Kühne alpine Klettersteige im Wilden Kaiser und in den Zillertaler Alpen mit Olperer


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21.08.2011 - 27.08.2011

21.08. - 27.08.2011

Mit besten Wetteraussichten für die Woche starteten wir (unser Führer Hubert, mein Mann Theo, Trudi, Jürgen, Gerd, Karl und ich) am Sonntagmorgen um 5 Uhr in Richtung Kufstein, unserem ersten Ziel. Die Temperaturen unterwegs ließen uns bereits ahnen, was uns beim Hüttenaufstieg erwartete. Gegen 13 Uhr wurde Kufstein (500m) erreicht und bei Temperaturen jenseits der 30° C packten wir die Rucksäcke (mit mehreren Wasserflaschen) um zum Anton-Karg-Haus (859 m) aufzusteigen.

Bereits nach einer Stunde machten sich die hohen Temperaturen bemerkbar. Der Schweiß lief in Strömen und bald waren die ersten Wasserflaschen leer. Zum Glück verlief der Weg überwiegend im Schatten und so erreichten wir nach ca. 2 Stunden unsere Hütte. Den restlichen Tag verbrachten wir mit Schlafen (Gerd, der die ganze Strecke gefahren war), viel Trinken und Erkundung der Wegstrecke für den nächsten Tag (Trudi und ich) oder Relaxen.

Am Montag ging’s dann endlich richtig los. Der Kufsteiner Klettersteig stand auf dem Programm (bis D).Leider zeigten sich beim Zustieg bereits die ersten Folgen der hohen Temperaturen. Trudi entschied sich am Einstieg zur Umkehr. Auch die anderen lechzten nach der Wasserflasche, als der Einstieg erreicht wurde.

Nach kurzer Trinkpause begann eine schöne abwechslungsreiche Kletterei, die von allen bestens gemeistert wurde. Auch hier war das Glück auf unserer Seite, denn die Route verlief überwiegend im Schatten und bis auf 2 junge Frauen und einen Einzelgänger waren wir alleine unterwegs.

Mit ausgetrockneter Kehle gelangten wir nach ungefähr 2 Stunden aufs Untere Gamskarköpf (1975 m). Wir waren (laut Hubert) mal wieder zu schnell unterwegs. Mit Rücksicht auf seine angeschlagenen Knie verzichtete Gerd auf den weiteren Aufstieg zum Sonneck (2260 m) und machte sich an den Abstieg. Die restlichen fünf stiegen in der sengenden Mittagshitze weiter und erreichten gegen 13 Uhr das Sonneck, das uns eine herrliche Rundumsicht auf das Vintschgau bot. Als wir unsere Brotzeit auspackten, fand sich schnell eine Gruppe von Bergdohlen ein. Ein paar ganz furchtlose ließen sich von Hubert aus der Hand füttern. Nun wollte Hubert es wissen.

Eine besonders freche Dohle, völlig unbeeindruckt von Huberts Warnung, kam immer näher bis schnapp! Sie von Hubert gepackt wurde. Ein lautes Gekreische und Geschrei ertönte (das dem Krächzen von Krähen wesentlich ähnlicher war, als die üblichen Fieptöne der Dohlen) und im ersten Augenblick dachten alle, dass die anderen Vögel angreifen würden, doch dann kreisten sie nur aufgeregt in der Luft um sich schnell wieder zu beruhigen, als das gefangene Tier wieder frei gelassen wurde.

Der Abstieg zum Anton-Karg-Haus zog sich in die Länge, da mehrere Schluchten durchquert werden mussten und die Wasserflaschen fast leer waren und das bei über 30°C selbst im Wald. Jedoch nach einer Abkühlung im Gebirgsbach, kehrten unsere Lebensgeister wieder zurück und nach 45 min (nach Huberts Ansage 15 Minuten!) erreichten wir unsere Hütte (auch Hinterbärenbad genannt). Es gab zwar keine Bären, dafür aber 2 muntere Esel (Waltraud und Emma), die besonders viel Hunger auf die Kräutertöpfe der Hüttenwirtin hatten.

Außerdem gab es ein Wasserbecken, dessen Wassertemperaturen ca. 10°C (oder auch weniger) betrugen. Unsere Männer, unbeeindruckt der niedrigen Temperaturen, nahmen einer nach dem anderen, ein Tauchbad. Ich zog die kalte Dusche im Waschraum vor. Beim Abendessen wurde beschlossen, angesichts der hohen Temperaturen, die für den nächsten Tag geplante Tour zum Ellmauer Halt fallen zu lassen und stattdessen zum Stripsenjochhaus aufzusteigen.

Gesagt getan, wir erreichten am Dienstag nach weniger als 2 Stunden (und wieder viel zu schnell (Hubert!)) auf einem schönen Steig durch den Wald das Stripsen­joch­haus. Diese Hütte liegt im Übergang vom Zahmen zum Wilden Kaiser und bietet eine fantastische Aussicht. Nach einer Trinkpause ging’s auch schon weiter in Richtung Übungsklettersteige. 3 kürzere Routen (C/D) auf den Hundskopf, (B/C) unschwer auf den Unteren Stripsenkopf und nur mit ziemlicher Armkraft zu bewältigen (E) auf den Oberen Stripsenkopf. Mit Huberts Seilsicherung erreichten alle Teilnehmer nach etwa 45 Minuten, das heutige Tagesziel, den Stripsenkopf und wurden mit einer super Aussicht belohnt.

In der sechseckigen Gipfelhütte waren die Gipfel in allen Himmelsrichtungen auf Bildtafeln gekennzeichnet. Die Temperaturen waren zwar hoch, aber im Vergleich zum vergangenen Tag viel erträglicher. Im Abstieg mussten wir eine Kuhweide überqueren. Die Kühe hatten zum Glück keine Hörner, doch bei ihrem Anblick erinnerte sich Hubert an einen Zwischenfall mit einer Kuhherde und seiner Familie. Der weitere Abstieg durch den Wald verlief sehr kurzweilig, da Karl (unser Experte) Interessantes von seiner Arbeit mit Pilzen und Pflanzen erzählte. Am Anton-Karg-Haus wieder angelangt, wurden fast! alle Hüllen fallen gelassen um ein Abkühlungsbad im hütteneigenen Wasserbecken zu nehmen. Hubert und Jürgen wagten sich sogar in den noch! kälteren Bach. Nass und zufrieden ließen wir den Nachmittag bei leckerem Kuchen und Kaffee ausklingen.

Am Mittwochmorgen hieß es Abschied nehmen vom Wilden Kaiser, denn unser nächstes Ziel der Ginzlinger Klettersteig (E) im Zillertal, stand auf dem Programm. Das schöne Wetter lies bereits um 8 Uhr die hohen Tagestemperaturen erahnen und so machten wir uns auch rasch auf den Weg nach Kufstein. Der Schweiß lief wieder in Strömen, so dass wir keine längere Pause einlegten und nach ca. 1 Stunde Autofahrt Ginzing im Zillertal erreichten. Nun stand uns der schwierigste Klettersteig der Tour bevor, doch nach der gestrigen Übungskletterei waren alle recht optimistisch.

Nach einem kurzen Zustieg zeigte sich aber, dass es sich hier um einen anspruchsvollen Steig handelte. Der Schweiß lief in Strömen und kurze Zeit später „schwächelte“ mein Mann und brauchte Seilunterstützung. Auch Trudi ließ sich gerne ans Seil nehmen. Beide verzichteten dann auf das letzte und schwierigste Drittel und gönnten sich etwas Muße im Eiscafe. Die restliche Gruppe nahm den 3. Abschnitt in Angriff. Erstaunlicher Weise empfand ich diesen Teil längst nicht so schwer wie erwartet. Eine kurze Pause vor der Schlüsselstelle, rechtzeitig die Sicherung umgehängt und 2 3mal zugepackt und geschafft. Die „E-Stelle“ lag hinter mir. Fast unschwer verlief der Steig bis zum Ausstieg.

Trinken war jetzt angesagt, denn bei diesen Temperaturen konnte man den Wasserbedarf fast nicht decken. Wieder zurück beim Auto wurden die Rucksäcke umgepackt, denn am nächsten Tag sollte es über den Gletscher zum Olperer gehen. Klettersteigsets wurden gegen Eispickel und Steigeisen ausgetauscht. Auch Mütze und Handschuhe durften nicht fehlen. Die Weiterfahrt zum Schlegeisstausee dauerte länger als geplant, da die Durchfahrt durch die Tunnels nur einspurig befahrbar war. Da wir bis 18 Uhr die Olperer Hütte noch erreichten wollten, hielten wir uns am Stausee nicht länger auf. Das Gewicht des voll beladenen Rucksacks drückte mich mit zunehmender Wegstrecke immer mehr und ich war froh, als die Hütte endlich in Sicht kam. Die neu erbaute DAV-Hütte (2380m) bietet eine grandiose Aussicht über die Zillertaleralpen, die man vom Gastraum aus durch eine Glasfront genießen kann. Nicht nur deshalb herrschte hier reger Betrieb.

Der nächste Morgen begann früh (6 Uhr!) mit einigen Pannen. Die Zeitschaltuhr für die Kaffeemaschine und das heiße Wasser war falsch eingestellt, so dass wir eine gute halbe Stunde auf unser Frühstück warten mussten. Ohne Trudi (sie machte ihren Blumen-Hüttentag) ging’s mit ziemlicher Verspätung los in Richtung Gletscher. Offensichtlich war ich mit meiner Müdigkeit nicht die einzige, denn nach dem Anlegen der Steigeisen stellte Hubert (leicht sauer!) fest, dass wir dazu 45! Minuten gebraucht hatten, was den ganzen Zeitplan durcheinander brachte.

Zügig, aber nicht zu schnell marschierten wir über den flacheren Teil des Gletschers, wo im Winter Schibetrieb war. Jetzt war der untere Teil von weißen Planen abge­deckt. Das Eis war nicht sehr hart und das Gehen recht einfach, wenn es nur nicht so warm gewesen wäre. So klein der Gletscher von unten aussah, umso länger zog er sich, je höher wir kamen. Kurz vor Erreichen der Schipiste von Hintertux hatten wir noch ein paar einfachere Spalten zu überwinden. Wegen eines Slalomtrainings mussten wir unsere Ideallinie verlassen und etwas nach rechts ausweichen.

Das Gletscherschigebiet mit seinen dreckigen nassen Pisten sah wenig einladend aus und nur wenige Unermüdliche zogen ihre Bögen. Oben am Sattel, wo der Nordgrat beginnt, musste man schon deutlich konzentrierter gehen und den Eispickel richtig einsetzen, denn nun begann der steilere Teil des Gletschers, der zum Eisteig in den Felsgrat führte. Über die Randspalte erreichten wir die Einstiegsstelle ohne Pro­bleme. Der Aufstieg über den Grat bestand aus einfacher Kletterei, die man auch ohne Seil hätte machen können. Doch an den ausgesetzten Stellen waren wir sicher etwas entspannter als wenn es ohne gewesen wäre. Hubert und Jürgen führten je eine Seilschaft an.

Einige weitere Klettergruppen, z.T. mit Bergführer, waren von Hintertux in den Grat aufgestiegen. Mittags erreichten wir den zugigen Gipfel des Olperers (3476 m), der von einer großen Kumuluswolke abgeschattet wurde. Sabine hatte sich schon unterwegs den Anorak angezogen. Wir beglückwünschten uns alle zu dieser schönen Tour. Für Sabine und mich war es die erste Hochtour nach über 25 Jahren und die erste gemeinsame. Auch meine Bergschuhe waren somit in die Jahre gekommen, doch da ich immer gut damit gelaufen war, wollte ich sie noch mal probieren. Um sicher zugehen, dass nicht doch Probleme auftreten, hatte ich die Schuhe vorher im Klettergarten getestet und für gut befunden. Beim Abstieg kam nun was kommen musste. Innerhalb von 10 Minuten lösten sich an beiden Schuhen erst vorne, dann hinten die Vibramsohle.

Doch der bergerfahrene Gerd hatte Tape und Kabelbinder dabei, so dass wir die Schuhe behelfsmäßig reparieren konnten. Ansonsten hätte ich wohl oder übel mit den Innenschuhen die größte Schutthalde der Zillertaler Alpen hinunterlaufen müssen, was sich auch so schon elendig lang hinzog. Auf vertrauten Pfaden erreichten wir schließlich die Hütte, wo wir nach einem guten Essen und einigen Schnäpsen die nötige Bettschwere erreichten. Die reparierten Schuhe - Gerd sei Dank -hielten sogar noch den Abstieg zum Parkplatz am nächsten morgen, von wo aus wir zu unserem Abschlussklettersteig, dem Gerlosstein-Klettersteig (bis D) aufbrachen. Bei schönstem Wetter erreichten wir mit der Gondel die Gipfelstation der Gerlossteinbahn und nach 0,5 h leichtem Fußmarsch den Einstieg. Nach 4 Tagen Training stiegen wir alle zügig (wieder viel zu schnell!) durch die Nordwand zum Gipfel zumal es im Schatten nicht so heiß war. Für unsere Begriffe gab es zwar zu viele Eisenstifte in der Wand, trotzdem war das Klettern purer Genuss.

Eine Woche Superwetter, das war dieses Jahr schon etwas Besonderes. Da war der Regen bei der Rückkehr zuhause schon fast eine gelungene Abwechslung. Fast hätte ich es vergessen, auf der Rückfahrt bei München hatten wir noch mal 38° C Außentemperatur und viel Stau. Vielen Dank an Hubert für die sehr gute Organisa­tion und Betreuung, Dank an alle anderen Teilnehmer für eine unvergessliche Berg­woche.

Sabine und Theo

No Altitude
Trackstatistik: 
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