Kaunergrat


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Tourenbericht

Eine Tourenwoche mit 3000er Gipfelzielen über dem Pitztal

Insgesamt waren wir 11 Leute, bergverstrahlt, weitgehend im Alpenverein sozialisiert und meistens untereinander bekannt. Rudi Rohn als Tourleiter mit hauptsächlich sportlicher Ausrichtung. Ich war der Neuling, Bergwanderer ohne Gletscher- und Klettererfahrung. Ob das gutgeht? Ich tue meinen Teil dazu, das Konfliktrisiko zu verringern und absolviere den Klettersteigkurs in der Nordparkhütte und nutze die Möglichkeit der Material-Ausleihe beim DAV Duisburg. Herzlichen Dank an Horst und Sonja Neuendorf.

Wir treffen uns in Mittelberg am Ende des Pitztales, einige waren schon in der Gegend, die meisten kamen per Fahrgemeinschaft am Nachmittag an. Los ging es mit dem Aufstieg durchs Taschachtal zum Taschachhaus, für 4 Tage unser Standquartier.

Das Taschachhaus ist eigentlich ein "Berghotel", komfortabel, mit guter Küche, routinierten Abläufen und netten Wirtsleuten, aber keine herkömmliche Berghütte. Ein Basisquartier für vielfältig anspruchsvolle Touren bis hoch zur Wildspitze, voll belegt mit Gruppen wie unserer, Familien mit Kindern und Summit-Club-Teilnehmern. Leider wird eine große Gruppe wie unsere gern ins außerhalb gelegene "Winterhaus" einquartiert.

Pause auf dem Weg zum Wurmtaler Kopf

Am Sonntag morgen starteten wir, mit Jausenbrot und Marschtee versehen, zur Eingehtour auf den Wurmtaler Kopf auf 3228 m. Zunächst ein Stück Fuldaer Höhenweg, gut zu gehen und aussichtsreich. Dann in Richtung Vorderer Eiskastenferner bergauf über einen guten Wanderweg. Erst kurz vor dem Gipfel kommen leichte Kletterpassagen über Geröll. Auf dem Gipfel noch gute Sicht, holte uns auf dem Abstieg der versprochene Regen ein. Einsicht, dass die anderen im Abstieg doch erheblich schneller sind. Gegen 15 Uhr wieder im Quartier, viel Zeit zum Duschen, Kaffee, Kaiserschmarrn, Bier ...

Für den Montag stand die Sexegertenspitze an, eine Gletschertour, für die stabil gutes Wetter hochwillkommen und auch vorhergesagt war. Für gute Eisbeschaffenheit starteten wir schon gegen 7.30 Uhr. Leichter Anmarsch durchs Sexegertental, dann Anlegen der Ausrüstung mit Steigeisen und Sitzgurt, Sonnenschutz, Gletscherbrillen usw. War alles neu für mich, ich hatte viele Fragen und die anderen viel Geduld. Der anschließende Weg über den flach ansteigenden Gletscher war ein langsamer Genußaufstieg mit vielen Fotopausen, die Schneeverhältnisse waren ideal. Nicht nur das Gehen in der Seilschaft, auch das Fotografieren auf dem Gletscher muss man erst lernen. Mittagsrast auf dem Urkundsattel auf sonnengeheiztem Fels. Jetzt wird es steiler und wir gehen in Serpentinen bergan. Ich fühle mich großartig! Mitlaufen ist ja auch einfach. Rudi führt. Irgendwann kommen Jan leichte Zweifel, man erkennt, dass wir seit der Mittagsrast verkehrt sind. Wir beschließen, statt dessen auf die Hochvernagtwand (3400 m) zu gehen. Langsam kehrt wieder Entspannung ein und wir setzen den Aufstieg fort, jetzt mit heftiger Steigung. Immer noch geht es gut, obwohl ich als einziger nur mit Teleskopstöcken gehe. Die Rast am Grat bot eine tolle Sicht auf die Gipfel der Ötztaler Alpen.

Und nun runter. Jetzt sehe auch ich bei den Kameraden die Vorteile des Eispickels. Auf der Rast schlägt Thomas vor, zum Abstieg einen anderen Weg zu gehen, der oberhalb unseres Quartiers an der Zunge des Taschachferners entlang führt. Einige Zeit später, schon auf sulzigem Schnee, wird das Gefälle steiler und erinnert im Profil an den Landebereich einer Skischanze. Beide Seilschaften liegen nun häufig auf der Nase, was von Alfred per Video dokumentiert wird. Ich habe inzwischen nur noch einen und reichlich krummen Teleskopstock. Nun geht es fast flach, trotzdem kommt es noch dicker, auf dem bedeckten Gletscher bewegt sich wirklich jeder Stein beim Rauftreten. Ich gehe zu Boden und Thomas verarztet meinen Daumen. Bald kommt der Weg und wir sind gegen 16 Uhr wieder im Taschachhaus. Man gewöhnt sich zunehmend an das Matrazenlager und alle schlafen besser.

Für den Dienstag war die Bligg-Spitze (3454 m) geplant. Wetterbedingt spät gehen wir gegen 8.30 Uhr los, diesmal habe icheinen Eispickel dabei. Die Wolken hängen tief und wir hoffen auf Besserung, wenn wir erstmal oben sind. Wir gehen ein Stück auf der nördlichen Seite des Sexegertentals und biegen dann bergwärts in Richtung vorderer Ölgrubenferner ab. Der Weg ist schwer zu erkennen und führt über Geröll und Matsch, mit nassem Neuschnee. Bei der Rast zum Anlegen der Ausrüstung entschließt sich Norbert zum Abbruch. Ich auch. Gegen 14 Uhr sind wir wieder auf der Hütte, nach einer warmen Suppe mach ich ein Mittagsschläfchen.

Die verbliebene 6er Seilschaft ist derweil über den vorderen Ölgrubenferner und das Joch zum Bliggferner weitergegangen. Das Wetter besserte sich nicht. Steilheit und Schneebeschaffenheit machten ein Weiterkommen auf dem Gletscher extrem beschwerlich und Rudi entschließt sich ca. 150 m unter dem Gipfel zur Umkehr. Die Abseil-Aktion sah hinterher auf dem Video ziemlich spektakulär aus. War schon froh, daß ich hier nicht dabei war.

Am Mittwoch früh verließen wir das Taschachhaus mit dem Ziel Kaunergrathütte. Bei tollem Wetter und klarer Sicht gehen wir auf dem Fuldaer Höhenweg auf der Westseite des Taschachtals leicht abwärts in Richtung Riffelseehütte/Mittelberg. Trotz vollem Gepäck war das eine echte Genusstour, den Geigenkamm voraus immer im Blick. Am späten Vormittag kommen uns immer mehr Tagesausflügler entgegen und wir erreichen die Bergstation der Riffelsee-Seilbahn und gegen Mittag die Riffelseehütte. Wegen der tollen Küche dort hat es länger gedauert. Es war ein echter Mehrwert ...

Hier öffnete sich der Blick ins Pitztal und wir konnten gleichzeitig das Taschachhaus und die Braunschweiger Hütte sehen. Bevor wir schwer und müde werden, reißen wir uns los, denn der jetzt anstehende Cottbuser Höhenweg auf der Westseite des Pitztales ist der anspruchsvollere Teil der heutigen Tour. Wegen einiger seilversicherter Passagen empfiehlt Rudi das Anlegen von Klettersteigausrüstung. Unterwegs gewinnen wir den Eindruck, dass die Benutzung von spezieller Ausrüstung in den Bergen wohl maßlos überbewertet wird, kommt uns doch eine junge Dame entgegen, im halblangem Rock und barfuss! Alfred gelingt ein Beweisfoto:

Der Cottbuser Höhenweg bietet zwar einen tollen Blick ins Pitztal und auf den Geigenkamm, ist aber durch zahlreiche Bergstürze an vielen Stellen verschüttet. Es sind Umwege gebaut worden, die den Weg zwar beschwerlich machen, aber immerhin passierbar halten.

Irgendwann am Nachmittag erreichen wir den Eingang ins Planggeroßtal und können in der Ferne die Kaunergrathütte sehen. Bevor wir den Hauptweg im Tal erreichen, müssen wir noch über einige Geröllfelder klettern. Der Hauptweg geht sich viel besser und verläuft zunächst recht flach. Am Talschluß geht es dann hoch und nach einer knappen Stunde sind die verbliebenen 300 Höhenmeter zur Kaunergrathütte geschafft. Insgesamt waren das 8 h reine Gehzeit mit vollem Gepäck. Es hat gereicht ...

Dort angekommen, lagern wir wieder einmal im abseits gelegenen Winterhaus. Am Donnerstag früh war zunächst schlechtes Wetter, wir bleiben nach dem Frühstück im Gastraum sitzen und Rudi macht mit uns "Knotenkunde". Er demonstriert u. a. die Anwendung des Prusikknotens per Aufstieg zur Decke der Gaststube. Es zieht auf und trocknet ab und Rudi führt uns auf einer Rundtour um die Hütte, über Steinbockjoch und Planggeroßkopf, aussichtsreich und wenig anstrengend. Wir sind zeitig zurück und genießen die gemütliche Hütte.

Die Kaunergrathütte bietet etliche Möglichkeiten der alpinen Ausbildung für Gruppen, die ein Großteil der Belegung bringen. Auch als Station auf dem E5-Fernwanderweg macht die Hütte Sinn, als Tourenbasis für Bergwanderer aber weniger. Ganz bemerkenswert aber ist die Herzlichkeit der Hüttenwirtin Julia Dobler und ihres Teams und deren Fähigkeit, unter eher ungünstigen Bedingungen eine tolle Küche, Gemütlichkeit und Atmosphäre zu schaffen. Schließlich gibt es hier keine Materialseilbahn und die schweren Sachen müssen per Hubschrauber herangeschafft werden.

Am Freitag früh nach klarer Nacht sehen wir die Watzespitze in der Morgensonne - ein Anblick zum Niederknien. Unser Ziel heute ist der Steinbock-Klettersteig am Talschluß des Pitztales unterhalb der Brauschweiger Hütte.

Wir verabschieden uns von den herzlichen Wirtsleuten und gehen talwärts nach Planggeroß. Wegen Knieproblemen mußte ich etwas langsamer gehen. Im unteren Bereich ist der Weg steil und rutschig.

Der Steinbock-Klettersteig war ebenfalls eine Premiere für mich, ich war bisher keinen Klettersteig gegangen. Es hat großen Spaß gemacht, es hat mich auch nicht überfordert, nur hab ich mit einer ungeschickten Bewegung mein Knie weiter lädiert.

Das neue Quartier im Ötztal war das Gästehaus Kuen in Längenfeld. Diese eigentlich ganz normale Pension kam uns nach den Hüttentagen vor wie ein Luxushotel und wir haben erstmal ein ausgiebiges Duschen ohne Zeitbegrenzung genossen und mit zu Hause telefoniert.

An unserem letzten gemeinsamen Tag wollten wir noch zwei leichte Klettersteige im Ötztal durchsteigen. Gleich zu Beginn des Stuibenfall-Klettersteiges wird der Stuibenfallbach auf einer Seilbrücke überquert. Die erste Querung ist einfach, dann folgt eine Verschneidung und über eine steile Kante klettert man weiter hinauf. Man quert weiter die Wand und bei der Schlüsselstelle (Kat. C) ist Muskelkraft und Mut gefragt. Weiter queren wir auf gleicher Höhe die Wand, jedoch ist der Fels durch die Gischt des Wasserfalls nun etwas feucht und glitschig. Schließlich tut sich nun der Blick auf den Wasserfall auf. Senkrecht klettern wir unter die Plattform und sind nun an der oberen Seilbrücke, welche über die Kante des herabstürzenden Wasserfalls führt. Es ist die Herausforderung des Klettersteigs, muss man doch mit nassen Beinen rechnen.

Insgesamt war das ein talnaher durchweg gesicherter Klettersteig mit zwei spannenden Seilbrücken, ideal für Kinder und Einsteiger.

Die Begehung des zweiten Klettersteiges mußte wegen Regens ausfallen.

Damit ist erwiesen, dass auch alpinsportliche Neulinge eine Tour mit Rudi Rohn machen können. Ich fand es toll und würde es gern wieder tun. Vielen Dank an Rudi und die Bergkameraden, besonders an die Fotografen und Videofilmer.

 

Frank Maschler und Roman Kopp

 

 

No Altitude
Trackstatistik: 
0.00Km

Standort

Standort:
Pitztal
Österreich
47° 5' 43.0008" N, 10° 49' 12" E