Gipfelhopping im Allgäu


Untertitel: 
10.06.2006 - 15.06.2006

Gipfelhopping im Allgäu

Entgegen aller Prognosen im Vorfeld, der Juni könnte gerade in diesem schneereichen Jahr für Höhenwege und Klettersteige zu früh und ungeeignet sein, hatten wir geniales Sommerwetter mit besten lauf- und sichttechnischen Bedingungen für das Eintauchen in die überwäl-tigenden Gipfelregionen der Allgäuer Alpen.

Nach unserer Ankunft in der JH Kornau unternahmen wir zum Einstieg eine Kurz-Wanderung auf den 1680 m hohen Besler, mit Start am Riedberger Paß, dessen Gipfel-Plateau sich wie eine mit schroffen Felsbrocken belegte riesige Torte vor uns ausbreitete und ein phanta-stisches Panorama auf die Allgäuer Alpenwelt freigab. Erste kleine Schneefelder waren eine willkommene Einladung, das Laufen und das Verhalten bei Stürzen in abfallenden Schneefeldern zu üben.

Am Sonntag gönnten wir uns von Grän (1138m) im Tannheimer Tal eine Seilbahnfahrt aufs Füssener Jöchle und sparten lockere 683 Aufstiegsmeter. Die futuristisch anmutende Gipfelstation hinter uns lassend führte unser Weg abwechslungsreich durch Schneefelder Richtung Schartschrofen begleitet vom vollen Klangbild der mächtigen Felsbrocken mit all seinen vielfältigen bizarr-spitzen Ausformungen. Das Naturschauspiel fand einen Höhepunkt am Schartschrofengipfel (1937m), wo der türkis leuchtende Haldener See verschwenderisch zu Füßen der schneebedeckten Allgäuer Alpen im Tannhäuser Tal schillerte. Von der Aussicht halbwegs trunken wendeten wir uns dem senkrecht abfallenden Einstieg des drahtseilgesicherten Friedberger Klettersteiges durch die Gelbe Scharte zu - da wir nicht zu den suizid-gefährdeten Hillrunnern gehören - natürlich nur in voller Kletterausrüstung. Jetzt hieß es nur noch den leicht ausgesetzten Verbindungsgrat zu überwinden, um dann über die Judenscharte den Gipfel der Roten Flüh (2111m) zu erklimmen. Beim Abstieg ludt die Sonnenterrasse des Gimpelhauses zu einer ausgiebigen und wohl verdienten Rast ein, bevor wir uns auf den Rückweg zur Talstation machen.

Das Nebelhorn (2224m) und der Hindelanger Klettersteig zogen uns am Montag magisch an und eröffnete uns fantastische Rundblicke bis in die Schweizer Zentralalpen, dem Allgäuer Hauptkamm und den vielen malerischen Alpentälern. Mit der Nebelhornbahn an den Start unserer Kletterei gebracht ging es in ständigem anspruchsvollem Auf und Ab über den schmalen, wild zerklüfteten Felsgrat - über den Westlichen  (2235m) und Östlichen Wengengrat (2207m), über unzählbar viele Türmchen und Gratzacken. Wir passierten einige verschneite Gratschneisen im Gänsemarsch und Hubert führte uns seilgesichert über eine Schneewächte. Einige Eisenleitern halfen, einen beachtlichen Gesamthöhenunterschied auf der ca. 5 km langen Strecke zu überwinden. Ansonsten beschränkt sich die technische Ausstattung auf das Nötigste, so dass wir an teilweise sehr ausgesetzten Stellen nur auf unsere eigenen Fähigkeiten vertrauen konnten.  Kurz vor dem Großen Daumen (2280m) entschlossen wir uns zum Abstieg, um noch die letzte Talfahrt zu erwischen. Die Schotterkare des parallel zum Klettersteig verlaufenden Höhenwegs durchs Koblat blieben uns wegen der Schneefelder erspart und die „Abfahrt“ im Skigebiet an der Nebelhornbahn bereitete große Freude.

Ein wandertechnisches Kontrastprogramm bot der Weg von der Talstation Söllereckbahn bergan, die glühende Sonne immer im Rücken, vorbei am Gasthof Schönblick (1358m), über die Schrattenwang-Alm zum Söllereck (1706m). Von hier aus dem Höhenweg folgend, auch die Autobahn der Alpen genannt, genossen wir herrlich luftige Ausblicke über das Kleinwalsertal auf dem Weg zum Schlappoldkopf (1968m). Im stetigen Auf und Ab ging es vorbei an Gipfelstation Fellhornbahn (2037m) bis zur Bergstation Kanzelwandbahn (2058m) mit Einkehr ins Panorama-Restaurant, um danach den Abstieg/die Abfahrt anzutreten.

Ein letztes Highlight: Der sehr gut versicherte Mindelheimer Klettersteig, bei dem sich kurze luftige Gehstellen mit Klettereien abwechseln. Nach dem Aufstieg zur Fiederepaß-Hütte geht es mal steil mal flach, durch Kamine, Leitern, mittels Drahtstifte hinauf bis unter den Nördlichen Schafalpenkopf (2320m), den Mittleren Schafalpenkopf (2272m), übers Kemptner Köpfl (2191m) bis zur Kemptner Scharte, von der es dann wieder viele Schneefelder querend talwärts ging. Die Balance zwischen den einzelnen Abschnitten war perfekt, die Natur hat verschwenderisch ihre Möglichkeiten ausgebreitet und dabei stets eine gewisse Spannung gehalten durch die immer wieder neu auftauchenden Perspektiven und dem optimal aufeinander abgestimmten Spiel zwischen Leichtigkeit und Anstrengung. Einfach genial.

Zum Schluss bedanken wir uns bei Hubert für die Führung, für die Wahl der „Bilderbuchwege“ und für die brauchbaren Anweisungen: Jürgen, Peter, Gisbert, Alex, Conni und Trudi.

No Altitude
Trackstatistik: 
0.00Km