Mehrseillängenkurs - Klettern in Belgien


Untertitel: 
27.04.2012 - 29.04.2012

Mehrseillängenkurs im Klettergebiet bei Namur, Belgien

Nach den Übungseinheiten in der Krefelder Halle konnten Bernd und ich uns am Samstagmorgen endlich auf den Weg machen in die Wallonie. So trafen wir in Maillen an der Herberge „Chaveehut“ die verabredete Gruppe wieder, also Sabine, Theo, Daniel, Jürgen, Trudi, Ernst und unsere Kursleiter Rudi und Hubert.

Zufälligerweise fand an diesem Wochenende eine Autoralley in der Gegend statt, was uns zwar bei der Fahrt zu den Kletterfelsen zu einigen Umwegen zwang, jedoch so auch ein paar Blicke mehr auf die charmant- urtümlich anmutenden Dörfer und prächtigen Chateaus verschaffte.

Ein optimales Wetter, trocken, mit moderater Temperatur und verhaltenem Sonnenschein versprach einen tollen Tag; der Kletterspaß konnte beginnen!

An den Felsen, den Rochers de Marche-les-Dames angekommen, dauerte es nach den Absprachen nicht lange, bis dann endlich der erste Fuß auf das griffige Kalkgestein gesetzt werden konnte.

Bereits beim Einstieg in die gewählte Route war klar, dass sich im Kontrast zum Hallentraining erst hier draussen die ganze Begeisterung für den Klettersport entfalten kann. In voller Konzentration beim Vorstieg, Meter für Meter weiter nach oben gelangend, nimmt man die Natur sehr intensiv war. Die komplexe Beschaffenheit des Felsens machte es zum Genuß, geeignete Tritte und Griffe für den individuellen Weg nach oben zu finden.

Die zur Verfügung stehenden Standplätze waren teils komfortable, aber auch teils knappe Vorsprünge, auf denen es eine Herausforderung war, das Seil gut vorbereitet und krangelfrei beim Einholen über den Fuß zu legen und damit am Platz zu halten.

Aufgrund der Nachbarschaft zu anderen Klettergruppen war die Kommunikation für die Seilkommandos nicht ganz einfach, zumal man zu seinem Partner bei der Höhe häufig keinen Sichtkontakt mehr hatte. Da zeigt sich der Sinn, sich vorher mit seinem Partner über  eindeutige Zeichen am Seil abzusprechen, wie beispielsweise dreimaliges Rucken für „Nachkommen“.

Unter den neugierigen Blicken von Touristikschiffpassagieren und anderer „Zaungäste“ unten auf der Straße kraxelten wir also in Zweier- oder Dreierseilschaften hoch bis zur sich verjüngenden Spitze des „Zahns“. Dort wartete ein besonderes Schmankerl auf mich: erstmaliges eigenhändiges Abseilen, und zwar direkt an einem scharfen Überhang ohne Vorahnung auf das, was mich erwartet. Eine Feuertaufe, die es in sich hatte!

Unter professioneller Anleitung von Rudi und Hubert und der nötigen Portion Vertrauen in mich selbst und der Ausrüstung gelang dies aber schließlich ganz passabel. Welch ein Höhepunkt im wahrsten Sinne!

 

Nach kurzem Fußmarsch unten an den Einstiegen wieder angekommen meldeten sich meine Zehen in den Kletterschuhen und machten mir klar, dass ein ganzer Klettertag in dieser Presspassung ein Riesengaudi wird – ergo: für die nächste Tour kommen die Schläppchen eine Nummer größer in die Tasche!

Die letzte Route des Tages, entlang eines vertikalen Risses verlangte neben einer anderen Klettertechnik noch einmal meine volle Aufmerksamkeit um sauber oben anzukommen. Schweißtriefend und mit zufriedenem Grinsen ließ ich mich am Standplatz neben Hubert nieder, um noch das Panorama über das Flusstal zu genießen und gespannt zu schauen, wie der Aufstieg unserem dritten Partner Bernd glückte.

Nach letztem Abseilen machte ich mich mit leichtem Stolz und Dankbarkeit über die geglückten Routen und Aktionen dieses Tages mit der Gruppe auf den Rückweg zurück zur Hütte.

 

Herzlich begrüßt vom Hüttenwirt und seiner Frau stürzten sich sodann alle über das schmackhafte und zum Glück reichhaltige Abendessen, um die Akkus wieder aufzufüllen. Im Laufe des Abends kamen dann bei allerlei Erfahrungsaustausch, Fachsimpelei und lustigen Geschichten so einige charaktervolle belgische Biere oben drauf.

 

Am nächsten Morgen stärkten wir uns bei einem munteren Frühstück für den nächsten Kletterfelsen an der Maas. In der Hoffnung, dass sich der Morgennebel durch die irgendwo versteckte Sonne auflösen würde, fuhren wir zu den Rochers de Néviau bei Dave.

Durch den Regen in der Nacht war die Beschaffenheit des Steins hier ganz klar eine andere Herausforderung als am vorherigen Tag. Zwar offensichtlich nicht naß, hatte der Felsen jedoch eine Feuchtigkeit inne, die ihn „speckig“ erschienen ließen.

Obschon der Himmel Wolkenauflösung andeutete, fing es auf halber Strecke dann doch leider zu regnen an und es zog sich wieder zu. Zwar nicht stark, aber genug, um uns alle in volle Konzentration zu versetzen, insbesondere den nächsten Tritt richtig zu wählen. Ein Sturz im Vorstieg kann im Gegensatz zur Hallenumgebung aufgrund der Felsvorsprünge schließlich eine unangenehme Erfahrung werden.

Auf der obersten zerklüfteten Felskuppe angekommen, wahrscheinlich auch hier etwa in 50 Meter Höhe beschlossen wir, kein weiteres Risiko einzugehen und es bei diesem Aufstieg zu belassen. Nach dem „Gipfelfoto“ mit Kletterpartner Daniel in gemeinsamer stolzer Pose marschierte ich in Gedanken hinunter ins Tal, erfüllt vom Nachsinnen auf die Erfahrung dieses Aufstiegs, der keine optimalen Bedingungen bot, aber dadurch besonders wertvoll war.

Die nächsten zwei Stunden nutzten wir unter einem Überhang für eine ausgiebige Technikeinheit unserer Fachübungsleiter Rudi und Hubert. In ihrer gewohnt herzlichen Art brachten sie uns das richtige Setzen von Klemmkeilen und „Friends“, das „verspannte Kraftdreieck“ und den Expressflaschenzug für den jeweiligen Einsatzfall nahe.

Dieses Wochenende hat mich auf viele Fragen zu Herausforderungen gestoßen, vor die man gestellt werden kann bei einer Seilschaft am Fels. Teils konnte ich mir bereits die Antworten selbst „erklettern“, teils kann ich sie nun versuchen gedanklich durchzuspielen und mit den anderen zu besprechen.

Unter professioneller und herzlicher Anleitung von Hubert und Rudi durfte ich somit vielseitige Klettererfahrungen in schöner Natur sammeln. Das tolle Miteinander in der Krefelder Gruppe, locker und fröhlich, aber stets sicherheitsbewusst, bringt mich in Vorfreude auf die nächste Gelegenheit, gemeinsam draussen unterwegs zu sein.

Thorsten Bøckman

No Altitude
Trackstatistik: 
0.00Km