Neuer Tourenbericht: Stubaier Alpen


Tourenbericht über die Hochtour durch die Stubaier Alpen vom 22.7.2018 bis 28.7.2018

Im Krefelder Bergfreund 1/2018 wurde von Hubert Asemann, Fachübungsleiter Bergsteigen, diese Hochtour rund um die Dresdner Hütte 2302m ausgeschrieben. Täglich einen Dreitausender von dieser Hütte aus zu besteigen, hatte durchweg seinen Charme.

Da die Ausrüstung für eine Hochtour genügend Gewicht in den Rucksack zaubert, muss das Übernachtungsgepäck und die Wechselkleidung nur im Hüttenauf- und –abstieg getragen werden.

Am 22.7.2018 trafen wir uns um 5.00 Uhr zur gemeinsamen Anfahrt ins Stubaital. Nach mehr als 11 Stunden Fahrt an der Mutterbergalm 1748m angekommen, begann der Hüttenanstieg. Zuvor wurden die Bergseile und die zusätzlichen Echsen auf die Teilnehmer verteilt und dann zur Dresdner Hütte aufgestiegen. 

Am nächsten Tag gingen wir eisfrei auf den Hinteren Daunkopf (3225m), um uns an die Höhe zu gewöhnen. Das Wetter war kühl und die umliegenden Berge wolkenverhangen. Über den Hinteren Daunkopf führt auch der eisfreie Weg zur Amberger Hütte im Sulztal.

Aber bereits am zweiten Tourentag wurden wir mit bestem Wetter und toller Aussicht belohnt. Um 6.30 Uhr wurde gefrühstückt und anschließend machten wir uns über Gamsgarten (Talstation diverser Skilifte 2620m) auf zum Daunkogelferner. Bei einer Höhe von 2700m erreichten wir den Ferner. Unsere Ausrüstung wurde angelegt und noch bevor die Fünferseilschaft den Gletscheraufstieg begann, wurde das Setzen von Eisschrauben geübt. Über den Gletscher stiegen wir zum Grat (3178m) zwischen der Stubaier Wildspitze (3340m) und dem östlichen Daunkogel.

 

In „luftiger“ Gratkletterei erreichten wir den Gipfel des Östlichen Daunkogels (3332m). Auch auf diesem Gipfel waren wir fünf unter uns und genossen die herrliche Aussicht auf die umliegenden Gipfel der Stubaier- und Ötztaler Alpen. Der Abstieg erfolgte über den Aufstiegsgrad zum Daunkogelferner und über den Schaufelferner zur Eisgratstation (2881m). Über den neu angelegten DAV-Weg 102 erreichten wir gegen frühen Abend die Dresdner Hütte.

Am dritten Tag unserer Tourenwoche, stand das „Zuckerhütl“ auf dem Programm. Früh morgens am Eisjoch startend, ging es unterhalb der Schaufenspitze mehr oder weniger weglos hinüber zum Fernaujoch. An der Bergstation des Skilifts „Fernaujoch“ vorbei stiegen wir den Pfaffergrat empor und querten im oberen Teil in Seilschaft den Pfaffenferner. Auf 3212m erreichten wir das Pfaffenjoch. Die kurze Blockkletterei wurde in Seilschaft und mit Steigeisen an den Füßen gemeistert. Das Aus- und Anziehen hätte für dieses kleine Stück zuviel Zeit gekostet. Alle wohl auf dem Sulzenauferner angekommen, machten wir uns unter Huberts umsichtiger Führung sicher zum Aufstieg zwischen Pfaffensattel und Zuckhütl.

Da das „Zuckhütl“ seit Jahren seinem Namen nicht mehr gerecht wird, ist der Gipfelaufbau nur noch im Winter Schnee bedeckt. So ließen wir die Stöcke und Steigeisen am oberen Teil des Sulzenauferner zurück und kletterten die letzten 150 Höhenmeter in Blockkletterei zum Gipfel. Da wir auch an diesem Gipfel fast alleine waren, wurde das herrliche Panorama bewundert und digital festgehalten. 

Nach ausgiebiger Rast machten wir uns an 1200 Höhenmeter Abstieg zur Dresdener Hütte, der uns zuerst wieder über den Sulzenauferner führte. Dieses Bild von Ralf, als Seilletzter, lässt noch einen kleinen Eindruck auf die Steilheit des Geländes zu. Das Pfaffenjoch überquerend und noch einige Meter über den Pfaffenferner als Seilschaft, danach frei über den Pfaffengrad bis kurz von der Bergstation des Fernaujochskiliftes.

Auf den Fernauferner erneut als Seilschaft formiert ging es talwärts. Bei einer Höhe von 2900 Höhenmetern verließen wir das Eis und gingen erst weglos, dann über Skipisten und zuletzt über einen Fahrweg bergab zur Hütte. Rechtzeitig zum Abendessen angekommen, wurde allseits die Bitte geäußert, am nächsten Tag die Seilbahn zu benutzen, nicht für den Aufstieg sondern für den Abstieg. Das Zuckerhütl mit seinen 3505m gehört auch zu einem der „Seven Summits“ des Stubaitals, zurecht wie wir übereinstimmend feststellten.

Am vorletzten Tag sollte nochmal ein eisfreier Dreitausender bestiegen werde. In den frühen Morgenstunden steigen wir zur Schaufelspitze 3333m auf. Damit sollte aber noch nicht genug sein. Gegenüber dem Eisjoch stand noch ein namenloser Dreitausender. Zuerst wurde dieser Berg kurz „Willi“ getauft und dann von den Herren als „Männertour“ erklommen.

Es war jedoch keine Erstbesteigung, denn am Gipfel befanden sich Drahtseile und ein Gipfelkreuz. Caroline und ich verweilten am Grat oberhalb des Windacher Ferners und genossen die Fernsicht ins Windachtal und auf die gegenüberliegenden Ötztaler Alpen und den Geigenkamm.

Nachdem unsere Herren wieder bei uns angekommen waren, stiegen wir über den Windacher Ferner, Bildstöckljoch, Bildstöcklferner und Schaufelferner zur Mittestation Eisgrat 2881m ab und dann per Seilbahn hinab zur Dresdner Hütte. Hubert und Jürgen sind noch ein paar Seillängen geklettert, während Caroline, Ralf und ich auf den Hausberg der Dresdner Hütte, den Egesengrat (2635m), gewandert sind.

Freitag, unser letzter Tourentag, sollte uns nochmal ins Eis führen. Über die Station Gamsgarten erreichten wir wieder den Daunkoglferner. Diesen nun nach Westen in Richtung Daunscharte ansteigend, erreichten wir unterhalb des Westlichen Daunkogls den Grat. Den Gratrücken erkletternd, mussten wir uns mit dem „Vorgipfel“ des Westl. Daunkogels begnügend. Durch den Rückgang des Permafrost war die Steinschlaggefahr zu groß.

Vom Grat wurden wir von Ralf sicher bis zur Randkluft des Sulztalferners abgelassen.

Den sehr steilen Ferner erreicht, gingen wir rückwärts, uns mit unseren Eispicken sichernd, abwärts. Hier ein Eindruck des Geländes (55 Grad).

Über den Sulztalferner gingen wir talwärts bis unterhalb des Daunjochs, den nicht eisfreien Übergang der Dresdner Hütte zur Amberger Hütte. Am Gletscherrand unterhalb des Joch angekommen, standen wir vor einer erneuten Herausforderung. Die 150 Höhenmeter Aufstieg zum Joch waren in losem, nassem Geröll zurückzulegen, welches fast schneller abwärts rutschte, als man aufwärts steigen konnte. In „Laufschritt“ aufwärts erklommen wir das Daunjoch. Über die Aufstiegsroute von unserer Eingehtour des ersten Tourentages (Hinterer Daunkopf) erreichten wir wieder die Dresdner Hütte.

Mein ganz besonderer Dank gilt Hubert Asemann für die tolle Tourenplanung und Durchführung. Außerdem danke ich allen Teilnehmern für die Kameradschaft am Berg. Es hat mal wieder großen Spaß gemacht mit euch in die Berge zu gehen.

 

Text: Renate Harpeng
Fotos: Teilnehmer der Tour

 

 

 

 
 
 
 
No Altitude
Trackstatistik: 
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