Neuer Tourenbericht: Alpine-/Sport-Klettersteige in den Lienzer Dolomiten rund um die Karlsbader Hütte


Bisher wurde im „Krefelder Bergfreund“ noch nicht über die Klettersteigtour in den Lienzer Dolomiten vom 12.08. – 17.08.2018 berichtet. Da aber eine so einzigartige, abwechslungsreiche und phantastisch geführte Tour nicht unerwähnt bleiben darf, wird dies hiermit nachgeholt.

Treffpunkt und Quartier für diese aufregende Wanderzeit war die auf 2.260 m malerisch am Laserzsee gelegene Karlsbader Hütte. Dort fanden wir uns im Laufe des Sonntags am 12.08.2018 ein, nachdem wir alleine oder zu zweit auf unterschiedlichen Wegen angereist waren. Wir, das waren der Tourenleiter Hubert, Trudi und ihr in München lebender Sohn Alexander, Karl und als Neuzugang zu dieser seit Jahren eingeschweißten Truppe, meine Person - Christiane. 

Bergpanorama an der Karlsbader Hütte

Auf der Hütte bezogen wir in 5er-Belegung ein 6-Bettzimmer und stiegen sofort in die Planung der folgenden Tage sowie in die Erkundung der näheren direkten Umgebung der Karlsbader Hütte ein. Die Hütte ist umgeben von imposanten Wänden der Lienzer Dolomiten, es befinden sich zudem zahlreiche größere und kleinere Kletterfelsen in unmittelbarer Nähe. Dementsprechend stark war diese Hütte mit Tages- und Mehrtagesgästenfrequentiert, diesen Ansturm meisterte jedoch ganz souverän ein eingespieltes Hüttenteam. 

Da uns lt. Wetter-App am folgenden 1. Wandertag das für die gesamte Woche beste Wetter mit den meisten Sonnenstunden vorhergesagt wurde, fiel die Tourenentscheidung für diesen Tag auf die längste der geplanten Touren, den Panoramaklettersteig mit Schwierigkeiten bis C/D. Am folgenden Tag starteten wir also nach einem zügigen Frühstück am reichhaltigen Frühstücksbuffet diese Tour mit einem Anstieg bis zum Fuß der Südflanke des Kleinen Laserzkopfes. Von da aus führte uns der Klettersteig mit einer Steiglänge von 3.600 m über den höchstgelegenen Gratkamm der Lienzer Dolomiten - über den Kleinen Laserkopf (2.690 m), den Großen Laserzkopf (2.718 m), hinunter in die Galitzenscharte und wieder hinauf bis zur Großen Galitzenspitze (2.710 m), über die Kleine Galitzenspitze (2.710 m) wieder hinab in die „Böses Schartl“, um in einem erneuten Anstieg über den Daumen (2.720 m), einem weiteren Abstieg und dem letzten Anstieg auf die Große Sandspitze (2.772 m), den höchsten Gipfel der Lienzer Dolomiten zu erreichen. Die Anstrengungen dieser langen Tour wurden mit imposanten Tiefblicken und herrlichen Aussichten auf die Bergwelt Osttirols entschädigt. 

Panaoramaklettersteig auf die große Sandspitze Große Sandspitze (2.770 m)

Der zweite Wandertag führte uns über den Seekofel-Klettersteig mit Schwierigkeiten bis C. Nach dem Anstieg bis zur Ödkarscharte auf 2.596 m ging es von der Scharte aus in den Klettersteig, der eine Steiglänge von nur 500 m hat, aber dennoch nicht zu verachten und zu unterschätzen ist. Zunächst ging es stetig bergan hinauf bis zum Eggerturm (2.699 m). Von dort nach einem kurzen Ab- und Wiederaufstieg sowie einer Gehpassage bis zum schönen Gipfelkreuz des Seekofels auf 2.744 m. Da es im Klettersteig einige ungesicherte, teils stark ausgesetzte Gehpassagen und im Bereich des Eggerturms eine klettertechnisch anspruchsvolle, ausgesetzte Passage gibt, hatte auch diese Tour einen alpinen Charakter und erforderte hohe Trittsicherheit. Nach eingehender Pause auf dem Seekofel ging es auf dem gleichen Weg – allerdings mit der Umgehungsvariante des Eggerturms – wieder bis zur Ödkarscharte und von dort zur Karlsbader Hütte zurück.

Auch der dritte Wandertag hielt mit dem Madonnenklettersteig bei Schwierigkeiten bis C eine einzigartige Tour für uns bereit. Zunächst ging es aufwärts bis zur Scharte „Kerschbaumer Törl“ und nach einem kurzen Abstieg zum Einstieg in den Klettersteig an der Südseite der Großen Gamswiesenspitze. Im ersten Teil dieses Klettersteigs ging es stetig bergan bis zum ersten Höhepunkt – einer 16 m langen Hängebrücke. Im weiteren Anstieg bis zur Großen Gamswiesenspitze (2.488 m) erblickten wir hoch über uns die namengebende „Felsenmadonna“. Vom Gipfel der Großen Gamswiesenspitze ging es abwärts bis zur Gamsschartl auf 2.369 m um dann im zweiten Teil dieses Klettersteigs über die großen, steilen Platten der Nordwand und einem Zackengrat zunächst den West- und dann den Ostgipfel der Kleinen Gamswiesenspitze (2.554 m) zu erreichen. Wie schon an den vorherigen Tagen boten sich uns auch auf dieser Klettersteigtour von vielen Stellen in luftiger Höhe eindrucksvolle Rundblicke auf die Osttiroler Bergwelt.

Madonnenklettersteig

Der folgende vierte Wandertag war leider auch der letzte, denn aufgrund dessen, dass die Sektion Karlsbad ab Freitag, 17.08.2018 ihr Sektionstreffen in ihrer Hütte abhielt und so zahlreich anreiste, blieben dem Hüttenwirt keinerlei Schlafplätze zur freien, anderweitigen Verfügung übrig. Diese Info erreichte uns leider erst kurz vor unserer Anreise. Daher beschlossen wir, am Donnerstag die letzte Tour zu machen und Freitag nach dem Frühstück den Heimweg anzutreten. 

Zuvor aber sollte uns noch ein wunderschöner Tag bevorstehen. An diesem Tag unternahmen die Männer eine Tour über den Laserz-Klettersteig mit Schwierigkeiten bis D, während wir Frauen es eher beschaulicher angingen ließen und mit einer schönen Wanderung den Urlaub ausklingen ließen. Der Laserz-Klettersteig ist ein schöner, anspruchsvoller Klettersteig durch die Westwand der Kleinen Laserzwand. Aufgrund seiner enormen Steilheit und anhaltenden Schwierigkeiten meist im B/C-, aber mehrfach auch im D-Bereich ist er eine echte Herausforderung für ausdauernde, konditionsstarke Klettersteiggeher. Unsere erfahrenen und ausdauernden Herren aber bewältigten natürlich auch diese Tour mit Bravour. 

 Blick in den Talkessel mit Laserzsee und Karlsbader Hütte 

Mir bleibt der Rückblick auf einen viel zu kurzen, aber wunderschönen Klettersteigurlaub, der mich gefordert, aber nicht überfordert hat. Dies verdanke ich nicht zuletzt unserem hervorragenden Tourenleiter Hubert, der mich als Greenhorn in dieser sich schon lange vertrauten Gruppe optimal betreut hat. Die Tourenvorbereitung, die tägliche Tourenplanung, die Absicherungen hinsichtlich des Wetters, die zusätzliche Ausrüstung, die Hubert für eventuelle Notfälle zu schleppen hatte, sein umfangreiches Wissen und hilfreichen Tipps haben mich bestärkt, diese Tour anzutreten, gut durchzuhalten und mich dabei die ganze Zeit sehr sicher zu fühlen. Ich werde die aufregenden Momente hoch oben in den kargen Felsen der Lienzer Dolomiten, die grandiosen Blicke in die Weite und die Tiefe, aber auch die netten anregenden Gespräche in der Gruppe und die lustigen, viel belachten Gute-Nacht-Witze so schnell nicht vergessen – daher gilt mein Dank der gesamten Truppe und im Besonderen Hubert ☺!

(Dank Trudi könnt ihr gerne bei You Tube einige Eindrücke gewinnen!)

Text und Fotos: Christiane Feldhoff

 

 

 

 

 

No Altitude
Trackstatistik: 
0.00Km