Tourenbericht: Wanderung Schwäbische Alb/Albsteig Bad Urach bis Schönberg


Untertitel: 
02.09.2017 - 09.09.2017

Tief bis in die Lungenspitzen atme ich durch. Wohltuend sauber und erfrischend ist die Luft. Herrlich!

Autos sehe ich seit Stunden nicht mehr. Nichts lässt erahnen, dass wenige Kilometer von hier in Stuttgart die Politiker über Verkehrsdichte und Dieselfahrverbot nachdenken, weil man durch den Smog in der Innenstadt Stuttgarts, der unerträglich geworden ist und gesundheitliche Folgen für die hier lebenden Menschen hat.

Mein Blick streift vom markanten Felsvorsprung des Albtraufs weit ins wildromantische Tal. Die Schwäbische Alb erstreckt sich wie ein langes Band zwischen dem Alpenvorland und dem Schwarzwald. 

Zu Anfang erklärt uns die sympathische Stadtführerin Gabi im herrlichsten Schwäbisch die Geschichte ihre Heimatstadt Bad Urach.  Wir wissen nun, dass es Graf Eberhard war, der vor ca. 500 Jahren im Schwabenländle die Kehrwoche einführte. Die fleißigen Schwaben halten sich bekannter Weise bis heute daran. 

Wir wollen die 122 km von Bad Urach bis Schömberg in 6 Tagen laufen. Gleich am ersten Wandertag eröffnet sich uns eines der schönsten Teilstücke des Albsteigs. Es geht hoch zum Uracher Wasserfall der sich fast 40m in die Tiefe stürzt. Der erfahrene Wanderer weiß, wenn es heißt Wasserfall:“ Oh je, da führt der Weg steil bergauf!“ Idyllisch schlängelt sich der Weg zwischen bemoosten Felsen hinauf bis zum Aussichtsturm „Hohe Warte“. 

In großen Teilen führt der Weg am steil abfallenden Albtrauf entlang. Das ermöglicht uns herrliche Blicke in die Täler.  So erreichen wir am 2. Tag das Schloss Lichtenstein das sich an einen steilen Felsen oberhalb des Echaztals klammert. Dann geht es in die Tiefe der Nebelhöhle. 400 Meter lang ist diese Tropfsteinhöhle. Enttäuschend ist, dass viele von der Decke hängende Stalaktiten entfernt waren.  Jahrhunderte war die Höhle sich selbst überlassen.

Auch am 3. Tag schlängelt sich der Albsteig bergauf und bergab eng am Albtrauf entlang. Aber heute geht´s kurz und steil rauf zum 880m hohen Bolberg. Manch Bergwanderer schwitzt und ahnt noch nicht, was uns heute erwartet.  Der Flüssigkeitsverlust wird schon beim Empfang in Mössingen im Hotel Fischer, einer Brauerei mit angeschlossenem Hotel, wieder aufgefüllt. Ein erfrischendes “Fischer Bier“ lässt alles Mühen der Wanderung vergessen. 

Der Weg nach Mössingen geht entlang auf einem schmalen Pfad in der Nähe der hier sehr markanten Traufkante. Heute lernen wir, dass sich 1983 durch starke Regenfälle ausgelöst, der größte Bergrutsch Baden-Württembergs hier ereignete. 6 Millionen Kubikmeter Erde und Gestein, (das entspricht 350 000 beladenen Lastwagen) stürzten zu Tal. Grade von der Traufkante zeigt sich der Bergsturz als imposantes Lehrbeispiel für die allmähliche Rückverlagerung der Schwäbischen Alb, die durchschnittlich 1.6 mm pro Jahr beträgt. Die Aussicht vom Dreifürstenstein auf Burg Hohenzollern reicht nicht um die Städte Hechingen, Tübingen und in der Ferne den Großraum Stuttgart zu erkennen. Stuttgart, das erinnert uns doch an etwas? Die Frage kommt auf: Wie viele Autos haben wir an manchen Tagen gesehen? Waren es fünf?

Vom wunderschön renovierten Hotel Post in Jungingen erreichen wir nach einem recht steilen Anstieg den Hohen Berg (854m).  Vom „Hangenden Stein“, einem weit aus dem Trauf herausragender Felsklotz, erblicken wir neben einer atemberaubenden Aussicht, mal wieder „unsere“ Burg Hohenzollern. 

Nicht schwierig ist die letzte Etappe, aber man sollte gut trainiert sein. Über ca. 800 Höhenmeter sind zu überwinden. Einer der Höhepunkte dieses Tages ist der 1015m hohe Lemberg, der höchste Berg der Schwäbischen Alb mit, wie könnte es anders sein, einer atemberaubenden Aussicht. Und als weiter Belohnung erwartet uns im Hotel “ Obere Säge“ in Schömberg ein besonders köstliches Abendessen. 

Seit 23 Jahren führt der berg-begeisterte Heinz Braun Gruppen des DAV. Er sucht die abwechslungsreichen Touren aus und versucht immer neue interessante Wege zu finden. Durch ihn sind viele niederrheinische Flachlandtiroler vom Bergvirus infiziert. Nach dem Motto:“ Wenn wir mehr gehen, geht es uns besser!“ schnüren sich jedes Jahr die Niederrheiner die derben Wanderschuhe an und laufen erwartungsvoll los. Das Resultat nach einer Wanderwoche ist ein Rucksack voller Lachen, das Entdecken unbekannter Landschaften und das Gefühl prickelnde Luft in der Lunge und somit wieder frischen Wind für den Alltag zu haben.

Bilder: Heinz Braun
Text: Ria Braun

Kurz nach unserer gemeinsamen Wanderung auf der Schwäbischen Alb erreichte uns die Todesnachricht von unserem Bergfreund Hans Aldenkirchs, der 20 Jahre mit unserer Gruppe gelaufen ist und ein echter Freund wurde. Seine Leidenschaft war wandern, es war ihm bis zum Schluss vergönnt. Wir sind alle sehr traurig!

 
 
 
 
No Altitude
Trackstatistik: 
0.00Km