegtrasse erstellt, sondern bestehende Wanderwege miteinander zu einer zusammenhängenden Route quer durch die Schweiz verknüpft. Sooft wie möglich verläuft diese auf historischen Wegabschnitten. Der Kulturweg führt in alle vier Sprachregionen der Schweiz.
   Die Route ist detailliert beschrieben im Buch »Kulturweg Alpen« (Kulturweg Alpen. Zu Fuss vom Lac Léman ins Val Müstair. Mit Routenkarten. Preis 23,00 Euro. 2001 Limmat Verlag, ISBN
3-85791-330-4). Weitere Informationen gibt es von den Naturfreunden Schweiz.
Wer lieber von Nord nach Süd läuft, sollte einen Blick auf den Trans Swiss Trail werfen...

(2003-03-30)



 

   

Tipp Nr. 12

Frühling ob dem Comer See - die »Alta Via dei Monti Lariani«

   Ostern - Zeit für eine Woche Wandern mit viel frischer Luft und schmeichelnden Sonnenstrahlen. Der (Vor-)Frühling 2003 lockt - zumindest bei uns am Niederrhein - auch den letzten Stubenhocker nach draußen. In den Alpen und den nördlichen Voralpen liegt noch Schnee oder Matsch? Da sind die Mittelgebirge südlich der Alpen immer der richtige Tipp.
   Ein (selbst in Italien) wenig bekanntes Wandergebiet liegt zwischen der Schweizer Grenze, dem Val Menaggina, dem Comer See und dem Mera-Fluss. In einer Höhe zwischen 800 und 1000 m, verbindet die Alta Via dei Monti Lariani, ein Weitwanderweg (130 km) Cernobbio mit Sorico. 
   Zu allen Ortschaften am Westufer des Comer Sees gehören kleine Dörfer an den Berghängen, die von den Bauern in den Sommermonaten auch heute noch als Viehweiden genutzt werden. Diese kleinen Dörfer, die im Dialekt der Gegend »munt« heißen, liegen auf einem Gürtel zwischen 600 und 1200 m Höhe und sind untereinander auf mittlerer Höhe durch eine parallel zum Ufer verlaufende Straße verbunden. Viele dieser Bergdörfer sind heute verlassen und haben mit der Zeit viel von ihrer  ursprünglichen bäuerlichen Kultur eingebüßt. Der alte Verbindungsweg zwischen Como und den Dörfern oberhalb des Sees ist aber immer noch gut instand und auch mit Bergfahrrädern befahrbar. Die Tour durch weite Weideflächen und Wälder bietet immer wieder einen unvergleichlichen Blick auf den See.
   Außerdem ermöglicht das Gebiet zahlreiche Varianten entlang der Hauptstrecke. Auf der Tour entlang der Verbindungsstraße der alten Bergdörfer beispielsweise führen unzählige Wege zum Seeufer hinab, von wo man über die Staatsstraße 340 »Strada Regina« oder mit einem der Ausflugsschiffe wieder zurück zum Ausgangspunkt kommt. Man kann aber ebenso gut die Tour auf eine Woche ausdehnen.
   Reisezeit ist April bis Oktober; aber im Frühling und (vor allem) im Herbst ist es wohl am schönsten. Die Berghütten öffnen Ende März und bleiben bis Ende Oktober geöffnet.

   Praktische Hinweise:
   Karte: Kompass Nr. 91 Lago di Como - Lago di Lugano
   Azienda di Promozione Turistica del Comasco (Fremdenverkehrsbüro), Via Regina 33/B, Cernobbio, Tel. 031510198
   Hütten: www.extroso.it/r_como.htm und CAI Menaggio
   Wegbeschreibung (mit Kärtchen)
   Beschreibungen von (Teil-)Strecken
   Eine Beschreibung in der Zeitschrift Orobie.
   Weitere Beschreibung aus der Zeitung Corriere del Como
   Weitere interessante Wege der Lombardei

(2003-03-30)

Tourenkarte Alta Via dei Monti Lariani

(Zum Vergrößern auf das Bild klicken)


Von den vier Etappen, in die die Hochstraße der Berge des Comer Sees (Alta Via dei Monti Lariani), üblicherweise unterteilt wird, eignen sich insbesondere die ersten beiden für Touren mit dem Mountainbike.

Weitere Fahrradtouren enthält der Führer »Mit dem Fahrrad durch die Lombardei«, herausgegeben von der Region Lombardei und dem Touring Club Italiano (Mailand 1999; nicht im Handel erhältlich; mein Exemplar habe ich am Mailänder Flughafen Malpensa ergattert) sowie ein zweiter (gleiche Quelle, aber nur auf italienisch): »Lombardia. 18 itinerari in bicicletta«.

Ein Tourenbericht mit Etappenangaben.

   

Tipp Nr. 11

Rote Nasen auf zweierlei Art

In früheren Jahren flüchteten wir vor dem jahreszeitlich drohenden kollektiven Schunkelzwang im Rheinland gerne zum Skilanglauf in die umliegenden Mittelgebirge. Aber nachdem die Schneesicherheit hierzulande nur noch in so illustren Wintersportorten wie Bottrop oder Neuss gewährleistet wird, muss man sich wohl nach etwas weiter entfernten Zielen umsehen. Wobei es ja nicht immer die Skier sein müssen, wie folgendes Beispiel zeigt:

In Surava im Albulatal/CH ist Ende Dezember 2002 der erste Schlittschuh-Eisweg der Schweiz eröffnet worden. Im Albulatal ist es im Winter so kalt, dass die Wege gefrieren. Dies haben sich die Suraver zu nutze gemacht und eine Eisbahn - die drei Kilometer lange "Skateline Abula" - erfunden.
Die 230 Einwohner Suravas haben den Eisweg mit viel Eigeninitiative erschaffen. Sie haben Wasserpumpen errichtet, Wege geebnet, Sträucher gestutzt und Beschilderungen angebracht. Zu guter letzt wurde der Weg bespritzt, um das gewünschte Eis zu bekommen. Ergebnis ist eine Eisbahn, die durch Wälder, offene Landschaft und entlang der Albula-Flusslandschaft führt.
Die Skateline gehört zum Regio-Plus Projekt ansania und wurde durch Sponsorengelder finanziert.
Sie ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Der Eintritt beträgt ca. 8 CHF. Ausrüstungsgegenstände können am Ausgangspunkt entliehen werden.

Und rote Nasen bekommt man sicher auch zu sehen.

(2003-01-16)

Schlittschuhweg

 

Tipp Nr. 10

»Wanderung zu den Bergkirchlein« (Trekking delle chiesette alpine)

Als wir vor einigen Jahren den Adamello-Höhenweg wanderten, kreuzten wir auch einen Weg, der in der ungewöhnlichen Farbkombination weiß-gelb markiert war. Wir wurden unwillkürlich an Kirchenfarben erinnert, und richtig: Es handelte sich um den Wanderweg der Bergkirchlein, auch Monsignori-Antonioli-Weg genannt. Bei diesen chiesette (einer von nicht weniger als 9 Diminutiven für Kirche, die der »Zingarelli« aufführt), handelt es sich meist um Bauten, die am Niederrhein als Hüske bezeichnet werden, also »eine kleine Kapelle an Wegen«, wie die Volkskundler definieren. Auf diesem Weg wird der Begriff aber weit gefasst: Man kann im einzelnen begegnen: edicola (Heiligenhäuschen, Bildstock), croce (Wegkreuz) und santella (religiöse Malerei an einer Hauswand oder Statue in einer Wandnische). Gepflegt und instandgesetzt werden diese chiesette alpine vom gleichnamigen Verein (opera) in Brescia.

Zwei Etappen dieses Weges (Nr. 1 und 3) begingen wir und waren sehr angetan von den ursprünglichen Landschaftsbildern und der einsamen Bergwelt. Allerdings wechselt der Weg im weiteren Verlauf seinen hochalpinen Charakter, denn er führt schließlich im biblischen Zeitmaß von 7 Tagen zu den sonnenverwöhnten Ufern des Gardasees. Ich fand solche Wege, die unterschiedliche Landschaften miteinander verbinden, immer sehr reizvoll. Und auch kulturell wird einiges geboten: Der Weg startet bei den prähistorischen Steinritzungen bei Capo di Ponte im Val Camonica und führt nach Limone sul Garda - man muss ja nicht unbedingt im August dort ankommen (der Baedeker konstatiert sachlich: »Vor allem in den Sommermonaten ist die kleine Altstadt hoffnungslos überlaufen«).

Einziger Wermutstropfen: Zwischen dem malerischen Bergdorf Bagolino und Bondone am Idro-See wird die Wanderung durch einen Straßen-Hatscher unterbrochen*

Man sollte auch mal improvisieren können; besonders die Unterkunftsfrage ist etwas heikel. Es ist von der Berghütte über Agriturismo bis zum Schlafsack-Lager auf der Alm alles vertreten. Allerdings ist im September 2002 mit der Malga Ciapa ein neuer Stützpunkt hinzugekommen. Eine deutsche Wegbeschreibung ist mir nicht bekannt. Lediglich für das Teilstück von Bagolino zum Rifugio Garda (5. und 6. Etappe) kann man auf die Beschreibung von Veit Metzler zurückgreifen (Wanderführer Trentino II, Deutscher Wanderverlag). Interessierten schicke ich gerne meine private Übersetzung (um etwas Italienisch kommt man aber trotzdem nicht herum).

* Es fährt zwar ein Bus, aber leider nicht sehr häufig (Linie G20 Bagolino - Brescia). In 20 bis 30 Minuten ist man dann in Ponte Caffaro Brücke (oder in S. Antonio Abzweig und muss dann in den Bus der Linie L903 Brescia - Madonna di Campiglio umsteigen - ebenfalls bis Ponte Caffaro). Siehe Busfahrplan der Lombardei.

(2003-01-04)

Marienbild am Antonioli-Weg


Hier schon mal ein paar Beispiele:
Heiligenhäuschen aus der Gegend von Bagolino
Santella in Pescarzo (Valcamonica)
Eine umfangreiche Galerie




Trekking delle chiesette alpine

(Zum Vergrößern auf die Karte klicken).

Eine Übersicht der Brescianer Wege.
Weitere Wandervorschläge findet man bei BresciaOnline.

(Die Kartenausschnitte und das Foto stammen aus dem Buch »I trekking bresciani«, CAI Sezione di Brescia, 1997). 






   

Weitere Tipps gibt es hier: aktuelle Tipps
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Letzte Änderung 2004-02-25. Bei Hinweisen und Fragen zu dieser Seite wenden Sie sich bitte an den Webmaster