Sektionsfahrt zur Steinseehütte


Untertitel: 
20.07.2013 - 27.07.2013

Ein Hauch alpines Abenteuer

1. Aufstieg

Von Landeck Zams im Inntal geht’s in rasanter Fahrt über einen unbefestigten schottirgen Weg, teilweise ohne Randbe-grenzung in Serpentinen mit dem Taxi zur Alfuz Alpe (1.280 m). Hier startet der Fußweg in seichtem Anstieg mit immer wieder erfrischenden Ausblicken auf den Steinseebach.        ...weiterlesen

Aufstieg von der AlfuzAlpe (1.280 m) Die steilen Serpentinen zur Steinseehütte


Unser Ziel: Die Steinseehütte (2.061 m)

Die Baumgrenze ist schnell erreicht. Jetzt säumen Latschenkiefer und Alpenrosen den Weg, der in immer steiler werdenden Serpentinen bei hochsommerlichen Temperaturen ständig bergan steigt. Die Luft staut sich im Gebüsch und fönige Windwellen machen den Aufstieg zu einer atemtechnischen Herausforderung.

Nach anstrengenden 800 Höhenmetern liegt die Steinseehütte (2.061 m) auf einer grünen Terrasse, eingerahmt von der mächtigen Parzinn-Gruppe im Lechtaler Gebirge vor uns.

2. "Die Kletterberggipfel"

Von der Hütte genießen wir einen ersten Blick ins Steinkar, unser Kletter-Zielgebiet mit zahlreichen Routen unterschiedlicher Schwierigkeiten. Halbkreisförmig reihen sich hier Steinkarturm mit 2.650 m, Südwestlicher Parzinnturm mit 2.590 m, Noröstlicher Parzinnturm mit 2.582 m, Spiehlerturm mit 2.550 m und Schneekarlespitze mit 2.641 m um das Steinkar und sein vorgelagertes malerisches Plateau durchsetzt von Findlingen.

 

Blick ins Steinkar (rechts: Schneekarle)


 

 

3. Zustieg zu den Kletterrouten

Um zu den Kletterrouten zu gelangen, geht es von der Steinseehütte zunächst abwärts, aber am ab der Wegabzweigung folgen ca. 800 Höhenmeter bis zum jeweiligen Einstiegs-Standplatz, die wir jeden Morgen bewältigen. Der letzte Streckenabschnitt durch die Schutt-Kare ist recht mühsam und – wenn man den falschen Pfad erwischt – ist der Vierfüßergang schon mal erforderlich, aber nach einer einstündigen Wanderung hat man den Einstieg erreicht.

 
Auf dem Weg zum Einstieg
 
Findlingsplateau    
"Orientierungsphase"
Die Qual der Wahl
...im Vierfüßergang
Blaue Pfeile dienen der Orientierung -
   .....wenn man sie denn findet

4. Beschreibung einer Route: GuSta – In Ricordo di Pauli

Um einen Eindruck vom Fels und von der hier angelegten Grundlage der Schwierigkeitsbewertung zu bekommen, haben wir am 1. Tag die gut gesicherte „Südwand“ am Steinkarturm in 5 Seillängen in der Schwierigkeit 3+ bis 5- geklettert. Insgesamt klettern wir im Fels ein großes Stück unter unserer Kletterleistungsgrenze. Die Hakenabstände liegen für den Vorsteiger zwischen 3 und 15 m auseinander und das Gelände ist überwiegend wirklich nicht sturzgeeignet.

Unsere Kletterroute am 1. Tag

 

Das Topo gibt Auskunft über: den Schwie-rigkeitsgrad der Route, den Weg zum Einstieg, die Standplätze und die Sicherungslaschen

Bedingt kann man Informationen über besondere Felsformen wie Buckel, Überhänge oder Rinnen ablesen

Verflixtes Topo! Der Blick ins Topo ist eine Voraussetzung für das „Finden“ einer angemessenen Kletterroute, es erklärt den Weg zum Einstieg, die Schwierigkeit sowie den Verlauf der Route.

Am Dienstag entscheiden wir uns für die GuSta, die uns in 7 Seillängen auf den Südwestlichen Parzinnturm führt. Die erste Seillänge ist laut Topo mit 5- die Schwierigste, die letzten beiden liegen im 4+ Bereich und die restlichen Seillängen in einfacherem Schwierigkeitsgrad.

Der Einstieg soll sich etwas versteckt in einer Felsschlucht befinden. Das große Suchen gestaltet sich aufwändig, bis wir endlich oben an der Wand den ersten Haken für die 1. Expresse sichten und den Standplatz darunter vermuten.

Tatsächlich finden wir den Standplatz in der Randkluft – breit machen kann man sich nicht, abstürzen kann man aber auch nicht, der Rücken wird eisgekühlt und nur die Aussicht in die Sonne hält warm. Man spürt den eiskalten Hauch eines alpinen Abenteuers.

Während Jürgen und ich am Einstieg fast festfrieren, geht Hubert in den Vorstieg der  1. Seillänge.

Die erste Seillänge, im Topo mit 5- bewertet, hat es in sich, wird aber von Hubert komplikationslos bewältigt. Der Stein ist griffig, der raue Kalkfelsen schafft nach und nach Vertrauen in Griffe und Tritte. Die Route, die laut Topo senkrecht aufsteigt, macht einen Rechtsschlenker, so dass am 2. Standplatz Bedenken bezüglich des Topos aufkommen.

Der 2. Standplatz ist zwar in der Sonne gelegen, aber auch hier ist das Platzangebot begrenzt. Jürgen macht den Vorstieg in der 2. Seillänge. Im Gegensatz zum Topo, das eine Routenführung linksorientiert anzeigt, führt die Route jedoch mehr rechts heraus zum Standplatz. Jürgen folgt der logischen Routenführung und erreicht den 3. Standplatz.

An Standplatz 3 wird wie immer der Rucksack getauscht, so dass der Vorsteiger keinen unnötigen Ballast mitschleppen muss.

Jetzt geht Hubert wieder in den Vorstieg und guckt kritisch über den Felsrand wie es weitergeht. Irgendwie läuft das hier spiegelverkehrt, in dieser Seillänge klettert Hubert mehr linksausgerichtet weiter anstatt wie im Topo angezeigt rechts heraus. Eine leichte Verunsicherung bezüglich der Routenführung besteht schon – aber die Kletterschwierigkeit passt und so geht’s weiter.

12.00 Uhr:  90 Minuten nach dem Einstieg in die Route erreichen wir Standplatz 4. Hubert beschließt, die Kletterschuhe auszuziehen und barfuß weiterzugehen? - - - Jürgen und ich sind da noch sehr unentschlossen. Der Blick in das anstehende Gelände kann uns auch nicht überzeugen.

An Standplatz 4 passt die Gesteinsformation nicht zum Bild im Topo und führt zu einigen Diskussionen bezüglich der Routenführung – Verflixtes Topo!

Wir erreichen Standplatz 5, der uns skeptisch rätseln lässt, wie es weitergeht.

Laut Topo müssten wir uns von hier aus stark nach rechts orientieren, leider sind dort jedoch keine Sicherungslaschen zu sehen. Stattdessen finden wir  Sicherungshaken, die links herausgehen und können nur feststellen: „Das Topo kann nicht stimmen – das passt nicht mit dem Verlauf der Route übereinander.“ Hubert folgt der linksverlaufen Kletterroute, diese ist durchaus „kletterbar“.

Von Standplatz 6 genieße ich die Aussicht zur Hütte – ein traumhaftes Panorama. Jürgen geht in der 6. Seillänge in den Vorstieg.

Den Standplatz 7 hat er schnell erreicht und auch der Ausblick von hier ist traumhaft schön. Nun geht’s in die vorletzte Seillänge, einen Abgleich mit dem Topo machen wir nicht mehr.

In dieser Seillänge erwartet uns eine der sogenannten „Schlüsselstellen“. Ein Kamin ist zu durchklettern und mit der Aussicht auf die „Geborgenheit einer Höhle“ wird man magisch ins Innere gezogen. Herausgekommen bin ich aus dem Schichtüberhang bäuchlings mit einer perfekten Drehung in die Rückenlage und einem gleichzeitigen Winkel von 90°. Der Rucksack blieb zum Glück nirgendwo hängen. Ich frag mich nur, wie man das im Vorstieg bewältigt, aber Hubert hat den letzten Standplatz sicher erreicht.

Von hier aus ist alles „easy“, das Gipfelkreuz ist in Sicht und Jürgen übernimmt den Vorstieg in der letzten Seillänge und erreicht um 13.30 Uhr als erster den Gipfel.

Der Ausblick vom Gipfel ist wieder mal gigantisch – das Wetter stimmt – die 7 Seillängen haben wir gut bewältigt – da kommen dann die Genießerminuten!

5. Was man auf dem Gipfel erleben kann

Das Schöne an dem Klettergebiet Steinseehütte ist die Einsamkeit, die wir an den Wochentagen erlebten. Wenn man auf dem Gipfel sitzt und den Blick schweifen lässt, kann man hier und da die anderen Seilschaften aus unserer Gruppe entdecken, wie sie durchs Gestein klettern. Oder man trifft sich auf dem Gipfel, weil eine andere Seilschaft über eine andere Route heraufgeklettert kommt.

6. Abstieg

Nach jedem Aufstieg geht’s in den Abstieg, die ersten Höhenmeter werden „frei“ abgeklettert, wobei ich mich frage, wieso der Aufstieg gesichert sein muss und im Abstieg keine Notwendigkeit besteht?!?

Sind diese Abklettermeter geschafft, geht es durch eine drahtseilgesicherte Schuttrinne abwärts ins Schuttfeld.

Hier ist besondere Vorsicht geboten, da die hier ansässigen Steinböcke mitunter Kletterer mit Steinen bewerfen, um ihr Terrain zu behaupten.

7. Nach der Route: Pause

15.00 Uhr: Das steindurchsetzte Grasplateau lädt nach der Klettertour zu einer genüsslichen Pause mit sonniger Aussicht ein:

8. Regen an der Hütte

Aber schon bald zieht eine finstere Regenwolke auf, die unseren Weg zur Hütte beschleunigt. An der Hütte klärt sich bezüglich der Kletteroute einiges auf: Am Südwestlichen Parzinnturm wurde eine neue Route eingerichtet, die in unserem Topo noch nicht eingetragen war. Da es in unserem Topo nur eine route gab, mussten wir also in der richtigen Route sein. Dass jedoch 2012 eine neue Route erstbegangen wurde, deren Einstieg nur knapp neben der GuSta liegt, haben wir erst jetzt erfahren. So waren unsere Ungereimtheiten geklärt und zu unserem Glück lagen die Seillängen der GuSta und der In Ricordo di Pauli in gleichem Schwierigkeitsgrad.

9. Nach dem Abendessen noch einmal zum Steinsee

Ein kurzes „Schauer“-Spiel setzt ein während wir auf der Hütt Kaffe und Kuchen verzehren, aber kurze Zeit später setzt sich die Sonne wieder durch.

Der Abend bietet Zeit und Gelegenheit, die 200 Höhenmeter zum Steinse hochzulaufen. Der bizarre Bergwerkskopf wird von der Abendsonne angestrahlt und spiegelt sich im Steinsee.

Die Haflinger mit ihren goldfarbenen Mähnen begeistern uns durch ihre Zutraulichkeit und begleiten uns oft ein Stück des Wegs.

Insgesamt war die Woche an der Steinseehütte eine supertolle Kletterwoche und ich bedanke mich vor allem bei Hubert und Jürgen, die ich die ganze Woche in der Dreier-Seilschaft begleiten durfte sowie bei Hubert und Rudi für die Organisation und Durchführung der Sektionsfahrt.

Für die Genehmigung zur Veröffentlichung der Topos bedanke ich mich recht herzlich beim Hüttenwirt der Steinseehütte, Burkhard Reich. Mehr Informationen zum Klettergebiet "Steinseehütte" gibt es auf der Hütten-Homepage.

 

No Altitude
Trackstatistik: 
0.00Km

Standort

Standort:
Steinseehütte Lechtaler Alpen
Österreich
47° 13' 33.9996" N, 10° 35' 13.9992" E