Neuer Tourenbericht: Hochtour Venedigergruppe und Zillertal vom 21.07.-26.07.2019


Am Sonntag, den 21.7.2019 machten wir uns um 4.00 Uhr morgens am Niederrhein auf, denn es hieß, spätestens um 15.00 Uhr am Parkplatz Hopffeldboden, auf 1050m, den „Kürsinger Shuttle“ zur Talstation der Hüttenmaterialseilbahn (1.929m) zu bekommen. Nach einer von Staus nicht verschonten Fahrt waren wir um 14.10 Uhr am Parkplatz und auch unser Bergkamerad aus München erreichte das Hüttentaxi noch in der letzten Minute. Die Alternative wäre drei Stunden zusätzlicher Fußmarsch mit vollem Gepäck gewesen. Die Kleinbusfahrt ins obere Obersulzbachtal mit einem Allradkleinbus war schon ein Event.

Von der Talstation der Hüttenmaterialseilbahn machten wir uns an den 1:45 Stunden dauernden Aufstieg zur Kürsinger Hütte (2.558m). Am Abend gab es von Hubert noch eine Einweisung in Sicherungstechniken (z.B. Flaschenzug), welche während einer Hochtour erforderlich sein könnten. 

Am Montag, nach dem Frühstück um 6.30 Uhr, machten wir uns auf unsere „Warmlauftour“. Eine knappe dreiviertel Stunde stiegen wir über den Normalweg in Richtung Keeskogl, bis wir in einer Höhe von 2.800m den markieren Pfad weglos in nordöstlicher Richtung verließen. Bei einer Höhe von 2.950m wurde angeseilt und über den Gletscher zwischen Keeskogl und Bachmayrspitze zog unsere fünfer Seilschaft in weitem Bogen ostwärts und auf den Grat zur Bachmayrspitze. In loser Blockkletterei ging es auf den Gipfel der Bachmayrspitze (3119m). Ein herrlicher Aussichtsberg auf den gegenüberliegenden Großvenediger (3.660m), welcher am folgenden Tag auf dem Programm stand.

Nach kurzer Rast machten wir uns erst über den Grat der Bachmayrspitze hinab zu unseren Stöcken und dann zog die Seilschaft den Gletscher querend hinüber zur Zustiegstelle des Keeskogl Nordostgrats. In zwei Seilschaften kletterten wir den Grat in sechs Seillängen hinauf, wobei die Seilschaft von Jürgen und Alex (welche wechselseitig den Vorstieg übernahmen) als erster am Gipfel den Keeskogls war. Oben angekommen wurde eine ausgiebige Mittagspause eingelegt. (Hier oben gab es Netz, sodass die ein oder andere Nachricht versandt werden konnte, denn auf der Kürsinger Hütte gab es weit und breit keinen Empfang.) Über den Normalweg, teils mit Drahtseilen versichert machten wir uns auf den Abstieg und genossen noch die Abendsonne auf der Hüttenterrasse.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aufstieg zur Bachmayrspitze                                                                       Keeskogel mit Großvenediger

 

Am Dienstag standen wir um 4.30 Uhr auf und gingen um 5.30 Uhr von der Kürsinger Hütte über den Bergweg 902 Richtung Obersulzbachkees los. Nach knapp einer Stunde erreichten wir den Anseilplatz am Obersulzbachkees auf einer Höhe von 2775m. Das Wetter, insbesondere die Sicht waren gut, der Firn war fest und wir erreichten nach 2:30Std die Venedigerscharte auf 3.413m.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aufstieg zur Vendedigerscharte                                                                     Eisgrat zum Gipfel des Großvenedigers

 

Im Südwestbogen über den oberen Keesboden des Schlattenkeeses und dann über einen herrlichen Eisgrat erreichten wir um 10.15Uhr bei „Kaiserwetter“ den Gipfel des Großvenedigers (ca. 3.660m). Da der Großvenediger „noch“ einen Schnee (Eis) Gipfel hat, dieser aber ständig abnimmt, schwanken die Höhenangaben in diesem Jahr zwischen 3.657m und 3.667m. Am Gipfel genossen wir die herrliche Fernsicht auf die umliegenden Tauern und bis weit nach Italien hinein.

 

 

 

 

 

 

Gipfelfoto am Großvenediger

 

Der Abstieg bis zur Venedigerscharte (3.413m) erfolgte über den Aufstiegsweg und dann zogen wir noch nordöstlich auf den Kleinvenediger (3.477m). Hier oben waren wir fünf alleine, genossen die Aussicht und die Ruhe. Erneut zur Venediger Scharte absteigend und über den nun schon etwas sulzig werdenden Obersulzbachkees zurück runter zum Anseilplatz und über den Bergweg 902 zur Kürsinger Hütte.

Am Mittwoch war ein Standortwechsel angesagt: Abstieg zur Talstation der Materialseilbahn der Kürsinger Hütte, Abfahrt mit dem Kürsinger Shuttle zur Hopffeldbodenalm und mit den Pkw nach Bärenbad im Zillergrund. Aufgrund der enormen Hitze nahmen wir den Bus bis zur Staumauer des Speicher Zillergründl und ab der Staumauerkrone in 1:30 Stunden den Hüttenanstieg zur Plaunener Hütte (2.363m). Die Lage der Hütte im östlichen Zillertal ist schon bemerkenswert - besonders die Abendstimmung, während des Sonnenuntergangs

 

Am nächsten Morgen ging es um 7.00 Uhr nach dem Frühstück Richtung Reichenspitze (3.303m), welche wir nach einer Gehzeitvon einer Stunde, einem Anseilstopp von 30 Minuten und weiteren zwei Stunden über Eis erreichten. Nur der letzte Gipfelaufbau von 100 bis 120 Höhenmeter und ein kleines Zwischenstück von vielleicht 50 Höhenmetern war eisfrei. Die Firnauflage war griffig und wir kamen gut voran.

Nach kurzer Gipfelrast gingen wir wieder hinab auf den Kuchelmooskees und zogen nordwestlich auf den Grat zwischen Kuchelmooskopf und Wildgerlosspitze. Über den Nordostgrat des Kuchmooskopf erreichten wir um 13.45 Uhr dem Kuchelmooskopf (3.214m). Das Wetter wurde schon merklich schlechter, sodass wir uns auch zeitnah auf den Abstieg zur Hütte machten. Den Kuchelmosskees auf einer Höhe von 2700m gerade noch verlassend, wurden wir von einem Gewitter geduscht. Gut nass aber bester Laune, erreichten wir gegen 16.30 Uhr die Plauener Hütte.

                                                                                                                        

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aufstieg zur Reichenspitze                                                                          Kuchelmooskopf

 

Am Freitag ging es dann nach gemeinsamen Hüttenabstieg wieder nach Hause.

Mein Dank gilt Hubert Asemann (Fachübungsleiter Bergsteigen) für die Organisation und Durchführung der Tour und Jürgen, Ralf sowie Alex für die Kameradschaft am Berg.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text: Renate Harpeng

Fotos: Privat

 

 

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