Neuer Tourenbericht: Wander in und um das idyllische Bergdorf Eggen in Südtirol


Untertitel: 
20.07. bis 27.07.2019

„Wandern in und um das idyllische Bergdorf Eggen in Südtirol“, so lautete die Ankündigung von Wanderleiter Heinz Braun im Bergfreund 1/2019.

Wer Interesse an dieser Wanderung hatte, musste sich schnell entscheiden. Wir haben nicht lange gezögert, auch wenn der Termin 20.07. bis 27.07.2019 noch in weiter Ferne liegt. Da wir noch keine konkrete Urlaubsplanung für das Jahr hatten aber auf jeden Fall eine Bergtour machen wollten hat uns das Ziel in den Dolomiten im wunderschönen Südtirol für den Bergsommer 2019 direkt angesprochen.

Wir hatten Glück und konnten noch 2 Restplätze in der Gruppe ergattern. Zusammen mit Heinz, Ria, Norbert,Petra, Andrea, Marita, Sylvia, Rudolf, Robert, Susanne, Uli und Marianne ging es am 20.07.2019 in das Bergdorf Eggen (1126 m) im Eggental auf dem Südhang des bewaldeten Samberges.

 

Unsere Unterkunft für die kommenden 7 Nächte sollte das Hotel Latemar sein. Ein familiengeführtes Hotel mit 20 Gästezimmern, einem kleinen Wellnessbereich und eine gute Küche erwarteten uns.

Ein großer Teil der Gruppe reiste gemeinsam mit dem Zug an. Der Rest in Einzelregie, Treffpunkt war unserHotel um 19 Uhr zum gemeinsamen Abendessen und zum ersten gemeinsamen Veneziano (dem noch einige folgen sollten). Im Anschluss an das gemeinsame Abendessen hatten wir dann die Gelegenheit das Tanzbein zu schwingen. Unterhalb unseres Hotels, auf dem Dorfplatz fand ein Musikfest der Dorfkapelle Eggen statt, so dass an Schlafen eh` nicht zu denken war.

Der sportliche Einstieg war somit gefunden.

Für die von Heinz geplanten Touren sollte Trittsicherheit, Sc hwindelfreiheit und sicheres Gehen in weglosem Gelände mit Tourengehzeiten bis zu 7 Stunden Voraussetzung sein. Ich war sehr gespannt welche Touren uns in den kommenden Tagen erwarteten.

Im Bann der imposanten Bergmassive Rosengarten und Latemar starteten wir den 1. Tag bei herrlichem Wetter mit einer leichten Wanderung „Rund um den Samberg“, Ausgangspunkt war direkt beim Hotel. Unser Wegführte über den Samweg, einem stellenweise schmalen Weg in größtenteils mäßiger Steigung, vorbei an der Hütte Flecker-Sam zum Almgasthaus Häusler Sam mit Einkehr.Auf unserem Weg haben wir dann schnell feststellen müssen, was ein Sturm und heftige Orkanböen mit bis zu 130 km/h im Oktober 2018 im Eggental angerichtet hat. Die Kraft dieser Böen riss Bäume samt Wurzeln aus dem Boden: 5.900 Hektar Waldbestand in ganz Südtirol sind demSturm zum Opfer gefallen – das ist eineFläche von etwa 8.300 Fußballfeldern. Allein in den Eggentaler Wäldern wurden dabei ca.1000 Hektar, also 1.300 Fußballfelder, umgeworfen. Rund 500.000 KubikmeterHolz fielen zu Boden, dies entspricht in etwa einem Volumen von 12.000 Autobussen. Angesichts der zahlreichen Diskussionen um den Klimaschutz ist es erschreckend das Ausmaß dieser Schäden anzusehen. Teils waren die Wege noch gesperrt und häufig nur mit großer sportlicher Anstrengung passierbar. Wir haben diese Herausforderung angenommen und sind häufig durch ein Meer von umgestürzten Bäumen geklettert. Wir haben uns dabei dieHosen mit Baumharz verschmiert und so manchen Kratzer davongetragen aber auch viel Spaß gehabt. An diesem ersten Tag sind wir auf den ca. 12 km und 500 Höhenmetern aber auch durch grüne, blühende Almwiesen gewandert und an kühlen Bächen vorbeigelaufen, immer mit Blick auf das beeindruckende Latemarmassiv. Nach der entspannten Wanderung und einer relativ frühen Rückkehr zum Hotel haben wir neben dem obligatorischen „Venezinao“ vor dem Abendessen auch noch Zeit gefunden und denWellnessbereich ausprobiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am 2. Tag starten wir unsere Tour mit einer Busfahrt um zu unserem Ausgangspunkt zu gelangen. Geplant war eine Tour durch das Labyrinth am Fuße des Latemar. Zuerst auf einem breiten Forstweg, dann am Steig durch den Wald, erreichen wir die ersten Wegweiser zum “Labyrinth” (Nr. 20). Irgendwann können wir den Weg aufgrund der zahlreichen umgestürzten Bäume nicht weiter passieren und müssen umkehren und einen anderen Weg einschlagen. Der Weg führt uns direkt unterhalb der mächtigen Wände des Latemar entlang mit gigantischem Ausblick. Wir haben das „Labyrinth“ gefunden.

Beim Labyrinth handelt es sich um eine Mondlandschaft, die aus Geröll und Felsbrocken besteht, die wohl imLaufe der Zeit vom Latemar heruntergefallen sein müssen. Und wo soll hier ein Steig durchführen? Wer gut auf die Rot-weißen Markierungen achtet, der wird ihn leicht finden. Richtig klettern müssen wir zwar nicht, aber es geht durch Felsentunnel und über in den Felsen gehauene Stufen.

Am Ende des Labyrints geht es durch den Wald weiter über den Perlenweg in Richtung Karerpass. Der Wegführt uns durch schöne Fichtenwälder, die aufgrund ihrer Lage vom Sturm verschont wurden. Der folgende leichte Weg, weniger spannend als das Labyrinth, aber die Flora und Fauna des Waldes lässt hier noch allerhand entdecken. Der heutige Tag brachte uns auf 13 km und mit 980 Hm etwas mehr Höhenmeter als der Vortag. Zum Abschluss des wunderschönen Wandertages freuten wir uns dann auf das abendliche kulinarische Highlight und den ein oder anderen Veneziano bei Doppelkopf oder Skippo in gemütlicher Runde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am 3. Tag steht ein „Ruhetag“ auf dem Programm. Das heißt wir laufen nur 8 km und 670 Hm auf dem Eggentaler Almwanderweg mit gemütlicher Einkehr und Picknick. Unser Ausgangspunkt ist die Bergstation desSesselliftes "Oberholz", von wo aus wir dem Weg Nr. 22 bis zum Passo Feudo folgen. Direkt unter den Latemarwänden führt dieser Weg, mit vielen lehrreichen und informativen Geschichten, zu den spektakulärsten Aussichtspunkten der Region. Hier zeigt sich uns das Eggental von seiner schönsten Seite, wie auch an allen anderen Tagen bei herrlichem Sonnenschein und wir genießen Ausblicke auf die bekannten Gipfelder Südtiroler Dolomiten Latemar, Weisshorn und Schwarzhorn.

Für Tag Nr. 4 ist die Rotwandumrundung geplant. Wir freuen uns auf eine anspruchsvolle Tour über 2 Pässe und ganz besonders freuen wir uns darauf, ganz nahe an den steilaufragenden Zacken aus weißem Dolomit entlang die absolut „einzigartige monumentale Schönheit“ dieses Gebiets in uns aufzusaugen. Nicht zu Unrecht zählt das Gebiet seit 2009 zum UNESCO-Weltnaturerbe. Auf einer 11 km langen Tour führt uns Heinzgekonnt über 1100 Hm, beginnend mit einer Sesselliftfahrt vom Rifugio Paolina über die Rotwandhütte, den Passo Zigolade überTschagajoch zur Kölnerhütte (2.337). Wir passieren das Christomannos-Denkmal, ein 2,50 Meter hoher bronzener Adler, der sich amWeg zwischen Rotwand und Paolinahütte bewundern lässt und eingelungenes Fotomotiv darstellt. Das kühle Getränk auf der Kölner Hütte hatten wir uns alle verdient, zumal es der Abstieg zur Hütte noch wirklich in sich hatte.

Am 5.Tag führt uns die Hotelchefin Monika durch das Latemar zumTorre di Pisa und zur Latemar Hütte. Auch diese Tour wird als anspruchsvoll beschrieben. 900 Hm und 12 km Wegstrecke liegen vor uns. Der Anstieg erfordert direkt schon einiges an Kondition und führt über die steile Bergflanke hoch in die Felsenwelt des Latemar. Monika hat einen sehr schnellen Schritt und möchte, dass wir den ersten Teil der Tour ohne Pausen schnell durchziehen. Da werden wir alle mal so richtig aufgemischt und versuchen den Schritt zu halten. Fotostop, Blick links und rechts-Fehlanzeige, die Eindrücke müssen anders festgehalten werden. Die letzten Meter führen durch eine Felsrinne hinab in den Gamsstall, der seinen Namen nicht zufällig trägt. Einmal oben angekommen wird das Tempo moderater und wir kommen aus dem Staunen nicht heraus: ein verwirrend-verwinkeltes Felslabyrinth, inmitten einer bizarren und kontrastreichen Felskulisse mit kleinenBergseen liegt vor uns. Nach einer kurzen Mittagspause geht es weiter zur Latemarhütte, an der neuen 2016 renovierten Berghütte genießen wir die traumhafte Aussicht auf 2.671 m.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für den Abstieg haben wir dann etwas mehr Zeit, sodass wir uns auch den schönen kleinen Dingen am Rand des Weges widmen können. Über das erblickte Edelweiß freuen wir uns aber die Aufmerksamkeit der gesamten Gruppe liegt bei der Schokoladenblume. DieSchokoladenblume (schwarzes Kohlröschen) hört sich nicht nur sehr lecker an, sie duftet auch ebenso. Der Schokoladenduft der Blüten hat ihr den auf der Zunge zergehenden Namen gegeben. Auf dem Rest desWeges könnten wir in der Natur entspannen und den schönen Geräuschen des Waldes, wie Vogelgezwitscher oder das Hämmern der Spechte lauschen, wenn da nicht der Sturm wieder ganze Arbeit geleistet hätte und wir uns wieder einmal durch unwegsames Gelände zwischen umgestürzten Nadelbäumen einen Weg hätten suchen müssen.

Unser letzter Wandertag sollte zum Ausklang und im Hinblick auf einen bevorstehenden Wetterwechsel mit Gewittervorhersage nach Maria Weißenstein führen. Sehr gerne wären wir an diesem Tag noch auf dasWeißhorn gestiegen aber bei der Wettervoraussage hat Heinz die alternative Almenwanderung empfohlen. Das war eine gute Entscheidung, wenn auch unsere 12 km lange Rundtour mit nur 400 Hm noch bei herrlichemSonnenschein verlief sollte das Gewitter am Ende der Tour passgenau kommen. Wir starten am Kloster Weißenstein, nach einer kurzen Steigung, die einen tollen Rückblick auf die barocke Kirche von Maria Weißenstein inklusive Dolomitenpanorama bietet, geht es recht flach und gemütlich in Richtung Süden. ÜberAlmwiesen und vorbei an Almhütten schaffen wir es noch gerade vor dem Gewitter zurück zum Bus. Hätten wir die Weißhorngipfel-Variante gewählt wären wir in das Gewitter gekommen, insofern war dieEntscheidung von Heinz absolut richtig.

Ein bisschen wehmütig waren wir dann schon am letzten Abend. Sollte diese schöne Woche mit den wunderschönen und abwechslungsreichen Touren tatsächlich schon vorbeisein?

Leider ja, aber wir hören uns am letzten Abend schon einmal an, welche Pläne Heinz für das kommende Jahr schmiedet und lassen den Abend in fröhlicher Runde ausklingen. Wir sind uns alle einig, dass Heinz die Gruppe sicher geführt hat, dass er die Touren sehr gut ausgesucht hat und damit einen großen Teil zum Gelingen derWoche beigetragen hat.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal einen großen Dank auch im Namen der gesamten Gruppe aussprechen.

 

Text: Petra Paas
Fotos: Heinz Braun

 

 

 

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