Mainzer Höhenweg


Untertitel: 
Hochtourenwoche (24.7 bis 30.7.2016) im Pitztal

Mainzer Höhenweg, so lautete die Überschrift des Tourenangebots von Hubert Asemann, Fachübungsleiter Bergsteigen der DAV-Sektion Krefeld im vergangenen Winter. Spontan rief ich Hubert an und er hatte tatsächlich noch einen Platz frei.

Am 14.4.2016 trafen wir, das sind Ralf, Detlef, Karl, Jürgen und ich, uns bei Hubert zu Hause zu einer Vorbesprechung der geplanten Tour. Die zwingend notwendigen Ausrüstungsgegenstände wurden benannt (eigentlich war damit der Rucksack schon gut gefüllt) und die geplanten Touren vorgestellt.

Am Sonntagnachmittag des 24.7.2016 trafen wir auf uns an der Rüsselsheimer Hütte in 2323m Höhe im Pitztal. An der wunderschön gelegenen Hütte wurde im Frühjahr ein Anbau mit neuen Sanitären Einrichtungen fertiggestellt, die Lager waren großzügig aufgeteilt und wir unternahmen am Nachmittag noch eine kleine Eingehtour nach „Gahwinden“ 2649 Meter, einem Joch am Auslauf des Westgrades der Hohen Geige. Von dort versuchten wir den optimalen Einstieg zum Rötkarferner zu finden, über welchen wir am Montag den 25.7.2016 die Hohe Geige über den Eisweg besteigen wollten. Auf dem Rückweg zur Hütte konnten wir ein über 30 Tiere starkes Rudel Steinböcke beobachten. 

Am Morgen des 25.7.2016 verließen wir um 8.00 Uhr die Rüsselsheimer Hütte, stiegen über Gahwinden 2649m zum Rötkarjoch (auch Kapuziner Joch genannt) 2710m. Dort nach einer Gehzeit von zwei Stunden angekommen, ging es nun weglos den Hang hinauf zum Rötkarferner. In einer Höhe von 2835m erreichten wir den Gletscher. Nach dem wir uns sicherungstechnisch eingekleidet hatten (Hüftgurt an, Steigeisen an den Füßen, Garmaschen über den Schuhen, Eispickel zur Hand) gingen wir in einer Sechser Seilschaft auf das Eis, jedoch nicht, bevor Hubert uns den Umgang mit Eisschrauben und Eispickel nochmals anschaulich nahegebracht hatte. Der Firn war fest und wir kamen gut voran. Bei den noch mit Schnee bedeckten Passagen musste Hubert schon mal knietief spuren und es ging dann auch nicht so schnell weiter.Zwischen der Niedrigen Geige 3272m und der Hohen Geige 3395m erreichten wir den Grat, welchen wir in freier Kletterei bis zum Gipfel der Hohen Geige 3395m hinauf kletterten.

Am Gipfel angekommen waren wir alle über unser „Wärmeempfinden“ überrascht. Jeder glaubte es wären ca. 13 bis 15 Grad. (So standen wir unter Dampf). Nein, oben am Gipfel herrschten gerade mal 3 Grad. Also: Jacke anziehen. Den Abstieg wollten wir über den Westgrat hinunter nach Gahwinden und dann zur Hütte nehmen. Leider spielte das Wetter nicht mit und nach kurzem Wegsuchen und Teilabstieg über den Westgrat, entschlossen wir uns doch, den Normalweg als Abstieg zu nehmen. Nach vier Stunden Regen im Abstieg kamen wir nach insgesamt 10,5 Stunden auf Tour wieder an der Hütte an und wurden, nachdem wir uns trocken gelegt hatten, mit einem tollen Abendessen belohnt. Unsere nassen Kleidungstücke durften wir, nachdem die anderen Gäste die Gaststube verlassen hatten, über dem Ofen in der Stube trocknen.

26.7.2016 Der „Mainzer Höhenweg“: Um 5.15 Uhr war Aufstehen angesagt, ein frühes Frühstück, unsere wieder fast trockene Kleidung in der Gaststube überm Ofen abgenommen und angezogen. Um 6.35 Uhr ging es los. Aufstieg zum Wießmaurachjoch 2959m, welches wir um 8.40 Uhr erreichten. Soweit, so gut. Die Ostabfälle des Puitkogels querend und den nördlichen und südlichen Puitkogelferner, sowie ein Vielzahl von Firn- und Schneefeldern passierend und über Felssporne, welche teilweise seilversichert waren, wanderten und kletterten wir bis zum Ausläufer des Sonnenkogel-Ost Grates. Dort zeigte der Wegweiser noch eine Stunde bis zum Rheinland-Pfalz-Biwak an. Die Markierungen waren vielfach unterm Schnee verborgen, sodass wir in dem Kar zwischen Sonnenkogel und Wassertalkogel über ein steiles Firnfeld hinauf zum Kamm zwischen beide Gipfel (Sonnen- und Wassertalkogel) aufstiegen. Die Frontalzacken unserer Steigeisen und der Eispickel sind nützliche Helfer, um die Steilheit des Geländes mit eisigem Untergrund zu überwinden. Nachdem wir die Randkluft des Firnfeldes überwunden hatten, bekamen wir wieder Fels unter den Füßen und es ging in luftiger Kletterei weiter bis zum Wassertalkogel 3253m.

Hier angekommen waren schon mehr als neun Stunden vergangen. Unser Ziel, die Braunschweiger Hütte noch bei Tageslicht zu erreichen, war fraglich. Das Wetter und die Sicht wurden schlechter. Ohne große Diskussion stand der Entschluss schnell fest: Wir biwakieren im Rheinland-Pfalz-Biwak am Wassertalkogel auf 3247m.

Obwohl ich bei Bergtouren schon häufiger mal an einer Biwakschachtel vorbei gekommen bin, habe ich am 26.7.2016 zum ersten Mal in einer übernachtet. Das achteckige „Gebäude“ bietet neun Bergsteigern einen Schlafplatz. Da wir zu sechst waren, hatten wir ausreichend Platz. Gas zum Kochen und Nudeln waren auch noch vorhanden, sodass wir ein warmes Abendessen zu uns nehmen konnten. Hubert schmolz den Schnee und kochte die Nudeln. Nach dem Essen und Spülen im Schnee, machten wir uns beizeiten in unsere Lager und wurden am darauf folgenden Morgen mit einer herrlichen Fernsicht auf die Ötztaler Alpen belohnt.

Am 27.7.2016, haben wir nach einem Früchtetee und Müsliriegel-Frühstück die zweite Etappe des Mainzer Höhenwegs in 4,5 Gehstunden mit Überschreitung von insgesamt 5 3000er begangen. Luftige Kletterei, tolle Aussicht auf die Ötztaler Alpen und Sonnschein ließen die Anstrengungen des Vortages schnell vergessen. An der Braunschweiger Hütte (2759m) angekommen, wurde erstmal was getrunken und gegessen. Danach wurde unser Lager (Zimmerlager zu sechst) bezogen, geduscht und ausgeruht.

Am Donnerstag den 28.7.2016 brachen wir um 8.50 Uhr an der Braunschweiger Hütte auf, stiegen zum Hangener Ferner bis auf2623m ab. Von dort aus bestiegen wir übers Eis in unserer bewährten Seilschaftformation in knapp zwei Stunden den Linken Ferner Kogel 3278m. (Hüttenberg der Braunschweiger Hütte).Um 10.30 Uhr waren wir am Gipfel. Nach kurzem Abstieg zur Scharte auf 3155m zwischen Hangener Ferner und Mittelbergferner umrundeten wir den linken Ferner Kogel übers Eis. Die Braunschweiger Hütte erreichten wir gegen 14.00 Uhr. Am Nachmittag wurde noch Flaschenzug und Kameradenrettung im Eis geübt.

Auf der rechten Bildhälfte (zur Mitte hin) erkennt man den linkenFernerkogel 3278m und links im Bild ist die Innere schwarze Schneid 3369m, welche wir am 29.7.2016 bestiegen. Dieser ebenfalls über den Eisweg (Rettenbach Ferner) zu besteigende Berg war deutlich steiler als der linke Fernerkogel am Vortag. So mussten Firnfelder mit einer Steigung von 45 bis 50 Grad im Auf- und Abstieg gemeistert werden. Hubert führte die Gruppe mit großer Umsicht. Jedoch in der Steilheit des Geländes ließ sich der ein oder andere Sturz nicht vermeiden. Sie sind jedoch alle gut ausgegangen.

 

 

 

Ich danke Hubert für die ausgezeichnete Planung und Organisation der Tour, sowie Ralf, Jürgen, Karl, Detlef und Hubert für die tolle Kameradschaft am Berg.

Bergheil, bis zur nächsten Tour wünscht

Renate Harpeng

(Text und Bilder: Renate Harpeng)

 

No Altitude
Trackstatistik: 
0.00Km

Standort

Standort:
Mainzer Höhenweg
Österreich
46° 58' 0.9984" N, 10° 54' 18" E