|
|
|
|
|
Tipp Nr. 14
Tiroler Höhenweg - Die vergessenen Winkel
Wer im Sommer über den Brenner braust, den Blick
sehnsüchtig nach Süden auf die Dolomiten
gerichtet, verpasst den eigentlichen Gag: Das Gestein, nach
dem sie benannt sind, wurde gar nicht in den Dolomiten
entdeckt, sondern hier ganz in der Nähe, in den Tribulaunen.
Hier fiel dem französischen Geologen Déodat de Dolomieu das
hellgraue Gestein auf; er schickte eine Probe an Nicolas Théodore de Saussure
(Sohn von Horace Bénédict, dem »Montblanc«-Saussure), der es analysierte und nach dem Entdecker
benannte...
Tribulaune? Was sich anhört wie etwas
altrömisches oder chemisches, bildet einen Teil der
Stubaier Alpen. Und de Dolomieu war nicht zufällig da. In diesem Teil der Zentralalpen sind die
unterschiedlichen Schichten des Gebirges praktisch komplett
übereinander gelagert, ein Paradies für Geologen. Zitat aus Mairs großem
Alpenbuch:
»Bringen
wir in Gedanken eine Bohrung dort nieder, wo die
Schichtenfolge am vollständigsten anzutreffen ist, etwa am
Nößlach-Joch (2231 m), südwestlich von Steinach [oder
etwas nordwestlich vom Brenner; es kommt eben auf die
Blickrichtung an]. Zuerst
durchmisst unser gedanklicher Diamant-Bohrmeißel eine Abfolge
aus Sandsteinen und Konglomeraten, die vor etwa 300 Millionen
Jahren auf einem Festland abgelagert wurden, denn ihnen
zwischengelagert finden sich Kohleflöze mit Pflanzenresten
aus der Karbonzeit. Darunter folgt noch älterer Quarzphyllit,
ähnlich wie man ihn auch südlich von Innsbruck antrifft.
Aber dann verstoßen die Gesteine gegen die geologische Regel,
dass ältere Gesteine unter jüngeren liegen, denn nach gut
200 Bohrmetern treffen wir plötzlich auf mehr als 100 Mio.
Jahre jüngere Kalke aus Jura und gleich danach auf
Triasdolomit, deren bizarre Erosionsreste anderswo als
Kalkkögel (2703 m), Serles (2718 m), Tribulaun (3096 m) und
Telfer Weißen (2566 m) den Stubaiern ihr landschaftliches
Gepräge geben.
Was ist geschehen? Wir haben eine erste
Deckenüberschiebung erkannt! Durch die Einengung des gesamten
Alpenraumes von ursprünglich etwa 1000 km Breite auf heute
rund 200 km sind die Gesteinsschichten gefaltet, aber auch wie
Spielkarten übereinander geschoben worden. Dabei geschah es
oft, dass ältere Gesteine über jüngere zu liegen kamen.
Zurück zu unserer Bohrung, die inzwischen an der
Basis der Kalkserien angekommen ist und sich in das
Altkristallin der Ötztal-Stubai-Masse wühlt. Abwechselnd
durchfährt sie glimmerreiche Schiefer, Gneise mit höheren
gehalten an Feldspat, dann plötzlich ein schwarzgrünes,
schweres Gestein, einen Amphibolit, der vorwiegend aus dunklen
Hornblendenadeln zusammengesetzt ist. Irgendwann wird sie auch
einen Granit durchstoßen, wie er z. B. nahe der
Winnebachsee-Hütte ansteht. All diese Gesteine finden wir in
unterschiedlich großen Anteilen verteilt in den verschiedenen
Regionen der Stubaier Alpen.
Dann wartet eine neue Überraschung auf uns.
Gesteine, die der Kenner von den Hohen Tauern und aus dem
Engadin her kennt, trifft der Bohrmeißel unterhalb des
Altkristallins, etwa auf Meeresniveau an. Diese Gesteine
gehören wieder noch jüngeren geologischen Formationen,
nämlich Jura und Kreide an, obwohl sie so tief begraben
liegen. Sie sind von all den vorgenannten Gesteinseinheiten
überschoben worden, mehre Decken stapeln sich hier
übereinander, und es ist nicht verwunderlich, dass die
Geologen so lange brauchten, um das schier Unfassbare zu
begreifen.«
Und dieses geologisch (und daher auch botanisch)
hochinteressante Gebiet beiderseits des Brenners (Zillertaler
bzw. Stubaier) lag lange Zeit im Schatten der 1919 gezogene Grenze
zwischen Nord- und Südtirol. Ein trauriges Beispiel (mit
Happy-End) ist die
Landshuter Europahütte (ital. Rif Venna alla Gerla).
1899 von der Sektion Landshut erbaut, wurde zwanzig Jahre
später - ein
Aberwitz sondergleichen - die Grenze mitten durch sie hindurch
gezogen. Noch in den 1980er Jahren war der italienische Teil
verfallen, der österreichische (oder bayerische?) Teil vom
Ehepaar Holzer mühsam bewirtschaftet. Dann gab es im
Bayerischen Fernsehen eine Diskussion mit allen Beteiligten
und 1987/88 wurde saniert und als »Europahütte« (gemeinsam
geführt von der Sektion Landshut und dem CAI Sterzing) neu
eröffnet.
Erst langsam gelangt dieser »vergessene Winkel«
wieder ins Blickfeld der Bergsteiger (und jetzt kommen wir
zu unserem Tourentipp): Im Juli 2002 wurde Der »Tiroler
Höhenweg« zwischen Mayrhofen und Meran eröffnet.
Finanziert mit EU-Mitteln (die 1. Etappe endet logischerweise
an der Europahütte), führt er in knapp 14 Tagen in
anregendem Auf und Ab durch wenig begangene Gebiete (Anfangs-
und Endpunkt mal ausgenommen). Er ist als Wanderweg
konzipiert, der bergsteigerische und kulturhistorische Aspekte
(z. B. den aufgelassenen Silberbergbau) bietet. Technische
Anforderungen gibt es nicht (abgesehen von der Möglichkeit, den einen oder anderen Gipfel oder
Klettersteig »mitzunehmen«), jedoch ist Erfahrung und Ausrüstung für hochalpines
Gelände nötig. Einige
Abschnitte können wegen Schneefeldern bis in den Sommer
hinein etwas heikel sein; außerdem findet sich das eine oder
andere Drahtseilgeländer. Die gefährlichste Passage dürfte
allerdings die Überquerung des Brenners sein...
(2003-07-20)
|

Literatur:
Ausführliche Informationen gibt es vom Tourismusverband Eisacktal.
Dort kann man sogar eine Karte
und einen illustrierten Führer als PDF-Datei
erhalten: Drucken, Falten, Schneiden und Heften. Fertig!
Im DAV Panorama August 2003 gibt es in dem
Artikel »Dornröschenschlaf am Brenner« weitere
Informationen und Tourentipps rund um die Brenner-Berge.
|
| |
|
Tipp Nr. 13
Kulturweg Alpen - quer durch die Schweiz
Auch für die Planung der Sommertour wird es
höchste Zeit. Die Schweiz bietet dafür viel
»Bewegungsfreiheit«:
Selber erleben, selbst sehen, spüren und entdecken – das ist ein Grundgedanke des Kulturwegs Alpen. Dabei geht
es um Vielfalt von Kulturen und Landschaften.
Die Route dieses 650 Kilometer langen Weitwanderwegs - vom Genfersee zum
äußersten Zipfel des Bündnerlandes - ist so angesetzt, dass sie auch von Familien mit Kindern wie von älteren Semestern bewältigt werden kann. Der
KWA führt nicht auf die höchsten Gipfel der Schweiz und er umgeht – wo immer möglich – touristische Ballungszentren.
Er beginnt in St. Gingolph am Genfer See und führt durch voralpines und alpines Gebiet
durch die Kantone Wallis, Waadt, Freiburg, Bern, Luzern,
Obwalden, Nidwalden, Uri,
Tessin und Graubünden nach Müstair. Da sich der Weg vor allem den Talschaften widmet, sind insgesamt lediglich 15 Pässe zu überschreiten.
Für den Kulturweg wird keine neue Wegtrasse erstellt, sondern bestehende Wanderwege miteinander zu einer zusammenhängenden Route quer durch die
Schweiz verknüpft. Sooft wie möglich verläuft diese auf historischen Wegabschnitten. Der Kulturweg führt in alle vier Sprachregionen der Schweiz.
Die
Route ist detailliert beschrieben im Buch »Kulturweg Alpen«
(Kulturweg Alpen. Zu Fuss vom Lac Léman ins Val Müstair. Mit Routenkarten.
Preis 23,00 Euro. 2001 Limmat Verlag, ISBN
3-85791-330-4). Weitere Informationen gibt es von den Naturfreunden
Schweiz. Wer lieber von Nord nach Süd läuft,
sollte einen Blick auf den Trans
Swiss Trail werfen...
(2003-03-30)
|


|
| |
|
Tipp Nr. 12
Frühling ob dem Comer See - die »Alta Via dei
Monti Lariani«
Ostern - Zeit für eine Woche Wandern mit viel frischer Luft
und schmeichelnden Sonnenstrahlen. Der (Vor-)Frühling 2003 lockt
- zumindest bei uns am Niederrhein - auch den letzten
Stubenhocker nach draußen. In den Alpen und den
nördlichen Voralpen liegt noch Schnee oder Matsch? Da sind
die Mittelgebirge südlich der Alpen immer der richtige Tipp.
Ein (selbst in Italien) wenig bekanntes Wandergebiet liegt
zwischen der Schweizer Grenze, dem Val Menaggina, dem Comer
See und dem Mera-Fluss. In einer Höhe zwischen 800 und 1000
m, verbindet die Alta Via dei Monti Lariani, ein Weitwanderweg
(130 km) Cernobbio mit Sorico.
Zu allen Ortschaften am Westufer des Comer Sees gehören kleine
Dörfer an den Berghängen, die von den Bauern in den Sommermonaten auch heute noch als Viehweiden genutzt werden. Diese kleinen Dörfer, die im Dialekt der Gegend
»munt« heißen, liegen auf einem Gürtel zwischen 600 und 1200 m Höhe und sind untereinander auf mittlerer Höhe durch eine parallel zum Ufer verlaufende Straße verbunden. Viele dieser Bergdörfer sind heute verlassen und haben mit der Zeit viel von ihrer
ursprünglichen bäuerlichen Kultur eingebüßt. Der alte Verbindungsweg zwischen Como und den Dörfern oberhalb des Sees ist aber immer noch gut
instand und auch mit Bergfahrrädern befahrbar. Die Tour durch
weite Weideflächen und Wälder bietet immer wieder einen unvergleichlichen Blick auf den See.
Außerdem ermöglicht das Gebiet zahlreiche Varianten entlang der
Hauptstrecke. Auf der Tour entlang der Verbindungsstraße der alten Bergdörfer beispielsweise führen unzählige Wege zum Seeufer hinab, von wo man über die Staatsstraße 340
»Strada Regina« oder mit einem der Ausflugsschiffe wieder zurück zum Ausgangspunkt kommt.
Man kann aber ebenso gut die Tour auf eine Woche ausdehnen.
Reisezeit ist April bis Oktober; aber im
Frühling und (vor allem) im Herbst ist es wohl am schönsten.
Die Berghütten öffnen Ende März und bleiben bis Ende
Oktober geöffnet.
Praktische Hinweise:
Karte: Kompass Nr. 91 Lago di Como - Lago di
Lugano
Azienda di Promozione Turistica del Comasco (Fremdenverkehrsbüro), Via Regina 33/B,
Cernobbio, Tel.
031510198
Hütten: www.extroso.it/r_como.htm
und CAI
Menaggio
Wegbeschreibung
(mit Kärtchen)
Beschreibungen von
(Teil-)Strecken
Eine Beschreibung in der Zeitschrift
Orobie.
Weitere Beschreibung aus der
Zeitung Corriere del Como
Weitere
interessante Wege der Lombardei
(2003-03-30)
|

(Zum Vergrößern auf das Bild klicken)
Von den vier Etappen, in die die Hochstraße der Berge des Comer Sees
(Alta Via dei Monti Lariani), üblicherweise unterteilt wird, eignen sich insbesondere die ersten beiden für
Touren mit dem Mountainbike.
Weitere Fahrradtouren enthält der Führer »Mit dem Fahrrad
durch die Lombardei«, herausgegeben von der Region Lombardei
und dem Touring Club Italiano (Mailand 1999; nicht im Handel
erhältlich; mein Exemplar habe ich am Mailänder Flughafen
Malpensa ergattert) sowie ein zweiter (gleiche Quelle, aber nur auf
italienisch): »Lombardia. 18 itinerari in bicicletta«.
Ein Tourenbericht
mit Etappenangaben.
|
| |
|
Tipp Nr. 11
Rote Nasen auf zweierlei Art
In früheren Jahren flüchteten wir vor dem jahreszeitlich
drohenden kollektiven Schunkelzwang im Rheinland gerne zum
Skilanglauf in die umliegenden Mittelgebirge. Aber nachdem die
Schneesicherheit hierzulande nur noch in so illustren
Wintersportorten wie Bottrop
oder Neuss
gewährleistet wird, muss man sich wohl nach etwas weiter
entfernten Zielen umsehen. Wobei es ja nicht immer die Skier
sein müssen, wie folgendes Beispiel zeigt:
In Surava im Albulatal/CH ist Ende Dezember 2002 der erste
Schlittschuh-Eisweg der Schweiz
eröffnet worden. Im Albulatal ist es im Winter so kalt, dass die Wege gefrieren. Dies haben
sich die Suraver zu nutze gemacht und eine Eisbahn - die drei Kilometer lange
"Skateline Abula"
- erfunden.
Die 230 Einwohner Suravas haben den Eisweg mit viel Eigeninitiative erschaffen. Sie haben
Wasserpumpen errichtet, Wege geebnet, Sträucher gestutzt und Beschilderungen angebracht. Zu
guter letzt wurde der Weg bespritzt, um das gewünschte Eis zu bekommen. Ergebnis ist eine
Eisbahn, die durch Wälder, offene Landschaft und entlang der Albula-Flusslandschaft führt.
Die Skateline gehört zum Regio-Plus Projekt ansania und wurde durch Sponsorengelder finanziert.
Sie ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Der Eintritt beträgt ca. 8 CHF.
Ausrüstungsgegenstände können am Ausgangspunkt entliehen werden.
Und rote Nasen bekommt man sicher auch zu sehen.
(2003-01-16)
|

|
| |
|
Tipp Nr. 10
»Wanderung zu den Bergkirchlein« (Trekking delle
chiesette alpine)
Als wir vor einigen Jahren den Adamello-Höhenweg
wanderten, kreuzten wir auch einen Weg, der in der
ungewöhnlichen Farbkombination weiß-gelb markiert war. Wir
wurden unwillkürlich an Kirchenfarben erinnert, und richtig:
Es handelte sich um den Wanderweg der Bergkirchlein, auch
Monsignori-Antonioli-Weg genannt. Bei diesen chiesette
(einer von nicht weniger als 9 Diminutiven für Kirche, die
der »Zingarelli« aufführt), handelt es sich meist um
Bauten, die am Niederrhein als Hüske
bezeichnet werden, also »eine kleine Kapelle an Wegen«,
wie die Volkskundler definieren. Auf diesem Weg wird der
Begriff aber weit gefasst: Man kann im einzelnen begegnen: edicola
(Heiligenhäuschen, Bildstock), croce (Wegkreuz) und santella (religiöse
Malerei an einer Hauswand oder Statue in einer Wandnische). Gepflegt und instandgesetzt
werden diese chiesette alpine vom gleichnamigen Verein
(opera) in Brescia.
Zwei Etappen dieses Weges (Nr. 1 und 3) begingen wir und waren sehr
angetan von den ursprünglichen Landschaftsbildern und der
einsamen Bergwelt. Allerdings wechselt der Weg im
weiteren Verlauf seinen hochalpinen Charakter, denn er führt
schließlich im biblischen Zeitmaß von 7 Tagen zu den sonnenverwöhnten Ufern des Gardasees. Ich
fand solche Wege, die unterschiedliche Landschaften
miteinander verbinden, immer sehr reizvoll. Und auch kulturell
wird einiges geboten: Der Weg startet bei den prähistorischen
Steinritzungen bei Capo di Ponte im Val Camonica und führt
nach Limone sul Garda - man muss ja nicht unbedingt im
August dort ankommen (der Baedeker konstatiert sachlich: »Vor allem
in den Sommermonaten ist die kleine Altstadt hoffnungslos
überlaufen«).
Einziger Wermutstropfen: Zwischen dem malerischen Bergdorf
Bagolino und Bondone am Idro-See wird die Wanderung durch einen
Straßen-Hatscher unterbrochen*.
Man sollte auch mal
improvisieren können; besonders die Unterkunftsfrage ist
etwas heikel. Es ist von der Berghütte über Agriturismo bis zum Schlafsack-Lager auf der
Alm alles vertreten. Allerdings ist im September 2002 mit der Malga
Ciapa ein neuer Stützpunkt hinzugekommen. Eine deutsche
Wegbeschreibung ist mir nicht bekannt. Lediglich für das
Teilstück von Bagolino zum Rifugio Garda (5. und 6. Etappe)
kann man auf die Beschreibung von Veit Metzler zurückgreifen
(Wanderführer Trentino II, Deutscher Wanderverlag). Interessierten
schicke
ich gerne meine private Übersetzung (um etwas Italienisch
kommt man aber trotzdem nicht herum).
* Es fährt zwar ein Bus, aber leider nicht sehr häufig (Linie
G20 Bagolino - Brescia). In 20 bis 30 Minuten ist man dann in
Ponte Caffaro Brücke (oder in S. Antonio Abzweig und muss
dann in den Bus der Linie L903 Brescia - Madonna di Campiglio
umsteigen - ebenfalls bis Ponte Caffaro). Siehe Busfahrplan
der Lombardei.
(2003-01-04)
|

Hier schon mal ein paar Beispiele:
Heiligenhäuschen
aus der Gegend von Bagolino
Santella in Pescarzo
(Valcamonica)
Eine umfangreiche
Galerie
(Zum Vergrößern auf die Karte klicken).
Eine Übersicht der Brescianer Wege.
Weitere Wandervorschläge findet man bei BresciaOnline.
(Die Kartenausschnitte und das Foto stammen aus dem Buch »I trekking
bresciani«, CAI Sezione di
Brescia, 1997).
|
| |
|
|
|
|
| |
|
|