Neuer Tourenbericht: Zwischen Leukerbad und Adelboden ...


... hatten wir unseren Tourenvorschlag für Spätsommer 2015 genannt, durchzuführen nur bei Sonne! Und genau die hat meine Frau und mich eine Woche begleitet auf der Nordseite des Rhonetales, von der aus man phantastische Blicke in die Walliser, 4000er, bis hin zum Mont Blanc genießen kann.

Natürlich sind die Westalpen nicht das klassische Gebiet des DAV, historisch waren die Engländer hier die Pioniere, aber die Distanz vom Niederrhein aus ist nicht größer als z. B. ins Ötztal und der Kontrast zwischen hochreichender Bewaldung und wer weiß wie lange aber jetzt immer noch eisbedeckten Gipfeln hat mich seit Ende der 60er Jahre in den Bann geschlagen. Um Zeit zu sparen, fahren wir mit dem Wagen bis Kandersteg und finden wie erhofft problemlos im dortigen internationalen Pfadfinderzentrum Parkmöglichkeit. Am Ende der Seilbahn steht eine SAC-SV-Hütte eigentlich ideal für den weiteren Tourenverlauf, aber weder der benannte dafür Verantwortliche der Eigentümersektion vorher noch hinterher der SAC selbst als Beschwerdeempfänger haben uns einer Antwort gewürdigt, auch das gibt es in der Schweiz?! Also weichen wir am Nachmittag des ersten Tages nach der Anfahrt von Krefeld auf die Doldenhornhütte aus. Ein Glückstreffer, der Urgroßvater des diensthabenden Freiwilligen war Anfang des 20.Jahrhunderts unwissentlich Gastgeber für den späteren Revolutionär Lenin, der in der Nähe ein als ornithologischer Kongress getarntes konspiratives Treffen der europäischen Kommunistenführer besucht hatte. Dass er in dieser Zeit auch Schwarenbach, an dem wir am zweiten Tag vorbeiziehen, besucht hat, steht dagegen in jedem Führer! Der Umweg beschert uns am nächsten Morgen, schon fast wieder zurück ins Tal abgestiegen, ein Übungstreffen von etwa 20 Alphornbläsern, die zum Stimmen ihrer Hörner auf etwa harmonischen Gleichklang entsprechend lange brauchen, die man aber unterwegs auch noch lange hören kann! Schwarenbach ist sehr gut besucht, von Kandersteg und von Leukerbad kann die Bahn zum Aufstieg genutzt werden, entsprechend viele Spaziergänger sind auf der Hochebene unterhalb des Altels unterwegs, dessen Gipfelflanke in einem historisch belegten gigantischen Bergsturz komplett abgerutscht ist und die Hochalm Spittelmatte darunter mit katastrophalen Schäden verschüttet hat. Dort weideten Tiere, die auch schon zur Römerzeit über den abenteuerlich steilen Gemmipass vom trockenen Rhonetal zu den Hochweiden des Berner Oberlandes getrieben worden waren. Das Panorama der Walliser sieht man erst wenn man schon fast an der Kante des Einstiegs in den Gemmipass nach Leukerbad herunter steht, atemberaubend ist bei schönem Wetter sicher nicht zu viel gesagt. Gefühlt nahezu senkrecht unter einem liegt die Hitze des Rhonetales, und gegenüber etwas von der aufsteigenden Feuchtigkeit des Tales zumindest in den Sommermonaten etwas verblasst die Eisriesen. Nach dem Steilabstieg Richtung Leukerbad, der inzwischen natürlich umgekehrt auch einen krassen Berglaufkurs mit Kontrollstempelstellen auf dem schmalen Pfad darstellt, empfängt uns und unsere weichen Knie glücklicherweise schon an den ersten Häusern ein Hinweisschild zum gesuchten Quartier, eine 4 Sterne Übernachtung an den Thermalquellen der Römerzeit noch tiefer im Ort erschien uns nicht angemessen. Der nächste Tag verspricht uns laut Karte den Walliser Sonnenweg letztlich wohl bis Crans-Montana, unser anvisiertes Ziel ist eine weitere CAS-Hütte mitten im Skigebiet oberhalb dieses Ortes. Wir genießen den ganzen Tag lang die wechselnden Ausblicke auf die Riesen jenseits des Tales, fühlen uns an den Balcon du Sud oberhalb Chamonix gegenüber dem Mont Blanc erinnert, sehen die Hütte auch zu angemessener Zeit und sind doch nach den letzten und  anstrengendsten immerhin noch zwei Stunden durch das im Sommer nicht wirklich wanderfreundliche Skigebiet schlussendlich heilfroh, die Füße strecken zu können! Als Tip für Nachahmer sei vermerkt, dass ein Abstieg ins Tal und Auffahrt zur Hütte mit der Bahn die gerade auch psychisch weitaus weniger anstrengende Variante wäre, wobei allerdings der Zeitpunkt der letzten Auffahrt im Auge behalten werden müsste! Das Essen ist mindestens gut wie immer in der Schweiz, meine Frau darf am nächsten Morgen die Bahn auf Plaine Morte nehmen, ich habe beim Aufstieg über die Schotterpiste der Raupenfahrzeuge in der Morgensonne dorthin Zeit zu überlegen, ob spätere Archäologen aus den Überresten eines solchen Skigebiets in der Lage sein könnten, seinen ursprünglichen Zweck zu rekonstruieren oder ob ein zukünftiger Erich von Däniken Spuren von Außerirdischen postulieren könnte? Eine Gruppe junger Männer hatte auf der Hütte nach unserem Weg und Ziel gefragt und gemeint, wir müssten doch Richtung Wildstrubelhütte eine Gletscherüberquerung in Angriff nehmen! Ich war mutig genug zu behaupten, dass von dem Gletscher der Karte an der fraglichen Stelle nicht mehr viel übrig sein dürfte, was dann auch uns ohne Ausrüstung möglich sein sollte – so war es dann auch! Auf dem Rückweg über Iffigen- und Engstligenalp durchwandert man eine Bilderbuchlandschaft des Berner Oberlandes, auf der Engstligenalp mit Bahnanschluss hinab nach Adelboden meinte sich ein alter Einheimischer ordentlich beschweren zu dürfen, das es „wir sind im Kanton Bern“ (O-Ton) keine Rösti dort gab, auch in der Schweiz ist nichts mehr wie es einmal war? Beim letzten Überstieg nach Tagen im Sonnenschein wieder zurück nach Kandersteg sehen wir zum ersten Mal auf der gesamten Tour genau 2 Stück Gamswild, die Schweizer sind aus Sorge um den Verbiss in ihrem Bergwald viel radikaler im Abschuss als die deutsche Jägerlobby, die trophäentragendes „Wild“ ja überall und reichlich füttert! Es müssen nicht die Westalpen sein, aber ich darf meine Vorliebe für diese Region der Alpen hoffentlich noch ein paar Jahre ausleben, wenn es auch dies Jahr mit den Enkel eher zu Brunos letztem Ausflugsgebiet an die Rotwand gehen wird!

Text und Bilder: Wolfram Weber

 

 

 

No Altitude
Trackstatistik: 
0.00Km

Standort

Standort:
Adelboden
Schweiz
46° 29' 35.772" N, 7° 33' 35.28" E